37286.fb2 Alexander K?nig von Asien - читать онлайн бесплатно полную версию книги . Страница 44

Alexander K?nig von Asien - читать онлайн бесплатно полную версию книги . Страница 44

»In Ordnung, geh. Keiner wird etwas unternehmen, bevor du nicht zurückgekehrt bist.«

Aristandros entfernte sich und ging zu Fuß den schmalen Pfad entlang, der sich zwischen den beiden Burgen hindurch zu der befestigten Stadt hinauf schlängelte. Einige Zeit später - die Nacht war schon hereingebrochen - leuchtete sein weißer Mantel wie ein einsames Gespenst von den steilen Hängen des Stadtfelsens von Termessos herab.

Aristandros war wie ein Geist vor ihm aufgetaucht, und die einzige Lampe, die in dem Zelt brannte, machte sein Erscheinen noch unheimlicher. Alexander sprang wie von der Tarantel gestochen auf.

»Wann bist du zurückgekommen?« fragte er. »Und wer hat dich in mein Zelt gelassen?«

»Ich habe es dir bereits gesagt: Ich kenne viele Arten von Zauber und kann mich nach Belieben in der Nacht umherbewegen.«

Alexander warf einen Blick auf seinen Hund: Peritas schlief ruhig, als wäre niemand außer ihm im Zelt.

»Wie bist du hier reingekommen?« fragte der König noch einmal.

»Das hat keine Bedeutung.«

»Was hat dann Bedeutung?«

»Das, was ich dir jetzt sage: Meine Mitbürger haben sich nach Termessos zurückgezogen und nur ein paar Wächter auf den Felsen über dem Engpaß postiert. Wenn du sie überraschst, kannst du dein Heer mühelos durchschleusen. Hinter dem Engpaß wirst du einen Weg entdecken, der auf der linken Bergseite zum Stadttor hinaufführt. Morgen könnten deine Trompeten Termessos wecken.«

Alexander trat vor sein Zelt; das ganze Lager war in tiefes Schweigen gehüllt; bis auf die Wachtposten, die sich an kleinen Lagerfeuern wärmten, schlief alles. Er drehte sich nach dem Seher um, der zum Himmel hinaufdeutete. »Schau, siehst du den Adler, der über der Mauer seine Kreise zieht? Das bedeutet, daß die Stadt dir nach diesem nächtlichen Angriff ausgeliefert sein wird. Normalerweise sieht man nachts keine Adler fliegen -das ist bestimmt ein Zeichen der Götter.«

Alexander gab Befehl, alle Soldaten ohne Trompeten zu wek-ken, dann bestellte er Lysimachos und den Anführer der Agrianer in sein Zelt.

»Ich habe eine Arbeit für euch«, sagte er. »Ich weiß, daß auf den Felsen dort oben nur einzelne Wächter postiert sind: Ihr müßt sie überfallen und geräuschlos aus dem Weg räumen, damit ich unser Heer durch den Engpaß führen kann. Wenn ihr eure Mission erfüllt habt, werft ihr mir zum Zeichen ein paar Steine herunter.«

Den Agrianern wurden die Anweisungen noch einmal in ihre eigene Sprache übersetzt, und Alexander versprach ihnen eine hohe Belohnung, wenn alles klappte. Die Männer waren sofort einverstanden, hängten sich ihre aufgerollten Hanfseile und die Taschen mit den Pflöcken über die Schultern und steckten sich ihre Messer in den Gürtel. Als der Mond kurz darauf zwischen den Wolken hindurchschimmerte, sah Alexander sie bereits die Felswand hinaufklettern, unglaublich schnell und behende, wie es sich für Gebirgler gehörte. Die mutigsten unter ihnen kletterten völlig frei, so weit es ging, dann machten sie ihr Seil an einem Felsvorsprung oder eigens angebrachten Nagel fest und ließen es hernach ab, damit die anderen Kameraden ihnen nachkommen konnten. Als sich erneut eine Wolke vor den Mond schob und die an den Felsen hängenden Agrianer den Blicken entzog, wagte sich Alexander zusammen mit Ptolemai-os und seiner Leibwache bis in unmittelbare Nähe des Engpasses vor; dort versteckten sie sich im Gebüsch.

Schon wenig später hörten sie einen dumpfen Aufprall, dann noch einen und noch einen: Es waren die Leichen der Wächter, die von den Agrianern heruntergeworfen wurden.

»Sie haben es geschafft«, zischte Ptolemaios mit einem Blick auf die zerschmetterten Körper. »Du kannst das Heer nachrük-ken lassen.«

Aber Alexander bedeutete ihm, sich noch etwas zu gedulden. Kurz darauf hörten sie erneut den ein oder anderen Aufprall, dann das hellere Geräusch von Steinen, die auf dem felsigen Boden aufschlugen.

»Was habe ich dir gesagt?« meinte Ptolemaios. »Sie sind schon fertig. Diese Leute sind mit der Hand so flink wie mit den Beinen - in Situationen wie dieser einfach unübertrefflich.«

Alexander ließ den Befehl vorzurücken an die wartenden Truppenabteilungen weiterleiten, und schon setzte sich der lange Zug schweigend in Bewegung und passierte nach und nach den Engpaß. Die Agrianer kletterten unterdessen wieder die Felswand hinunter, wobei sie ihre Seile sorgfältig von den Befestigungen lösten und wieder aufrollten.

Die Führer und Späher, die die linke Seite der Schlucht auskundschafteten, hatten schnell den Weg hinauf zum Hochplateau der Stadt entdeckt, und noch vor Sonnenaufgang war das gesamte Heer vor den Mauern von Termessos in Stellung, wenn auch auf einem so unebenen Gelände, daß man dort kaum ein Zelt, geschweige denn ein ganzes Lager hätte aufschlagen können.

Alexander ließ lediglich sein eigenes Zelt auf einer der wenigen ebenen Stellen errichten und seine Kameraden zum Kriegsrat einberufen. Während der Herold noch herumging und sie alle zusammensuchte, meldete Hephaistion dem König einen Besucher an: einen Ägypter namens Sisines, der ihn umge-hend zu sprechen verlangte.

»Ein Ägypter?« fragte Alexander verwundert. »Wer mag das sein? Hast du den Mann schon mal gesehen?«

Hephaistion schüttelte den Kopf. »Ehrlich gesagt, nein, aber er behauptet, uns beide zu kennen. Er sagt, er habe seinerzeit für König Philipp, deinen Vater, gearbeitet und uns schon als Kinder im Palast von Pella herumrennen sehen. So, wie er aussieht, kommt er von sehr weit her.«

»Und was will er?«

»Er sagt, er muß unter vier Augen mit dir reden.«

In diesem Moment trat der Herold ein. »König, die Kommandanten sind alle hier und warten draußen vor dem Zelt.«

»Sie sollen reinkommen«, sagte Alexander und dann, an Hephaistion gewandt: »Gib ihm zu essen und zu trinken und bring ihn irgendwohin, wo er bequem auf mich warten kann. Danach kommst du zurück, ich will dich beim Kriegsrat dabeihaben.«

Hephaistion ging hinaus und gleich darauf betraten die anderen Freunde des Königs das Zelt: Eumenes, Seleukos, Ptole-maios, Perdikkas, Lysimachos und Leonnatos. Philotas war -zusammen mit Krateros und Kleitos dem »Schwarzen« - in In-nerphrygien bei seinem Vater. Alle küßten Alexander auf die Wangen und ließen sich dann auf Hockern nieder.

»Ihr habt die Stadt gesehen«, begann Alexander. »Und ihr habt gesehen, wie felsig und uneben das Gelände hier ist: Selbst wenn wir mit Baumstämmen aus den umliegenden Wäldern Belagerungsmaschinen bauen würden, wir könnten sie gar nicht in Stellung bringen. Und uns mit Hammer und Meißel unterirdisch durch den Felsen graben können wir auch nicht. Die einzige Möglichkeit ist, Termessos abzuriegeln, aber ohne zu wis-sen, wann es fällt - das könnte Tage oder Monate dauern . . .«

»In Halikarnassos war das kein Problem für uns«, bemerkte Perdikkas. »Wir haben uns soviel Zeit genommen, wie wir brauchten.«

»Warum stapeln wir nicht rings um die Mauer eine Riesenmenge Holz auf, zünden es an und räuchern sie aus?« schlug Leonnatos vor.

Alexander schüttelte den Kopf. »Hast du gesehen, wie weit die Wälder weg sind? Und wieviel Männer würden wir verlieren, weil sie ohne Schutzdächer und ohne, daß wir ihnen mit Geschützen Rückendeckung geben können, Holz vor die Mauer schaffen? Nein, ich schicke meine Männer nicht einfach so in den Tod, ohne selbst das gleiche Risiko einzugehen, und ihr tut das auch nicht. Außerdem drängt die Zeit. Wir müssen unbedingt zu Parmenion stoßen.«

»Ich hätte vielleicht eine Idee«, schaltete sich Eumenes ein. »Diese Barbaren sind genau wie die Griechen: Sie bekämpfen sich ständig untereinander. Bestimmt haben auch die Bewohner von Termessos ihre Feinde, und wenn wir uns mit denen verständigen, könnten wir unseren Weg nach Norden fortsetzen, ohne viel Zeit zu verlieren . . .«

»Guter Einfall«, sagte Seleukos.

»Ja, vorausgesetzt, wir treiben diese Feinde auf«, setzte Pto-lemaios hinzu.

»Willst du das übernehmen?« fragte Alexander den Sekretär.

Eumenes zuckte mit den Schultern. »Muß ich ja wohl, wenn es sonst keiner tut.«

»Dann sind wir uns also einig. Inzwischen riegeln wir die Stadt aber schon mal ab und lassen keinen rein oder raus. Gut, dann könnt ihr jetzt zu euren Männern zurück.«

Die Gefährten entfernten sich einer nach dem anderen, und kurz darauf erschien Hephaistion. »Seid ihr schon fertig? Was habt ihr beschlossen?«

»Daß uns keine Zeit bleibt, die Stadt einzunehmen - wir wollen jemanden suchen, der das für uns erledigt. Wo ist der Besucher?«

»Er wartet draußen.«

»Laß ihn rein.«

Hephaistion ging hinaus, und wenig später betrat ein Mann um die Sechzig das Zelt. Er hatte einen grauen Bart und graue Haare und war gekleidet wie die Bewohner der Hochebene.

»Tritt näher«, sagte Alexander. »Du wolltest mit mir sprechen, nicht? Wer bist du?«

»Ich heiße Sisines und bin von General Parmenion zu dir geschickt worden.«

Alexander sah ihm tief in die lebhaften, pechschwarzen Augen.

»Ich habe dich nie gesehen«, erwiderte er. »Wenn du von Parmenion geschickt worden bist, hast du sicher einen Brief mit seinem Siegel bei dir, oder?«

»Nein, ich habe nichts dergleichen dabei. Das wäre zu gefährlich gewesen, für den Fall, daß ich gefaßt werde. Ich habe Befehl, dir General Parmenions Botschaft mündlich zu überbringen.«

»So sprich.«

»Bei Parmenion ist ein Verwandter von dir, er befehligt die Kavallerie . . .«