37695.fb2 Das Testament der G?tter - читать онлайн бесплатно полную версию книги . Страница 46

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»Keines! Wer würde es wagen, in einem Speicher des Königs gelagertes Korn zu entwenden? Aberwitzig! Und weshalb kümmert Ihr Euch um diese Angelegenheit?«

»Weil das Getreidehaus unter meiner Gerichtsbarkeit steht.«

Der Vorsteher der Ordnungskräfte wurde etwas kleinlauter.

»Das ist wahr, ich vergaß. Euer Beweis?«

»Der schönste von allen: ein schriftlicher.« Monthmose las das Schriftstück. »Der Prüfer hat vermerkt, die Hälfte des Vorrats sei aufgebraucht worden … was ist daran so ungewöhnlich?«

»Der Speicher ist voll, ich habe mich selbst davon überzeugt.«

Der Vorsteher der Ordnungskräfte stand auf, drehte dem Richter den Rücken zu und schaute aus dem Fenster.

»Der Vermerk ist unterzeichnet.«

»Ein falscher Name. Er steht nicht in der Aufstellung der bestallten Beamten. Seid Ihr nicht am besten geeignet, diesen befremdlichen Menschen zu finden?«

»Ihr habt den Verwalter der Kornhäuser verhört, nehme ich an?«

»Er gibt vor, den wahren Namen des Mannes nicht zu kennen, mit dem er verhandelt hat, und ihn lediglich ein einziges Mal gesehen zu haben.«

»Lügen, aus Eurer Sicht?«

»Vielleicht nicht.«

Trotz der Anwesenheit des Babuins hatte der Verwalter nichts weiter gesagt; daher glaubte Paser an seine Aufrichtigkeit.

»Eine wahrhaftige Verschwörung.«

»Möglich.«

»Allem Augenschein nach ist der Verwalter deren Anstifter.«

»Ich hüte mich vor dem Augenschein.«

»Vertraut mir diesen Schurken an, Richter Paser. Ich werde ihn zum Reden bringen.«

»Das kommt nicht in Frage.«

»Was schlagt Ihr vor?«

»Eine ständige und unauffällige Bewachung der Speicher. Wenn der Dieb und seine Helfershelfer das Korn holen wollen, könnt Ihr sie auf frischer Tat fassen und die Namen aller Schuldigen erhalten.«

»Das Verschwinden des Verwalters wird sie indes gewarnt haben.«

»Deshalb muß er auch weiterhin seine Stellung bekleiden.«

»Ein verzwicktes und gewagtes Vorhaben.«

»Im Gegenteil. Wenn Ihr jedoch etwas Besseres vorzuschlagen habt, werde ich mich dem beugen.«

»Ich werde alles Nötige veranlassen.«

26. Kapitel

Branirs Haus war der einzige Hafen des Friedens, in dem die Nöte und Sorgen, die Paser bedrückten, sich verflüchtigten. Er hatte einen langen Brief an Neferet geschrieben, in dem er ihr erneut seine Liebe gestand und sie flehentlich bat, mit ihrem Herzen zu antworten. Er warf sich vor, sie zu belästigen, doch er konnte seine Leidenschaft nicht mehr verbergen. Von nun an befand sich sein Leben in Neferets Händen. Branir opferte dem Brustbild der Ahnen im ersten Raum seiner Wohnung Blumen. Paser sammelte sich andächtig an seiner Seite. Kornblumen mit grünem Kelch und gelbe Perseablüten kämpften gegen das Vergessen und verlängerten die Anwesenheit der in Osiris’ Reich lebenden Weisen. Als die feierliche Handlung beendet war, stiegen der Meister und sein Schüler zur Terrasse hinauf. Paser liebte diese Stunde, in der das Licht des Tages erstarb, um in dem der Nacht wiederzuerstehen. »Deine Jugend schwindet wie eine verbrauchte Haut dahin. Sie war glücklich und friedlich. Nunmehr wirst du dein Leben zum Erfolg führen müssen.«

»Ihr wißt alles über mich.«

»Selbst das, was du dich weigerst, mir anzuvertrauen?«

»Mit Euch ist leeres Geplauder unnötig. Glaubt Ihr, sie wird mir das Jawort geben?«

»Neferet treibt nie ein falsches Spiel. Sie wird nach der Wahrhaftigkeit handeln.« In manchen Augenblicken schnürten Anflüge von Bangigkeit Paser die Kehle zu. »Vielleicht bin ich irre geworden.«

»Es gibt nur einen Irrsinn: Das zu begehren, was einem anderen gehört.«

»Ich vergesse, was Ihr mich gelehrt habt, nämlich die eigene Klugheit auf Rechtschaffenheit zu bauen und dabei gemessen und genau zu bleiben, sich nicht um das eigene Glück zu sorgen, darauf hinzuarbeiten, daß die Menschen in Frieden dahinwandeln, die Tempel errichtet werden und die Obstgärten erblühen für die Götter[60]. Meine Leidenschaft verbrennt mich; und ich nähre ihr Feuer noch.«

»Das ist gut so. Gehe bis zur äußersten Grenze deiner selbst, bis zu jenem Punkt, an dem du nicht mehr umkehren wirst. Gebe der Himmel, daß du nicht vom rechten Weg abrückst.«

»Meine Pflichten vernachlässige ich nicht.«

»Und die Angelegenheit um den Sphinx?«

»Ohne neue Aussichten.«

»Keine Hoffnung?«

»Nun, entweder Hand an den fünften Altgedienten zu legen, oder dank Sethi Enthüllungen über diesen Heerführer Ascher zu erhalten.«

»Das ist recht dünn.«

»Ich werde nicht aufgeben, auch wenn ich mich einige Jahre gedulden müßte, bevor ich einen neuerlichen Hinweis erhielte. Vergeßt nicht, ich verfüge über den Beweis, daß das Heer gelogen hat: Amtlicherseits sollen fünf Altgediente tot sein, während einer von ihnen doch Bäcker in Theben geworden war.«

»Der fünfte ist am Leben«, verkündete Branir, als sähe er ihn unmittelbar vor sich. »Gib nicht auf, denn das Unheil geht um.«

Langes Schweigen entstand. Die ernste Feierlichkeit des Tons hatte den Richter überwältigt. Sein Lehrmeister verfügte über seherische Gaben; manchmal drängte sich ihm eine noch unsichtbare Wahrheit auf. »Ich werde dieses Haus bald verlassen«, tat er endlich kund. »Die Stunde ist gekommen, im Tempel zu wohnen, um meine Tage dort zu beenden. Die Stille der Götter von Karnak wird meine Ohren erfüllen, und ich werde Zwiesprache mit den Steinen der Ewigkeit halten. Jeder Tag wird heiterer als der vorangegangene sein, und ich werde dem hohen Alter entgegengehen, das einen auf das Erscheinen vor Osiris’ Gericht vorbereitet.« Paser begehrte auf.

»Aber ich brauche doch weiter Eure Lehren.«

»Welche Ratschläge könnte ich dir geben? Morgen werde ich meinen Greisenstab ergreifen und zum Schönen Westen hingehen[61], von wo niemand mehr zurückkehrt.«

»Wenn ich aber ein für Ägypten gefährliches Leiden entdeckt habe und falls es mir möglich ist, es zu bekämpfen, wird Eure sittliche Stärke mir unerläßlich sein. Euer Einschreiten könnte sich als entscheidend erweisen. Harrt noch aus, ich bitte Euch.«

»Wie dem auch sei, dieses Haus wird dir gehören, sobald ich mich in den Tempel zurückgezogen haben werde.«

Scheschi zündete das Feuer mit Dattelkernen und Holzkohle an, stellte über die Flamme einen hornförmigen Tiegel und ließ die Glut mittels eines Blasebalgs auflodern. Ein weiteres Mal versuchte er, ein neuartiges Schmelzverfahren für Metalle zu erproben und hierbei die Schmelze in besondere Formen zu gießen. Mit einem außergewöhnlichen Gedächtnis beschenkt, machte er sich keinerlei Aufzeichnungen, um nicht hintergangen zu werden. Seine beiden Gehilfen, stämmige und unermüdliche Kerle, vermochten, in lange Hohlstäbe blasend, das Feuer über Stunden zu schüren.

Die unzerbrechliche Waffe würde bald bereit stehen; mit Schwertern und Lanzen, deren Festigkeit allem widerstand, würden PHARAOS Krieger die Helme zerschmettern und die Rüstungen der Asiaten durchbohren.