37286.fb2 Alexander K?nig von Asien - читать онлайн бесплатно полную версию книги . Страница 59

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»Ja«, erwiderte Alexander, »und das ist sehr schlecht. Dareios nähert sich, das spüre ich. Ich muß unbedingt so schnell wie möglich zu Kräften kommen.« Als Philipp sich von ihm verabschiedete, fragte er plötzlich: »Was meinst du, wer das war?«

Philipp zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung. Aber es gibt da ein paar junge Chirurgen, die sehr gut sind und möglicherweise auf das Amt des königlichen Leibarztes spekulieren. Denen bin ich natürlich im Weg.«

»Du brauchst mir nur zu sagen, um wen es sich handelt, und ich . . .«

»Besser nicht, Herr. In Kürze werden wir alle unsere Chirurgen dringend brauchen und ich weiß nicht einmal, ob es genug sind. Trotzdem, danke für dein Vertrauen«, fügte er noch hinzu, bevor er das Zimmer verließ und die Tür hinter sich schloß.

48

Nearchos' kleine Flotte ging Mitte Herbst in Tarsos vor Anker, und der Admiral begab sich sofort an Land, um den König, der mittlerweile wieder völlig hergestellt war, zu begrüßen und zu umarmen.

»Hast du schon gehört, daß Dareios uns den Weg durch die Syrische Pforte versperren will?« fragte der König.

»Ja, Perdikkas hat es mir erzählt. Leider wird ihm deine Krankheit Zeit genug gegeben haben, seine Stellungen dort abzusichern.«

»Schon, aber höre meinen Plan: Wir ziehen ein Stück an der Küste entlang und schlagen dann die Paßstraße zur Syrischen Pforte ein. Bevor wir oben ankommen, schicken wir Vorposten aus; sie sollen die persischen Stellungen auskundschaften, von denen aus Dareios den Paß kontrolliert. Später kämpfen wir uns den Paß mit einem Überraschungsangriff frei und strömen mit dem Heer in die Ebene hinunter - dort treten wir ihnen entgegen. Leider sind die Perser uns zahlenmäßig weit überlegen. Das Verhältnis dürfte eins zu zehn sein.«

»Eins zu zehn?«

»Ja, nach allem, was wir wissen. Morgen geht es los, Admiral. Die Kranken und Geschwächten lassen wir in Issos, der Rest marschiert zum Paß weiter. Du folgst uns mit der Flotte, und zwar ab sofort immer in Sichtweite.«

Nearchos kehrte auf sein Schiff zurück, lichtete am nächsten Tag die Anker und nahm Kurs nach Süden. Alexanders Heer rückte, der Küste folgend, in derselben Richtung vor.

Das erste größere Ziel war Issos, eine kleine Stadt inmitten von terrassenförmig ansteigenden Bergen, die an den Zuschauerraum eines Theaters erinnerten. Hier ließ Alexander diejenigen unter seinen Männern einquartieren, die kampfunfähig waren, und nahm dann den Marsch in Richtung der Syrischen Pforte wieder auf.

Am darauffolgenden Abend schickte er eine Vorhut aus Kundschaftern los, während Nearchos' Admiralsschiff durch Leuchtzeichen mitteilte, daß das Meer unruhig wurde und mit einem Sturm zu rechnen war.

»Verdammt, das hat uns gerade noch gefehlt!« fluchte Per-dikkas. Seine Männer sollten die Zelte für das Nachtlager aufstellen und kamen schon jetzt kaum gegen die heftigen Windböen an, die die Zeltplanen blähten und mit sich fortreißen wollten.

Als das Lager mit Einbruch der Nacht endlich fertig war, brach das Unwetter los. Es goß, als hätte der Himmel seine Schleusen geöffnet, grelle Blitze zuckten über den schwarzen Himmel und die fürchterlichen Donnerschläge, die ihnen folgten, hallten von den umliegenden Bergen zurück.

Nearchos hatte es gerade noch an den Strand geschafft; seine Schiffsleute trieben dicke Holzpflöcke in den Sand und befestigten daran die Taue, die andere ihnen von den Hecken der Boote aus zuwarfen.

Als die Lage endlich unter Kontrolle schien, versammelte sich der gesamte Generalstab zu einem bescheidenen Abendessen in Alexanders Zelt und arbeitete einen Plan für den nächsten Tag aus. Man war schon fast am Zubettgehen, als plötzlich ein Bote aus Issos erschien; er war von Kopf bis Fuß mit Schlamm bedeckt, bis auf die Haut durchnäßt und bekam kaum noch Luft. Bei seinem Anblick stand alles erschrocken auf.

»Was ist los?« fragte Alexander.

»Herr«, keuchte der Bote, »wir haben das persische Heer im Rücken: Dareios ist in Issos!«

»Was?« schrie der König. »Bist du besoffen?«

»Nein, leider nicht. Sie sind mit Einbruch der Dämmerung über uns hergefallen, haben unsere Wachtruppen vor der Stadt überrumpelt und alle kranken Soldaten, die wir in Issos zurückgelassen haben, gefangengenommen.«

Alexander schlug mit der Faust auf den Tisch. »Verdammt! Jetzt müssen wir mit Dareios verhandeln, damit er sie wieder herausrückt.«

»Ja, etwas anderes bleibt uns nicht übrig«, pflichtete Parme-nion ihm bei.

»Wie haben die das bloß geschafft, hinter unseren Rücken zu gelangen?« fragte Perdikkas.

»Hier, wo wir sind, können sie nicht durchgekommen sein«, erwiderte Seleukos in bewußt ruhigem Ton, als wolle er alle ein wenig beschwichtigen. »Und übers Meer sind sie auch nicht gekommen, sonst hätte Nearchos sie gesehen.«

Ptolemaios trat auf den Boten zu: »Und wenn das alles eine Finte wäre, damit wir uns vom Paß zurückziehen und dem Großkönig Gelegenheit geben, mit seinem Heer hinaufzuziehen und uns dann von oben herab anzugreifen? Ich kenne diesen Mann hier nicht. Kennt ihr ihn?«

Alles trat vor und musterte den Boten, der erschrocken zurückwich.

»Ich habe ihn noch nie gesehen«, sagte Parmenion.

»Ich auch nicht«, sagte Krateros mit mißtrauisch zusammengekniffenen Augen.

»Aber Herr . . .«, flehte der Bote.

»Hast du eine Losung?« fragte Alexander.

»Aber ich ... dazu war keine Zeit, Herr. Mein Anführer hat mir befohlen loszureiten, und ich bin aufs Pferd gesprungen und ab . . .«

»Wer ist dein Anführer?«

»Amyntas aus Lynkestis.«

Alexander verstummte und wechselte einen vielsagenden Blick mit General Parmenion. Im selben Moment fuhr draußen ein besonders greller Blitz hernieder; sein Licht drang bis ins Königszelt herein und verlieh den Gesichtern der Versammelten etwas Gespenstisches. Der nachfolgende, dröhnende Donnerschlag ließ nicht lange auf sich warten.

»Es gibt nur einen Weg, um herauszufinden, was wirklich passiert ist«, sagte Nearchos, kaum daß der Donner überm Meer verhallt war.

»Nämlich?« fragte der König.

»Ich kehre um und schaue nach. Mit meinem Schiff.«

»Bist du wahnsinnig?« rief Ptolemaios aus. »Bei dem Wetter gehst du sofort unter.«

»Das ist nicht gesagt. Der Wind bläst aus Süden: Mit ein wenig Glück könnte ich es schaffen. Rührt euch nicht vom Fleck, bevor ich nicht zurück bin oder euch einen Boten geschickt habe. Unser Losungswort ist Poseidon.«

Mit diesen Worten zog er sich seinen Umhang über den Kopf und rannte hinaus in den strömenden Regen.

Alexander und die Gefährten folgten ihm mit brennenden Laternen. Nearchos kletterte an Bord seines Admiralsschiffs und befahl, den Anker zu lichten und die Ruder ins Wasser zu lassen. Kurz darauf drehte das Schiff und nahm Kurs nach Norden; als es sich ein gutes Stück vom Strand entfernt hatte, erschien auf seinem Bug ein weißes Gespenst.

»Der Mann ist verrückt«, murmelte Ptolemaios, während er sich schützend die Hand über die Augen hielt. »Jetzt hat er auch noch ein Segel gehißt!«

»Nein, er ist nicht verrückt«, erwiderte Eumenes. »Nearchos ist der beste Seemann von hier bis zu den Herkulessäulen, und das weiß er.«

Bald hatte die Dunkelheit das weiße Segel verschluckt und alles kehrte ins Zelt des Königs zurück, um sich vor dem Schlafengehen noch ein wenig an dem glühenden Kohlebecken zu wärmen.

Alexander war zu aufgeregt, um einschlafen zu können. Er stand noch lange unter dem Vordach seines Zelts und schaute dem Gewitter zu; hin und wieder warf er einen Blick auf Peritas, der bei jedem Donnerschlag kläglich aufjaulte. Plötzlich sah er einen besonders langen Blitz vom Himmel zucken und in eine Eiche einschlagen, die auf einem nahen Hügel stand.

Ihr mächtiger Stamm begann augenblicklich zu brennen, und im Schein der Flammen erkannte er den weißen Mantel Ari-standros'; reglos stand der Seher in Wind und Regen, die Hände zum Himmel emporgehoben. Alexander spürte, wie es ihm eiskalt über den Rücken lief, und er glaubte, mit einemmal die Schreie vieler sterbender Männer zu vernehmen, das verzweifelte Wehklagen Tausender von Seelen, die lange vor ihrer Zeit in die Unterwelt geflohen waren. Dann versank er in einem seltsamen Dämmerzustand.

Das Gewitter tobte noch die ganze Nacht hindurch; erst gegen Morgen begannen die schwarzen Wolken sich zu zerstreuen, der ein oder andere Fetzen Blau kam zum Vorschein, und als die Sonne vollends über den Gipfeln des Tauros erschien, hatte sich die Lage völlig beruhigt. Der Himmel war heiter und das Meer wieder völlig glatt - in sanften, schaumgekrönten Wellen brach sich das Wasser am Strand.

Noch vor Mittag kamen die Späher zurück, die im Süden die Paßstraße zur Syrischen Pforte auskundschaftet hatten. Sie erstatteten dem König augenblicklich Bericht: »Dort oben ist kein Mensch, Herr, und unten im Tal auch nicht.«