121926.fb2
Mike fuhr bei diesen Worten so heftig zusammen, daß Trautman mitten im Wort verstummte und ihn aufmerksam ansah. »Was ist?« fragte er. »Hast du etwas entdeckt?«
Mike blickte noch eine Sekunde konzentriert nach draußen, aber vor dem Zelt rührte sich immer noch nichts. Hastig ließ er die Zeltplane wieder zurückfallen, ging zur anderen Seite und spähte unter dem Rand der Plane hindurch. Das Wasser, durch das sie gekommen waren, lag scheinbar zum Greifen nahe vor ihm. Der Fluß glitzerte silbern im Sternenlicht, und zu beiden Seiten erhoben sich die schwarzen Umrisse der Dornenbüsche, die ihn flankierten, wie eine bizarre Burgmauer. Und dahinter...
Es mußten vier oder fünf der Echsenmänner sein, die durch das Wasser auf sie zugewatet kamen. Sie bewegten sich nicht sehr schnell, aber sehr zielstrebig. Und sie waren nicht allein. Mike mußte zweimal hinsehen, um die Geschöpfe zu erkennen, die sie begleiteten. Die Dinosauroiden hielten lange, geflochtene Leinen in den Händen, an denen sie etwas wie eine verkleinerte Ausgabe der Raptoren führten, die Mike und die anderen am vergangenen Abend angegriffen hatten. Die Tiere waren allerhöchstens so groß wie ein Rebhuhn und sahen mit den viel zu groß geratenen Händen und Füßen beinahe tolpatschig aus -aber was sie taten, das war eindeutig: Sie hatten die Köpfe gesenkt und schnüffelten emsig, und auch wenn es Mike fast unglaublich vorkam -sie schienen ihre Spuren selbst im Wasser deutlich verfolgen zu können.
»Hunde!« keuchte er erschrocken. »Sie haben Hunde!« »Hier gibt es keine Hunde«, antwortete Mason automatisch.
»Aber etwas, was den gleichen Zweck erfüllt«, antwortete Mike. Er fuhr herum und sprang mit einem Ruck auf die Füße. »Sie haben unsere Spur gefunden! Dort kommen wir jedenfalls nicht mehr raus. « Trautman wandte sich mit erstaunlicher Ruhe an Mason. »Gibt es einen anderen Weg aus dem Lager?Überlegen Sie! Sie sind seit zwei Tagen hier!« »Wir sind keinen Schritt aus dem Zelt gekommen«, antwortete Mason. »Aber es gibt keinen anderen Weg, glauben Sie mir. «
Doch, den gibt es, sagte Astaroth. Schnell! Ich glaube, sie wissen jetzt, wo ihr seid. Beeilt euch! »Astaroth hat einen Weg gefunden!« sagte Mike. »Schnell jetzt! Raus hier!« »Und wohin?« fragte Trautman. Mike hatte schon dazu angesetzt, loszustürmen, blieb jetzt aber abrupt wieder stehen. Trautman hatte recht. Astaroth war irgendwo draußen, aber er hatte nicht die geringste Ahnung, wo. Wenn sie blindwütig losstürmten, würden sie nur den Dinosauroiden und ihren Hunden in die Arme laufen.
»Wer ist dieser Astaroth?« wollte Mason wissen. Wie auf ein Stichwort hin raschelte es in diesem Augenblick an der Zeltplane vor dem Ausgang, und Astaroth steckte sein einäugiges Katzengesicht zu ihnen herein. Wie lange soll ich eigentlich noch auf euch warten? erkundigte er sich. Oder wollt ihr vielleicht hierbleiben und eine Runde Karten mit den Fischgesichtern spielen?
»Das ist Astaroth«, sagte Trautman mit einer Geste auf den Kater.
Mason ächzte. »Eine Katze?« keuchte er. »Sie wollen, daß wir uns der Führung einer Katze anvertrauen? Das ist nicht Ihr Ernst!«
»Er ist ein Kater, keine Katze«, sagte Mike hastig.
»Außerdem sieht er nur aus wie ein normaler Kater, keine Sorge. Er weiß genau, was er tut. « »Aber du anscheinend nicht, Junge«, sagte einer der beiden anderen Männer kopfschüttelnd. »Ich werde ganz bestimmt nicht -«
»Sie können ja hierbleiben«, unterbrach ihn Trautman grob. »Wir verschwinden jetzt jedenfalls. Astaroth
- los. «
Selbst Mike war über Trautmans barschem Ton ein wenig erstaunt, denn das war normalerweise gar nicht seine Art. Aber normalerweise befanden sie sich auch nicht inmitten einer Armee von zwei Meter großen Dinosauriern und von Echsenwesen, die nahe daran waren, sie zu entdecken und gefangenzunehmen. Ohne weiter auf die Proteste des Mannes zu achten, verließen sie das Zelt und kauerten sich in der schützenden Dunkelheit vor dem Eingang zusammen. Mike sah sich mit klopfendem Herzen um. Nur wenige Meter neben ihnen glomm die rote Glut eines vor noch nicht langer Zeit erloschenen Feuers in der Nacht, und er glaubte vage, ein paar langgestreckte Umrisse davor wahrzunehmen. Aber wenn es Dinosauroiden waren, so schliefen sie tief und fest. Wie es schien, hatten sie zumindest im Augenblick das Glück gepachtet. Leider schien es nur so.
Hinter ihm verließen Trautman, Singh und die anderen das Zelt. Als letzter folgte Annies Vater, auch er vollkommen lautlos und auf Händen und Füßen kriechend
-genauer gesagt, auf einer Hand und den Knien. In der anderen hielt er nämlich noch immer die Lampe. Und sie war noch immer eingeschaltet. Mike hatte das Gefühl, von einer eisigen Hand im Nacken berührt zu werden. Der Lichtkegel der Lampe, in der Dunkelheit gleißend und grell wie einer der großen Scheinwerfer der NAUTILUS, strich über Trautman und Singh, blendete für einen Moment Mike und riß kurz Astaroths schlichtweg entsetztes Katzengesicht aus der Dunkelheit, ehe Mason endlich begriff, was er tat, und die Lampe hastig ausschaltete. Natürlich war es zu spät. Einige der Schatten, die Mike bemerkt hatte, begannen sich träge zu regen, und nur eine halbe Sekunde später hörte er nun wirklich das, worauf er mit klopfendem Herzen die ganze Zeit gewartet hatte: einen schrillen, zischelnden Schrei, dessen Bedeutung ihm trotz all seiner Fremdartigkeit sofort klar war. »Los!« brüllte Trautman. »Lauft!«
Mike sprang mit einem Ruck auf die Füße und stürmte hinter Astaroth her, der vor ihnen im Zickzack durch das Lager schoß und ihnen den Weg wies. Die anderen folgten ihm dichtauf. Mike verschwendete keine Zeit damit, zu ihnen zurückzusehen, aber er hörte sehr wohl, daß es nicht nur ihre Schritte waren, die die bisherige Stille des Lagers durchbrachen. Von der Sicherheit ihres Baumes aus beobachtet, hatte das Lager schon groß ausgesehen. Jetzt schien es kein Ende zu nehmen. Astaroth schoß nach rechts, links, sprang einmal sogar mit einem gewaltigen Satz über ein erst halb erloschenes Feuer, und die Zelte flogen nur so an ihnen vorüber, aber so schnell sie auch rannten, schienen sie trotzdem kaum von der Stelle zu kommen. Immer mehr und mehr Schatten erfüllten die Nacht, und bald hallte das Flußufer von den zischelnden Schreien der Echsenwesen wider. Der Lärm ihrer Flucht mußte das gesamte Lager geweckt haben. Der einzige Grund, aus dem sie wahrscheinlich nicht schon in den ersten Sekunden eingeholt und überwältigt wurden, war wohl, daß sie auch für komplette Verwirrung sorgten. Aber früher oder später, das wußte Mike, würde ihre Flucht zu Ende sein.
Und als wäre das alles noch nicht genug, bemerkte Mike in diesem Moment etwas, was seine Sorge noch vertiefte. Astaroth bewegte sich nicht auf den Rand des Lagers zu, sondern im Gegenteil immer weiter vom Wald weg. Wohin um alles in der Welt brachte sie der Kater? Mike war plötzlich gar nicht mehr so sicher, daß Astaroth wirklich wußte, was er tat. Als er es schließlich begriff, war es zu spät. Mit einem Male waren keine Zelte mehr rings um sie herum. Das Lager der Dinosauroiden lag hinter ihnen - aber sie befanden sich nicht im Wald. Nicht einmal wirklich im Freien... Mike verspürte erneut einen eiskalten, lähmenden
Schrecken, als ihm endgültig klar wurde, welchen Weg aus dem Lager heraus Astaroth gefunden hatte. Der Kater hatte sie direkt in die Triceratops-Herde geführt!
Nicht alle Tiere schliefen. Die meisten waren wach und bewegten sich unruhig. Gewaltige, stachelgepanzerte Köpfe drehten sich in ihre Richtung, mißtrauische Blicke folgten ihnen, und Mike vernahm ein immer lauter werdendes Brummen und Rumoren, als erwache die ganze Herde gleich einem einzigen, gewaltigen Tier aus dem Schlaf. Und irgend etwas sagte ihm, daß sie nicht besonders erfreut auf die nächtliche Störung reagieren würden.
»Um Gottes willen!« keuchte Mason. Natürlich hatte auch er bemerkt, wo sie sich befanden, und Mike konnte trotz der Dunkelheit sehen, daß er leichenblaß geworden war. »Was - ?«
»Weiter!« unterbrach ihn Trautman. »Wir müssen weiter! Schnell!«
Aber Mason rührte sich nicht; ebensowenig wie seine drei Begleiter. »Das ist doch Wahnsinn!« keuchte er. »Sie werden uns tottrampeln!«
»Das werden sie nicht!« antwortete Trautman. »Aber wenn wir noch lange hier herumstehen, dann kriegen sie uns. « Er wies zurück auf das Lager, das sich mittlerweile in heller Aufregung befand. Dutzende, wenn nicht Hunderte der Echsenmänner bewegten sich in ihre Richtung, und die Nacht hallte wider von ihren zischelnden Stimmen. Aber Mike fiel auch auf, daß sich die Dinoiden längst nicht so schnell bewegten, wie sie es gekonnt hätten. Entweder, dachte er, konnten sie in der Nacht nicht besonders gut sehen... oder sie hatten Angst, ihnen in die Herde hinein zu folgen. Er verscheuchte den Gedanken. »Uns geschieht nichts«, sagte er. »Astaroth weiß, was er tut. Keine Angst. «
Er wartete ein Sekunde lang darauf, daß Astaroths Stimme in seinen Gedanken diese Behauptung bestätigte, aber der Kater schwieg. Auch das trug nicht unbedingt dazu bei, Mikes Sorge zu mildern. Trotzdem wandte er sich mit einem Ruck um und ging voran, und tatsächlich folgten ihm die anderen, wenn auch zögernd.
Tiefer und tiefer drangen sie in die gewaltige Herde ein. Sie trafen jetzt kaum mehr auf schlafende Tiere. Die allermeisten der geschuppten Giganten, denen sie begegneten, waren wach und verfolgten sie mit mißtrauischen Blicken, und zwei oder dreimal wurde auch zornig ein gepanzerter Schädel in ihre Richtung geschüttelt. Mike konnte die Verärgerung der Tiere regelrecht spüren. Sie reagierten aggressiv auf die Störung.
Sie dulden normalerweise keine Fremden in ihrer Mitte, sagte Astaroth unvermittelt. Er hatte wieder einmal Mikes Gedanken gelesen, aber diesmal war Mike fast froh darüber.
»Aber die Dinosauroiden -«
Betreten die Herde niemals, sagte Astaroth. Sie lenken und beschützen sie, aber sie gehen niemals hinein. Keine Angst, fügte er hastig hinzu, als er spürte, wie Mike erschrak. Ich glaube, ich kann sie beruhigen. »Du kannst mit ihnen sprechen?« entfuhr es Mike überrascht.
Nein, antwortete der Kater. Aber irgendwie... spüre ich, was sie fühlen. Und umgekehrt. Es ist kompliziert. Sie fühlen eure Angst.
Mike verstand nicht wirklich, was der Kater damit meinte, aber er hatte das Gefühl, daß der letzte Satz ungemein wichtig war. Doch er kam nicht dazu, Astaroth eine entsprechende Frage zu stellen, denn in diesem Moment trat Annies Vater neben ihn und legte ihm die Hand auf die Schulter.
»Sag mal -kannst du etwa wirklich mit diesem Kater sprechen?« fragte er ungläubig. Er hatte wohl gehört, was Mike gesagt hatte.
»Ich sagte doch, er sieht nur aus wie ein Kater«, antwortete Mike. »Sprechen ist vielleicht nicht das richtige Wort - aber wir können uns miteinander verständigen, das ist richtig, ja. « »Na, dann will ich hoffen, daß dein Freund weiß, was er tut. «
»Keine Sorge«, versicherte Mike hastig. »Er bringt uns hier heraus. Bestimmt. «
Sie hatten sich mittlerweile so weit vom Fluß entfernt, daß sie nicht einmal mehr den Feuerschein des Lagers sehen konnten -allerdings auch sonst nichts. Rings um sie herum waren Tausende, vielleicht Zehntausende von gewaltigen, schwarzen Schatten. Mehr als einmal mußten sie sich unter den riesigen Schädeln hindurchducken, und zwei-oder dreimal war Mike sogar gezwungen, auf Händen und Knien unter dem Leib eines Triceratops hindurchzukriechen, weil es sonst einfach kein Durchkommen mehr gegeben hätte. Er starb innerlich tausend Tode -aber das Unglaubliche geschah: Obwohl eine flüchtige Bewegung der Giganten ausgereicht hätte, sie zu zerquetschen, und obwohl er von Astaroth wußte, daß die Tiere ziemlich verärgert über ihr Eindringen waren, taten sie ihnen nichts zuleide. Und trotzdem wäre es beinahe zur Katastrophe gekommen.
Sie hatten einen winzigen, freien Platz innerhalb der Herde erreicht und blieben einen Moment stehen, um sich zu orientieren, und es war Mason, der um ein Haar ihrer aller Ende herbeigeführt hätte. Er war unmittelbar neben Mike stehengeblieben, sah sich eine Sekunde suchend um und schaltete schließlich seine Lampe ein. Der grelle Lichtstrahl huschte über den Boden, riß schimmernde Reflexe aus den Schuppenpanzern eines Tieres und blieb schließlich an seinem Gesicht hängen. Der Triceratops knurrte wütend, warf den Kopf in den Nacken und stieß dann ein markerschütterndes Brüllen aus. Er blinzelte. Tränen liefen aus seinen Augen. Mason senkte erstaunt die Lampe, hob sie in der nächsten Sekunde wieder und richtete sie auf ein zweites Tier, und das Ergebnis war noch dramatischer. Der gehörnte Gigant prallte zurück, als hätte er einen Schlag bekommen, und riß dabei eines der anderen Tiere fast von den Füßen. Auch seine Augen füllten sich schlagartig mit Tränen.
»Das Licht!« rief Trautman. »Mason, schalten Sie das Licht aus! Es macht sie rasend!« Mason reagierte sofort. Hastig senkte er die Lampe und schaltete sie in der nächsten Sekunde vollends aus. Trotzdem beruhigten sich die Tiere nur langsam. Sie versuchten vor ihnen zurückzuweichen, aber es waren so viele, daß sie sich dabei gegenseitig behinderten. Das unruhige Grollen und Rumoren nahm zu, und Mike konnte regelrecht spüren, wie die Aggressivität der Tiere zunahm. Er hätte es nun nicht mehr gewagt, sich so dicht an ihnen vorbeizudrängen, wie sie es bisher getan hatten.
Aber das war auch nicht nötig. Vielleicht aus Furcht vor Masons Lampe, vielleicht, um die ungebetenen Gäste möglichst schnell loszuwerden, begannen die stacheligen Riesen weiter und weiter vor ihnen zur Seite zu weichen, bis sie schließlich eine enge, aber deutlich sichtbare Gasse bildeten: eine Bewegung, die in ihrer Bedeutung zu eindeutig war, um noch Zufall sein zu können.
»Unglaublich!« flüsterte Mason. »Als... als ob sie denken könnten!«
»Vielleicht können sie das«, antwortete Trautman ernst. »Auf jeden Fall sollten wir der Einladung folgen und machen, daß wir hier wegkommen. Und lassen Sie um Himmels willen Ihre Lampe aus, Mann! Das Licht scheint ihnen Schmerzen zu bereiten. « Zögernd setzten sie sich in Bewegung. Es war ein unheimliches, fast furchteinflößendes Gefühl, zwischen diesen tonnenschweren Giganten entlangzugehen. Die Reihen der Triceratops teilten sich vor ihnen, um ihnen Platz zu machen, aber Mike spürte auch, daß sich die lebende Mauer hinter ihnen sofort wieder schloß, und zwar auf eine endgültige Weise. Wohin immer sie dieser Weg auch führen mochte, es gab kein Zurück. Nach einer Ewigkeit, wie es Mike vorkam, nahm die Anzahl der Tiere allmählich wieder ab, und endlich erreichten sie den Rand der Herde.
Und damit war das Ende ihrer Flucht gekommen. Nicht nur Mike begriff schlagartig, warum die Dinosauroiden sie nicht quer durch die Herde verfolgt hatten. Es war gar nicht nötig gewesen. Sie warteten nämlich hier auf sie.
Mike konnte ein enttäuschtes Stöhnen nicht unterdrücken, als er die gut zwanzig, wenn nicht dreißig Dinosauroiden gewahrte, die in einer langen Reihe am Rande der Herde Aufstellung genommen hatten. Einige von ihnen führten die kleinen »Hunde«-Saurier mit sich, die schon unten am Fluß ihre Spur aufgenommen hatten, und Mike sah auch, daß nicht wenige der Echsenwesen mit den kleinen, sonderbar geformten Pistolen bewaffnet waren, die die blauen Blitze verschossen. Sie standen völlig reglos da und starrten sie an, und Mike war auch sicher, daß sie schon eine ganze Weile so dastanden und auf sie warteten. Wahrscheinlich, dachte er, haben sie die ganze Zeit auf uns gewartet und sich halb tot gelacht.
Was das Warten angeht, hast du recht, sagte Astaroth. Aber glaub mir, sie finden euch überhaupt nicht komisch. »Das ist das Ende!« sagte Mason. »Verdammt, wenn ich nur eine Waffe hätte!«
»Wozu?« fragte Trautman. »Um alles noch schlimmer zu machen?«
»Ich werde jedenfalls nicht kampflos aufgeben!« sagte Mason. »Noch einmal kriegen sie mich nicht. « Mike spürte, was er vorhatte, eine halbe Sekunde, ehe Annies Vater die Hand hob, aber seine Reaktion kam zu spät.
Mason schaltete die Lampe ein und richtete den grellweißen Lichtstrahl direkt auf das Gesicht eines Triceratops, der halb zwischen ihnen und den wartenden Dinosauroiden stand.
Das Ergebnis übertraf seine schlimmsten Erwartungen. Diesmal hatte Mason die Lampe nicht beiläufig auf das Tier gerichtet, sondern regelrecht auf seine empfindlichen Augen gezielt, und das plötzliche Licht mußte es halb wahnsinnig machen. Es brüllte, bäumte sich wie ein durchgehendes Pferd auf und fuhr dann herum, um vor dem grausamen Licht zu fliehen, das ihm solche Schmerzen bereitete. Und es floh in die einzige Richtung, die ihm blieb - direkt auf die Dinosauroiden zu!
Mason schrie triumphierend auf, richtete seine Lampe auf einen zweiten Triceratops und blendete auch ihn. Das Tier reagierte wie sein Vorgänger, und noch bevor es ganz herumgefahren und losgestürmt war, schwenkte Mason seine Lampe weiter und richtete sie auf ein drittes, viertes und fünftes Tier, und er hätte vermutlich noch weitergemacht, hätte Mike nicht endlich seinen Schrecken überwunden und ihm kurzerhand die Lampe aus der Hand geschlagen.
Aber das Ergebnis war auch so fürchterlich genug. Nicht nur die Dreihörner, die Mason geblendet hatte, sondern auch noch mindestens zehn, zwölf weitere Tiere waren in Panik geraten und stürmten, einer lebenden, unaufhaltsamen Lawine aus Knochen, Fleisch und Panzerplatten gleich, auf die Dinosauroiden zu. Und sie mochten plump aussehen, aber sie erreichten eine erschreckende Geschwindigkeit. Die Echsenmänner spritzten in panischer Hast auseinander. »Bist du wahnsinnig geworden?« herrschte ihn Mason an. »Was fällt dir ein?« Er wollte sich nach der Lampe bücken, aber Mike war schneller. Hastig hob er sie auf und warf sie Singh zu, der sie geschickt auffing und unter seinem Gürtel verschwinden ließ. Mason machte einen Schritt in seine Richtung, blieb aber sofort wieder stehen, als er Singhs Blick begegnete.