37286.fb2 Alexander K?nig von Asien - читать онлайн бесплатно полную версию книги . Страница 41

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Trennung in Zelea miteinander erlebt haben. Du kannst dir nicht vorstellen, wie sehr du mir fehlst und wie oft dein schönes Bild mir nächtens im Traum erscheint. Keine Frau wird mir begehrenswert erscheinen, bis ich dich nicht wieder in die Arme schließen kann. Nun erwartet mich ein letzter Kraftakt, die entscheidende Schlacht, und dann werde ich in deinem Schoß und an der Seite meiner Söhne ausruhen können, solange die Götter mich leben und atmen lassen.

Gib unseren Kindern einen Kuß von mir und hab acht auf dich.«

Er rollte den Papyrusbogen zusammen und malte sich dabei aus, wie ihn Barsines Finger berühren würden, die zart waren wie Blütenblätter und ebenso dufteten. Dann rief er den Boten und überreichte ihm die Rolle.

»Wann wird meine Frau diesen Brief erhalten?«

»Bald. In weniger als zwanzig Tagen.«

»Ausgezeichnet. Dann wünsche ich dir eine gute Reise, und die Götter mögen dich beschützen.«

»Dich auch, Kommandant Memnon.«

Er sah dem Mann eine Weile nach, wie er in seinem Boot da-vonruderte, dann kehrte er ins Achterkastell zurück und rief den Kapitän des Schiffs zu sich.

»Wir stechen in See, Kapitän. Laß den anderen Schiffen die entsprechenden Leuchtzeichen geben.«

»Jetzt? Wäre es nicht besser, wir warten bis Sonnenaufgang? Bei Tag sehen wir besser und . . .«

»Nein«, fiel Memnon ihm ins Wort. »Ich will, daß unsere Bewegungen geheim bleiben. Was wir vorhaben, ist von höchster Brisanz. Und gib auch bekannt, daß ich die Anführer sämtlicher Kampfeinheiten auf meinem Schiff versammelt haben will.«

»Wann?«

»Sofort.«

Der Kapitän, ein Grieche aus Patara, verneigte sich und führte Memnons Befehle aus. Kurz darauf näherten sich mehrere Boote dem Admiralsschiff, und aus jedem kletterte ein Mann an Bord.

Nachdem alle den Kommandanten begrüßt hatten, setzten sie sich auf Bänke entlang der Holzwand des Achterkastells; Memnon nahm ganz oben, auf dem Sitz des Flottenführers, Platz. Er trug seine Rüstung und darüber den blauen Umhang. Auf einem Schemel neben ihm lag sein korinthischer Helm mit dem brünierten Visier und der silbernen Rose von Rhodos.

»Männer, in diesem Moment bietet uns das Schicksal die letzte Möglichkeit, unsere Soldatenehre zu retten und den Lohn, den wir vom Großkönig erhalten, redlich zu verdienen. Hinter uns gibt es keinen einzigen Hafen mehr, in dem wir Zuflucht suchen könnten - außer vielleicht in Kilikien oder Phönikien, aber die sind viele Tagereisen von hier entfernt. Wir haben also keine andere Wahl, als weiter vorzudringen und das Übel an der Wurzel zu packen, sprich: unseren Gegner von seiner Heimat abzuschneiden und ihm so das Wasser abzugraben.

Die Spartaner haben mir eine verschlüsselte Botschaft geschickt, sie war auf einen Pergamentstreifen geschrieben und um einen Skytale gewickelt, wie es unter den Griechen üblich ist. Wenn wir auf dem Festland landen, sind sie bereit, sich uns mit ihrem Heer anzuschließen. Ich habe deshalb beschlossen, zunächst Kurs auf Lesbos zu nehmen und von dort nach Skiros und Euboia weiterzusegeln, wo ich die athenischen Patrioten zu treffen gedenke, die uns unterstützen könnten. Ich habe De-mosthenes einen Brief geschrieben und bin mir sicher, daß seine Antwort positiv ausfallen wird. Das ist für den Moment alles.

Kehrt also zu euren Schiffen zurück und bereitet die Abfahrt vor.«

Wenig später glitt das Admiralsschiff langsam aus dem Hafen. Sein Heck war beleuchtet, so daß die hinterherfahrenden Trie-ren und Quinquieren ihm in der Dunkelheit mühelos folgen konnten. Die Nacht war sternklar, und Memnons Steuermann führte mit sicherer Hand das Ruder. Am zweiten Tag änderte sich das Wetter jedoch, ein heftiger Südwind wühlte das Meer auf und einige der Schiffe trugen erhebliche Schäden davon. Beinahe zwei Tage lang mußte bei gestrichenen Segeln gerudert werden.

Am fünften Tag erreichten sie Lesbos und fuhren in die große, nach Westen gelegene Reede ein, um dort bessere Wetterverhältnisse abzuwarten. Memnon veranlaßte, daß die beschädigten Schiffe repariert wurden, und schickte seine Offiziere aus, um neue Söldner anzuwerben. Er selbst besichtigte unterdessen die schöne Insel einschließlich der Häuser, in denen die Dichterin Sappho und der Dichter Alkaios gelebt hatten, die beide von Lesbos stammten.

Vor dem Haus der Sappho tummelten sich ambulante Schreiber, von denen man sich die Gedichte der Poetin auf Holztäfelchen kopieren lassen konnte oder auch auf Papyrus, wenn man mehr Geld hatte.

»Könntest du mir ein Gedicht in Persisch abfassen?« fragte Memnon einen Schreiber mit orientalischen Gesichtszügen.

»Selbstverständlich, hoher Herr.«

»Dann schreib mir das Gedicht nieder, das so beginnt:

Selig wie die Himmlischen scheint der Mann mir, der an deiner Seite dir sitzt, der deine süße Rede höret und deines Lächelns reizende Stimme.«

»Ich kenne es gut«, sagte der Schreiber und tauchte seine Feder ins Tintenfaß. »Das ist ein Gesang über die Eifersucht.« »Ja, das ist es«, Memnon nickte scheinbar gelassen. Er hatte erfahren, daß Barsine in Alexanders Händen gewesen war, und kämpfte mitunter mit entsetzlichen Zweifeln.

Von halikarnassos aus führte Alexander sein Heer nach Osten, und zwar an der Küste entlang, obwohl viele ihm von diesem Weg abgeraten hatten. In Lykien gab es nämlich einen Küstenabschnitt, der im Winter als völlig unbegehbar galt. Ein schmaler Trampelpfad schlängelte sich dort an schroffen Felswänden entlang; sie waren stürmischen Westwinden ausgesetzt und fielen zum Meer ab, aus dem an dieser Stelle überall spitze Felszacken aufragten.

Gischtbrodelnd brachen sich dort die Wellen am felsigen Ufer, wichen zurück und donnerten erneut gegen das öde Gestein.

Hephaistion, der es sich mit eigenen Augen angesehen hatte, war tief beeindruckt zurückgekehrt. »Grauenvoll«, erzählte er Alexander. »Stell dir einen Berg vor, höher als der Athos und größer als der Pangaion, glatt und schwarz wie brüniertes Eisen, und zum Meer hin ein einziger Abgrund. Sein Gipfel ist ständig in den Wolken und dröhnt unter fürchterlichen Donnerschlägen. Laufend zucken grelle Blitze vom Himmel und manche von ihnen zischen direkt ins Meer. Der Pfad muß uralt sein, er ist von den Lykiern direkt in den Fels gehauen worden, aber ungemein schlüpfrig, weil er laufend vom Meer überspült wird; außerdem ist er im Winter dicht mit Algen bewachsen. Wenn einer von dort ins Meer stürzt, ist er verloren: Entweder er wird sofort von einer der vielen Felszacken im Wasser aufgespießt oder aber die Brecher schleudern ihn gegen die Felswand.«

»Du bist aber rübergekommen, oder?« fragte Alexander. »Ja.«

»Und wie hast du das geschafft?«

»Mit Hilfe der Agrianer. Sie haben Stöcke in die Felsritzen getrieben und Seile daran befestigt; an denen konnten wir uns festhalten, wenn eine Welle kam.«

»Prächtiger Einfall«, sagte der König. »Genau so werden wir es auch machen.«

»Bedenke aber, daß wir gerade mal fünfzig Mann waren«, warf Hephaistion ein. »Du willst mit fünfundzwanzigtausend rüber. Ganz zu schweigen von unseren fünftausend Pferden -was willst du mit denen machen?«

Alexander dachte eine Weile nach, dann sagte er: »Wir haben keine andere Wahl. Wir müssen diesen Pfad wagen, um alle Häfen Lykiens in unsere Gewalt zu bringen. Wenn wir das schaffen, ist die Flotte des Großkönigs von unserem Meer abgeschnitten. Zur Not rücken wir ohne Pferde vor, nur mit dem Fußvolk, aber wir rücken vor!«

»Wie du willst. Wir haben vor nichts Angst. Ich wollte nur, daß du dir über die Risiken bewußt bist, die uns erwarten.« Am darauffolgenden Tag war Aufbruch. Die erste große Etappe führte zur Stadt Xanthos, die auf einem Felsriff steil über dem gleichnamigen Fluß aufragte. Ringsum waren Dutzende von Gräbern mit monumentalen Fassaden in Gestalt von Häusern oder Tempeln ins Gestein gehauen. Eins von ihnen barg angeblich die sterblichen Überreste des lykischen Helden Sarpedon, der im Trojanischen Krieg von Patroklos getötet worden war.

Alexander verlangte das ehrwürdige Grab zu sehen und verharrte andächtig vor seinem Eingang, über dem eine uralte verwitterte Inschrift prangte. Kallisthenes hörte ihn die Verse murmeln, die Homer dem lykischen Held in den Mund legt, als er sich vor der letzten Schlacht an seine Krieger wendet:

»Ja, mein Lieber, wenn wir, aus diesem Krieg entronnen, immer so leben sollten, alterslos und unsterblich, wahrlich, dann kämpfte ich selbst wohl nicht in dem vordersten Treffen, würde auch dich nicht senden zur männerehrenden Feldschlacht.

Jetzt indessen, da tausendfach uns die Keren umringen, Denen ein Sterblicher nicht entfliehen kann und entrinnen, Gehen wir ...«

»Meinst du, daß er diese Worte heute wiederholen würde, wenn die Götter ihm gestatteten, noch einmal zu sprechen?« fragte Alexander seinen Geschichtsschreiber mit wehmütiger Stimme.

»Wer kann das sagen?« erwiderte Kallisthenes. »Aus dem Hades haben die Götter noch keinen wieder entlassen.«

Alexander trat an das Grabmal heran und stützte Hände und Stirn gegen seine Mauern, als versuche er das Flüstern einer jahrhundertealten Stimme daraus zu vernehmen. Am Ende riß er sich los, stellte sich erneut an die Spitze seines Heeres und führte es weiter.

Dem Fluß bis zu seiner Mündung folgend gelangten sie nach Patara, der bedeutendsten Hafenstadt Lykiens. Sie besaß viele schöne Gebäude in griechischem Stil. Ihre Bewohner kleideten sich auch wie Griechen, sprachen jedoch eine uralte Sprache, die ein Grieche ohne Übersetzer unmöglich verstehen konnte. Der König ließ das Heer Quartier beziehen und ordnete einige Tage Rast an, denn er hoffte, in dieser Zeit Nachricht von Parmenion zu erhalten, der mittlerweile die Hochebene im Landesinnern erreicht haben mußte - vergeblich, wie sich herausstellen sollte. Statt dessen kam ein Schiff aus Makedonien an, das letzte, das sich vor dem Winter noch auf den Weg gemacht hatte.

Sein Kapitän war einer schwierigen, wenig befahrenen Route gefolgt, um Memnons Flotte aus dem Weg zu gehen. Er brachte einen Brief aus Makedonien, in dem Antipatros über die in-nenpolitische Lage und über die heftigen Auseinandersetzungen mit der Königinmutter, Olympias, berichtete.

Alexander regte sich beim Lesen ziemlich auf und machte erst, als er auf einer anderen Papyrusrolle das königliche Siegel der Molosser und die Handschrift seiner Schwester Kleopatra entdeckte, wieder ein freundlicheres Gesicht. Gespannt begann er zu lesen:

»Kleopatra, Königin der Molosser, an ihren Bruder Alexander, König von Makedonien, heil!

Geliebter Bruder, über ein Jahr ist es her, seit ich dich zum letztenmal umarmt habe, und es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an dich denke und dich herbeisehne. Der Ruhm deiner Unternehmungen ist bis hierher, in den Palast von Buthroton, durchgedrungen. Ich bin stolz auf dich, aber auch dieser Stolz kann mir den Schmerz über deine Abwesenheit nicht nehmen.

Mein Gemahl, dein Vetter Alexander, König der Molosser, bricht demnächst nach Italien auf. Er hat ein großes Heer von annähernd zwanzigtausend Mann versammelt, alles tapfere Krieger, die auf makedonische Art und nach der Schule unseres Vaters Philipp ausgebildet wurden. Alexander träumt davon, im Westen ein großes Reich zu erobern und alle Griechen von einer Bedrohung durch die Barbaren jener Länder - Karthager, Bruter, Lukaner - zu befreien. Aber ich bleibe alleine in Buthro-ton zurück. Unsere Mutter wird immer seltsamer, sie ist reizbar und launisch, und ich muß gestehen, daß ich sie deshalb so selten wie möglich besuche. Wie mir berichtet wird, denkt sie Tag und Nacht an dich und opfert den Göttern, um sie günstig zu stimmen. Ich jedoch kann den Krieg nur verdammen, denn er hält die Menschen, die ich am meisten liebe, von mir fern. Leb wohl.«

Dann nahm also auch der Feldzug nach Westen seinen Lauf.

Ein anderer Alexander, beinahe eine Art Spiegelbild von ihm selbst - um so mehr, als enge Bluts- und Freundschaftsbande zwischen ihnen bestanden - schickte sich an, in Richtung der Herkulessäulen zu marschieren, um alle Gebiete bis hin zum Flusse Ozean zu unterwerfen. Eines Tages würden sie sich wiedertreffen, in Griechenland vielleicht oder in Ägypten, oder auch in Italien. . . Und an diesem Tag würde die Menschheit den Beginn einer neuen Ära erleben.