37286.fb2 Alexander K?nig von Asien - читать онлайн бесплатно полную версию книги . Страница 58

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Der König lag im Schatten eines Feigenbaums auf dem Boden. Seine Männer hatten ihn auf eine Strohmatte gelegt und mit einem Mantel bedeckt. Er hatte tiefe schwarze Ringe unter den Augen, blau verfärbte Fingernägel und war aschfahl im Gesicht.

»Verdammt noch mal!« schrie Philipp, während er aus dem Sattel sprang. »Warum habt ihr ihn nicht gebremst? Dieser Mann ist mehr tot als lebendig. Weg da, geht zur Seite!«

»Aber wir. . .«, stammelte Hephaistion und drehte den Kopf zum Stamm des Baumes, um seine Tränen zu verbergen.

Der Arzt deckte Alexander auf und legte ihm das Ohr auf die Brust. Sein Herz schlug zwar noch, aber sehr schwach und unregelmäßig. Philipp deckte ihn wieder zu. »Schnell!« sagte er zu einem der Leibgardisten. »Reite ins Haus des Königs und sag Leptine, sie soll ein heißes Bad vorbereiten. Sie soll auch einen Kessel Wasser aufs Feuer stellen und Kräuter hineingeben - hier, ich schreibe dir genau auf, welche und wieviel davon.« Philipp zog ein Täfelchen und einen Griffel aus der Tasche und notierte eilig das Rezept. »Und jetzt los!«

»Können wir auch etwas tun?« fragte Hephaistion, indem er vortrat.

»Ja. Flechtet eine Matte aus Schildrohr und befestigt sie zwischen zwei Pferden. Wir müssen ihn in die Stadt schaffen.«

Die Soldaten zogen ihre Schwerter aus den Scheiden, schnitten entlang des Ufers mehrere Bündel Schildrohr und verflochten sie miteinander. Als sie fertig waren, hoben sie den König hoch, legten ihn behutsam auf die Matte und deckten ihn wieder mit dem Mantel zu.

Dann setzte sich der kleine Zug in Bewegung, angeführt von Hephaistion, der die beiden Pferde am Zügel führte, damit sie nicht zu schnell wurden.

Leptine empfing sie mit schreckgeweiteten Augen, aber sie wagte nichts zu fragen; im Grunde brauchte sie Alexander ja nur anzusehen, um zu wissen, wie es um ihn stand. Während sie den Männern ins Badezimmer vorauseilte, biß sie sich auf die Lippen, um nicht in Tränen auszubrechen.

Der König gab keinerlei Lebenszeichen von sich; mittlerweile waren auch seine Lippen blau angelaufen und die Nägel beinahe schwarz.

Hephaistion kniete neben ihm nieder und hob ihn hoch, wobei sein Kopf nach hinten fiel wie bei einem Toten.

»Leg ihn in die Wanne«, befahl der Arzt, »aber langsam! Laß ihn ganz allmählich ins Wasser gleiten.«

Hephaistion stieß irgend etwas Unverständliches zwischen den Zähnen hervor, vielleicht einen Fluch oder eine Anrufung der Götter.

Unterdessen waren auch die anderen Gefährten eingetroffen und hatten sich im Kreis um den König aufgestellt, ohne jedoch Philipp bei seiner Arbeit zu behindern.

»Ich hab ihm gesagt, er soll sich mit vollem Bauch und erhitzt, wie er war, nicht ins Wasser werfen, aber er wollte nicht auf mich hören«, flüsterte Leonnatos dem Perdikkas ins Ohr. »Er meinte, das hätte er schon tausendmal getan, und nie sei ihm etwas passiert.«

»Irgendwann ist immer das erste Mal«, erwiderte Philipp, indem er den Kopf wandte. »Leichtsinniges Pack! Wann begreift ihr Esel endlich, daß ihr erwachsene Männer seid? Daß ihr die Verantwortung für eine ganze Nation tragt? Warum habt ihr ihn nicht zurückgehalten? Warum?«

»Wir haben es ja versucht. . .«, hob Lysimachos an.

»Gar nichts habt ihr versucht! In den Hades mit euch allen . . .«, schimpfte Philipp, während er den Körper des Königs vorsichtig zu massieren begann. »Wißt ihr, wie es hierzu gekommen ist? Wißt ihr das? Nein, das wissen die schlauen Herren natürlich nicht!« Die jungen Männer standen mit hängenden Köpfen da. »Dieser Fluß besteht zum größten Teil aus Schmelzwasser des Tauros; der Weg vom Gebirge hierher ist viel zu kurz und viel zu steil, als daß es sich aufwärmen könnte - selbst bei seiner Mündung ins Meer ist dieses Wasser noch eiskalt. Genausogut hätte Alexander sich nackt im Schnee vergraben können!«

Leptine hatte sich unterdessen neben der Wanne niedergekniet und wartete auf Anweisungen des Arztes.

»Ja, schön, mach du auch ein bißchen mit. Massiere ihn behutsam, immer vom Bauch aufwärts, so, siehst du? Wir wollen versuchen, seine Verdauung wieder in Gang zu bringen.«

Plötzlich trat Hephaistion auf den Arzt zu, richtete anklagend den Finger gegen ihn und zischte: »Hör mal, Alexander ist der König. Er macht, was er will, und keiner kann ihn daran hindern. Du dagegen bist ein Arzt, und als solcher hast du nur eins zu tun: ihn wieder gesund zu machen, verstanden?«

»Rede nicht in diesem Ton mit mir! Ich bin nicht dein Sklave«, erwiderte Philipp und sah ihm in die Augen. »Ich tue, was getan werden muß und wie ich es für richtig halte, klar? Und jetzt raus mit euch, ihr stört mich bei meiner Arbeit. Raus!« Während sich alles anschickte zu gehen, richtete der Arzt sich auf und rief: »Moment! Einer soll bleiben - ich brauche einen, der mir hilft.«

Hephaistion drehte sich um: »Darf ich das machen?«

»Na gut«, murmelte Philipp. »Aber setz dich auf den Stuhl da und geh mir nicht auf die Nerven.«

Der König hatte inzwischen wieder etwas Farbe bekommen, aber er war immer noch bewußtlos und machte die Augen nicht auf.

»Wir müssen seinen Magen entleeren«, sagte Philipp, »sofort, sonst kommt er nicht davon. Leptine, hast du den Kräuteraufguß vorbereitet, den ich verlangt habe?«

»Ja.«

»Dann hol ihn. Ich mache alleine mit der Massage weiter.«

Kurz darauf kam Leptine mit einer kleinen Ampulle zurück, in der sich eine dunkelgrüne Flüssigkeit befand.

»So, und jetzt hilf mir«, befahl Philipp. »Du, Hephaistion, hältst ihm den Mund auf: Wir müssen ihm dieses Gebräu einflößen, koste es, was es wolle.«

Hephaistion tat, wie ihm geheißen, und der Arzt träufelte Alexander die grüne Flüssigkeit langsam in den offenen Mund.

Zunächst zeigte der König keinerlei Reaktion, dann ging jedoch ein Zucken durch seinen Körper, und er begann entsetzlich zu würgen.

»Was hast du ihm gegeben?« fragte Leptine erschrocken.

»Ein Brechmittel, das, wie du siehst, zu wirken beginnt«, erwiderte der Arzt. »Und außerdem eine Substanz, die seinen Körper sozusagen aufrütteln soll, damit er sich nicht einfach in den Tod ergibt.«

Alexander erbrach sich mehrmals und sehr lange; Leptine hielt ihm dabei die Stirn, während eilig gerufene Diener den Boden um die Badewanne aufwischten. Dann wurde er von heftigen Krampfanfällen gepackt, bei denen er vor Schmerzen röchelte und schrie.

Philipps Kur war eine wahre Roßkur: Sie löste heftige und letztendlich positive Reaktionen in Alexanders Organismus aus, schwächte ihn aber sehr. Er kam mit dem Leben davon, mußte jedoch einen ewig langen Heilungsprozeß mit zahlreichen Rückfällen in Kauf nehmen, die mit heimtückischen Fieberattacken einhergingen und ihn völlig auszehrten.

Monate vergingen, bevor man eindeutig von einer Besserung sprechen konnte, und in dieser langen Zeit verloren die Soldaten allmählich den Mut und glaubten immer mehr, der König sei gestorben und keiner wage, es ihnen zu sagen. Anfang Herbst war es endlich soweit, daß der König sich seinen Truppen zeigen konnte, danach mußte er aber gleich wieder ins Bett.

Irgendwann begann er, im Zimmer auf und ab zu gehen. Lep-tine verfolgte ihn dabei mit einer Tasse Brühe und flehte: »Hier, mein Herr, trink doch ein bißchen davon, das tut dir gut.«

Philipp kam jeden Abend vorbei, um nach ihm zu schauen. Den Rest der Zeit verbrachte er ihm Lager, weil auch dort viele Soldaten aufgrund des jähen Klimawechsels und der ungewohnten Kost krank geworden waren. Die meisten hatten Brechdurchfall, hohes Fieber und Magenschmerzen.

Eines Abends - Alexander saß gerade an seinem Arbeitstisch, denn er hatte angefangen, sich wieder um die Korrespondenz aus Makedonien und den unterworfenen Provinzen zu kümmern - erschien ein Bote mit einer versiegelten Botschaft von

General Parmenion. Der König öffnete sie, aber in diesem Augenblick kam Philipp herein.

»Wie fühlst du dich heute, Herr?« fragte er und begann sofort den Trank zu mischen, den er ihm zu verabreichen gedachte.

Alexander überflog kurz die Mitteilung des alten Generals, in der es hieß:

»Parmenion an Alexander, heil!

Wie ich aus gut informierter Quelle erfahren habe, ist dein Arzt Philipp von den Persern bestochen worden und will dich vergiften. Sei auf der Hut!«

Statt zu erschrecken, antwortete er nur: »Ganz gut«, und streckte die Hand nach dem Becher aus, den Philipp ihm hinhielt.

Mit der anderen Hand reichte er Philipp den Zettel, der ihn las, während Alexander seinen Trank zu sich nahm.

Auch der Arzt zeigte sich nicht im mindesten beeindruckt, und als der König seinen Becher ausgetrunken hatte, gab Philipp den Rest des Medikaments in einen anderen Becher und sagte: »Das hier trinkst du heute abend, bevor du ins Bett gehst. Morgen kannst du beginnen, feste Nahrung zu dir zu nehmen. Ich gebe Leptine genaue Anweisungen für deine Diät - du mußt sie streng befolgen.«

»In Ordnung«, der König nickte.

»Dann gehe ich jetzt ins Lager zurück. Wir haben ziemlich viele Kranke, weißt du das?«