37695.fb2 Das Testament der G?tter - читать онлайн бесплатно полную версию книги . Страница 43

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»Werden wir Verstärkung entsenden?«

»Ich werde augenblicklich Hoheit um Rat fragen.« Ramses befahl zwei weiteren Heeresverbänden, gen Asien zu ziehen, und dem Hauptheer, sein Vorrücken zu beschleunigen. Der König nahm die Angelegenheit äußerst ernst; Ascher mußte, sofern er überlebt hatte, die Aufrührer vernichten. Seit Verkündigung des Erlasses, der den Hof in höchstes Erstaunen gestürzt hatte, wußte der Wesir nicht mehr ein noch aus, um PHARAOS Anweisungen in die Tat umzusetzen. Dank seiner gewissenhaften und scharfen Amtsführung würde das Erfassen der Reichtümer Ägyptens und dessen verschiedener Vorräte höchstens einige Monate benötigen; doch seine Gesandten mußten hierfür die Oberen jedes Tempels und jeden Gaufürsten befragen, eine beeindruckende Menge an Rechenschaftsberichten abfassen und sämtliche Ungenauigkeiten aufspüren. Die Ansinnen des Herrschers lösten eine dumpfe Feindseligkeit aus; daher auch befleißigte sich Bagi, der als der wahre Verantwortliche dieser amtlichen Erhebung betrachtet wurde, etliche Empfindlichkeiten zu beschwichtigen und die Gereiztheit zahlreicher Würdenträger zu zerstreuen.

Am Ende des Nachmittags hatte Bagi die Gewißheit, daß seine Anweisungen wortgetreu ausgeführt worden waren. Schon am nächsten Tag würde er die Stärke des – bereits in Kampfbereitschaft befindlichen – Heeres der Mauern des Herrschers verdoppeln.

Der Abend im Feldlager verlief in düsterer Stimmung. Am folgenden Tag wollten die Ägypter die aufständische Feste angreifen, ihr Abgeschnittensein somit brechen und versuchen, eine Verbindung mit Heerführer Ascher herzustellen. Der Sturm kündigte sich als schwierig an. Viele würden wohl nicht mehr in ihre Heimat zurückkehren. Sethi aß mit dem ältesten Krieger, einem aus Memphis stammenden Raufbold, zu Abend. Er leitete den Einsatz des Sturmturms auf Rädern. »In sechs Monaten«, offenbarte dieser ihm, »werde ich im Ruhestand sein. Das ist mein letzter Asienfeldzug, Jüngelchen! Hier, iß frischen Knoblauch. Das wird dich erleichtern und dir Erkältungen ersparen.«

»Er wäre besser mit ein wenig Koriander und rosenrotem Wein.«

»Der Festschmaus kommt nach dem Sieg! Für gewöhnlich wird man in diesem Verband gut genährt. Ochse und Backwaren sind nicht selten, die Frische des Gemüses ist annehmbar, das Bier reichlich. Seinerzeit, da stahlen die Soldaten hier und da; Ramses hat diese Sitte verboten und die Plünderer aus den Streitkräften gejagt. Ich, ich habe nie jemanden bestohlen. Man wird mir ein Haus auf dem Land, ein Stück Feld und eine Dienerin geben. Ich werde wenig Steuern entrichten müssen und meinen Besitz dem Menschen meiner Wahl vermachen. Du hast recht gehabt, dich zu verpflichten, Jüngelchen; deine Zukunft ist gesichert.«

»Unter der Bedingung, heil aus diesem Wespennest herauszukommen.«

»Wir werden diese Feste schleifen. Vor allem, nimm dich auf deiner Linken in acht. Der männliche Tod kommt von dieser Seite, der weibliche von der anderen.«

»Keine Frauen beim Feind?«

»Doch, und zwar tapfere!«

Sethi würde weder die Linke noch die Rechte vernachlässigen; er würde auch den Rücken nicht vergessen, im Gedenken an den Offizier der Streitwagentruppe.

Die ägyptischen Soldaten stürzten sich in einen wilden Tanz, ließen ihre Waffen über ihren Köpfen kreisen und reckten sie gen Himmel, um ein günstiges Geschick und den Mut zu erlangen, bis zum Tode zu kämpfen. Den von allen Ländern eingehaltenen Übereinkünften gemäß würde die Schlacht eine Stunde nach Sonnenaufgang stattfinden; lediglich die Beduinen griffen ohne Vorwarnung an. Der alte Krieger steckte eine Feder in Sethis langes, schwarzes Haar.

»Das ist so Brauch, für die Besten der Bogenschützen. Sie beschwört die Göttin Maat; dank ihrer wird dein Herz standhaft sein, und du wirst genau zielen.« Das Fußvolk trug die Leitern; der ehemalige Freibeuter übernahm die Spitze. Sethi stieg in den Sturmturm hinauf an die Seite des Alten. Ein Dutzend Männer schoben ihn auf die Feste zu. Die Schanzsoldaten hatten recht und schlecht einen Erdweg angelegt, auf dem die Holzräder ohne große Mühe vorankamen. »Nach links«, befahl der Lenker. Das Gelände wurde ebener. Von der Höhe der Feste aus schossen die feindlichen Bogenschützen. Zwei Ägypter wurden getötet, ein Pfeil streifte Sethis Kopf.

»Nun los, Jüngelchen!«

Sethi spannte den Bogen mit Hornverschalung; mit angewinkelter Flugbahn würden die Schüsse mehr als zweihundert Meter weit reichen. Die Sehne aufs äußerste gespannt, sammelte er sich und ließ sie im Ausatmen schnellen.

Mitten ins Herz getroffen, fiel ein Beduine von der Zinne. Dieser Erfolg zerstreute die Angst des Fußvolks, das nun geradewegs auf den Feind zustürmte. Sethi wechselte die Waffe ungefähr hundert Meter vor dem Ziel. Sein Akazienholzbogen, der genauer und weniger anstrengend zu handhaben war, erlaubte ihm, bei jedem Schuß ins Schwarze zu treffen und somit die Hälfte der Zinnen zu entblößen. Bald würden die Ägypter ihre Sturmleitern aufstellen können. Als der Turm dann endlich nur noch an die zwanzig Meter vom Ziel entfernt war, sackte der Lenker, mit einem Pfeil im Bauch, zusammen. Die Fahrt wurde schneller, der Turm stieß gegen die Wehrmauer. Während seine Gefährten auf die Zinnen sprangen und in die Feste einfielen, kümmerte sich Sethi zuerst um den alten Krieger. Die Verletzung war tödlich.

»Ein schöner Ruhestand, Jüngelchen, du wirst sehen … ich, ich hab’ Pech gehabt.« Sein Kopf fiel ihm auf die Brust. Mit einem Rammbock brachen die Ägypter das Tor auf; der ehemalige Freibeuter führte das Zerstörungswerk mit der Axt zu Ende. In hellem Entsetzen ergriffen ihre Widersacher die Flucht. Der örtliche Zwergkönig sprang auf den Rücken seines Pferdes und trampelte den Offizier nieder, der ihn aufforderte, sich zu ergeben. Von blindem Zorn gepackt, gerieten die Ägypter außer Rand und Band und verschonten niemanden. Während das Feuer die Feste verheerte, entging ein in Lumpen gehüllter Flüchtiger der Wachsamkeit der Sieger und stürzte zum Wald. Sethi holte ihn ein, packte ihn am zusammengeflickten Gewand und zerriß dieses dabei. Eine junge und kräftige Frau! Die Wilde, die ihn beraubt hatte. Nackt lief sie weiter. Unter dem Gelächter und den Ermutigungen seiner Waffenbrüder warf er sich auf sie und drückte sie auf die Erde. Schier irre vor Angst, wehrte sie sich lange. Sethi hob sie schließlich auf, fesselte ihr die Hände und bedeckte sie mit ihrem ärmlichen Kleid. »Sie gehört dir«, sagte ein Fußsoldat. Die wenigen Überlebenden hatten ihre Bogen, Schilde, Sandalen und Kürbisflaschen fortgeworfen und die Hände auf die Köpfe gelegt. Den ägyptischen Redewendungen zufolge verloren sie ihre Seele, verließen sie ihre Namen und entleerten sich ihres Samens. Die Sieger bemächtigten sich des Bronzegeschirrs, der Ochsen, Esel und Ziegen, setzten die Unterkünfte, den Hausrat und die Stoffe in Brand. Von der Feste würde nichts als ein Haufen loser und verbrannter Steine übrigbleiben.

Der ehemalige Freibeuter trat auf Sethi zu. »Der Anführer ist tot, der Lenker des Sturmturms auch. Du bist der wackerste unter uns und ein Bogenschütze ersten Ranges. Die Befehlsgewalt steht dir zu.«

»Ich habe keinerlei Erfahrung.«

»Du bist ein Held. Wir alle werden das bezeugen; ohne dich wären wir gescheitert. Führe uns nach Norden.«

Der junge Mann unterwarf sich dem Willen seiner Kampfgenossen. Er forderte sie auf, die Gefangenen untadelig zu behandeln. Im Verlauf rasch angesetzter Verhöre behaupteten diese, daß der Anstifter des Aufstandes, Adafi, sich nicht in der Feste aufhielt. Sethi ging an der Spitze des Zuges, den Bogen in der Hand, voran. Zu seiner Rechten seine Gefangene. »Wie ist dein Name?«

»Panther.«

Ihre Schönheit bezauberte ihn. Ungezähmt, mit goldenem Haar und feurigen Augen, hatte sie einen prachtvollen Körper, verlockende Lippen. Ihre Stimme klang warm, betörend. »Woher kommst du?«

»Aus Libyen. Mein Vater war ein Lebend zu Erschlagender[55]

»Was meinst du damit?«

»Während eines Beutezugs hat ein ägyptisches Schwert ihm den Schädel geöffnet. Er hätte eigentlich sterben müssen. Als Kriegsgefangener hat er dann als Landmann im Delta gearbeitet. Er hat seinen Namen, sein Volk vergessen, ist ein Ägypter geworden! Ich habe ihn gehaßt und bin nicht zu seiner Bestattung gegangen. Und ich habe den Kampf wieder aufgenommen!«

»Was lastest du uns an?« Die Frage verwunderte Panther. »Wir sind Feinde seit zweitausend Jahren!« rief sie aus.

»Sollte es dann nicht angebracht sein, einen Waffenstillstand zu schließen?«

»Niemals!«

»Ich werde versuchen, dich zu überzeugen.« Sethis gewinnende Art blieb nicht wirkungslos. Panther willigte schließlich ein, zu ihm aufzublicken. »Werde ich deine Sklavin?«

»Es gibt keine Sklaven in Ägypten.« Ein Krieger stieß einen Schrei aus. Alle warfen sich zu Boden. Auf dem Kamm eines Hügels bewegte sich das Dickicht. Heraus kam ein Rudel Wölfe, das die Fahrenden kurz beäugte und dann seines Weges ging. Erleichtert dankten die Ägypter den Göttern. »Man wird mich befreien«, behauptete Panther.

»Baue nur auf dich selbst.«

»Bei der ersten Gelegenheit werde ich dich verraten.«

»Die Aufrichtigkeit ist eine seltene Tugend. Ich beginne, dich zu schätzen.« Erbittert verschloß sie sich in ihrem Zorn. Sie rückten über zwei Stunden auf steinigem Gelände vor, folgten dann dem Bett eines ausgetrockneten Sturzbachs. Die Augen auf die schroffen Abhänge geheftet, spähte Sethi nach dem kleinsten Anzeichen einer besorgniserregenden Anwesenheit. Als ein Dutzend ägyptischer Bogenschützen ihnen den Weg versperrte, wußten sie, daß sie gerettet waren.

Paser traf gegen elf Uhr am Morgen vor seinem Amtszimmer ein und fand die Tür verschlossen. »Holt mir Iarrot«, befahl er Kem. »Mit dem Pavian?«

»Mit dem Pavian.«

»Und wenn er leidend ist?«

»Schafft ihn mir auf der Stelle her, in welchem Zustand auch immer.« Kem beeilte sich.

Mit hochrotem Kopf und geschwollenen Lidern rechtfertigte Iarrot sich jammernd. »Ich habe mich nach einer Magenverstimmung ausgeruht. Ich habe Kümmelsamen in Milch eingenommen, doch der Brechreiz dauerte an. Der Heilkundige hat mir einen Absud von Wacholderbeeren und zwei Tage Arbeitsruhe verordnet.«

»Weswegen habt Ihr die thebanischen Ordnungskräfte mit Botschaften überschwemmt?«

»Zwei dringende Angelegenheiten!« Des Richters Wut verebbte. »Erklärt Euch.«

»Erstens mangelt es uns an Papyrus. Zweitens: die Überprüfung der Kornspeicher, die unter Eure Gerichtsbarkeit fallen. Den Aufzeichnungen der betreffenden Prüfer zufolge soll im Hauptlagerhaus die Hälfte des Kornvorrats fehlen.« Iarrot senkte die Stimme. »Ein ungeheures Ärgernis bahnt sich an.«

Nachdem die Priester die ersten Körner des Getreideschnitts Osiris und Brot der Göttin der Ernte geopfert hatten, wandte sich ein schier endloser Zug von Korbträgern, mit dem kostbaren Nahrungsmittel beladen, zu den Speichern und sang dabei: »Ein, glücklicher Tag ward uns geboren.« Sie stiegen die Treppen hinauf, die zu den Dächern der Kornhäuser führten, und entleerten dort ihre Schätze durch Luken, die von kleinen Falltüren verschlossen waren. In den mal rechteckigen, mal runden Getreidekammern eingelassene Türen erlaubten die Entnahme des Korns.

Der Verwalter der Kornhäuser empfing den Richter mit seltsamer Kälte.

»Der königliche Erlaß zwingt mich, die Getreidevorräte nachzuprüfen.«

»Ein Sachkundiger hat es bereits für Euch getan.«

»Mit welchen Ergebnissen?«

»Die hat er mir nicht mitgeteilt. Sie gehen nur Euch an.«

»Laßt eine große Leiter gegen die Wand des Großspeichers lehnen!«

»Muß ich mich wiederholen? Ein Sachkundiger hat ihn bereits überprüft.«