122157.fb2 Die grauen W?chter - читать онлайн бесплатно полную версию книги . Страница 4

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»Und jetzt will er es wiederhaben«, vermutete Mike.

Wenn er das wollte, hätte er es euch schon längst weggenommen,erwiderte Astaroth.Nein, keine Angst. Er will weder euer kostbares Schiff noch will er dir Serena wegnehmen.

»Warum ist er dann hier?«Weil sich eure Wege zufällig gekreuzt haben,sagte der Kater.MUSS ich dich wirklich daran erinnern, dass ihrihnverfolgt habt und nicht umgekehrt?Er begann leise zu schnarchen, fuhr aber trotzdem fort:

Und dass er es war, der sein Leben riskiert hat, um euch zu retten?Mike blickte den Kater verblüfft an. Astaroth hatte den Kopf auf die Pfoten gelegt, das Auge geschlossen und schnarchte hörbar. Er schlief, daran bestand gar kein Zweifel. Und trotzdem fuhr seine lautlose Stimme in Mikes Kopf fort:

Es ist natürlich deine Entscheidung. Ich will dich nicht zu etwas überreden, was du nicht wirklich möchtest. Aber wenn ich du wäre, dann würde ich aufhören, ihn mit meinem Misstrauen zu verfolgen, und mir stattdessen überlegen, wie wir alle gemeinsam aus dieser Lage wieder herauskommen.

Irgendetwas stimmte hier nicht. Astaroth war schon für so manche Überraschung gut gewesen, aber dass er im Schlaf redete und dass er auf Fragen antwortete, das konnte Mike nun doch nicht glauben. Er machte einen halben Schritt auf den Kater zu, blieb wieder stehen und sagte: »Und was hat es mit all diesen Haifischen auf sich? Es ist doch bestimmt kein Zufall, dass sie ausgerechnet jetzt in unserer Nähe auftauchen?«Nein,erwiderte Astaroth.Aber auch das gehört zu den Dingen, über die du dir besser nicht den Kopf-

Mike hörte jedoch gar nicht mehr zu. Während Astaroth antwortete, hatte er sich auf Zehenspitzen der Tür genähert und jetzt riss er sie auf, stürmte auf den Gang hinaus und wäre um ein Haar gegen Argos geprallt, der hoch aufgerichtet und reglos unmittelbar vor der Tür stand. Das Gesicht des Atlanters war starr. Seine Augen waren geöffnet, aber Mike war sicher, dass er ihn im ersten Moment gar nicht zur Kenntnis nahm. Er schien konzentriert einen Punkt irgendwo im Nichts anzustarren und auch seine ganze Haltung war verspannt. Es dauerte nur eine halbe Sekunde. Als er Mikes Schritte hörte, erwachte er aus seiner seltsamen Trance, blinzelte und zauberte dann ein beinahe überzeugend wirkendes Lächeln auf sein Gesicht. »Hallo, Mike«, sagte er. »Ich wollte gerade zu dir kommen, um -« »So ist das also«, sagte Mike. Plötzlich war ihm alles klar. Von einer Sekunde auf die andere ergab Astaroths seltsames Verhalten einen Sinn, auch wenn er so schrecklich war, dass er sich im ersten Moment weigerte, es zu glauben. »Aber Sie waren doch schon bei mir«, sagte er. Argos legte perfekt gespielt die Stirn in Falten. »Wie meinst du das?« »Versuchen Sie nicht, mich für dumm zu verkaufen«, erwiderte Mike scharf. Er machte eine Geste über die Schulter zurück. »Dort drinnen. Das war nicht Astaroth, der mit mir gesprochen hat, nicht wahr? Das waren Sie!« »Ich? Aber wie kommst du denn darauf?« »Hören Sie auf!«, sagte Mike wütend. »Wie lange geht das schon so? Erst seit heute oder habe ich schon seit zwei Wochen mit Ihnen gesprochen, wenn ich dachte, ich rede mit Astaroth? Und was haben Sie mit ihm gemacht?!« Argos spielte weiter den Unwissenden, aber es wirkte jetzt nicht mehr überzeugend. Bevor er jedoch antworten konnte, ging die Tür einer der anderen Kabinen auf und ein ziemlich verschlafener Trautman streckte den Kopf heraus.

»Was ist denn hier los?«, murmelte er. »Mike?« Er kam ganz auf den Flur heraus, schien erst in diesem Moment zu bemerken, dass Mike nicht allein war, und blickte stirnrunzelnd von Argos zu ihm und wieder zurück. »Was geht hier vor?« »Mike und ich hatten eine kleine Meinungsverschiedenheit«, sagte Argos lächelnd. »Aber ich glaube, sie ist beigelegt.« »Wissen Sie, was er getan hat?«, fragte Mike erregt. Er deutete anklagend auf den Atlanter. »Er hat Astaroth beeinflusst. Undeuchalle auch.«Du solltest das nicht versuchen,sagte eine Stimme in seinem Kopf. Vor einer Minute hätte er sie noch für die Astaroths gehalten, nun aber wusste er, dass es niemand anders als Argos war, mit dem er redete. Verblüfft fragte er sich, wie er nur so dumm hatte sein können. Sie alle wussten doch, dass die alten Atlanter-zumindest einige von ihnen - über geistige Kräfte verfügt hatten, die einem normalen Menschen wie pure Zauberei vorgekommen wären. Auch Serena hatte diese Kräfte gehabt, sie aber dann abgegeben. Wieso aber war keinem von ihnen auch nur derVerdachtgekommen, dass Argos über dieselben unheimlichen Zauberkräfte verfügte? Schließlich war er ihr Vater. Nun öffneten sich nacheinander auch die anderen Türen und Singh, Ben und Serena traten auf den Gang heraus. Einzig Juan und Chris schienen von dem Streit nichts mitbekommen zu haben. »Also, jetzt mal langsam«, sagte Trautman. Er unterdrückte ein Gähnen, blinzelte und fragte: »Was genau

meinst du damit: Er hat Astaroth beeinflusst und uns

andere auch?« »Aber versteht ihr es denn nicht?«, fragte Mike erregt. »Er hat uns die ganze Zeit manipuliert!« »Aber warum sollte ich so etwas tun?«, fragte Argos

laut.

»Das weiß ich nicht«, erwiderte Mike zornig. Mit erho

bener Stimme und an die anderen gewandt fuhr er fort:»Überlegt doch einmal selbst! Wir wissen überhaupt nichts über diesen Mann. Wir kennen seinen Namen und wir wissen, dass er von sich behauptet, Serenas Vater zu sein. Er hat uns gesagt, er stamme aus Atlantis und er wäre der König diesesVolkes. Überlegt doch mal! Wir sind jetzt seit zwei Wochen zusammen, aber außer seinem Namen und zwei oder drei Brocken, die er uns hingeworfen hat, wissen wir gar nichts von ihm. Er hat nichts erzählt! Weder von sich noch von seinem Leben in Atlantis, noch, wo er all die Jahre über gewesen ist und wieso er ausgerechnet hier und jetzt wieder auftaucht.« »Stimmt doch gar nicht«, protestierte Serena. »Du bist nur eifersüchtig, das ist alles. Wir haben jeden Tag stundenlang miteinander gesprochen. Das solltest du doch am besten wissen!« »Ja -erhat Fragen gestellt undwirhaben geantwortet«, sagte Mike aufgebracht. »Er selbst hat nichts gesagt.« Er trat herausfordernd einen Schritt auf Argos zu. »Wenn Sie wirklich der sind, der Sie zu sein behaupten, Argos, dann verraten Sie uns, wo Sie gewesen sind. Atlantis ist vor zehntausend Jahren untergegangen. Ich glaube nicht, dass Sie so alt sind. Wir wissen, wie Serena diese Zeit überstanden hat, aber wie haben Sie es geschafft? Ich finde, für einen Zehntausendjährigen sehen Sie verdammt gut aus.« »Hör sofort auf«, sagte Serena wütend. »Wenn du -« Ihr Vater unterbrach sie mit einer besänftigenden Geste, »Lass ihn«, sagte er. »Er hat ja Recht.« Serena sah ihn verwirrt an und auch Trautman und Singh wirkten überrascht. Argos fuhr fort: »Ich habe mich wirklich sonderbar benommen, das gebe ich zu. Dein junger Freund ist ein aufmerksamer Beobachter. Du darfst ihm nicht böse sein. Er macht sich einfach Sorgen um dich und eure Freunde, das ist alles.« »Habe ich Grund dazu?«, wollte Mike wissen.

Argos überging die Frage. »Es gibt in der Tat einige Dinge, die ich euch verschwiegen habe«, sagte er. »Aber das habe ich nicht getan, um euch zu hintergehen.« »Warum sonst?«, fragte Trautman. »Um Sie und die anderen nicht in Gefahr zu bringen«, sagte Argos. »Ich fürchte, ich habe es vielleicht gerade dadurch getan, dass ich Sie im Ungewissen gelassen habe, und es tut mir sehr Leid. Aber ich dachte, ich könnte ...« Er suchte nach Worten, zuckte mit den Schultern. »... mein Problem lösen, ohne Sie und Ihre Freunde noch tiefer mit in die Geschichte hineinzuziehen.« »Ich schätze, sehr viel tiefer geht es nicht«, sagte Trautman übellaunig. »Wenn wir in Gefahr sind, dann wüsste ich gerne, warum und vor wem wir uns fürchten müssen.« »Die Männer von dem schwarzen Schiff«, antwortete Argos. »Sie verfolgen mich seit Jahren. Nachdem ich auf der Insel gestrandet war, dachte ich, sie hätten meine Spur verloren, aber Sie wissen ja selbst, was danach geschah. Und ich fürchte, sie werden auch nicht aufgeben.« »Wer sind sie?«, wollte Mike wissen. »Das spielt keine Rolle«, erwiderte Argos. »Es wäre zu kompliziert, das jetzt zu erklären. Wichtig ist, wer sie geschickt hat. Es ist eine Macht, die nichts mit euch zu schaffen hat. Sie wollen nur mich.« »Warum?«, fragte Mike. »Weil ich etwas getan habe, wofür sie mich zur Rechenschaft ziehen wollen«, erwiderte Argos mit ungewohnter Offenheit. »Euch das zu erklären würde zu lange dauern und es spielt auch keine Rolle. Sie verfolgen mich und die anderen seit Jahren.« »Die anderen?« Serena löste sich überrascht aus seinen Armen, trat einen halben Schritt zurück und sah ihrem Vater fassungslos ins Gesicht. »Soll das heißen, es gibt noch mehr von uns?«

Argos machte ein trauriges Gesicht. »Ich fürchte nein«, sagte er. »Wir waren zu acht, aber ich glaube, ich bin der Letzte.« »Was ist mit den anderen geschehen?«, wollte Serena wissen. »Ihr habt sie gesehen«, sagte Argos. Er deutete auf Mike. »Ich rede von den Männern an Bord des gesunkenen Schiffes, das ihr gefunden habt.« »Sie meinen das deutsche Spionageschiff?«, fragte Ben. Argos lächelte, wurde aber sofort wieder ernst. »Wenn du es so ausdrücken möchtest. Aber sie waren so wenig Spione für das deutsche Kaiserreich, wie ich es bin.« »Sie haben diese Rolle nur gespielt«, vermutete Trautman. »Ja. Wir leben seit vielen Jahren unerkannt unter den Menschen. Wir haben immer gehofft, dass wir nicht dieeinzigen sind, und wir haben immer nach anderen Überlebenden von Atlantis gesucht, aber niemals welche gefunden.« Er sah seine Tochter an. »Du bist die Erste, die ich getroffen habe. Als wir auf das Sternenschiff stießen, da hofften wir, mit seiner Hilfe unsere Suche fortsetzen zu können, stattdessen hat es ihnen allen den Tod gebracht.« »Hat es das?«, fragte Trautman. »Es könnte sein, dass sie noch leben, wissen Sie?« »Wieso?«, erwiderte Argos verblüfft. »Erinnern Sie sich, was Sie uns selbst über die Versteinerung erzählt haben?«, antwortete Trautman in nachdenklichem Tonfall. Mike sah ihn aufmerksam an. Er hatte eine ungefähre Ahnung, worauf Trautman hinauswollte, aber es gefiel ihm nicht. Die ganze Situation gefiel ihm nicht. Das Gespräch entwickelte sich längst nicht so, wie es sollte. Er hatte Argos mehr oder weniger enttarnt und im Grunde sollten sie alle -nicht nur er - zu Recht empört und wütend darüber sein, dass ihnen der Atlanter die ganze Zeit über etwas vorgemacht hatte. Stattdessen hatte er das Gefühl, dass nicht nur

Trautman mittlerweile schon wieder fast so etwas wie Sympathie für Argos empfand. »Wenn die Versteinerung wirklich die Methode der Außerirdischen ist, ihre Körper vor den schädlichen Einflüssen des Weltraums zu beschützen, dann müsste sie auch unter Wasser funktionieren«, fuhr Trautman fort. »Ich selbst habe die Männer nicht gesehen, aber nach allem, was mir Mike und Singh erzählt haben, waren sie nicht verletzt.« Argos wandte sich an Mike: »Ist das wahr?« »Unsinn«, antwortete Mike. Auch wenn er spürte, dass er selbst nicht ganz von dem überzeugt war, was er da sagte. »Sie sind tot. Und wenn sie es noch nicht waren, als wir sie gefunden haben, sind sie es jetzt.« »Wieso?« »Weil das Schiff weiter gesunken ist«, antwortete Mike. »Habt ihr vergessen, was passiert ist? Das Wrack ist von der Klippe gerutscht. Keiner von uns weiß, wie tief es jetzt liegt. Vielleicht vier-oder fünftausend Meter, das hält keiner aus, egal, in welchem Zustand.« »Das ist nicht gesagt«, antwortete Argos. »Wenn sie wirklich versteinert waren, Mike, dann könnten sie noch am Leben sein. Und ich weiß, wie man sie wieder erweckt.« Er wandte sich mit einem fragenden Blick an Trautman: »Glauben Sie, dass Sie die Stelle wiederfinden?« Trautman nickte. »Sicherlich. Es ist nicht einmal besonders weit von hier. Aber Mike hat Recht«, fuhr er in leicht verändertem Tonfall fort, als Argos etwas sagen wollte. »Das Meer ist an dieser Stelle sehr tief. Selbst wenn wir das Schiff wiederfinden, weiß ich nicht, ob wir so tief hinunterkommen und ob Ihre Kameraden überhaupt noch am Leben sind. Der Wasserdruck in dieser Tiefe ist unglaublich hoch.« Argos schüttelte den Kopf. Plötzlich wirkte er sehr aufgeregt. »Das spielt keine Rolle«, sagte er. »Glauben Sie mir, ich weiß genug über diesen seltsamen Zustand der

Versteinerung. Einem Körper, der sich darin befindet, kann so gut wie nichts zustoßen.« »Aber wir haben doch nicht einmal eine Chance, sie zu finden«, sagte Mike, doch Argos ließ auch dieses Argument nicht gelten. »Ich werde euch helfen«, sagte er. »Wenn wir in ihrer Nähe sind, dann werde ich sie finden.« »Und wie?«, wollte Ben wissen. Auch seine Stimme klang misstrauisch, aber für Mikes Geschmack nicht annähernd misstrauisch genug. Was um alles in der Welt ging hier vor? War er denn der einzige, der begriff, welches Spiel Argos spielte -obwohl er es ihnen allen gerade erst gesagt hatte? »Ich habe so meine Möglichkeiten«, antwortete Argos ausweichend. Er sah Trautman an, wartete offensichtlich darauf, dass dieser irgendetwas sagte, und wirkte leicht enttäuscht, als es nicht geschah. »Ich mache Ihnen einen Vorschlag«, sagte er schließlich. »So?«, fragte Mike. »Da bin ich aber mal gespannt.« Argos ignorierte ihn. Er sprach weiter, an Trautman gewandt, so wie er Trautman stets als Kapitän und Anführer der kleinen Gruppe behandelt hatte, obwohl er das ganz und gar nicht war. »Ich kenne einen Ort, an dem die NAUTILUS repariert werden kann«, sagte er. »Wenn Sie mich zu meinen Kameraden bringen und wir sie finden, dann führe ich Sie dorthin. Ich verspreche Ihnen, dass die NAUTILUS hinterher in besserem Zustand ist als zuvor.« Trautman wollte antworten, doch Mike kam ihm zuvor: »Und wenn nicht? Dann verraten Sie es uns nicht und wir können auf den Tag warten, an dem sie auseinanderbricht? Mir kommt das wie Erpressung vor!« Argos ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Mike hatte seine Worte mit Bedacht gewählt, um ihn zu reizen, aber es funktionierte nicht. Argos lächelte nur traurig und sagte: »Natürlich nicht.« »Warum haben Sie uns dann nicht schon lange davon

erzählt?«, wollte auch Ben wissen. »Es wäre bequemer, die NAUTILUS in einem Dock reparieren zu lassen, statt vierzig Meter unter der Wasseroberfläche, und so nebenbei auch nicht ganz so gefährlich.« »Weil es keinen Sinn gehabt hätte«, antwortete Argos. »Ich weiß, dass es diesen Ort gibt, aber ich war niemals da. Ich weiß nicht einmal genau, wo er ist. Aber einer der Männer an Bord des gesunkenen Schiffes stammt von dort. Wenn es uns gelingt, sie zu retten, wird er uns hinbringen.« »Ist das jetzt wieder eine neue Geschichte?«, schnappte Mike. Argos reagierte auch darauf nicht, aber Trautman schenkte ihm einen bösen Blick und wandte sich schließlich an den Atlanter: »Ich werde darüber nachdenken«, sagte er. »Die Entscheidung muss nicht jetzt fallen. Wir brauchen ohnehin mindestens noch zwei Tage, um die NAUTILUS so weit zu reparieren, dass wir überhaupt auftauchen können. Wir werden Ihren Vorschlag diskutieren und darüber abstimmen.« Man konnte Argos deutlich ansehen, dass ihm das nicht gefiel. Er hatte sich wohl eine sofortige Entscheidung erhofft, doch er widersprach nicht und versuchte auch nicht mehr, Trautman oder die anderen zu überzeugen, sondern nickte nur. »Das kann ich verstehen«, sagte er. »Aber bitte bedenken Sie eines: Es geht jetzt nicht mehr nur um mich. Wir waren zu acht an Bord des Schiffes. Die sieben anderen könnten noch leben.« »Wir werden es in Betracht ziehen«, versprach Trautman. »Aber jetzt sollten wir alle wieder in unsere Kabinen gehen und schlafen. Wir haben eine anstrengende Zeit hinter uns und eine vielleicht noch anstrengendere

vor uns.« Mike sah ihn fast fassungslos an. War das alles? Was war mit den Männern auf dem schwarzen Schiff, die sie verfolgten? Mit den geheimnisvollen Wesen, die er gesehen hatte? Mit den Haien, die das Schiff umgaben wie ein Rudel hungriger Wölfe ein verletztes Beutetier? Mit dem, was Argos mit Astaroth getan hatte? Argos sah ihn an, als hätte er seine Gedanken gelesen. Und es war seltsam: Plötzlich konnte Mike nichts von alledem, was ihm auf der Zunge lag, laut aussprechen. Es war nicht so, dass er es vergessen hätte oder dass Argos ihn irgendwie daran hinderte, es zu tun, aber was er in den Augen des Atlanters las, das war eine stumme Bitte und noch etwas: die Angst um das Leben seiner Freunde und der fast verzweifelte Wunsch, dass Mike nichts unternehmen oder sagen mochte, das in irgendeiner Form dazu führte, dass sie nicht gerettet wurden.Also gut,dachte Mike.Wenn Sie wirklich meine Gedanken lesen können, mache ich Ihnen einen Vorschlag: Ich werde nichts sagen oder tun. Ich werde nicht einmal eine Frage stellen, bis wir Ihre Freunde gerettet haben. Aber danach erzählen Sie uns die ganze Wahrheit. Und noch etwas - was haben Sie mit Astaroth gemacht? Dein kleiner Freund wird sich erholen, keine Angst,antwortete Argos.Ich musste seine Kräfte für eine Weile blockieren. Es ist nichts auf Dauer. In ein paar Tagen ist er wieder ganz der Alte, das verspreche ich dir.

Mike sagte nichts dazu. Er sah Argos nicht mehr an, sondern drehte sich mit einem Ruck um und ging in seine Kabine zurück, aber sosehr er es normalerweise hasste, wenn jemand in seinen Gedanken herumschnüffelte, für einen Moment hoffte er sogar, dass Argos in diesem Moment seine Gedanken las, weil er dann wusste, was ihm passieren würde, wenn er nicht Wort hielte und Astaroth nicht wieder zu dem wurde, was er einmal gewesen war.

Er erwachte am nächsten Morgen mit hämmernden Kopfschmerzen, einem schlechten Geschmack im Mund, einem Gefühl wie Blei in allen Gliedern und der verschwommenen Erinnerung an einen völlig absurden Albtraum, den er gehabt hatte. Es war dunkel in der Kabine. Die Luft roch so muffig, dass ihm davon fast schon wieder übel wurde, und Astaroth hatte sich auf seiner Brust zusammengerollt und schnarchte und nahm ihm mit seinem Gewicht fast den Atem. Mike richtete sich in eine halb sitzende Position auf, scheuchte den Kater mit einer Handbewegung davon und massierte sich die schmerzenden Schläfen. Es war kein Wunder, dass er Kopfschmerzen hatte; alles hier drin war feucht und modrig und er war fast erstaunt, dass er hier überhaupt hatte schlafen können. Da musste man ja Albträume bekommen! Astaroth maunzte, blickte ihn aus seinem einen Auge vorwurfsvoll an und wandte sich schließlich ab, als klar wurde, dass Mike ihn nicht wieder hinauf in das warme Bett lassen würde. Mike fragte sich ohnehin, wer ihn in seine Kabine gelassen hatte. Er war schon immer der Meinung gewesen, dass Katzen in Betten nichts verloren hatten. Aber im Augenblick traf das auf ihn wohl auch zu. Obwohl er sich alles andere als ausgeruht oder gar ausgeschlafen fühlte, schwang er die Füße aus dem Bett, schauderte ein wenig, als seine nackten Sohlen den eisigen, feuchten Metallboden berührten, und stand schließlich widerwillig auf. Bruchstücke seines Traumes gingen ihm noch immer durch den Kopf, während er sich flüchtig wusch und anzog. Er konnte sich nicht ganz genau daran erinnern, aber es hatte irgendetwas mit Argos zu tun gehabt und mit Trautman und

Serena ... Nein. Es hatte keinen Zweck. Immer wenn er versuchte, die Bilder mit Gewalt heraufzubeschwören, schien er eher das Gegenteil zu erreichen. Er verließ die Kabine, wandte sich nach links und schlurfte in Richtung Salon los. Das Schiff war bereits vom Hämmern und Lärmen der anderen erfüllt, die offensichtlich schon bei der Arbeit waren. Und manchmal glaubte er ein sachtes Zittern zu spüren, das durch den Boden lief; so, als versuche die NAUTILUS, vom Meeresgrund abzuheben, schaffte es aber nicht. Wie es aussah, hatte er wirklich sehr lange geschlafen. Als er den Salon erreichte, sah er auf dem großen Kartentisch die Reste des Frühstücks stehen, das die anderen bereits eingenommen hatten. Nur zwei Gedecke waren unberührt. Mike nahm vor einem davon Platz, goss sich eine Tasse mit längst kalt gewordenem Tee ein und überlegte einen Moment, ob er überhaupt frühstücken sollte. Er hatte keinen Hunger und seine Kopfschmerzen wollten nicht besser werden. Andererseits stand ihm wieder ein anstrengender Tag bevor. Etwas berührte seine Beine. Mike sah an sich herab und erblickte Astaroth, der mit starr aufgestelltem Schwanz und lautstark maunzend um seine Beine strich und ihn immer wieder mit dem Kopf anstieß. »Was willst du, alter Mäusefänger?«, fragte er. »Du weißt doch, dass du nicht am Tisch betteln sollst.« Astaroth miaute herzzerreißend, aber Mike widerstand der Versuchung, die Hand auszustrecken, um ihm eine Scheibe Wurst oder ein Stück Fleisch zuzuwerfen. Wenn er den Kater einmal daran gewöhnte, vom Tisch gefüttert zu werden, würde er in Zukunft nie wieder eine Mahlzeit in aller Ruhe einnehmen können. »Verschwinde«, sagte er. Als Astaroth nicht sofort darauf reagierte, schob er ihn mit dem Fuß ein Stück weit von sich fort. Astaroth miaute noch lauter, gab es aber dann endlich auf und lief zur Tür. Der Grund für seinen plötzlichen Sinneswandel war Serena, die in diesem Moment hereinkam und ein erfreutes Gesicht machte, als sie Mike sah. »Oh, hallo, Mike«, sagte sie. »Du bist wach, schön. Ich wollte dich gerade wecken.« »Das hättest du schon vor einer Stunde tun sollen«, antwortete Mike mit einem bezeichnenden Blick auf den Tisch und das benutzte Frühstücksgeschirr. »Ich glaube, ich habe verschlafen.«

Serena lächelte, bückte sich und nahm Astaroth auf die Arme, bevor sie weitersprach und dabei auf ihn zu kam: »Eher zwei«, sagte sie. »Trautman und Singh sind schon das zweite Mal draußen. Sie wollen heute unbedingt mit den Schweißarbeiten fertig werden.« Mike erschrak. »So lange habe ich geschlafen? « »Du hattest es auch nötig«, antwortete Serena. Sie setzte sich zu ihm an den Tisch. Astaroth, der es sich auf ihren Armen bequem gemacht hatte, maunzte und miaute immer aufgeregter, so dass Serena ihn gedankenverloren mit der Hand zwischen den Ohren zu kraulen begann. Der Kater beruhigte sich trotzdem nicht. »Was hat er denn?«, fragte Mike. Serena hob die Schultern. »Keine Ahnung«, sagte sie. »Vielleicht geht es ihm nicht anders als uns oder gefällt es dir etwa, hier eingesperrt zu sein und nicht hinaus zu können?« »Es ist ja nicht mehr für lange«, sagte Mike. »Falls Argos -« Er verbesserte sich: »Fallsdein VaterWort hält und uns tatsächlich zu einer Werft bringt, auf der die NAUTILUS überholt werden kann. Wo ist er überhaupt?« »Ich habe ihn gerade geweckt«, antwortete Serena. »Dann bin ich nicht der Einzige, der verschlafen hat?« »Trautman hat uns schärfstens verboten, euch zu wecken«, antwortete Serena ernst. »Ihr beide habt gestern mehr gearbeitet als alle anderen zusammen in einer ganzen Woche. Zwei Stunden Extra-Ruhe habt ihr euch wirklich verdient.« Mike blickte Serena verwirrt an. Er konnte sich nicht erinnern, gestern mehr als die anderen gearbeitet zu haben, und Argos hatte in den vergangenen beiden Wochen praktisch keinen Finger gerührt. Er hatte -Etwas wie ein unsichtbarer stählerner Besen fegte durch Mikes Kopf und ließ den Gedanken verschwinden. Eine Sekunde lang wunderte er sich noch über

sich selbst, dass er solch einen Unsinn dachte, und in der nächsten Sekunde hatte er selbst das vergessen. Außerdem kam Argos genau in diesem Moment herein und sah tatsächlich sehr müde und abgespannt aus. Seine Schultern hingen schlaff nach vorne, unter seinen Augen befanden sich tiefe, dunkle Ringe und seine Haut wirkte sehr blass. Als er am Tisch Platz nahm und nach der Kaffeekanne griff, zitterten seine Hände ganz leicht. Astaroth fauchte, zeigte dem Atlanter sein Gebiss - und war mit einem Sprung von Serenas Schoß herunter und verschwand aus dem Salon. Serena sah ihm stirnrunzelnd nach. »Was hat er denn?« »Ich bin ihm gestern versehentlich auf den Schwanz getreten«, sagte Argos. Auch seine Stimme klang müde. »Wahrscheinlich kann er mir das nicht verzeihen.« »Er beruhigt sich schon wieder«, sagte Mike. »Katzen sind nicht besonders nachtragend.« Sie frühstückten eine Weile schweigend, bis Trautman und Singh hereinkamen und sich zu ihnen gesellten. Mike erschrak, als er Trautman erblickte. Er wirkte um zehn Jahre gealtert. Auch seine Haut war blass und auch seine Hände zitterten etwas; trotzdem machte er einen zwar erschöpften, aber durchaus zufriedenen Eindruck. »Wie geht es mit der Arbeit voran?«, erkundigte sich Argos. »Gut«, antwortete Trautman. »Singh und ich werden eine Stunde ausruhen und dann wieder nach draußen gehen. Mit ein wenig Glück sind wir heute Abend fertig.« Er drehte den Kopf und sah Mike an. »Du siehst nicht gut aus«, sagte er geradeheraus. »Ich habe nicht besonders geschlafen«, antwortete Mike. »Ich hatte einen verrückten Traum.«Einen Traum, in dem Argos und Trautman eine wichtige Rolle spielten ebenso wie der Kater und ein seltsames Wesen - halb Mensch, halb Fisch, das ihm mit Händen zugewinkt hatte, zwischen deren Fingern sich Schwimmhäute spannten

und dessen Gesicht aussah wie das eines Haifisches, der versucht hatte, sich in einen Menschen zu verwandeln ...

Er verscheuchte die bizarren Bilder, die aus seinem Unterbewusstsein heraufsteigen wollten. »Außerdem habe ich rasende Kopfschmerzen«, fügte er hinzu. Trautman nickte. »Die haben wir alle«, sagte er. »Irgendetwas scheint mit der Luftversorgung nicht zu stimmen. Es wird wirklich allmählich Zeit, dass wir auftauchen können.« Er wandte sich an Argos. »Ich möchte Ihnen jetzt auf der Karte die Stelle zeigen, an der der Frachter gesunken ist.« Argos nickte und Trautman stand auf und ging zum Kartenschrank. Das zusammengerollte Blatt, mit dem er zurückkam, war wie alles hier: halb aufgeweicht, eingerissen und mit großen, hässlichen Wasserflecken versehen. Trautman räumte eine Ecke des Tisches frei, breitete die Karte aus und beschwerte die vier Ecken mit leeren Tassen und einer Zuckerdose. Dann senkte er den Finger auf eine Stelle, die ihre jetzige Position markierte. »Wir sind hier«, sagte er. »Wenigstens ungefähr. Die Insel ist auf der Karte nicht eingezeichnet, deshalb kann ich nur schätzen. Aber das Schiff mit Ihren Freunden liegt genau ...« Sein Finger folgte einer imaginären, in willkürlichem Zickzack über die Karte führenden Linie und verharrte auf einem Punkt, der ebenso wenig vorhanden war wie der, auf den er gerade gedeutet hatte. »... dort. Ich weiß allerdings nicht, in

welcher Tiefe.« »Ungefähr viertausend Meter«, sagte Argos.

Trautman sah ihn überrascht an. »Woher wissen Sie

das?« »Weil ich diese Gegend des Meeres kenne«, erwiderte Argos. »Nach allem, was Sie erzählt haben, kommt nur eine einzige Stelle in Frage. Die Klippe, von der das Wrack geglitten ist, gehört zu einem Unterwasser-Riff.

Der Meeresgrund liegt dort fast viertausend Meter unter der Oberfläche.« »Schaffen wir das?«, fragte Singh besorgt. »Das Schiff hält es aus«, versicherte Argos. »Es ist für weitaus größere Tiefen gebaut. Und ich habe vollstes Vertrauen in Ihre Fähigkeiten. Wenn jemand das Schiff reparieren kann, dann Trautman und Sie. Aber sie sollten sich jetzt an die Arbeit machen. In ein paar Stunden können wir sicher auftauchen und dann können Sie sich die wohlverdiente Ruhe gönnen.« Vor Mikes fassungslos aufgerissenen Augen erhoben sich Singh und Trautman ohne den geringsten Widerspruch, drehten sich herum und verließen den Salon und das, obwohl sie vor nicht einmal zwei Minuten so erschöpft gewesen waren, dass sie kaum noch in der Lage zu sein schienen, aus eigener Kraft zu stehen. Mike blickte ihnen kopfschüttelnd nach, dann drehte er sich wieder zu dem Atlanter herum und blickte direkt in Argos' Augen und im selben Moment, in dem er es tat, sah er natürlich auch ein, dass dieser vollkommen Recht hatte. Die NAUTILUS war eben kein normales Schiff, das mit normalen Maßstäben zu messen war. Sie würde selbst in dem erbärmlichen Zustand, in dem sie sich momentan befand, noch zehnmal tiefer tauchen als jedes andere Unterseeboot auf der Welt. Und Trautmann und Singh konnten sich tatsächlich später lange genug ausruhen -wenn sie erst einmal wieder oben an der Wasseroberfläche waren. »Du solltest dir auch noch ein wenig Ruhe gönnen, Junge«, sagte Argos. »Du siehst wirklich nicht gut aus.« Als wären diese Worte ein Signal gewesen, wurden Mikes Kopfschmerzen schlagartig schlimmer und er fühlte, wie die Müdigkeit zurückkam, als hätte er die ganze Nacht nicht geschlafen. Er stimmte Argos innerlich zu; schlechtes Gewissen hin oder her, in dem Zustand, in dem er sich befand, war er für die anderen im Moment keine Hilfe, sondern eine Belastung.

Und trotzdem hinderte ihn irgendetwas, aufzustehen und wieder in seine Kabine zurückzugehen. Er konnte das Gefühl selbst nicht begründen, doch er fürchtete sich fast davor, einzuschlafen. Vielleicht weil er Angst hatte, dann wieder zu träumen. Und auch wenn er sich immer noch nicht genau an seinen Traum erinnerte, so war doch allein dasGefühl,das er zurückgelassen hatte, schlimm genug, um keinen Wunsch nach einer Fortsetzung in Mike zu wecken. »Ich werde schon irgendetwas finden, womit ich mich nützlich machen kann«, sagte er. Als er Serenas Stirnrunzeln bemerkte, fügte er hinzu: »Etwas Leichtes.« »Gut«, sagte Argos und stand auf. »Ich gehe in den Maschinenraum und sehe nach, ob ich dort etwas tun kann.« Er schlurfte gebückt zur Tür. Jede seiner Bewegungen drückte Müdigkeit und Erschöpfung aus und Mike fiel abermals auf, wie mitgenommen und ausgezehrt der Atlanter wirkte. Er hatte in den letzten Tagen einfach zu viel gearbeitet. Mike konnte das verstehen. Argos wollte - wie sie alle - möglichst schnell von hier verschwinden, aber er hatte noch einen anderen, vielleicht noch dringenderen Grund: die Sorge um seine Freunde, die in dem Schiffswrack auf dem Meeresboden lagen. »Du solltest besser auf meinen Vater hören und dich noch ein bisschen hinlegen«, sagte Serena, nachdem Argos sie allein gelassen hatte. Mike schüttelte den Kopf, empfand aber gleichzeitig ein Gefühl von warmer Dankbarkeit, dass sich Serena um ihn sorgte. »Es ist schon gut«, sagte er. »Ich werde es nicht übertreiben. Keine Angst.« Sie antwortete nicht, aber ihr Blick machte sehr deutlich, was sie von dieser Behauptung hielt. Nach einigen Sekunden stand sie auf und begann wortlos das benutzte Geschirr abzuräumen. Mike sah ihr ebenso wortlos eine Weile dabei zu, dann erhob auch er sich und verließ den Salon.

Das Hämmern und Klingen wurde lauter, als er auf den Gang hinaustrat. Er ging schneller, lief die Metalltreppe hinunter - und stolperte über ein schwarzes Fellbündel, das auf der untersten Stufe lag und protestierend maunzte. Im letzten Moment streckte Mike die Hand aus und fand am Geländer Halt, so dass er nicht stürzte, aber er schickte Astaroth einen Fluch und einen bösen Blick hinterher, die der Kater mit einem noch zornigeren Fauchen quittierte. Gleichzeitig war er aber auch klug genug, sich hastig ein paar Meter weiter zurückzuziehen. »Blödes Vieh!«, murmelte Mike. Er holte mit dem Fuß aus, als wollte er nach dem Kater treten, und hielt dann überrascht mitten in der Bewegung inne. Was war nur mit ihm los? Der Kater ging ihm manchmal auf die Nerven - und in letzter Zeit ganz besonders -, aber er hatte ihn niemals geschlagen, geschweige denngetreten.Astaroth sah ebenfalls - so weit das bei einem Tier möglich war - ziemlich verwirrt drein. Mike entschuldigte sich in Gedanken bei dem Kater, konnte gerade noch den Impuls unterdrücken, es auch laut zu tun, und ging kopfschüttelnd weiter. Vielleicht hätte er auf Trautmans Rat hören und sich wieder hinlegen sollen. Seine Kopfschmerzen wurden immer schlimmer und er fühlte sich irgendwie ... unwirklich. Auch als er Ben, Juan und Chris erreichte, wurde es nicht besser. Die drei waren mit ihrer Arbeit überraschend gut vorangekommen: Vor dem geschlossenen Sicherheitsschott, das die Wassermassen am Eindringen in die NAUTILUS hinderte, befand sich nun eine zweite, nicht besonders ansehnlich aussehende, aber äußerst massive Trennwand aus zentimeterdicken Stahlplatten, die die drei mit stabilen Trägern abgestützt und verschweißt hatten. Wenn man bedachte, wie weit sie gestern mit ihrer Arbeit gewesen waren, dann hatten sie eigentlich allen Grund, stolz zu sein. Sie sahen jedoch einfach nur müde aus.

Ben und Juan unterbrachen ihre Arbeit nicht einmal, als sie ihn hörten, aber Chris warf ihnen einen flüchtigen Blick zu und als Mike in sein Gesicht sah, erschrak er. Das jüngste Besatzungsmitglied der NAUTILUS sah kreidebleich aus. Unter seinen Augen waren dunkle Ringe und seine Hände zitterten so sehr, dass er kaum die Kraft zu haben schien, die Werkzeuge zu halten, die er den beiden anderen reichte. Mike verlor kein weiteres Wort, sondern griff ebenfalls mit zu. Sie arbeiteten eine gute Stunde, bis Ben, der der handwerklich Geschickteste an Bord war, sich endlich mit dem Ergebnis zufrieden gab. »Gehen wir zurück in den Salon«, schlug Juan müde vor. »Trautman und Singh müssten eigentlich auch bald zurückkommen.« Er warf Mike einen fragenden Blick zu. »Haben sie gesagt, wie weit sie sind?« Das hatten sie, aber Mike hatte plötzlich Schwierigkeiten, sich an Trautmans Worte zu erinnern. In seinem Kopf ging alles durcheinander. Wo sein Gehirn sein sollte, schien sich nur noch Watte zu befinden, in der sich seine Gedanken verirrten und die Erinnerungen seinem Zugriff entglitten. Er musste sich zwei, drei Augenblicke lang mit aller Macht konzentrieren und dann kam er doch nicht dazu, die Worte auszusprechen. Ein sachtes Zittern lief durch den Boden. Gleichzeitig hörten sie ein dumpfes, rumorendes Dröhnen, das immer lauter und lauter wurde. Mike riss überrascht die Augen auf und auch Juan und Ben sahen sich erschrocken um. Dabei war das Geräusch nicht einmal besonders beunruhigend: Es war das normale, seit Jahren vertraute Motorengeräusch der NAUTILUS, das den akustischen Herzschlag des Schiffes darstellte. Aber die Maschinen hatten seit Tagen geschwiegen und sie waren dem Maschinenraum so nahe, dass sie die Vibrationen der mächtigen Antriebsaggregate hören konnten. Und nicht nur das.

Mike fuhr erschrocken herum, als er einen anderen, weit weniger beruhigenden Ton hörte: Das leise, monotone Plätschern von Wasser. Auch Ben sog entsetzt die Luft zwischen den Zähnen ein und hob den Arm. Seine ausgestreckte Hand deutete auf eine Stelle an der Sicherheitswand, die sie gerade montiert hatten. Durch eine der Schweißnähte, die wohl doch nicht so dicht geworden war, wie sie angenommen hatten, sickerte ein dünner, aber beständiger Wasserstrom. »Aber was ...?«, murmelte Juan. »Trautman muss völlig den Verstand verloren haben!«, sagte Ben. »Will er uns umbringen?Raus hier!«Er musste seine Aufforderung nicht wiederholen. So schnell es ging, liefen sie die Treppe hinauf und in den Salon. Die NAUTILUS zitterte und ächzte immer stärker und aus dem anfänglich noch halbwegs ruhigen Geräusch der Maschinen wurde ein gequältes Brüllen. Mike hatte das Gefühl, dass das Schiff drauf und dran war, rings um sie herum auseinanderzubrechen. Umso überraschter war er, als sie hintereinander in den Salon stürmten und nicht nur Trautman und Singh an den Kontrollinstrumenten des Schiffes stehen sahen, sondern auch helles Sonnenlicht, das durch das große Seitenfenster hereinströmte. Die NAUTILUS war aufgetaucht. Mike blieb abrupt stehen und blinzelte ungläubig abwechselnd das Fenster und Trautman an. Alles in allem hatten sie kaum mehr als drei Minuten gebraucht, um hierher zu kommen. Trotzdem hatte die NAUTILUS in dieser Zeit die Meeresoberfläche erreicht. »Aber wir ...«, murmelte Juan fassungslos. »Wir sind ...« »Aufgetaucht«,bestätigte Trautman.»Endlich.« »Vierzig Meter indrei Minuten?«,keuchte Mike. Trautman sah ihn an, als begriffe er gar nicht, was Mike damit meinte. »Ich dachte, ihr hättet es eilig«, sagte er. »Ich für meinen Teil kann es gar nicht erwarten, endlich wieder frische Luft zu atmen. Du etwa nicht?« »Aber das ist doch Wahnsinn«, murmelte Juan. »Trautman, was ... was ist bloß in Sie gefahren? Sie hätten uns alle umbringen können!« »Ach was«, sagte Trautman gut gelaunt und eine Sekunde später fügte eine noch fröhlicher klingende Stimme hinter ihnen hinzu: »Statt rumzumeckern, solltet ihr lieber mitkommen. Wir gehen nach draußen.« Mike drehte sich herum und erblickte Serena und Argos, die lautlos hinter ihnen aufgetaucht waren. Serena strahlte über das ganze Gesicht, während Argos noch müder aussah als bisher. Genauer gesagt machte er auf Mike den Eindruck, dass er sich nur noch mit äußerster Mühe auf den Beinen hielt. »Das war bodenlos leichtsinnig!«, pflichtete ihm Ben bei. »Das Schiff hätte in Stücke brechen können. Ganz davon abgesehen, dass wir dort unten in der Falle gesessen hätten, wenn die Wand nicht gehalten hätte!« »Hat sie aber«, sagte Trautman. »Und Serena hat vollkommen Recht. Lasst uns alle nach oben gehen und ein bisschen Sonnenlicht tanken. Danach sieht die Welt wahrscheinlich schon ganz anders aus.«

Mike war der Letzte, der das Schiff verließ. Er hatte auf dem Weg nach oben nichts mehr gesagt, aber er behielt sowohl Trautman als auch Argos aufmerksam im Auge. Irgendetwas stimmte nicht mit den beiden, dessen war er sich mittlerweile vollkommen sicher. Dann verbesserte er sich in Gedanken: Etwas stimmte nicht mitihnen allen.Es war nicht nur das, was Trautman gerade getan hatte. Das Schiff in weniger als drei Minuten vierzig Meter weit aufsteigen zu lassen war mehr als bodenloser Leichtsinn: Es grenzte an Selbstmord. Aber das war längst nicht alles. Ganz plötzlich und ohne dass er das Gefühl genauer in Worte kleiden konnte, hatte er den Eindruck, dass niemand hier mehr so reagierte, wie er sollte. Ben, Juan, Chris und Serena kletterten hintereinander die kurze Leiter hinab, die auf das Deck der NAUTILUS hinunterführte, und sie bewegten sich langsam und vorsichtig und irgendwie steif -dabei hätten sie eigentlich ausgelassen herumtollen sollen, nach den Tagen, die sie auf dem Meeresgrund festgesessen hatten.Puppen,dachte er.Sie bewegen sich wie Puppen, die an Fäden hängen.

Was für eine verrückte Vorstellung. Und doch ... Etwas war an dieser Vorstellung, was -Argos hob den Kopf, blickte ihm in die Augen und Mike blinzelte ein paarmal und fragte sich, woran er gerade eigentlich gedacht hatte. Es hatte irgendetwas mit Puppen zu tun gehabt, aber ... Nein. Er wusste es nicht mehr. Wahrscheinlich war es nur wieder die Erinnerung an seinen verrückten Traum, die ihn quälte. Er blickte auf das Meer hinaus und es dauerte nicht lange, bis ihm etwas auffiel. »Seht mal da«, sagte er. Seine ausgestreckte Hand deutete nach Norden, aber er hätte ebenso gut in jede beliebige andere Richtung deuten können, denn der Anblick war überall gleich. Sie waren nicht allein. Rings um das Schiff herum schnitten Dutzende, wenn nicht Hunderte grauer, dreieckiger Flossen durch die Wasseroberfläche. Haie. »Und ich habe gedacht, wir wären die Biester los«, seufzte Trautman. »Was ist bloß in die gefahren?« »Vielleicht halten sie die NAUTILUS für einen besonders großen Appetithappen«, witzelte Ben. Niemand lachte. Trautman und Singh hatten ganz absichtlich nicht mehr darüber gesprochen, aber sie alle wussten, dass die Haie die NAUTILUS während der gesamten Zeit, die sie auf dem Unterwasserriff festlag, regelrecht belagert hatten. »Ich habe nicht die geringste Ahnung«, antwortete Trautman achselzuckend, »Aber ich glaube nicht, dass wir Grund zur Sorge haben. Hätten sie uns angreifen wollen, hätten sie dazu mehr als genug Gelegenheit gehabt.« »Vergesst die Biester einfach«, sagte Argos. Er sah zum Himmel hinauf. »In einer Stunde wird es dunkel. Ich schlage vor, ihr ruht euch so lange aus und genießt noch das Sonnenlicht. Ich werde inzwischen nach unten gehen und die Pumpen einschalten, damit wir das Wasser aus dem Schiff bekommen. Sobald es dunkel wird, können wir wahrscheinlich losfahren.« »Ich helfe Ihnen«, sagte Singh. »Wir müssen die Batterien aufladen - und vor allem die Sauerstofftanks füllen.« Mike hielt das nicht für eine gute Idee. Singh hatte, ebenso wie Trautman und Argos, mehr und schwerer gearbeitet, als ihm zuzumuten war. Er brauchte dringend ein paar Stunden Ruhe. Welchen Unterschied machte es, ob sie sofort oder in zwei Stunden weiterarbeiteten? Argos widersprach jedoch nicht, sondern nickte nur und machte sich mit müden Bewegungen daran, die Leiter wieder hinaufzusteigen. Als er die Hand nach dem Turm ausstreckte, um sich hochzuziehen, erschien ein struppiges, einäugiges Katzengesicht über dessen Rand und fauchte ihn wütend an. Argos prallte erschrocken zurück und hätte um ein Haar seinen Halt losgelassen und Astaroth setzte ihm nach, holte aus und verpasste ihm einen Krallenhieb, der vier dünne, blutige Striemen auf Argos' Wange hinterließ.

Der Atlanter schrie auf, griff sich an das Gesicht und

wäre fast von der Leiter gestürzt. Astaroth sprang los, landete mitten in seinem Gesicht und begann mit den Vorderpfoten auf ihn einzuschlagen. »Astaroth!«, brüllte Mike. »Bist du wahnsinnig?!« Er raste los und kletterte hinter Argos die Leiter hinauf, doch es gelang ihm nicht, an dem Atlanter vorbeizukommen. Argos schrie vor Schmerz und Zorn und warf sich wild hin und her, aber er klammerte sich auch gleichzeitig mit einer Hand eisern an der Leiter fest und versuchte mit der anderen, den Kater von sich herunter zuzerren. »Astaroth, hör auf!«, brüllte Mike. Er versuchte noch einmal, an Argos vorbeizukommen, schaffte es irgendwie und packte Astaroth mit beiden Händen. Um ein Haar wäre er dabei von der Leiter gefallen. Aber seine Hilfe gab Argos die Luft, die er brauchte, um den tobsüchtigen Kater endgültig abzuschütteln. Mit einer wütenden Bewegung packte er Astaroth mit beiden Händen, riss ihn hoch in die Luft - und warf ihn in hohem Bogen über Bord! Mikes Herz stockte, als er sah, wie Astaroth fünf oder sechs Meter von der NAU-TILUS entfernt ins Wasser stürzte und unterging. Und für einen kurzen Moment war es ihm, als würde ein unsichtbarer Schleier von seinen Augen gezogen. Plötzlich wusste er, was hier falsch war. Warum sie sich alle so vollkommen fremd verhielten und was Argos getan hatte. »Nein!«, keuchte er. »Was haben Sie getan?« Astaroth tauchte fauchend wieder aus dem Wasser auf und begann mit geschickten Bewegungen auf das Schiff zuzupaddeln, während hinter ihm eine riesige, dreieckige Flosse durch die Wellen schnitt. »Nein!«, schrie Mike. »Nein! Astaroth -schnell! Schwimm schneller!«

Astaroth paddelte, was das Zeug hielt. Er entwickelte eine erstaunliche Behendigkeit und er schwamm schneller, als es jeder Mensch gekonnt hätte.

Unglückseligerweise wurde er nicht von einemMenschenverfolgt...Fast hätte er es geschafft. Der Kater war vielleicht noch anderthalb oder zwei Meter vom Schiff entfernt, da verschwand die Haifischflosse plötzlich unter Wasser - und kaum eine Sekunde später begann das Meer da, wo Astaroth war, zu schäumen. Mit einem schrillen Kreischen versank der Kater im Wasser. Das Letzte, was Mike sah, war ein gewaltiger, dunkler Schatten, der sich rasch und lautlos von der

NAUTILUS entfernte. Langsam drehte er sich zu Argos herum. Er begann am ganzen Leib zu zittern. Argos hatte sich auf den Turm hinaufgezogen. Stöhnend und mit zitternden Fingern betastete er sein Gesicht, das über und über mit Blut

bedeckt war. Er hatte Dutzende von Schrammen und Kratzern abbekommen und einige davon sahen nicht unbedingt harmlos aus. Mike nahm jedoch kaum etwas davon zur Kenntnis. Er war noch immer vollkommen fassungslos und so ent setzt, dass es ihm schwer fiel, überhaupt einen klaren Gedanken zu fassen. »Was haben Sie getan?«, murmelte er. Und dann schrie er:»Was haben Sie getan?! Sie Mörder! Sie ... Sie ver dammter Mörder!«

Mit einem einzigen Satz war er neben Argos, hob die Hände und begann mit beiden Fäusten auf ihn einzuschlagen. Er war so wütend, dass er nicht einmal gezielt zuschlug, sondern einfach blindlings drauflos drosch. Vermutlich hätte er Argos schwer verletzt, wären nicht plötzlich Singh und Ben hinter ihm aufgetaucht, um ihn von seinem Opfer wegzuzerren. Mike brüllte wie von Sinnen weiter und schlug aus Leibeskräften um sich. Schließlich tat Ben das wahrscheinlich Einzige, was in dieser Situation überhaupt Sinn hatte: Er versetzte Mike eine schallende Ohrfeige, die bunte Sterne vor seinen Augen tanzen ließ.

Als er wieder klar sehen konnte, waren auch Trautman und die anderen auf den Turm hinaufgekommen. Serena kniete neben Argos und sah abwechselnd ihn und Mike an. In ihren Augen funkelte blanker Zorn. »Mike!«, sagte Trautman ungläubig. »Was ist denn in dich gefahren? Bist du verrückt?« »Er hat Astaroth umgebracht!«, antwortete Mike. Plötzlich war sein Zorn verraucht, von einer Sekunde auf die andere, und stattdessen machte sich ein Gefühl von abgrundtiefer Verzweiflung in ihm breit. »Verstehen Sie doch, Trautman, er hat Astaroth umgebracht!« »Ich weiß«, antwortete Trautman. Er sah flüchtig auf Argos hinab, schüttelte den Kopf und fügte etwas leiser hinzu: »Das war vielleicht etwas übertrieben, Argos.« Der Atlanter antwortete nicht, doch Serena fuhr Trautman regelrecht an: »Wenn er es nicht getan hatte, hätte ich es getan! Sehen Sie sich an, wie dieses tollwütige Vieh meinen Vater zugerichtet hat!« »Er ist tot«, murmelte Mike. Seine Augen füllten sich mit heißen Tränen. »Versteht ihr denn nicht? Astaroth ist tot!« »He, he, jetzt beruhige dich!«, sagte Ben. »Er hat es bestimmt nicht absichtlich getan. Und außerdem: Es war nur eine Katze.« »Nur eine Katze?« Mike riss ungläubig die Augen auf. »Ja ... je seid ihr denn alle verrückt geworden?Begreift ihr denn gar nicht, was hier vorgeht?«

»Nein«, sagte Ben. »Warum erklärst du es uns nicht?« »Genau«, fügte Argos hinzu. »Warum erklärst du es uns nicht?« Mike fuhr mit einer so wütenden Bewegung herum, dass Singh vorsichtshalber wieder zugriff und ihn an den Schultern festhielt. Argos hatte die Hände sinken lassen und sich halb aufgerichtet. Sein Gesicht sah wirklich schrecklich aus und Astaroths Krallen schienen auch sein linkes Auge verletzt zu haben, denn er blinzelte ununterbrochen. »Also?«

Mike wollte antworten. Er wollte ihn anschreien, allen hier erzählen, was Argos getan hatte - aber er konnte es nicht. Diesmalspürteer sogar, was geschah. Irgendetwas in Argos' Augen lahmte ihn. Eine Kraft, der sein Wille nichts entgegenzusetzen hatte. Er konnte nicht sprechen, nicht einmal mehr wirklich denken. »Ich ... ich war ...«, begann er. Argos legte den Kopf schräg. »Ja?« »Ich war nur erschrocken«, sagte Mike. Innerlich schrie er dabei lautlos auf. Erwolltedas nicht sagen. Das waren nicht seine Worte. Und trotzdem hörte er sich selbst voller Entsetzen weiterreden: »Es tut mir leid. Ich war nur so erschrocken, als Sie den Kater einfach so den Haien zum Fraß vorgeworfen haben.« »Aber das war doch keine Absicht«, sagte Argos sanft. Er lächelte unsicher. »Ich gebe zu, ich hätte das nicht tun sollen. Aber mir ging es so wie dir: Ich war ziemlich erschrocken. Außerdem hat mir das Tier wirklich weh getan. Ich wollte ihn einfach nur loswerden, weißt du? Ich wollte nicht, dass die Haie ihn kriegen.« »Ich verstehe gar nicht, was in ihn gefahren ist«, sagte Trautman kopfschüttelnd. »Eigentlich war er ein ganz friedliches Tier.« »Wahrscheinlich hatte er die Tollwut«, grollte Serena. »Und so, wie Mike sich benommen hat, schätze ich, dass er sie auch hat. Wir sollten ihn im Auge behalten.« »Serena!«, sagte Argos streng. »Das ist nicht fair.« »Was er getan hat, war auch nicht fair«, sagte Serena schnippisch. »Es tut mir ja auch leid«, sagte Mike kleinlaut. »Wirklich. Ich ... ich möchte mich entschuldigen.« »Das brauchst du nicht«, erwiderte Argos mit einem verzeihenden Lächeln. »Ich weiß doch, wie sehr du an dem Tierchen gehangen hast. Weißt du was? Sobald wir den nächsten Hafen anlaufen, kaufe ich dir eine neue Katze, einverstanden?«

Mike nickte zögernd. Argos' Angebot war sehr großzügig.

Und außerdem hatte Ben natürlich vollkommen Recht: Es war nur eine Katze gewesen, nicht mehr. Er verstand gar nicht mehr, was in ihn gefahren war, dass er so die Beherrschung verlor. »Also gut«, sagte Argos. »Es ist ja nichts passiert. Ich schlage vor, wir gehen wieder an die Arbeit. Wir haben

noch viel zu tun, bis es dunkel wird.« Niemand widersprach.

Seit guten zehn Minuten stand Mike vor dem großen Aussichtsfenster im Salon und blickte aufs Meer hinaus. Sie fuhren nur wenige Meter unter der Wasseroberfläche, in einer Tiefe, in die das Sonnenlicht noch hinabkam, so dass der Blick weit in den Ozean hineinreichte. Auf jeden Fall weit genug, um die zahlreichen Schatten zu erkennen, die das Schiff begleiteten. Die NAUTILUS fuhr nicht mit Höchstgeschwindigkeit, aber doch ziemlich schnell. Trotzdem machte es den Haifischen sichtlich keine Mühe, mit ihr mitzuhalten.