37695.fb2 Das Testament der G?tter - читать онлайн бесплатно полную версию книги . Страница 45

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»Meinen Glückwunsch.«

»Anstrengung wird immer belohnt. Seid Ihr vermählt?«

»Nein.«

»Ich habe das Abenteuer ein zweites Mal gewagt, und ich habe recht daran getan.« Bel-ter-an schluckte ein Kügelchen aus Olibanum, Zypergras[58] und phönizischer Binse, eine Mischung, die guten Atem gewährleistete. »Ich werde Euch meine junge Gemahlin vorstellen.«

Silkis fürchtete voller Verzweiflung das Erscheinen des ersten Fältchens. Daher auch hatte sie sich ein Öl von Bockshornklee beschafft, das die Unvollkommenheiten der Haut beseitigen sollte. Der Duftölhersteller trennte hierfür Schoten und Samen, bereitete einen dicken Brei daraus und erwärmte diesen. Auf der Oberfläche perlte dann das Öl. Vorsichtig legte Silkis eine Maske zur Schönheitspflege auf, die aus Honig, rotem Natron sowie Salz des Nordens bestand, und rieb dann den Leib mit Alabasterpulver ein.

Dank Neb-Amuns chirurgischer Kunst hatten ihr Gesicht und ihre Formen sich verfeinert, entsprechend den Wünschen ihres Gemahls; gewiß, sie befand sich weiterhin als zu schwer und ein wenig rund, doch Bel-ter-an würde ihr ihre wohlgereiften Schenkel nicht vorhalten. Bevor sie ihn zu einem reichhaltigen Mittagsmahl empfing, trug sie noch rotes Ocker auf ihre Lippen auf sowie eine zarte Salbe auf ihre Wangen und grüne Schminke um die Augen. Dann rieb sie die Kopfhaut mit einer läuternden Lösung ein, deren Hauptbestandteile, nämlich Bienenwachs und Harz, das Auftauchen grauer Haare verhindern würden.

Da der Spiegel ihr ein befriedigendes Bild zurückwarf, setzte sie sich endlich eine Perücke aus echtem Haar mit in Duftstoff getränkten Strähnen aufs Haupt. Ihr Gemahl hatte ihr diesen kleinen Schatz bei der Geburt ihres zweiten Kindes, eines Knaben, geschenkt.

Unvermutet benachrichtigte sie die Dienerin vom Eintreffen Bel-ter-ans, im Beisein eines Gastes.

Erschreckt griff Silkis wieder zum Spiegel. Würde sie gefallen oder würde sie wegen eines Makels getadelt, den sie nicht bemerkt hatte? Ihr blieb keine Zeit mehr, sich anders zu schminken oder das Gewand zu wechseln. Kühn trat sie aus ihrem Gemach.

»Silkis, mein Liebling! Ich stelle dir Richter Paser aus Memphis vor.«

Die junge Frau lächelte mit geziemender Verlegenheit und Zurückhaltung.

»Meine Gemahlin und ich empfangen häufig Käufer und Aufseher«, fuhr Bel-ter-an fort, »doch Ihr seid unser erster Richter! Das ist eine große Ehre.« Das neue Herrenhaus des Papyrusverkäufers umfaßte ungefähr zehn spärlich erhellte Zimmer. Silkis fürchtete die Sonne, da sie die Haut rötete. Eine Dienerin brachte frisches Bier; ihr auf dem Fuße folgten zwei Kinder, ein rothaariges Mädchen und ein Knäblein, das seinem Vater glich. Sie begrüßten den Gerichtsbeamten und liefen lachend davon. »Ach, diese Kinder! Wir vergöttern sie, aber sie sind bisweilen doch recht ermüdend.« Silkis pflichtete mit einem Kopfnicken bei. Zum Glück waren ihre Entbindungen ohne Schwierigkeiten verlaufen und hatten dank langer Ruhezeiten ihren Körper nicht verunstaltet. Sie verbarg einige widerspenstige Rundungen unter einem weiten Leinenkleid von erster Güte, das unaufdringlich von kleinen roten Säumen eingefaßt war. Ihr Ohrschmuck, aus einem Ring und einem Anhänger von kuppelförmig geschliffenem Elfenbein[59] bestehend, stammte aus Nubien.

Paser wurde eingeladen, sich auf einer Papyrusliege auszustrecken.

»Ein wahrhaft schöpferischer Einfall, nicht wahr? Ich mag solche Neuerungen«, hob Bel-ter-an hervor. »Wenn die Form gefällt, werde ich sie in den Handel bringen.«

Der Richter war erstaunt über die Anlage des Herrenhauses, das ganz in die Länge, sehr niedrig und ohne Terrasse errichtet war.

»Mir schwindelt leicht. Unter diesem Schirmdach sind wir vor der Hitze geschützt.«

»Gefällt es Euch in Memphis?« fragte Silkis.

»Ich zog mein Dorf vor.«

»Wo wohnt Ihr?«

»Über meinem Amtszimmer. Die Räumlichkeiten sind etwas knapp bemessen; seit meinem Amtsantritt mangelt es nicht an den unterschiedlichsten Ermittlungen, und die Schriften stapeln sich. In einigen Monaten droht mir arge Beengtheit.«

»Eine rasch zu behebende Kleinigkeit«, befand Bel-ter-an.

»Eine meiner besten geschäftlichen Beziehungen besteht zum Vorsteher der Schriftenverwahrung im Palast. Ihm untersteht die Raumzuteilung in den Lagerhäusern des Landes.«

»Ich möchte nicht in den Genuß einer Bevorrechtigung kommen.«

»Es wird keine sein. Ihr werdet genötigt sein, ihn früher oder später aufzusuchen; und je früher, desto besser. Ich nenne Euch nur seinen Namen, und Ihr werdet Euch selbst weiterhelfen.« Das Bier war köstlich; die großen, zu seiner Aufbewahrung bestimmten Krüge hielten es frisch. »Im Sommer«, verkündete Bel-ter-an, »werde ich ein Papyruslager neben den Hafenspeichern eröffnen. Die Lieferung an die Verwaltungen wird so weitaus schneller erfolgen.«

»Dann laßt Ihr Euch in meinem Gerichtsbezirk nieder.«

»Darüber bin ich entzückt. Wenn ich Eure lebhafte Wesensart richtig einschätze, werden Eure Überprüfungen scharf und wirkungsvoll sein. Somit wird mein guter Ruf durch Euch gefestigt. Trotz all der Gelegenheiten, die sich bieten, sind mir Betrügereien zuwider; irgendwann wird man auf frischer Tat ertappt! Ägypten mag die Schwindler nicht. Wie es das Sprichwort sagt, findet die Lüge keinen Kahn und wird den Fluß nicht überqueren.«

»Habt Ihr von einem Schleichhandel mit Getreide reden hören?«

»Wenn dieser empörende Vorfall an den Tag kommt, werden strenge Ahndungen folgen.«

»Wer wäre betroffen?«

»Man munkelt, ein Teil der in die Kornhäuser eingespeicherten Ernte wäre zum Nutzen einzelner unterschlagen worden. Bloße Gerüchte, wenn auch beharrliche.«

»Haben die Ordnungskräfte nicht ermittelt?«

»Ohne Erfolg. Willigt Ihr ein, mit uns zu Mittag zu essen?«

»Ich möchte Euch keine Umstände machen.«

»Meine Gemahlin und ich selbst bewirten Euch mit Freuden.«

Silkis streckte den Hals vor und schenkte dem Richter ein zustimmendes Lächeln. Paser wußte die Vorzüglichkeit der Speisen zu schätzen: Gänsestopfleber, Salat mit Kräutern und Olivenöl, frische Erbsen, Granatäpfel und feine Backwaren, das Ganze von einem Rotwein aus dem Delta begleitet, der dem ersten Regentschaftsjahr von Ramses dem Großen entstammte. Die Kinder aßen für sich, verlangten jedoch nach Kuchen. »Gedenkt Ihr, eine Familie zu gründen?« fragte Silkis.

»Mein Amt nimmt mich stark in Anspruch«, antwortete Paser.

»Eine Frau und Kinder, ist das nicht das Ziel des Daseins? Es gibt keine größere Befriedigung«, behauptete Bel-ter-an.

In dem Glauben, unentdeckt zu bleiben, stibitzte der Rotschopf ein Stück Backwerk. Der Vater packte ihn am Handgelenk.

»Zur Strafe wird dir Spielen und Herumtollen verboten.«

Das Mädchen brach in Schluchzen aus und stampfte auf den Boden.

»Du bist zu unnachgiebig«, begehrte Silkis auf. »Das war doch nicht so schlimm.«

»Alles zu haben, was man sich wünscht, und dann zu stehlen, ist betrüblich.«

»Hast du es ihr nicht gleichgetan, als du noch Kind warst?«

»Meine Eltern waren arm, ich habe niemandem etwas gestohlen, und ich dulde es nicht, daß meine Tochter sich in dieser Weise beträgt.« Die Beschuldigte weinte um so ärger. »Bring sie fort, bitte.« Silkis gehorchte.

»Die Unwägbarkeiten der Erziehung! Den Göttern sei Dank, sind die Freuden zahlreicher als der Kummer.« Bel-ter-an zeigte Paser den Posten Papyrusbogen, den er für ihn bestimmt hatte. Er bot ihm an, die Kanten zu verstärken und einige Rollen minderer Güte von weißlicher Färbung hinzuzufügen; sie würden für Entwürfe dienen.

Die beiden Männer verabschiedeten sich herzlich voneinander.

Monthmoses kahler Schädel wurde rot und verriet den Zorn, den er nur mit knapper Not bändigte. »Gerüchte, Richter Paser, nichts als Gerüchte!«

»Ihr habt gleichwohl ermittelt.«

»Ein üblicher Vorgang.«

»Kein Ergebnis?«