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Das Original „The Helping Hand“ erschien im Mai 1950 in ASTOUNDING SCIENCE FICTION

(deutsche Übersetzung von Bodo Baumann, erschienen in einem alten SF-Taschenbuch)

Der melodische Glockenklang wurde begleitet von der sachlichen Stimme des Roboters im Vorzimmer: „Seine Exzellenz, Valka Vahino, Sonderbotschafter der Liga von Cundaloa bei der Regierung des Solaren Commonwealth.“ Die Irdischen erhoben sich höflich, als der Botschafter eintrat. Trotz der Schwerkraft und der trockenen Kälte — so mußten ihm die irdischen Verhältnisse erscheinen — trat der Botschafter mit der typischen Anmut seiner Rasse auf, und wieder einmal waren die Irdischen beeindruckt von der Schönheit dieser Geschöpfe.

Geschöpfe — nun, die Bevölkerung von Cundaloa war ziemlich menschenähnlich, sowohl geistig wie auch physisch, um mit irdischen Maßstäben gemessen zu werden. Ihre Unterschiede im Vergleich zu den Menschen waren nicht bedeutend. Ein gewisser Charme, eben das „Anderssein“, das immer romantische Betrachtungen auslöst, umgab diese Fremdlinge, so daß man bei ihrem Anblick mit Genugtuung feststellte, daß nichts Unheimliches diese Rasse von den Menschen unterschied.

Ralph Dalton betrachtete den Botschafter von Kopf bis Fuß. Valka Vahino war ein typischer Vertreter seines Volkes — menschenähnlicher Zweifüßler mit einem Gesicht, das männlich wirkte, doch dessen Züge feiner, hübscher waren als bei einem irdischen Mann. Die Wangenknochen waren kräftig, die Augen groß und dunkel. Die Statur war kleiner und zierlicher als die eines Erdenbewohners, und die katzenhafte Geschmeidigkeit der Glieder verband sich mit der Anmut der schlanken Gestalt. Langes blauschimmerndes Haar fiel auf die Schultern herab, bildete einen Kontrast zu der hohen Stirn und der goldfarbenen Haut. Der Botschafter trug die uralte zeremonielle Kleidung von Cundaloa — Tunika aus Silber, Mantel aus purpurfarbenem Material, hier und dort mit Metall durchwirkt, das wie Sterne am Abendhimmel aufblitzte — und dazu mit Gold besetzte Stiefel aus weichem Leder. Die eine schlanke Hand mit den sechs Fingern hielt den kunstvoll geschnitzten Stab, der als Beglaubigung seines Planeten angesehen werden mußte, während er die andere Hand feierlich zum Gruß hob.

Er verbeugte sich — doch nichts Serviles lag in dieser Geste, nur Anmut. Dann sprach er in fehlerloser irdischer Sprache: „Friede sei mit eurem Haus! Das Große Haus von Cundaloa schickt seine besten Grüße und Wünsche für Euer Wohlergehen! Ich, das unwürdige Mitglied seines Haushaltes, komme zu seinen solaren Brüdern und erbitte ihre Freundschaft!“ Ein paar Irdische bewegten sich ein bißchen verlegen. In der Übersetzung klang das alles ein wenig gespreizt, dachte Dalton. Aber die Sprache von Cundaloa war trotzdem eine der schönsten in der Milchstraße.

Dalton erwiderte mit der gleichen Feierlichkeit: „Grüße und Wilkommen. Das Solare Commonwealth empfängt den Abgesandten der Liga von Cundaloa mit aufrichtiger Freundschaft. Ralph Dalton, Premierminister des Commonwealth, spricht für alle Bewohner des Sonnensystems.“

Er stellte dann die anderen Anwesenden vor — die Minister, die technischen Berater, die Mitglieder der militärischen Stäbe. Es war eine imponierende Versammlung. Ein beträchtlicher Teil von denen, die im Sonnensystem Rang und Macht besaßen, war heute hier im Raum anwesend.

Er schloß seine Rede mit den Worten: „Dies ist eine vorbereitende Konferenz über die wirtschaftlichen Maßnahmen, die wir vor kurzem Ihrem Regime, dem Großen Haus von Cundaloa vorgeschlagen haben. Diese Konferenz hat noch keine gesetzlich verbindlichen Beschlüsse gefaßt. Doch sie wird über alle Kanäle ausgestrahlt, und somit wird die Solare Generalversammlung auf der Grundlage dieser und ähnlicher Konferenzen ihre Entscheidung treffen.“

„Ich verstehe. Das ist eine löbliche Einstellung.“

* * *

Vahino wartete, bis alle wieder Platz genommen hatten, und ließ sich dann ebenfalls nieder.

Jetzt folgte eine Pause. Alle Augen blickten immer wieder hinauf zur Wanduhr. Vahino war pünktlich erschienen, doch Skorrogan von Skontar verspätete sich. Taktlos, dachte Dalton, aber das war man von diesen Geschöpfen gewöhnt. Ihre Sitten waren eben barbarisch — ganz und gar nicht mit der liebenswürdigen Ehrerbietung der Cundaloaner zu vergleichen, die man nicht als Schwäche mißdeuten durfte.

Man füllte die Wartezeit mit höflichen Floskeln. „Wie gefällt es Ihnen bei uns?“ und so fort. Vahino, wie sich herausstellte, hatte in den verflossenen zehn Jahren das Sonnensystem schon oft besucht. Das war kein Wunder, wenn man die immer enger werdenden Handelsbeziehungen zwischen seinem Planeten und dem Solaren Commonwealth in Betracht zog. Eine stattliche Anzahl von cundaloanischen Studenten bildete sich auf irdischen Universitäten, und vor dem Krieg hatte auch ein lebhafter Touristenverkehr zwischen Sol und Avaiki bestanden. Wahrscheinlich würde er sich wieder beleben — bald sogar, sofern die Verwüstungen rasch beseitigt werden konnten…

„Oh, ja“, lächelte Vahino, „es ist der Ehrgeiz aller jungen anamai — der Männer von Cundaloa, die Erde zu besuchen, und wenn es auch nur zu einem kurzen Aufenthalt reicht. Es ist keine Schmeichelei, wenn ich behaupte, daß unsere Bewunderung für die Irdischen und ihre Errungenschaften geradezu grenzenlos ist.“

„Die Bewunderung ist gegenseitig“, beeilte sich Dalton zu versichern. „Ihre Kultur, die cundaloanische Kunst und Musik, die Literatur — all das findet hier im solaren System begeisterte Bewunderer und Nachahmer. Viele Menschen — und nicht bloß Gelehrte — lernen die Sprache von Luaia nur, um das Dvanagoa-Epos im Original lesen zu können. Cundaloanische Sänger und Sängerinnen bekommen mehr Applaus als die einheimischen Künstler.“ Er lächelte. „Ihre jungen Studenten an unseren Universitäten können sich kaum vor Verehrerinnen retten, und Ihre wenigen weiblichen Vertreter an den Stätten der Gelehrsamkeit sind wegen der zahlreichen Einladungen wohl kaum in der Lage, einem geregelten Studium nachzugehen. Ich glaube, nur der Umstand, daß eine Verbindung zwischen ihnen und irdischen Männern unfruchtbar bleibt, hat bisher die Zahl der Eheschließungen von Einwohnern beider Planetensysteme so niedrig gehalten.“

„Vielleicht“, erwiderte Vahino. „Trotzdem sind wir uns auf meinem Planeten bewußt, daß Ihre Zivilisation in der uns bekannten Milchstraße den Ton angibt. Nicht allein, daß die Zivilisation des Sonnensystems technisch am weitesten fortgeschritten ist — natürlich ist das auch ein wichtiger Faktor — sondern auch die Tatsache ist entscheidend, daß ihr zu uns gekommen seid — mit euren Raumschiffen, eurer Atomenergie, eurer Medizin und so fort. Doch das läßt sich lernen und aufholen. Nicht aufholen oder überbieten können wir jedoch eure Großzügigkeit, mit der ihr uns — nun, eure Unterstützung anbietet: Ihr baut zerstörte Welten wieder auf, die Lichtjahre von euch entfernt sind. Ihr pumpt euren Reichtum und euer technisches Wissen in unsere Heimstätten und Länder, obwohl wir doch nur Bescheidenes als Gegengabe anzubieten haben. Das ist es, was euch zur führenden Rasse der Milchstraße macht!“

„Nun, wir haben auch eigensüchtige Motive, die wir mit unserer Hilfe verbinden“, erwiderte Dalton. „Viele eigensüchtige Gründe.“

Natürlich gibt es auch humanitäre Erwägungen. Wir können nicht Rassen, die uns verwandt sind, in Not und Bedürftigkeit verkommen lassen, wenn unser Sonnensystem und seine Kolonien mehr Reichtum besitzen, als sie verbrauchen können. Aus unserer eigenen blutigen Vergangenheit wissen wir sehr wohl, daß wirtschaftliche Hilfsmaßnahmen meist zum Nutzen des Wohltäters geraten. Wenn wir Cundaloa und Skontar wieder aufgebaut haben, ihre rückständigen Industrien modernisiert, ihre Ernteerträge gesteigert und ihre wissenschaftlichen Methoden verbessert haben, werden beide mit uns Handel treiben. Und unsere Wirtschaft ist immer noch — trotz ihres hohen Alters — vorwiegend auf Gewinn und Geldvermehrung aufgebaut. Und dann werden beide Planeten zu sehr aufeinander angewiesen sein, um sich noch einmal in so verheerendem Zwiespalt zu zerfleischen wie in dem Krieg, der kürzlich erst endete. Und von da an werden sie unsere Verbündeten in einem Kampf sein, der sich gegen Kulturen richtet, die uns tatsächlich fremd und gefährlich sind — Reiche und Planeten, die wir eines Tages in der Milchstraße entdecken werden und gegen die wir uns dann behaupten müssen.“

„Möge der Göttliche verhindern, daß der Friede der Milchstraße erneut gebrochen wird“, erwiderte Vahino ernst. „Wir haben genug vom Krieg.“

In diesem Augenblick läutete die Glocke zum zweitenmal, und der Roboter verkündete: „Seine Exzellenz, Skorrogan Valthaks Sohn, der Herzog von Kraakahaym, Sonderbotschafter des Skontarischen Reiches beim Commonwealth!“ Die Irdischen erhoben sich wieder — diesmal etwas langsamer —, und Dalton sah den Ausdruck von Ablehnung auf den Gesichtern vieler, die hier versammelt waren. Natürlich verflog dieser Ausdruck sofort, als der Botschafter eintrat, wurde durch die Miene neutraler Sachlichkeit ersetzt. Aber es bestand gar kein Zweifel, daß die Skontaraner im Sonnensystem keine Popularität genossen.

Das war natürlich zum Teil ihre eigene Schuld. Eine Schuld, die sich wohl gar nicht vermeiden ließ.

Auf den ersten Blick sah es so aus, als wären die Skontaraner für den Ausbruch des Krieges verantwortlich gewesen. Das war ein Irrtum. Das Mißgeschick wollte es, daß die Sonnen Skang und Avaiki, die ein halbes Lichtjahr voneinander entfernt ihr Planetensystem um sich scharten, noch ein drittes System in der Nähe hatten. Dieses System — nach seinem irdischen Entdecker, Captain Allan, der dort mit einer irdischen Raumflotte gelandet war, meist Allan-System genannt — war unbewohnt.

Als nun die irdische Technik und Zivilisation sowohl in Skontar wie auch in Cundaloa eingeführt wurden, hatte man diese beiden Planeten natürlich zuerst einmal zu einer Union zusammenschließen wollen. Doch sie entwickelten sich schließlich — sie und ihre kolonisierten Nachbarplaneten — zu zwei rivalisierenden Blöcken, die beide begehrliche Augen auf das dritte System warfen — eben auf das unbewohnte Allan-System. Beide hatten dort Kolonien eingerichtet. Es kam zu kriegerischen Handlungen, schließlich zu einem verheerenden, fünf Jahre dauernden Krieg, der beide Systeme bis auf den Tod erschöpfte und der nur mit irdischer Unterstützung geschlichtet werden konnte. Im Grunde war dieser Krieg nichts als der sattsam bekannte Zusammenstoß zweier imperialistischer Mächte gewesen, wie ihn die Erde in ihrer langen Vergangenheit oft genug erlebt hatte, ehe ihre Bewohner den großen Frieden geschlossen und die Charta des Commonwealth erlassen hatten.

Die Bedingungen des Friedensvertrages, den die Regierung des Solaren Commonwealth hier auf der Erde für die beiden Planeten erlassen hatte, waren gerecht und fair. Sie würden den Frieden bestimmt erhalten, besonders weil sie beide auf die wirtschaftliche Unterstützung durch das Sonnensystem für ihren Wiederaufbau dringend angewiesen waren.

Dennoch — die menschliche Vorliebe galt den Cundaloanern. Es war natürlich die logische Folge, daß Mißbilligung und Abscheu in gleichem Maße den Skontaranern galt. Die Menschen schoben ihnen die Schuld an dem Krieg in die Schuhe. Aber schon vor dem Krieg hatten sie nicht viel für diese Rasse übrig gehabt. Ihr Isolationismus, ihr zähes Festhalten an alten Traditionen, ihre rauhe Sprache, ihre abstoßenden Manieren, selbst ihr Aussehen — alles das machte die Menschen gegen diese Rasse voreingenommen.

Dalton hatte schon vor der Konferenz Schwierigkeiten gehabt, die Generalversammlung dazu zu bewegen, auch einen Abgesandten von Skontar einzuladen. Es gelang ihm schließlich, den Rat des Commonwealth zu überzeugen, daß diese Einladung wesentlich für die Gestaltung der Zukunft war — denn die Bodenschätze des Skang-Systems sollten für den Wiederaufbau herangezogen, und die Freundschaft dieses bisher so zurückhaltenden, aber potentiell gefährlichen Imperiums mußte gewonnen werden.

Das Hilfsprogramm war bisher noch ein Vorschlag. Die Generalversammlung mußte erst entsprechende Gesetze erlassen, wem und in welchem Maße geholfen werden sollte. Dann mußten diese Gesetze Bestandteile von Verträgen werden, die mit diesen Planeten abgeschlossen werden sollten. Die heutige Konferenz war erst der Anfang dieses langwierigen Prozesses — aber der entscheidende erste Schritt…

* * *

Dalton verbeugte sich förmlich, als der Skontaraner eintrat. Der Botschafter erwiderte diese Höflichkeitsbezeigung dadurch, daß er mit dem Schaft seiner Lanze auf den Boden stieß. Dann lehnte er diese archaische Waffe gegen die Wand und überreichte Dalton seine eigentliche Waffe — den Atomstrahler — mit dem Griff voran. Dalton ergriff sie und legte die Waffe beiseite. „Grüße und Willkommen“, begann dann Dalton, da der Skontaraner bisher kein Wort gesagt hatte. „Das Commonwealth…“

„Schon gut“, erwiderte der Skontaraner. Seine Stimme war ein heiserer Baß. „Der Valtam des Imperiums von Skontar läßt seine Grüße durch Skorrogan Valthaks Sohn, den Herzog von Kraakahaym, an den Premier des Solaren Commonwealth entbieten.“ Der Botschafter schien den ganzen Raum mit seiner kräftigen, Schrecken einflößenden Gestalt auszufüllen. Obgleich er von einem Planeten stammte, dessen Schwerkraft größer und dessen Durchschnittstemperatur niedriger war als die der Erde, waren er und seine Artgenossen größer als die Menschen — über zwei Meter groß, mit mächtigem Brustkorb. Menschenähnlich konnte man sie trotzdem noch nennen, denn sie waren Zweifüßler, Säugetiere und mit Sprache begabt. Doch hier endete die Ähnlichkeit. Unter breiter, niedriger Stirn lagen goldfarbene Augen, geschützt von wulstigen Brauen. Es waren die Augen eines Sperbers. Das Gesicht war einem kurzen Rüssel nicht unähnlich — mit scharfen Zähnen in mächtigen Kiefern. Die Ohren saßen ziemlich weit oben am massigen Schädel, und kurzes braunes Fell bedeckte den muskulösen Körper bis hinunter zum langen, nervös zuckenden Schwanz.

Eine rötliche Mähne umgab Kopf und Hals, und trotz der tropischen Temperatur, die seinem Empfinden nach hier auf der Erde herrschen mußte, trug er die Felle und Häute, die bei ihm zu Hause für Staatsempfänge vorgeschrieben waren. Der scharfe Geruch von Schweiß umgab ihn.

„Sie kommen spät“, bemerkte einer der Minister mit unterkühlter Höflichkeit. „Ich hoffe doch nicht, daß Sie unterwegs aufgehalten wurden?“

„Nein, ich unterschätzte nur die Zeit, die ich für meinen Weg brauchen würde“, erwiderte Skorrogan. „Bitte, mir mein Verspäten nachzusehen.“

Das klang gar nicht wie eine Entschuldigung. Skorrogan warf seinen massigen Körper in den nächstbesten Sessel und öffnete seine Aktentasche. „Und nun zu dem geschäftlichen Teil, meine Herren — oder?“

„Hm — ja — natürlich.“ Dalton ließ sich am Kopfende des langen Konferenztisches nieder. „Obgleich wir bei dieser vorbereitenden Konferenz noch nicht um Zahlen und Fakten feilschen wollen, werden wir uns doch auf gemeinsame Ziele festlegen — auf den Kurs unseres Hilfsprogramms sozusagen.“

„Und dazu brauchen Sie natürlich eine Übersicht über die zur Verfügung stehenden Rohstoffreserven und wirtschaftlichen Kapazitäten der beiden Planetensysteme um die Sonnen Avaiki und Skang sowie deren Kolonien auf dem Gebiet der Allan-Planeten“, setzte Vahino die Einleitung des Premiers mit seiner melodischen Stimme fort. „Die fruchtbaren Ackerbaugebiete von Cundaloa und die Erzbergwerke von Skontar werden schon jetzt einen bedeutenden Beitrag für das Hilfsprogramm leisten. Ist es erst einmal angelaufen, soll an seinem Ende natürlich die volle wirtschaftliche Gleichberechtigung und Unabhängigkeit stehen.“

„Das ist auch eine Frage der Nachwuchsbildung und Erziehung“, bemerkte Dalton. „Wir werden Experten, technische Berater, Lehrer zu Ihrer Unterstützung zur Verfügung stellen…“

„Und natürlich gibt es da auch die militärische Frage“, meldete sich der Chef des Stabes zu Wort.

„Skontar hat seine eigene Armee“, knurrte Skorrogan. „Darüber brauchen wir nicht zu verhandeln.“

„Mag sein“, meinte der Minister der Finanzen verbindlich. Er holte eine Zigarre aus der Tasche und zündete sie an. „Bitte, Sir!“ Einen Moment lang wurde Skorrogans Stimme so laut wie das Brüllen eines Stieres. „Rauchen Sie nicht! Sie wissen, daß die Skontaraner allergisch gegen Tabak sind!“

„Entschuldigung“ Der Minister der Finanzen löschte den Glühzylinder. Seine Hand zitterte ein wenig, und er funkelte den Botschafter böse an. Es wäre wirklich kein Anlaß gewesen, sich zu beschweren, denn das Ventilationssystem saugte den Rauch sofort ab. Und vor allem schreit man keinen Kabinettminister an — schon gar nicht, wenn man als Bittsteller kommt…

„Es wird in diesem Rahmenvertrag nicht nur um die bestehenden Planetensysteme gehen“, sagte Dalton hastig. In einem jähen Gefühl der Verzweiflung versuchte er, das Unbehagen und die aufkommende Feindseligkeit zu verdrängen. „Auch nicht um die Kolonien des Solaren Commonwealth allein. Denn ich kann wohl annehmen, daß sich Ihre Rassen nicht auf die bestehenden drei Planetensysteme beschränken wollen. Sie werden expandieren. Und die Rohstoffquellen, die Sie dabei erschließen, werden ebenfalls…“

„Wir werden wohl expandieren müssen“, unterbrach Skorrogan den Premier finster. „Nachdem der Vertrag uns den vierten Planeten geraubt hat… Egal. Bitte entschuldigen Sie. Es ist schon schlimm genug, daß man mit dem Feind an einem Tisch sitzen muß. Man muß nicht dauernd daran erinnert werden, daß noch vor Wochen gegen uns gekämpft wurde.“ Diesmal war das Schweigen geradezu drohend. Dalton erkannte — und dabei wurde ihm fast übel —, daß Skorrogan seine Verhandlungsposition endgültig verdorben hatte. Selbst wenn er jetzt versuchen sollte, sich zu entschuldigen — und wer hätte schon einmal einen skontaranischen Adeligen erlebt, der sich für irgend etwas entschuldigt! — , war die Lage nicht mehr zu retten. Zu viele Millionen Bewohner des Sonnensystems sahen der Übertragung zu, hatten als Zeugen die unverzeihliche Arroganz des Botschafters miterlebt. Zu viele einflußreiche Persönlichkeiten, die Führungselite des Sonnensystems, saßen hier im gleichen Saal mit dem Skontaraner zusammen, blickten in seine von Verachtung sprühenden Augen, rochen den scharfen Geruch des Schweißes.

Für Skontar würde es keine Wirtschaftshilfe geben.

* * *

Bei Sonnenuntergang türmten sich dunkle Wolken über den Klippen im Osten von Geyrhaym. Ein schneidend kalter Wind wehte den Hauch des Winters über die Ebene. Ab und zu wirbelten Schneeflocken über den verblassenden Purpurhimmel, rosig angehaucht vom Abendrot. Noch vor Mitternacht würde es einen Schneesturm geben.

Das Raumschiff fiel aus der Dunkelheit herab und landete auf der Raketenpiste. Hinter dem kleinen Raumschiffhafen lag die alte Stadt Geyrhaym im grauen Zwielicht, duckte sich vor dem Wind. Aus den spitzgiebeligen Häusern fiel Lampenschein. Aber die gewundenen Gassen mit dem Kopfsteinpflaster waren verlassen. Wie öde Schluchten zwischen den Mauern führten sie im Zickzack zu dem Hügel hinauf, auf dem noch die Burg der Barone stand.

Der Valtam hatte die Burg übernommen, und das kleine Geyrhaym war jetzt die Hauptstadt des Reiches. Denn das stolze Skirnor und das prächtige Thruwang waren zu radioaktiven Aschehaufen zerfallen. Wölfe — oder das, was auf diesem Planeten die Wölfe waren — strichen um die Stätten ehemaligen Glanzes.

Skorrogan Valthaks Sohn erschauerte, als er die Luftschleuse verließ und die Gangway herunterkam. Skontar war ein kalter Planet.

Er hüllte sich in seinen schweren Fellumhang. Sie warteten gleich neben der Gangway, die Fürsten von Skontar. Skorrogans Muskeln verkrampften sich. Vielleicht wartete der Tod dort unten auf ihn, in der schweigenden Gruppe mit den finsteren Mienen. Auf jeden Fall Ungnade — gegen die er sich nicht verteidigen konnte…

Der Valtam persönlich war gekommen. Seine weiße Mähne flatterte im bitterkalten Wind. Seine goldenen Augen schienen im Zwielicht zu leuchten — hart und grausam, ja voll verhohlenem Hass. Sein ältester Sohn, der Thronerbe Thordin, stand neben ihm.