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26.
Acre
Am nächsten Tag
Obwohl er kaum Gelegenheit gehabt hatte, sich von den Nachwirkungen des Kampfes zu erholen, verließ Conn das Lager der Kreuzfahrer schon am nächsten Morgen.
Die Zeit drängte, denn noch am Tag der Entscheidung hatten die Streiter Christi ihren Posten in den Bergen aufgegeben und sich auf den Weg nach Süden gemacht. Da es danach aussah, als würden sie Acre belagern wollen, um sich einen Zugang zum Meer zu erzwingen, war höchste Eile geboten, wenn Conn seinen Adoptivvater aus der Gewalt der Muselmanen befreien wollte.
Zwar fürchtete er nicht um Baldrics Sicherheit, denn Hauptmann Bahram hatte sein Wort gegeben, und Conn glaubte fest daran, dass der Offizier ein Mann von Ehre war; aber wer vermochte zu sagen, was mit einem gefangenen Christen geschehen würde, wenn seinesgleichen die Stadt angriff?
Als Chaya und er nach Acre zurückkehrten, trafen sie die Garnison in heller Aufregung an. Die Kundschafter der Fatimiden hatten vom Herannahen des Kreuzfahrerheeres berichtet, und die Verteidigungsvorbereitungen waren nochmals verstärkt worden. Über den Wehrgängen wurden hölzerne Dächer angebracht und mit Tierhäuten bespannt, die vor den Pfeilen der Angreifer schützen sollten; die äußeren Mauern wurden mit großen Säcken gepolstert, die mit Reisig und Stroh gestopft waren und verhindern sollten, dass Katapultgeschosse die Mauern beschädigten. In den Straßen herrschte lärmendes Durcheinander. Karren, die Holz, Steine und anderes Baumaterial transportierten, drängten sich eng aneinander. Wenn es tatsächlich zum Kampf um Acre kommen sollte, so würde es eine erbitterte Auseinandersetzung werden, und Conn spürte tief in seinem Inneren, dass er des Kämpfens müde war.
Mit dem Tode Guillaume de Reins war etwas in ihm erloschen, eine Flamme, die bis dahin stetig Nahrung erhalten hatte. Er empfand weder Genugtuung noch Freude über das Ende seines Erzfeindes, aber der Grund, weshalb er all die Strapazen auf sich genommen und allen Widrigkeiten zum Trotz am Leben geblieben war, existierte nicht mehr. Seine Rache war vollzogen, Chaya aus Guillaumes Händen befreit worden, der Herzog der Normandie gerettet. Nur eines war ihm nicht geglückt – das Buch von Ascalon zurückzubringen, für das Baldric sein Leben verpfändet hatte.
»Die Schriftrolle ist fort?« Caleb, der bei Hauptmann Bahram stand und sich einmal mehr als Übersetzer betätigte, zog ungläubig die Brauen nach oben. »Erkläre das! Was soll das heißen, sie ist fort?«
»Ich habe es euch bereits berichtet«, erwiderte Conn, der zusammen mit Chaya ins Wachlokal gekommen war. Seine Cousine hatte Caleb mit einer innigen Umarmung und einem Kuss auf die Stirn begrüßt – für Conn hatte er nur ein knappes Nicken übrig gehabt. »Als Graf Hugos Leute Guillaume de Rein verhafteten und der Tumult ausbrach, war die Schriftrolle plötzlich verschwunden – und Berengar mit ihr.«
»Berengar, schon wieder dieser Teufel!«, fluchte Caleb mit vor Abscheu verzerrten Zügen.
»Ob Engel oder Teufel, ist in diesem Fall schwer zu sagen. Denn ohne Berengars Hilfe wären weder Chaya noch ich de Rein und seinen Schergen entkommen.«
»Ohne sein Zutun wärt ihr gar nicht erst in de Reins Gewalt gelangt.« Caleb lachte bitter. »Wenn du ihn zu verteidigen suchst, bist du entweder ein Träumer, Christ, oder steckst mit ihm unter einer Decke.«
»Du redest Unsinn, Caleb«, wandte Chaya ein. »Wäre es Conn darum gegangen, das Buch zu behalten, hätte er es nicht nach Acre zu bringen brauchen. Was geschehen ist, ist unsere Schuld, nicht seine.«
Caleb holte tief Luft, eine Antwort blieb er jedoch schuldig. Der entwaffnenden Logik seiner Cousine hatte er nichts entgegenzusetzen.
Hauptmann Bahram, der an seinem schlicht gearbeiteten Tisch saß und dem Wortwechsel beigewohnt hatte, ohne auch nur ein Wort davon zu verstehen, forderte Caleb auf, für ihn zu übersetzen. Anschließend formulierte er eine Frage, die Caleb wiederum ins Französische brachte: »Hauptmann Bahram will wissen, ob du dich an die Abmachung erinnerst, die ihr getroffen habt.«
»Ja, Herr.« Conn nickte, er hatte die Frage erwartet. Ohne Zögern ließ er sich auf die Knie nieder, senkte das Haupt und sagte: »Und weil ich mich genau an Eure Worte erinnere und ich Euch mein Wort gegeben habe, das Buch von Ascalon für das Leben meines Adoptivvaters Baldric zu bringen, bitte ich Euch von Herzen, Gnade vor Recht ergehen zu lassen und statt Baldrics Leben das meine zu nehmen.«
»Nein!«, rief Chaya entsetzt, noch ehe er ganz ausgesprochen hatte, aber Caleb übersetzte bereits.
Stille trat in der Kammer ein. Die Überraschung war Bahram deutlich anzusehen. Er erhob sich, kam hinter dem Tisch hervor und trat auf Conn zu. Dabei fragte er ihn erneut etwas.
»Bist du dir der Tragweite deiner Entscheidung bewusst?«, übersetzte Caleb.
Conn blickte auf und schaute Bahram offen ins Gesicht. »Ja, Herr.«
»Nein, Conn! Das darfst du nicht!« Chaya schlug die Hände vors Gesicht. Für ihn hatte die Entscheidung schon die ganze Zeit über festgestanden. Um sie nicht zu ängstigen, hatte er ihr jedoch nichts darüber gesagt.
Selbst Caleb schien Unbehagen zu empfinden. »Du musst das nicht tun, Christ.«
»Nein?« Conn schaute beide an. »Soll ein anderer für mein Versäumnis sterben? Ist es das, was ihr mir vorschlagen wollt?«
Caleb wandte beschämt den Blick. Was er dachte, war nicht festzustellen, aber er übersetzte Conns Worte, woraufhin Bahram zustimmend nickte.
»Danke, Herr«, sagte Conn.
Der Hauptmann erteilte den beiden Posten an der Tür einen Befehl, worauf die beiden das Wachlokal verließen. Kurz darauf kehrten sie zurück, Baldric in ihrer Mitte.
Obwohl sein Zustand sich gebessert hatte, sah er noch immer fürchterlich aus. Als er jedoch Conn erblickte, glitt ein Leuchten über seine geschwollenen Züge.
»Conwulf!«
Conn, der sich inzwischen wieder erhoben hatte, trat auf den alten Normannen zu, und sie umarmten einander.
»Ich habe gewusst, dass du zurückkehren würdest, Junge! Ich habe es gewusst!«
»Du hattest recht, Vater. Deine Gefangenschaft ist zu Ende. Du bist wieder ein freier Mann.«
Unverhohlener Stolz sprach aus Baldrics Gesicht. »Dann hast du das Buch also zurückgebracht?«
Conn biss sich auf die Lippen. »Nicht ganz. Aber es ist für alles gesorgt. Du bist frei und kannst gehen.«
»Was genau heißt das?« Baldrics einzelnes Auge musterte ihn prüfend.
»Mach dir darüber keine Gedanken, Vater.«
»Was soll das heißen?«, bohrte der Normanne weiter und schaute fragend zu den anderen. »Was geht hier vor?«
»Dein Ziehsohn hat sich selbst gegen dich eingetauscht, alter Mann«, antwortete Caleb.
»Nein!«, begehrte Baldric auf und wich entsetzt zurück. »Das will ich nicht!«
»Ich weiß, Vater«, versicherte Conn mit einem schwachen Lächeln, »deshalb habe ich dich vorher auch nicht gefragt. Aber meine Entscheidung steht fest. Du hast so viel für mich getan. Zweimal hast du mir das Leben gerettet, hast mich aufgelesen und mich gesund gepflegt, als ich schon zum Sterben verurteilt schien. Nun ist es an der Zeit, es wiedergutzumachen.«
»Nein!«, rief Baldric noch einmal und schüttelte das ergraute Haupt. »Nein, nein, nein! Das darf nicht geschehen! Dies ist nicht dein Schicksal, sondern meines!«
»Die Aufgabe, die ich mir gestellt hatte, ist erfüllt. Guillaume de Rein ist tot. Was auch immer mit mir geschieht«, fügte er mit einem Blick in Chayas Richtung hinzu, »unschuldige Menschen werden niemals wieder vor ihm zittern müssen. Das zu wissen genügt mir.«
Chaya, die reglos dagestanden und mit den Tränen gerungen hatte, eilte zu ihm, und sie umarmten einander nicht weniger zärtlich und liebevoll, als sie es in der Nacht zuvor getan hatten.
Caleb wandte den Blick, selbst Bahram war sichtlich erschüttert. Obwohl der Hauptmann kein Wort verstand, begriff er genau, was vor sich ging, und seinen zusammengepressten Lippen war zu entnehmen, dass er Conn nur zu gern aus seiner Pflicht entlassen hätte. Aber das war nicht möglich. Ein Versprechen war gegeben worden, die Abmachung galt.
Man ließ Conn und Chaya einen Moment, um sich voneinander zu verabschieden, und ihre Lippen fanden sich in einem innigen Kuss, den Caleb bleich, aber widerspruchslos zur Kenntnis nahm. Dann traten die Wachen vor, und man trennte sie voneinander.
»Nein!«, schrie Chaya und wollte Conn hinterherlaufen, der von den beiden Kriegern hinausgeführt wurde, zurück in den Kerker, dem er erst vor wenigen Tagen entronnen war.
Plötzlich gab es draußen auf dem Gang Tumult.
Laute Rufe waren zu hören, aufgeregtes Geschrei.
»Was ist da los?«, fragte Baldric.
Bahram und Caleb wechselten einige Worte auf Aramäisch, worauf Chayas Cousin hinauseilte. Nur Augenblicke später kehrte er zurück und erstattete Bahram Bericht. Die Reaktion des Hauptmanns war zwiespältig. Erleichterung und Freude waren dabei, aber auch Sorge und Ernüchterung.
»Was ist geschehen?«, wollte Chaya von Caleb wissen.
»Ein Bote aus dem Palast ist eingetroffen«, antwortete dieser. »Der Statthalter ist mit einer Abordnung der Kreuzfahrer zusammengetroffen, und es wurde eine Einigung erzielt. Acre hat sich bereit erklärt, die Christen mit Wasser, Proviant und Futter zu versorgen, im Gegenzug verschonen sie die Stadt. Und als Zeichen des guten Willens werden alle christlichen Gefangenen freigelassen.«
Chaya begriff noch einen Augenblick früher als Conn, dass dies seine Rettung war. Sie eilte zu ihm und umarmte ihn, wobei ihr Tränen der Erleichterung über die Wangen rannen.
»Nun, Christ, wie es aussieht, ist der Herr einmal mehr auf deiner Seite«, sagte Caleb.
Gebirge von Nakura
Anfang Juni 1099
In einer Zeit, in der täglich Ruhmestaten vollbracht wurden, in der das Heer der Kreuzfahrer von Triumph zu Triumph eilte und Geschichte schrieb, war der Tod eines einzelnen Ritters, der noch dazu vor aller Augen als Verräter überführt worden war, nicht von Belang. Zynisch ging man über sein Ableben hinweg, verschwendete keinen Gedanken daran, welchen Verlust die Welt erlitten hatte.
Eleanor de Rein jedoch war in tiefer Trauer.
Verzweiflung umgab sie wie die Dunkelheit einer mondlosen Nacht, während sie an dem Grab kauerte, in das der leblose Körper ihres Sohnes gebettet worden war, blutüberströmt und kalt.
Nie wieder würde sich Guillaume erheben, nie wieder mit ihr sprechen. Und nie wieder würde sie ihn nach ihren Vorstellungen formen und ihn entsprechend handeln lassen können. Guillaume war fort, und die Leere, die er hinterlassen hatte, war so abgrundtief, dass Eleanor das Gefühl hatte, von ihr verschlungen zu werden.
Guillaume war ihr Sohn gewesen, ihr eigen Fleisch und Blut, Träger all ihrer Hoffnungen – und nun? Sie war dabei gewesen, hatte dem Kampf aus sicherer Entfernung beigewohnt und war überzeugt gewesen, dass ihr Sohn das Duell auf Leben und Tod für sich entscheiden würde, dass dies die Stunde wäre, in der Guillaume sich vor aller Welt bewährte – aber dann war alles ganz anders gekommen.
In dem Augenblick, als das Schwert des Angelsachsen Conwulf die Brust Guillaumes durchstieß, hatte Eleonor ihre Wut und ihre Enttäuschung laut hinausgeschrien, hatte sich lauthals empört über den Akt der Barbarei, in dem andere ein Urteil des höchsten Richters sehen mochten – für Eleanor stand fest, dass es Mord gewesen war, der sie und ihren Sohn um den verdienten Lohn ihrer Mühen gebracht hatte.
Guillaume war das Opfer eines Komplotts geworden, das einige Fürsten – unter ihnen der verschlagene Herzog Robert und der rachsüchtige Graf von Monteil – geschmiedet hatten. Ihr Ziel war es gewesen, die Bruderschaft der Suchenden zu zerschlagen, indem sie ihr Haupt vernichteten, und dabei hatten sie sich des Angelsachsen bedient, der sich wie eine Schlange angeschlichen und sogar das Vertrauen des Barons gewonnen hatte.
Wie sehr wünschte sich Eleanor, der einfältige Renald hätte Conwulf an jenem Tag vor Antiochia tatsächlich das Auge ausgestochen, dann wäre der Kampf – so es überhaupt dazu gekommen wäre – sicher anders ausgegangen. Oder war auch dies schon ein Teil des Komplotts gewesen? Hatte Renald schon damals beabsichtigt, Guillaume durch den Angelsachsen töten zu lassen?
Alles schien Eleanor in ihrer Verzweiflung möglich, und je länger sie am Grab ihres Sohnes Wache hielt, desto mehr wurde ihre Trauer zu Hass. Ihre Tränen waren längst versiegt – das Verlangen nach Vergeltung jedoch brannte mit jedem Tag heißer in ihrer Brust, ein alles verzehrendes Feuer.
Nur mit Mühe hatte sie Robert, den sie von Kindesbeinen an kannte, weil er gelegentlich auf dem Sitz ihrer Familie bei Falaise zu Besuch gewesen war, davon abbringen können, den Leichnam ihres Sohnes wie angedroht zu verbrennen und seine Asche zu zerstreuen. Schon der Gedanke, seinen Körper in fremde Erde gebettet zu wissen, weit entfernt von der normannischen Heimat, die er so geliebt hatte, ließ sie tiefe Verzweiflung fühlen, doch fand sie Trost in der Tatsache, dass sein Körper unversehrt geblieben war.
Noch immer sah sie ihn vor sich, die Haut weiß wie Schnee und das blonde Haar von einem goldenen Reif gehalten, den sie ihm mit ins Grab gegeben hatte. Eleanor hatte nie einen Zweifel gehegt, dass ihr Sohn zum Herrscher berufen war, entsprechend hatte sie ihn einem König gleich beisetzen lassen und ihm all die Ehren erwiesen, die der Fürstenrat und die Geistlichkeit ihm verweigert hatten.
Arnulf von Rohes hatte sie deshalb eine Hexe genannt, und sie wusste, dass es nicht wenige gab, die an ihrem Verstand zweifelten und glaubten, dass der Verlust ihres Gatten und ihres Sohnes innerhalb so kurzer Zeit zu viel gewesen wäre.
Was wussten diese Narren schon?
Was von den Sorgen einer Mutter?
Was von den Qualen, die sie litt?
Was von den Schmerzen, unter denen sie Guillaume in die Welt geboren hatte? Von den Opfern, die sie auf sich genommen hatte, damit er auch in der unwirtlichen Fremde Northumbrias die Erziehung erhielt, die eines zukünftigen Herrschers würdig war? Von den Demütigungen, die sie erduldet hatte, um Renald de Rein im Glauben zu lassen, dass er in Wahrheit der Überlegene wäre? Von dem Blut, das an ihren Händen klebte, weil sie stets nur das Beste für Guillaume gewollt hatte?
Mit Unbehagen hatte sie gesehen, wie sich der Junge seinem wirklichen Vater zuneigte; Osbert war seinem älteren Bruder Renald in vieler Hinsicht überlegen gewesen, doch seine rechtschaffene Art und seine verabscheuungswürdige Vorliebe für die einfachen Dinge des Lebens hatten Guillaume mehr geschadet als genutzt. Zudem war Eleanor sich bewusst gewesen, dass sie eines Tages etwas benötigen würde, mit dem sie Renald in ihrem Sinne lenken konnte. Also hatte sie an jenem Tag, als Osbert in der Schlucht jagte, das Seil durchschnitten und versteckt, um Jahre später Renald der Tat zu bezichtigen.
Doch all dies, all ihre Erwägungen, ihre Überlegungen, ihre sorgsam bedachten Pläne, waren gegenstandslos geworden.
Guillaume war tot. Abgeschlachtet von einem angelsächsischen Barbaren – der dafür bitter bezahlen würde.
»Mylady?«
Eustaces sanfte Stimme riss sie aus ihren Gedanken.
Sie fand sich im Staub kniend, am Fuße des Grabhügels, den sie hatte aufschütten und mit einem Felsblock versehen lassen. Guillaumes Name und Herkunft waren darauf verzeichnet und würden dafür Sorge tragen, dass man das Andenken an ihn auch noch in tausend Jahren wahrte … Eleanor wandte das ins Gebende gehüllte Haupt. Die Männer waren bereit zum Aufbruch.
Zehn Tage lang hatten sie ausgeharrt.
Sie hatten das Grab ausgehoben und die Totenwache gehalten, hatten ihren Anführer ehrenvoll bestattet, während das Heer längst abgezogen war und sich gen Caesarea gewandt hatte, wo man das Pfingstfest verbringen wollte, ehe man nach Jerusalem weiterzog.
Nicht alle Ritter der Bruderschaft waren geblieben. Einige hatten dem angeblichen Gottesurteil Glauben geschenkt und sich abgewandt, andere sich von den Anhängern Herzog Roberts einschüchtern lassen. Etwa zwanzig junge Edle waren jedoch mit ihrem Gefolge geblieben – genug, um jene zu verfolgen und zu bestrafen, die Schuld an Eleanors Schmerz trugen. Und womöglich auch genug, um das zu Ende zu bringen, was Guillaume in ihrem Auftrag begonnen hatte.
Eleanor wusste nicht, wohin sich der verräterische Mönch verkrochen hatte, aber ihre Gier nach dem, was er ihr in Aussicht gestellt hatte, war trotz ihrer Trauer ungebrochen. Ihren Sohn hätte sie am liebsten auf dem Thron von Jerusalem gesehen, doch da er nicht mehr am Leben war, würde sich ein anderer finden müssen, der in ihrem Auftrag an die Spitze der Macht gelangte.
»Mylady, bitte verzeiht. Aber unsere Leute sind bereit zum Abmarsch. Wenn Ihr die Güte haben wollt, mir zu folgen.«
Eleanor drehte sich noch ein Stück weiter um und nickte dem Ritter mit den eigenartig blicklosen Augen wohlwollend zu.
»Gewiss, mein guter Eustace, gewiss. Unsere Arbeit hier ist getan. Jerusalem erwartet uns.«