122183.fb2
Trautman schüttelte bedauernd den Kopf. »Dazu kenne ich seinen Kurs nicht genau genug«, sagte er. »Außerdem kann er durch Strömung und Gezeiten verändert werden. Ich kann nur hoffen, daß es keine der großen Inseln ist. Unvorstellbar, was geschieht, wenn dieses Ding an den Strand einer dichtbevölkerten Insel gespült wird. « Mike konnte sich ganz gut vorstellen, was dann geschehen würde... aber er zog es vor, es nicht zu tun. Nein, sie mußten das Schiff finden, ehe es weiteres Unheil anrichten konnte.
»Selbst, wenn wir es finden«, sagte Juan plötzlich, »was dann?«
»Ich weiß es nicht«, gestand Trautman. »Vielleicht können wir es auf einen anderen Kurs bringen. Oder schlimmstenfalls zerstören. Die NAUTILUS ist bewaffnet, vergeßt das nicht. « »Nein!«
Serena hatte das Wort fast geschrien. Aller Aufmerksamkeit wandte sich ihr zu. Mike sah, daß sie leichenblaß geworden war. Sie zitterte am ganzen Körper, und ihre Augen waren riesig und dunkel vor Furcht. »Was meinst du?« fragte er.
»Wir... wir dürfen es nicht angreifen«, stammelte Serena. »Auf keinen Fall!« »Wieso nicht?« wollte Trautman wissen. »Weil wir alle sterben würden«, antwortete Serena. »Mein Volk ist schon einmal auf diese Wesen von den Sternen gestoßen. Es kam auch damals zum Kampf. Keiner, der sich ihnen entgegenstellte, hat ihn überlebt, versteht doch! Und wir hatten Waffen, von denen euer Volk nicht einmal zu träumen wagt. « »Die NAUTILUS ist ein Schiff deines Volkes«, erinnerte Mike sanft.
»Aber sie ist kein Kriegsschiff«, antwortete Serena aufgebracht. »Wenn wir dieses Schiff angreifen, werden wir alle sterben!«
Das ist aber eine sehr interessante Information, dachte Mike bei sich. Serena sprach sehr selten über ihre Vergangenheit und ihr Leben als letzte Prinzessin von Atlantis
-das ja immerhin zehntausend Jahre zurücklag. Und noch weniger wußten sie im Grunde über ihr Volk oder auch über dieses Schiff. Sie alle hatten dies bisher stillschweigend akzeptiert, denn jeder konnte sich vorstellen, welchen Schmerz es bedeuten mußte, in einer Welt aufzuwachen, die nichts, aber auch rein gar nichts mehr mit der zu tun hatte, in der man geboren und aufgewachsen war. Es war Serenas Art, damit fertig zu werden, indem sie einfach nicht darüber sprach und wahrscheinlich auch die Gedanken daran beiseite schob.
»Also hattet ihr Kriegsschiffe«, sagte Ben. Serena wich seinem Blick aus.
»Und Waffen, von denen wir nicht einmal zu träumen wagen«, fuhr Ben fort. »Deine Leute waren nicht ganz so friedliebend und weise, wie du uns immer glauben machen wolltest, habe ich recht?« »Das spielt jetzt keine Rolle«, sagte Trautman. »Tut es doch!« fuhr Ben auf. »Ich will nicht in einen zehntausend Jahre alten Krieg hineingezogen werden!« Für einen Moment machte sich betretenes Schweigen breit.
Alle -auch Trautman und Mike -sahen Serena betroffen an, und auch sie sah für eine oder zwei Sekunden sehr verlegen drein. Aber dann schüttelte sie entschieden den Kopf.
»Es war kein Krieg«, sagte sie. »Mein Volk ist ein paarmal auf die Fremden von den Sternen gestoßen, aber es gab niemals Krieg. «
»Für jemanden, der nichts weiß, weißt du aber eine ganze Menge«, grollte Ben. »Laß sie endlich in Ruhe!« sagte Mike scharf. Ben wandte mit einem Ruck den Kopf in seine Richtung. In seinen Augen blitzte es auf. »Nein«, sagte er böse. »Sie verschweigt uns etwas. Aber hier geht es um Leben und Tod, für andere und vielleicht auch für uns! Wir haben ein Recht zu erfahren, was es mit diesen Fremden wirklich auf sich hat!« Aber sie sagt die Wahrheit. Astaroth sprang mit einem eleganten Satz auf den Tisch und machte es sich mitten auf Trautmans Seekarte bequem. Sie weiß wirklich nicht mehr, als sie euch gesagt hat. Mike übersetzte Astaroths Worte, worauf sich alle dem Kater zuwandten.
»Und wieso rückt sie dann nur häppchenweise mit der Wahrheit heraus?« fragte Ben.
Weil es ihr unangenehm ist, daran zu denken, Blödmann, antwortete Astaroth. Mike übersetzte weiter, wobei er den Blödmann vorsichtshalber wegließ. Es ist nur eine alte Legende. Wie eure Märchen. Aber es ist auch eine Legende voller Schrecken und Furcht, an die sich niemand gerne erinnert. Den Trick habt ihr auch drauf. Bei euch heißt es Verdrängen. Aber das Ergebnis ist dasselbe. »Das klingt einleuchtend«,sagte Trautman, als Mike mit der Übersetzung zu Ende war. »Ich glaube ihr. Aber wir sind noch immer in der gleichen brenzligen Lage. Wir müssen dieses Ding einholen, bevor es auf eine von Menschen bewohnte Insel trifft. « »Fahren wir schon mit Höchstgeschwindigkeit?« fragte Chris.
Trautman verneinte. »Aber schneller können wir nicht«, fügte er hinzu. »Wir würden sonst Gefahr laufen, die Spur zu verlieren. «
Ben deutete auf die Karte. »Und wenn wir dem Kurs einfach folgen und versuchen, es zu überholen?« Trautman schüttelte abermals den Kopf. »Es gibt Hunderte von kleinen Inseln dort«, sagte er entschieden. »Die Chance, die richtige zu erwischen, ist zu klein. Nein. Wir können nur so weitermachen wie bisher und beten, daß wir nicht zu spät kommen. Es stehen Menschenleben auf dem Spiel. Möglicherweise Hunderte. «
Falsch, sagte Astaroth. Es muß heißen: Zehntausende. Mike starrte den Kater betroffen an. Aber das übersetzte er vorsichtshalber nicht.
Die nächsten beiden Tage blieb die Stimmung an Bord angespannt und gereizt. Es kam immer wieder zu kleineren Reibereien und mit Ben auch das eine oder andere Mal zu offenem Streit; was letztendlich dazu führte, das sie sich gegenseitig aus dem Weg gingen, so gut sie konnten.
Es wurde ziemlich einsam. Mikes einziger Gesprächspartner war schließlich nur mehr Astaroth, aber auch der Kater war -ganz gegen seine normale Art -äußerst einsilbig und lag fast die ganze Zeit auf Mikes Bett, um zu schlafen; oder sich zumindest schlafend zu stellen. Währenddessen folgte die NAUTILUS beharrlich der Spur des Todes, die das Sternenschiff hinterlassen hatte. Mike begann die Stunden hinter dem Ruder bald zu hassen, die er wie alle anderen im Wechsel zubringen mußte, denn die Bilder, die im bleichen Licht der Scheinwerfer auftauchten, verfolgten ihn noch bis in den Schlaf: eine endlose Kette versteinerter, für alle Zeiten erstarrter Fische und anderer Meereslebewesen, die den Boden bedeckte, mal in einer dichten, nach Tausenden zählenden Schicht, wenn der Todesbote von den Sternen den Weg eines größeren Schwarmes gekreuzt hatte, mal nur vereinzelt, so daß sie die Geschwindigkeit drosseln und in größer werdenden Kreisen über den Meeresboden fahren mußten, um die Spur wiederzufinden.
Am Morgen des dritten Tages brach sie ab. Trautman rief sie alle in den Salon. Auf dem Weg dorthin traf Mike auf Serena und Chris. Beide wirkten so müde und lustlos wie er, aber ihm fiel trotzdem auf, wie nervös die Atlanterin wirkte. Sie hatte in den vergangenen beiden Tagen kaum ein Wort mit ihm gesprochen. Wie alle anderen hatte sie sich in jeder freien Minute in ihre Kabine zurückgezogen, aber bei Serena traf ihn dieser Umstand ganz besonders. Serena war bei allen an Bord sehr beliebt, aber ihre Beziehung zueinander war immer ganz besonders innig gewesen. Sie waren mehr als Freunde. Seit Mike sie aus ihrem gläsernen Sarg befreit hatte, in dem sie seit zehntausend Jahren geschlafen hatte, verband sie etwas, was tiefer ging als eine normale Freundschaft. Keiner von ihnen konnte es in Worte fassen, aber sie spürten es beide.
Trautman erwartete sie schweigend und mit sehr ernstem Gesichtsausdruck im Salon. Das erste, was Mike auffiel, war die Stille. Das gleichmäßige Stampfen und Dröhnen, das den mechanischen Herzschlag der NAUTILUS bildete, war verstummt. Die Motoren liefen nicht mehr.
»Was ist passiert?« fragte Juan, der hinter ihnen als letzter den Salon betrat.
»Wir haben die Spur verloren«, antwortete Trautman ernst. »Schon vor einer Stunde. « Für eine kurze Zeit wurde es sehr still. Alle sahen sich betroffen an, bis Ben schließlich in das bedrückte Schweigen hinein sagte: »Vielleicht ist es weg. « »Natürlich ist es weg«, sagte Juan gereizt, aber Ben schüttelte nur den Kopf und fuhr in unerwartet ruhigem Ton fort:
»Ich meine wirklich weg. Gar nicht mehr hier, sondern auf dem Weg zurück nach Hause. « »Das wäre natürlich gut«, sagte Trautman. »Aber wir können uns nicht darauf verlassen. « Er seufzte. »Ich fürchte, uns bleibt keine andere Wahl, als bis an den Punkt zurückzufahren, an dem wir die Spur verloren haben, und dort den Meeresboden abzusuchen. Wenn es sein muß, Meter für Meter. Ich hoffe nur, daß wir dabei nicht zu viel Zeit verlieren. « »Und wo ist das Problem?« fragte Ben. Hastig fügte er hinzu: »Außer der Zeit. «
»Das Problem ist, daß das Meer an dieser Stelle so tief ist, daß wir das Schiff nicht verlassen können«, antwortete Singh an Trautmans Stelle. »Die Taucheranzüge halten dem Druck in dieser Wassertiefe nicht stand. « »Geht jetzt wieder in eure Quartiere«, sagte Trautman. »Ich wollte euch nur informieren, das ist alles. Singh und ich werden die NAUTILUS bis zu der betreffenden Stelle zurückfahren und dort mit der Suche beginnen. Ruht euch inzwischen noch aus, so gut ihr könnt. Die
»Selbst die NAUTILUS«, unterbrach ihn Serena. Sie lächelte schmerzhaft, aber trotzdem liefen ihr weiter die Tränen über das Gesicht. »Dieses Schiff wurde in meiner Heimat gebaut. Es hat einmal meinem Vater gehört, aber nun ist es zu einem Teil eurer Welt geworden. Es gehört euch viel mehr, als es jemals mir gehört hat. Ich... ich habe versucht, mich an den Gedanken zu gewöhnen, Mike, aber ich glaube nicht, daß es mir gelingt. Versuch dir vorzustellen, wie es ist, Mike, wenn du dich zum Schlafen niederlegst und in einer vollkommen anderen Welt aufwachst. Eine Welt, die nicht nur anders aussieht als alles, was dir vertraut ist, sondern vollkommen anders ist. Deren Menschen nicht nur eine andere Sprache sprechen, sondern sogar anders denken. Nichts hier ist mehr so, wie ich es gekannt habe. Selbst eure Legenden sind anders. « Ein Gefühl tiefer Trauer begann sich in Mike breitzumachen. Er konnte das ganze Ausmaß von Serenas Schmerz nicht erahnen, doch schon der schwache Hauch davon, den er spürte, reichte aus, sein Herz zusammenzupressen. »Aber seit du an Bord bist -«
»- habe ich mich selbst belogen«, unterbrach ihn Serena. »Euch alle, aber vor allem mich selbst. Ich habe geglaubt, daß ich damit fertig werde, aber das stimmt nicht. «
»Wir sind auch heimatlos, Serena«, sagte Mike leise. Er wußte, daß es nur ein schwacher Trost war, aber er sprach trotzdem fast verzweifelt weiter: »Ben, Chris, Juan, Singh
-selbst Trautman. Wir alle haben unsere Heimat aufgegeben und leben auf diesem Schiff. Wir sind ebenso heimatlos wie du!«
»Trotzdem ist es noch eure Welt«, widersprach Serena. »Für dich und die anderen ist das hier alles ein gewaltiges Abenteuer. Das war es bisher für mich auch. Aber es gibt einen Unterschied, weißt du? Ihr alle habt einen
Platz, an den ihr gehen könnt. Eines Tages seid ihr des Abenteuers vielleicht überdrüssig, und dann könnt ihr ein ganz normales Leben führen; vielleicht unter fremden Menschen, aber in eurer Welt. So einen Platz gibt es für mich nicht. «
»Es ist auch deine Welt«, widersprach Mike. »Ob du nun in Atlantis geboren bist oder in New York, spielt keine Rolle. Du bist ein Mensch wie ich. « »Ja, das habe ich mir auch einzureden versucht«, sagte Serena traurig. »Aber es ist nicht wahr. Eure Welt ist nicht wie unsere. Sie war es nie. Das weißt du sogut wie ich. « Sie schüttelte den Kopf. »Dieses Schiff hat nur Übles hervorgebracht, es hat schon das Leben deines Vaters zerstört, und es hätte beinahe deines und das deiner Freunde gekostet. Und es ist nicht nur dieses Schiff. Unsere Welt und eure passen einfach nicht zusammen. «
»Aber das stimmt doch nicht!« sagte Mike. »Wie oft sind wir auf Dinge aus unserer Welt gestoßen?« fragte Serena. »Dieses Schiff. Meine magischen Kräfte. Die Stadt auf dem Meeresgrund oder die Insel der Dinosaurier. Jedesmal sind wir nur mit knapper Not mit dem Leben davongekommen. « Sie schüttelte den Kopf. »Selbst unsere Legenden bringen den Tod. «
»Aber das ist doch nun wirklich nicht deine Schuld«, sagte Mike.
Serena lächelte traurig. »Nein, sicher nicht. Aber das macht es nicht besser. Unsere Welt und eure passen nicht zusammen. Ich kann auf Dauer sowenig hier leben, wie du und deine Freunde auf Atlantis leben könntet. «
Mike schwieg sehr lange. Er hätte Serena gerne widersprochen -aber er konnte es nicht. Schließlich fragte er: »Aber was willst du denn tun?« Serena antwortete nicht. Sie sah ihn nur an. Und nach einer Weile stand Mike ebenso wortlos auf, wandte sich um und verließ Serenas Kabine. Er merkte nicht einmal, daß auch ihm Tränen über das Gesicht liefen, als er auf den Gang hinaustrat.
Es vergingen weitere zwei Tage, ohne daß sie die Spur des fremden Schiffes wiederfanden. Sie hatten einen kreisförmigen Bereich des Meeresbodens mit einem Durchmesser von fünf Seemeilen abgesucht und das buchstäblich Quadratmeter für Quadratmeter, ohne auf mehr als Sand und Steine zu stoßen, und Trautman entschied, daß es genug war. Enttäuscht kehrten sie zum Ausgangspunkt ihrer Suche zurück und begannen von dort aus in immer größer werdenden Kreisen den Meeresboden abzusuchen. Die Stimmung an Bord war auf den Tiefpunkt gesunken.
Mike war allein im Salon der NAUTILUS. Trautman hatte ihnen Bescheid gegeben, daß er sie in einer Stunde zu einer letzten Beratung erwartete; ein Vorschlag, der nicht unbedingt mit Begeisterung aufgenommen worden war. Auch Mike fragte sich, wozu eine solche Beratung gut sein sollte. Sie hatten die Spur des Schiffes verloren. Im bestmöglichen Fall hatte es diese Welt verlassen. Das hat es nicht.
Mike schrak zusammen, als Astaroths lautlose Stimme ohne Vorwarnung in seinen Gedanken erklang. Er hatte nicht einmal gewußt, daß sich der Kater im Salon der NAUTILUS aufhielt. Das tue ich auch nicht, sagte Astaroth. Soviel zu Astaroths Beteuerungen, dachte er: Was macht dich so sicher?
Ganz einfach, antwortete Astaroth. Seine Stimme klang hörbar amüsiert. Ich habe es gefunden. »Du hast... was?« entfuhr es Mike. Nun ja, vielleicht nicht unbedingt das Schiff, räumte Astaroth ein. Aber doch eine deutliche Spur. Schau aus dem Fenster.
Mike eilte mit hastigen Schritten zum Fenster und sah angestrengt hinaus. Die NAUTILUS schwebte regungslos ungefähr zehn Meter über der Stelle, an der die Spur des Sternenschiffes wie abgeschnitten aufhörte. Der Meeresboden brach vor ihnen entlang einer wie mit dem Lineal gezogenen Kante ab, hinter der nichts als bodenlose Schwärze gähnte. Es war eine Schlucht von einer guten halben Meile Breite. Ihre Meßgeräte behaupteten, daß sie annähernd dreitausend Meter tief war; zusammen mit den mehr als zweitausend Metern Wasser, die sich bereits über ihnen türmten, also eine Tiefe, in die nicht einmal die NAUTILUS vorstoßen konnte.
»Wo?« fragte Mike aufgeregt. »Ich sehe nichts. « Natürlich nicht, antwortete Astaroth spöttisch. Das ist wieder mal typisch für euch Menschen. Ihr seht immer nur das, was ihr sehen wollt, nicht wahr? Guck genau hin. Der große Felsen direkt unter dir - war kein Felsen.
Mike erkannte die Wahrheit im selben Moment, in dem er Astaroths Worte hörte, und ganz plötzlich war es so deutlich, daß er sich eine Sekunde lang verblüfft fragte, wieso sie es nicht schon längst bemerkt hatten. Weil ihr Menschen seid, sagte Astaroth hämisch, als wäre das Erklärung genug - was es für ihn wahrscheinlich auch war.
Mike war allerdings viel zu erstaunt, um Astaroths Hohn auch nur wirklich zur Kenntnis zu nehmen. Der Anblick war so bizarr, daß er im ersten Moment fast an seinem Verstand zweifelte. Zwanzig oder dreißig Meter unter der NAUTILUS lag ein Schiff. Es schien über die Kante der Schlucht gefallen zu sein, war aber auf einen Felsvorsprung geprallt, ehe es seinen Sturz in die Tiefe endgültig beginnen konnte, und lag nun kieloben dort, so daß nur der muschelverkrustete Rumpf im Licht des Scheinwerfers glitzerte eigentlich kein Wunder, daß sie es beim ersten Mal nicht gesehen hatten. Aber jetzt, wo er einmal wußte, daß es da war, war es ganz deutlich.
Zugleich fragte er sich allerdings auch, was der Anblick dieses Schiffswracks, so seltsam er auch sein mochte, mit dem Sternenschiff zu tun hatte. Es lag vielleicht schon seit Jahren hier, möglicherweise seit Jahrzehnten.
Häng noch ein paar Nullen dran, riet Astaroth spöttisch. So, wie es hier aussieht, könnte dieses Ding vermutlich seit einer Million Jahren auf dem Meeresgrund liegen. Es ist alles versteinert. Von der Besatzung angefangen.
Nun, dachte Mike, das ist der Beweis, daß das Schiff mit dem Gefährt von den Sternen kollidiert ist. Erst nach zwei oder drei Sekunden fiel ihm auf, daß... »Woher weißt du das?« fragte er laut. Weil ich an Bord bin, antwortete Astaroth. Mike war im ersten Moment so überrascht, daß er gar nicht antwortete. Astaroth war nun schon so lange an Bord der NAUTILUS, daß Mike manchmal vergaß, daß er eben kein normaler Kater war, sondern nur so aussah. Anders als sie konnte er sich selbst in dieser Wassertiefe ohne Taucheranzug frei bewegen und auch ohne Sauerstoffgerät atmen. »Wie sieht es an Bord aus?« fragte Mike aufgeregt. »Wie sieht es wo aus?« fragte eine Stimme hinter ihm. Mike fuhr erschrocken herum und starrte in Chris' Gesicht. Er war so sehr in sein Gespräch mit Astaroth vertieft gewesen, daß er gar nicht gemerkt hatte, wie Chris hereingekommen war.
Aufgeregt deutete er aus dem Fenster. »Astaroth hat ein gesunkenes Schiff entdeckt«, sagte er. »An Bord ist alles versteinert. Weißt du, was das heißt?« Chris trat zögernd näher. Ein verblüffter Ausdruck erschien auf seinem Gesicht. »Unglaublich«, sagte er. »Wieso haben wir es nicht gesehen?« Er schüttelte verwirrt den Kopf. »Ist er an Bord?«