122179.fb2 Die sieben Sonnen - читать онлайн бесплатно полную версию книги . Страница 5

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Die Bemerkung sollte offensichtlich nicht beleidigend wirken; es war eine einfache Feststellung, und Alvin akzeptierte sie als solche. Es überraschte ihn nicht, daß man ihn erkannte; durch seine Einzigartigkeit und ihre verborgenen Möglichkeiten war er jedem Einwohner Diaspars bekannt geworden, ob ihm das nun gefiel oder nicht.

„Ich bin Khedron“, fuhr der Fremde fort, als erkläre das alles. „Man nennt mich den Spaßmacher.“

Alvin sah ihn verständnislos an, und Khedron zuckte spöttisch resigniert die Achseln.

„Ach, so geht es mit dem Ruhm. Immerhin, du bist noch jung, und in deinem Leben hat es noch keine Späße gegeben. Deine Unwissenheit ist entschuldigt.“

Khedron hatte etwas erfrischend Ungewöhnliches an sich. Alvin forschte in Gedanken nach der Bedeutung des seltsamen Wortes Spaßmacher; es rief irgendeine verschwommene Erinnerung in ihm wach, aber er konnte sie nicht definieren. In der komplizierten Gesellschaftsstruktur der Stadt gab es viele derartige Titel, und man brauchte meistens sein ganzes Leben, um sie alle behalten zu können.

„Kommen Sie oft hierher?“ fragte Alvin ein wenig eifersüchtig. Er betrachtete den Turm von Loranne als sein persönliches Eigentum und ärgerte sich darüber, daß er auch anderen bekannt war. Aber hatte Khedron auf die Wüste hinausgeblickt oder die Sterne im Westen versinken sehen?

„Nein“, sagte Khedron, als beantworte er Alvins unausgesprochene Fragen. „Ich bin noch nie hiergewesen. Aber ich habe das Vergnügen, über alle ungewöhnlichen Vorkommnisse in der Stadt unterrichtet zu sein, und es ist sehr, sehr lange her, seit jemand den Turm von Loranne aufsuchte.“

Alvin fragte sich flüchtig, wie Khedron von seinen früheren Besuchen wissen konnte. Diaspar war voll von Augen und Ohren und anderen scharfsinnigen Sinnesorganen, die alle Vorgänge registrierten. Eine Person, die sich entsprechend dafür interessierte, konnte zweifellos eine Möglichkeit finden, diese Kanäle anzuzapfen.

„Selbst wenn es ungewöhnlich sein sollte, daß jemand hierherkommt“, sagte Alvin, „warum interessieren Sie sich dafür?“

„Weil das Ungewöhnlichste in Diaspar meine Domäne ist“, erwiderte Khedron. „Ich habe dich seit langer Zeit vorgemerkt; ich wußte, daß wir eines Tages zusammentreffen würden. In meiner Art bin ich auch einzigartig. O nein, nicht so, wie du: Das ist nicht mein erstes Leben. Ich bin tausendmal aus der Halle der Schöpfung getreten. Aber irgendwann am Anfang wurde ich als Spaßmacher bestimmt, und in Diaspar gibt es jeweils immer nur einen Spaßmacher. Die meisten Leute sind der Auffassung, das sei schon einer zuviel.“

Khedron sprach mit einer Ironie, die Alvin verwirrte. Es galt nicht als hervorragendes Benehmen, direkte persönliche Fragen zu stellen, aber schließlich hatte Khedron mit diesem Thema angefangen.

„Ich bitte, meine Unwissenheit zu entschuldigen“, sagte Alvin. „Aber was ist ein Spaßmacher und was macht er?“

„Du fragst, was er ist und was er macht“, erwiderte Khedron. „Ich werde damit beginnen, dir das Warum zu erklären. Es ist eine lange Geschichte, aber ich glaube, sie wird dich interessieren.“

„Ich bin an allem interessiert“, sagte Alvin.

„Nun gut. Die Menschen — wenn es Menschen waren, was ich manchmal bezweifle —, die Diaspar entwarfen, standen vor einem unglaublich komplizierten Problem. Diaspar ist nicht nur eine Maschine, verstehst du — es ist ein lebender Organismus, und zwar ein unsterblicher. Wir haben uns so sehr an unsere Gesellschaftsart gewöhnt, daß wir uns nicht mehr vorstellen können, wie seltsam sie unseren Vorfahren erschienen wäre.

Wir haben hier eine winzige, abgeschlossene Welt, die sich, abgesehen von unbedeutenden Einzelheiten, niemals verändert, die aber trotzdem, Zeitalter um Zeitalter, stabil bleibt. Sie hat wahrscheinlich längere Zeit überdauert als die übrige menschliche Geschichte — und doch gab es in dieser Geschichte, so sagt man, unzählige Tausende verschiedener Zivilisationen, die sich eine Weile hielten und dann untergingen. Wie erreichte Diaspar diese außergewöhnliche Beständigkeit?“

Alvin war überrascht, daß jemand eine so einfache Frage stellte. Seine Hoffnungen, etwas Neues zu lernen, trübten sich.

„Durch die Gedächtnisanlagen, natürlich“, erwiderte er. „Diaspar besteht immer aus den gleichen Menschen, obwohl die tatsächliche Gruppierung jeweils verschieden ist.“

Khedron schüttelte den Kopf.

„Das ist nur ein sehr kleiner Teil der Antwort. Mit genau denselben Leuten könnte man sehr verschiedene Gesellschaftssysteme bilden. Das kann ich nicht beweisen, aber ich halte es für richtig. Die Planer dieser Stadt legten nicht nur ihre Bevölkerung fest, sie bestimmten auch die Gesetze, die ihr Verhalten regelten. Wir haben kaum eine Ahnung von der Existenz dieser Gesetze, aber wir gehorchten ihnen. Diaspar ist eine erstarrte Kultur, die sich außerhalb engster Grenzen nicht verändern kann. Die Gedächtnisanlagen speichern außer den Strukturen unserer Körper und Persönlichkeiten noch sehr viele andere Dinge. Sie speichern das Bild der Stadt selbst und bewahren jedes Atom davon gegen alle Veränderungen der Zeit. Sieh dir dieses Pflaster an — es wurde vor Millionen Jahren gelegt, und zahllose Füße sind darübergeschritten.

Siehst du das geringste Zeichen der Abnützung? Ungeschützte Materie, gleichgültig, wie diamanthart sie sein mag, wäre schon vor langer Zeit zu Staub zermahlen worden. Aber solange Energie zur Betreibung der Gedächtnisanlagen vorhanden ist und solange die Modelle, die sie beherbergen, die Stadt kontrollieren, wird sich die physikalische Struktur Diaspars niemals ändern.“

„Aber es hat doch Veränderungen gegeben“, wandte Alvin ein. „Seit der Gründung der Stadt wurden viele Gebäude niedergerissen und neue Häuser errichtet.“

„Natürlich — aber nur durch Löschung der in den Gedächtnisanlagen enthaltenen Muster und anschließender Speicherung neuer Strukturen.

Jedenfalls habe ich darauf nur als auf ein Beispiel hingewiesen, wie sich die Stadt physisch erhält. Worauf ich aber hinauswill, ist die Tatsache, daß es ebensolche Maschinen in Diaspar gibt, die unsere gesellschaftliche Struktur bewahren. Sie beobachten alle Veränderungen und korrigieren sie, ehe sie zu mächtig werden. Wie machen sie das? Ich weiß es nicht — vielleicht durch die gesteuerte Auswahl derjenigen, die aus der Halle der Schöpfung treten. Vielleicht auch, indem sie unsere Persönlichkeitsstrukturen verändern; wir mögen glauben, daß wir freien Willen besitzen, aber können wir dessen sicher sein?

Auf jeden Fall wurde das Problem gelöst. Diaspar hat überlebt und alle Jahrtausende durchzogen, wie ein großes Schiff, das als Fracht das trägt, was von der Menschheit übrigblieb. Das ist eine gewaltige Tat der Sozialtechnik; ob es sich gelohnt hat, ist eine andere Frage.

Beständigkeit allein genügt jedoch noch nicht. Sie führt zu leicht zum Stillstand und von da zum Verfall. Die Planer dieser Stadt sahen ausgeklügelte Maßnahmen vor, um das zu verhindern, obgleich diese verlassenen Gebäude darauf schließen lassen, daß es ihnen nicht uneingeschränkt gelungen ist. Ich, Khedron der Spaßmacher, bin ebenfalls ein Teil dieses Plans. Ein sehr kleiner Teil vielleicht. Ich bin gern anderer Ansicht, aber ich kann es nicht mit Sicherheit sagen.“

„Und worin besteht nun dieser Teil?“ fragte Alvin, immer noch im dunkeln tappend und des ganzen Gespräches etwas überdrüssig.

„Wir wollen sagen, daß ich kalkulierte Unordnung in die Stadt bringe. Eine Erklärung meiner Tätigkeit würde ihre Wirksamkeit zerstören. Beurteile mich nach meinen wenigen Taten, statt nach meinen vielen Worten.“

Alvin hatte noch nie einen solchen Menschen getroffen. Der Spaßmacher war eine wirkliche Persönlichkeit — ein Charakter, der weit über das allgemeine, für Diaspar typische Niveau der Gleichmäßigkeit hinausragte. Obwohl er kaum herausfinden würde, worin seine Pflichten nun eigentlich bestanden und wie er sie ausführte, schien das nicht von großer Wichtigkeit. Es kam nur darauf an, daß er jemanden gefunden hatte, zu dem er sprechen konnte — wenn sich in dem langen Monolog eine Lücke erspähen ließ — und der ihm Antworten auf die vielen Fragen zu geben vermochte, die ihn beschäftigten.

Sie gingen miteinander durch die Korridore des Turms von Loranne zurück und traten unmittelbar neben der fließenden Straße ins Freie. Erst als sie wieder durch die Stadt schritten, fiel Alvin ein, daß ihn Khedron überhaupt nicht danach gefragt hatte, was er hier auf der Grenze zum Unbekannten suchte. Er argwöhnte, daß Khedron Bescheid wußte und interessiert, aber nicht überrascht war. Irgend etwas verriet ihm, daß es sehr schwer sein würde, Khedron zu überraschen.

Sie tauschten ihre Registernummern aus, so daß sie sich gegenseitig rufen konnten, wenn sie dazu Lust hatten. Alvin wollte unbedingt mehr von dem Spaßmacher erfahren, obwohl er sich vorstellen konnte, daß seine Gesellschaft auf die Dauer sehr anstrengend sein würde. Ehe sie sich jedoch wieder trafen, wollte er herausfinden, was seine Freunde über Khedron wußten.

„Bis zum nächstenmal“, sagte Khedron und verschwand. Alvin ärgerte sich. Wenn man jemanden traf, solange man nur sein Bild projizierte, verlangte das gute Benehmen, daß man das von Anfang an klarstellte.

Wahrscheinlich war Khedron die ganze Zeit über gemütlich zu Hause gesessen — wo immer sich sein Zuhause befand. Die Nummer, die er Alvin gegeben hatte, stellte sicher, daß ihn alle Mitteilungen erreichten, aber sie offenbarten nicht seine Adresse. Das zumindest entsprach dem Brauch. Man konnte sehr freigebig mit Registernummern sein, aber die genaue Anschrift teilte man nur seinen engsten Freunden mit.

Während er in die Stadt zurückging, dachte er über das nach, was ihm Khedron über Diaspar und die gesellschaftliche Organisation erzählt hatte. Seltsam, daß er vorher noch nie mit einem Menschen zusammengetroffen war, den diese Lebensweise unbefriedigt ließ. Diaspar mit seinen Einwohnern war als Teil eines Großplanes erdacht. Die Bürger der Stadt langweilten sich während ihres ganzen Lebens nicht. Obwohl ihre Welt, am Maßstab früherer Zeitalter gemessen, winzig klein scheinen mochte, war ihre Vielfältigkeit überwältigend, ihr Reichtum an Wundern und Schätzen jenseits aller Vorstellung. Hier hatte der Mensch alle Früchte seines Genies gesammelt. Alle Städte, die jemals existierten, so sagte man, hatten zu Diaspar etwas beigetragen; vor dem Auftreten der Invasoren war sein Name in allen Welten, die der Mensch inzwischen verloren hatte, bekannt gewesen. In den Bau Diaspars war die ganze Fertigkeit, die ganze Kunst des Imperiums eingegangen. Als die großen Tage zu Ende gingen, hatten geniale Männer die Stadt umgeformt und ihr Maschinen gegeben, die sie unsterblich machten. Was auch immer vergessen sein mochte, Diaspar würde leben und die Nachkommen des Menschen sicher den Strom der Zeit hinabtragen.

Sie hatten nichts erreicht als zu überleben, und damit waren sie zufrieden. Es gab Millionen Dinge, mit denen sie sich beschäftigen konnten. In einer Welt, wo alle Männer und Frauen Intelligenz in einem Grade besaßen, den man früher nur dem Genie zuerkannt hätte, gab es die Gefahr der Langeweile nicht. Die Freuden des Gespräches und der Diskussion, die komplizierten Formeln des gesellschaftlichen Verkehrs — sie allein reichten aus, den beträchtlichen Teil eines Lebens auszufüllen. Darüber hinaus gab es die großen, formellen Debatten, denen die ganze Stadt gebannt lauschte, während ihre größten Geister miteinander rangen, oder jene Gipfel der Philosophie zu ersteigen versuchten, die niemals besiegt werden, deren Herausforderung aber immer wieder lockt.

Niemand war ohne besonderes geistiges Interesse. Eriston zum Beispiel verbrachte viele Stunden im Zwiegespräch mit dem Zentral-Elektronengehirn, das die Stadt praktisch leitete, aber doch Muße für nebenherlaufende Diskussionen mit jedem hatte, der seinen Verstand an ihm messen wollte. Seit dreihundert Jahren bemühte sich Eriston, logische Paradoxe zu konstruieren, die auch die Maschine vor unlösbare Aufgaben stellen sollte. Er erwartete keinen Fortschritt seiner Bemühungen, ehe er nicht noch mehrere Lebensperioden zurückgelegt hatte.

Etanias Interesse war mehr ästhetischer Natur. Sie entwarf und konstruierte mit Hilfe von Materiebildnern dreidimensionale, ineinander verwobene Muster von herrlicher Vielfalt. Ihre Arbeiten waren in ganz Diaspar zu finden, und einige ihrer Muster hatte man in die Fußböden der großen Choreographiehallen eingelassen, wo sie als Grundlage für die Entwicklung neuer Ballettschöpfungen und Tanzmotive dienten.

Leichtathletik und andere Sportarten, die zum größten Teil erst durch die Überwindung der Schwerkraft möglich geworden waren, bildeten das Vergnügen der Jugend in ihren ersten Jahrhunderten. Für Spannung und Übung der Phantasie sorgten die Abenteuer. In den Abenteuern war die Illusion vollkommen, weil die entsprechenden Sinneseindrücke unmittelbar dem Gehirn zugeführt und damit in Widerspruch stehende Gefühle abgelenkt wurden. Der gebannte Zuschauer war für die Dauer des Abenteuers von der Wirklichkeit abgeschnitten; es schien ihm, als lebe er in einem Traum und glaube trotzdem, wach zu sein.

In einer Welt der Ordnung und Beständigkeit, die sich, im ganzen gesehen, seit tausend Millionen Jahren nicht verändert hatte, konnte ein überragendes Interesse an Glücksspielen nicht wundernehmen. Die Menschheit war immer von dem Geheimnis der fallenden Würfel, der umgelegten Spielkarte, dem Drehen des Rades fasziniert gewesen. Auf seiner niedrigsten Stufe beruhte dieses Interesse auf bloßer Habsucht — und eine solche Leidenschaft hatte in einer Welt keinen Platz, in der jeder alles besaß, was er vernünftigerweise jemals brauchen konnte. Selbst bei Beseitigung dieses Motivs jedoch konnte der rein geistige Reiz des Zufalls die scharfsinnigsten Menschen verführen.

Und außerdem blieben für alle die miteinander verbundenen Welten der Liebe und der Kunst.

Der Mensch hatte die Schönheit in vielerlei Form gesucht — in Tonreihen, in Linien auf Papier, in Steinflächen, in den Bewegungen des menschlichen Körpers, in Farben, im Raum verteilt. All diese Mittel existierten in Diaspar noch, und im Laufe der Zeitalter waren andere hinzugekommen.

Niemand wußte genau, ob alle Möglichkeiten der Kunst entdeckt worden waren oder ob sie außerhalb des menschlichen Geistes überhaupt Sinn besaß.

Und das gleiche galt für die Liebe.

6

Jeserac saß regungslos in einem Strudel von Zahlen. Die ersten tausend Primzahlen, in der Skala ausgedrückt, die seit der Erfindung der Elektronengehirne für alle arithmetischen Probleme verwendet wurden, reihten sich vor ihm auf. Endlose Reihen von Einsen und Nullen marschierten vorbei und brachten Jeserac die vollständige Reihe all jener Zahlen vor die Augen, die keine Faktoren als sich selbst und die Einheit besaßen. Um die Primzahlen war ein Geheimnis, das den Menschen stets gefesselt hatte.

Jeserac war kein Mathematiker, obwohl er sich manchmal für einen solchen hielt. Alles, was er tun konnte, war, unter der unendlichen Menge der Primzahlen nach besonderen Beziehungen und Gesetzen zu forschen, die begabtere Männer später in allgemeine Naturgesetze fassen mochten. Er konnte feststellen, wie sich Zahlen verhielten, aber nicht, warum sie das so und nicht anders taten. Es war sein Vergnügen, sich durch den arithmetischen Dschungel zu kämpfen, und manchmal entdeckte er Wunderdinge, die geschickteren Forschern entgangen waren.

Er stellte das Muster aller möglichen ganzen Zahlen auf und ließ in seinem Rechengerät die Primzahlen darübergleiten wie Perlen an den Kreuzungspunkten eines Gitters. Jeserac hatte das schon hunderte Male getan und nie etwas dabei herausgefunden. Aber er war gefesselt von der Art, in der sich die Zahlen, offensichtlich keinem Gesetz folgend, über die Reihe der ganzen Zahlen verteilten. Er kannte die Gesetze der Verteilung, die bereits entdeckt worden waren, aber er hoffte immer, neue Gesetzmäßigkeiten zu finden.

Über die Störung durfte er sich nicht beklagen. Wenn er ungestört hätte bleiben wollen, hätte er seinen Anzeiger entsprechend einstellen müssen. Als der sanfte Glockenton an sein Ohr klang, schwankte die Nummernwand, die Zahlen schmolzen ineinander, und Jeserac kehrte in die Welt der bloßen Wirklichkeit zurück.

Er erkannte Khedron sofort und war nicht sehr erfreut. Jeserac legte keinen Wert darauf, von seinem geordneten Lebensweg abgedrängt zu werden, und Khedron repräsentierte das Unvorhergesehene. Er begrüßte jedoch seinen Besucher überaus höflich und verbarg jede Spur seiner leichten Besorgnis.

Wenn sich in Diaspar zwei Menschen zum erstenmal — oder auch zum hundertstenmal — trafen, war es Gewohnheit, eine gute Stunde mit dem Austausch von Höflichkeiten hinzubringen, ehe man zur Sache kam —

wenn eine solche überhaupt zu besprechen war. Khedron beleidigte Jeserac ein wenig, indem er diese Formalitäten in einer bloßen Viertelstunde durchraste und dann plötzlich sagte: „Ich möchte mit Ihnen über Alvin sprechen. Sie sind doch sein Lehrer, nicht wahr?“