37286.fb2 Alexander K?nig von Asien - читать онлайн бесплатно полную версию книги . Страница 42

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Alexander nützte die Tage der Rast dazu aus, sich von Eume-nes aus dem Tagebuch vorlesen zu lassen, jenen Berichten also, die der Sekretär allabendlich verfaßte. Sie enthielten nicht nur haargenaue Beschreibungen der zurückgelegten Tagesmärsche, sondern auch lange Aufzählungen der empfangenen Gäste und abgestatteten Besuche, Protokolle der Kriegsratssitzungen und ausführliche Kassenberichte.

»Nicht schlecht«, meinte der König, nachdem er sich ein paar Seiten angehört hatte, »vor allem deine Schilderungen -ich finde, sie haben eine gewisse literarische Eleganz. Wer weiß, ob sie sich nicht zu einer regelrechten Geschichte der Expedition ausarbeiten ließen . ..«

»Ja, vielleicht mache ich das eines Tages auch«, erwiderte Eumenes, »aber im Moment beschränke ich mich auf das Festhalten von Tatsachen - zu mehr bleibt mir keine Zeit. Außerdem ist fürs Geschichtliche ja eigentlich Kallisthenes zuständig.«

»Sicher.«

»Und du weißt ja, daß Ptolemaios auch über unseren Feldzug berichtet. Hat er dir seine Aufzeichnungen einmal gezeigt?«

»Nein, bisher nicht, aber ich würde sie gerne lesen.«

»Und das Werk deines Admirals Nearchos schreitet auch vor-voran.«

»Tja, wir mir scheint, schreibt die halbe Welt über dieses Unternehmen. Wem man da wohl eines Tages Glauben schenken wird? Und trotzdem beneide ich Achilles: Der hatte einen Homer, der seine Heldentaten besang.«

»Das waren andere Zeiten, mein Freund. Dafür hast du einen Nearchos, der Beziehungen zu sämtlichen Städten und Dörfern dieser Gegend anknüpft und dir große Dienste damit leistet. Er kennt überall Leute und wird allgemein geschätzt. Vor kurzem hat er mir übrigens mal seinen Standpunkt als Seemann erläutert.«

»Und der wäre?«

»Er meint, daß du auf die Dauer nicht ohne Flotte auskommen kannst und dich dringend um eine neue kümmern solltest. Seiner Ansicht nach ist es zu gefährlich, Memnon die absolute Meerherrschaft zu überlassen.«

»Und was denkst du? Wenn ich nicht irre, war das Ganze ja auch ein finanzielles Problem.«

»Ja, aber mit dem Geld, das wir in Sardes und Halikarnassos eingenommen haben, könnten wir uns vielleicht eine neue Flotte leisten.«

»Gut, dann leite alles Nötige in die Wege. Besprich dich mit Nearchos, verhandle mit den Athenern und veranlasse, daß die Schiffswerften der Seestädte, die wir erobert haben, ihre Arbeit wiederaufnehmen. Ich denke, daß wir jetzt etwas riskieren können.«

»In Ordnung. Später besuche ich Nearchos auf seinem Schiff und rechne die Sache mit ihm durch - ich habe ja keine blasse Ahnung davon, was ein Kriegsschiff kostet und wie viele wir davon brauchen, um Memnon das Leben schwerzumachen. Ich sollte aber auch wissen, was du für den bevorstehenden Winter vorhast.«

Alexander stellte sich an das Fenster des Hauses, in dem er Quartier bezogen hatte, und betrachtete die Gipfel der umliegenden Berge: Sie waren bereits schneebedeckt. »Wir werden weiterziehen, bis wir einen Zugangsweg ins Landesinnere finden. Ich muß so bald wie möglich zu Parmenion stoßen und unser Heer wieder vereinigen. Denn wenn eins unserer beiden Kontingente vernichtet wird, ist auch das andere rettungslos verloren - und das macht mir große Sorgen, Eumenes.«

Der Sekretär nickte, sammelte seine Papiere ein und ging.

Alexander hingegen setzte sich an seinen Arbeitstisch, nahm einen Papyrusbogen zur Hand, tauchte die Feder ins Tintenfaß und begann zu schreiben:

»Alexander an Kleopatra, seine geliebte Schwester, heil! Meine Liebe, sei nicht traurig über den Abschied von deinem Gemahl. Es gibt Menschen, deren Schicksal vorgezeichnet ist, und er ist einer davon. Wir beide haben einen Schwur geleistet, und wenn Alexander nun sein Land, sein Haus und seine Frau verläßt, so, um diesen Schwur zu erfüllen. Ich glaube nicht, daß du es vorgezogen hättest, mit einem völlig unbedeutenden Mann verheiratet zu sein, einem, der weder Hoffnungen noch Ziele hat. Bestimmt wäre dir dein Leben dann jetzt noch mehr verleidet. Du bist wie ich ein Kind Olympias' und Philipps, und du verstehst, was ich damit meine. Nach dieser Trennung wird euer Wiedersehen um so schöner sein, und ich bin mir sicher, daß dein Mann dich schon bald nachkommen läßt, damit du die Sonne in den mysteriösen, göttlichen Fluten des fernen Ozeans untergehen siehst, den noch kein Schiff befahren hat.

Aristoteles sagt, daß die Griechen mit ihren Städten um dieses Meer hocken wie Frösche um die Ufer eines Teichs, und er hat recht. Wir aber sind geboren, um andere Länder und andere Meere kennenzulernen und Grenzen zu überschreiten, die vor uns noch keiner zu überschreiten gewagt hat. Und wir halten nicht inne, bevor wir nicht an die äußerste Grenze gelangt sind, die der Menschheit von den Göttern gesetzt wurde.

All dies nimmt mir jedoch nicht den Schmerz über dein Fernsein, und ich würde alles darum geben, in diesem Moment den Kopf in deinen Schoß legen zu dürfen, um dich mit sanfter Stimme ein Lied singen zu hören. Denk an mich, wie wir es uns gegenseitig versprochen haben, jedesmal, wenn du die Sonne im Meer untergehen siehst und der Wind dir ferne Stimmen zuträgt.«

Etwa zehn Tage nach Einquartierung des Heers in der Stadt wurde dem König ein Besucher gemeldet, ein gewisser Eumol-pos aus Soloi.

»Weißt du, wer das ist?« fragte Alexander seinen Sekretär.

»Natürlich. Das ist dein bester Spitzel östlich des Tau-ros-Gebirges.«

»Wenn er mein bester Spitzel ist, warum kenne ich ihn dann nicht?«

»Weil er bisher immer mit deinem Vater verhandelt hat und ... mit mir.«

»Na, hoffentlich hast du dann nichts dagegen, daß ich mich diesmal persönlich mit ihm unterhalte«, meinte Alexander ironisch.

»Natürlich nicht«, erwiderte Eumenes rasch. »Ich wollte dir nur lästige Pflichten abnehmen. Aber wenn du möchtest, ziehe ich mich zurück und lasse euch alleine . . .«

»Unsinn. Er soll reinkommen!«

Eumolpos hatte sich kaum verändert, seit der Sekretär ihn das letzte Mal in Pella erlebt hatte, aber er war nach wie vor sehr verfroren. Wegen der schlechten Witterungsverhältnisse hatte er nicht das Schiff nehmen können, sondern auf einem Maulesel die schneebedeckten Berge des Landesmnern überqueren müssen - sehr zu seinem Leidwesen, wie er beteuerte.

Peritas knurrte, kaum daß er den Mann mit der Wolfspelzmütze eintreten sah.

»Was für ein niedliches Hündchen«, meinte Eumolpos mit einem gequälten Lächeln. »Beißt er?« »Nein, wenn du dir den Wolf da vom Kopf nimmst, beißt er nicht.«

Eumolpos legte seine Mütze auf einen Hocker, und Peritas stürzte sich augenblicklich darauf - am Ende der Unterredung hatte er das gute Stück völlig zerfetzt.

»Was für Neuigkeiten bringst du mir?« fragte Alexander. Der Spitzel erging sich zunächst in Höflichkeitsfloskeln und Lobeshymnen auf Alexander und seine glänzenden Unternehmungen, dann kam er zur Sache.

»Deine Heldentaten haben am Hofe von Susa Panik ausgelöst, Herr. Die Magier sagen, du seist die Verkörperung von Ahri-man.«

»Das ist der persische Gott des Bösen«, erklärte Eumenes etwas verlegen. »Er ähnelt ein wenig unserem Hades, dem Herrn der Unterwelt.«

»Ja, und da dieser Gott immer als Löwe dargestellt wird, erinnerst du besonders an ihn, denn dein Helm hat ja die Gestalt eines Löwenkopfes.«

»Und was kannst du sonst noch berichten?« fragte Alexander.

»Der Großkönig vertraut völlig auf Memnon. Er soll ihm zweitausend Talente geschickt haben.«

»Eine Riesensumme.«

»Allerdings.«

»Weißt du, wofür sie bestimmt ist?«

»Für alles, glaube ich: Aushebung neuer Truppenkontingente, Bestechung, Finanzierung möglicher Verbündeter. Doch damit nicht genug: Ich habe von weiteren zweitausend Talenten gehört, die auf dem Landweg nach Inneranatolien unterwegs sein sollen.«

»Zu welchem Zweck?«

Eumolpos zuckte mit den Schultern: »Ich habe keine Ahnung. Hält sich nicht einer deiner Generäle in dieser Gegend auf? Vielleicht weiß er mehr darüber . . .«

Ein lästiger Gedanke zuckte Alexander durch den Kopf: Und wenn der Großkönig versuchen würde, Parmenion zu bestechen? Aber er schob diesen Verdacht gleich wieder weg -Parmenion war nicht käuflich, so etwas war einfach unter seiner Würde!

»Hast du den Eindruck, daß Memnon das absolute Vertrauen des Großkönigs genießt?«

»Zweifelsohne. Trotzdem gibt es nicht wenige Adlige am Hof, die fürchterlich neidisch auf ihn sind, schließlich ist er Ausländer, obendrein Grieche. Dareios hat ihm den Oberbefehl über sämtliche Truppen übertragen, und er hat ihn außerdem über alle persischen Gouverneure gestellt. Memnon ist derzeit der mächtigste Mann im persischen Reich - nach dem Großkönig selbst, versteht sich. Wenn du mich nun fragst, ob Verschwörungen gegen ihn im Gange sind oder sich irgendwie anzetteln ließen, so muß ich dir sagen .. .«

»Das frage ich dich aber nicht«, fiel Alexander ihm ins Wort.

»Verzeih«, erwiderte der Spitzel unterwürfig. »Ich wollte dich nicht beleidigen. Ja, und dann gäbe es da noch etwas . ..«