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»Ein Unfall auf einem Gebirgspfad«, erläuterte der hohe Offizier. »Paser kannte das Gebiet nicht; mit seiner gewohnten Unvorsichtigkeit hat er sich in ein irres Abenteuer gestürzt.«
Die Worte brannten ihr in der Kehle, doch Neferet mußte die Frage stellen.
»Wann wird man den Körper in die Heimat geleiten?«
»Wir führen unsere Nachforschungen noch weiter, aber es gibt keine Hoffnung mehr; in diesem Landstrich sind die Sturzbäche ungestüm und die Klammen unbegehbar. Ich verneige mich vor Eurem Kummer, Neferet; Paser war ein Mann von Rang.«
»Es gibt keine Gerechtigkeit mehr«, sagte Kem, die Waffen niederlegend.
»Habt Ihr Sethi wiedergesehen?« fragte Neferet besorgt.
»Er wird seine Füße auf den Wegen zerschinden, doch er wird nicht aufgeben, bevor er Paser wiedergefunden hat; er bleibt überzeugt, daß sein Freund nicht tot ist.«
»Und falls …«
Der Nubier schüttelte den Kopf. »Ich werde die Untersuchung fortsetzen«, bekräftigte sie. »Sinnlos.«
»Das Böse darf nicht siegen.«
»Es siegt immer.«
»Nein, Kem; wenn das so wäre, bestünde Ägypten nicht mehr. Es ist die Gerechtigkeit, die dieses Land gegründet hat, sie ist es, der Paser zu strahlendem Glanz verhelfen wollte. Wir haben nicht das Recht, uns vor der Lüge zu beugen.«
»Ich werde an Eurer Seite sein, Neferet.«
Neferet ließ sich am Rand des Kanals nieder, an eben jener Stelle, wo sie Paser zum ersten Male begegnet war. Der Winter nahte; der stürmische Wind ließ den Türkis, der an ihrem Hals hing, schaukeln. Weshalb hatte der kostbare Talisman sie nicht beschützt? Zögernd rieb die junge Frau den erlesenen Stein zwischen Daumen und Zeigefinger, indem sie an die Göttin Hathor, die Mutter der Türkise und Herrscherin der Liebe, dachte.
Die ersten Sterne erschienen, gingen strahlend aus dem Jenseits auf; mit Macht spürte sie die Gegenwart des geliebten Wesens, als ob die Grenze des Todes sich verwischte. Ein aberwitziger Gedanke wurde Hoffnung: Hatte die Seele Branirs, des ermordeten Meisters, nicht über seinen Schüler gewacht? Ja, Paser würde zurückkehren. Ja, der Richter von Ägypten würde die Finsternis vertreiben, damit das Licht wiedererstünde.
Thutmosis IV. (1412-1402) schlief nach einer Jagd in der Wüste zu Füßen des Sphinx ein. Im Traum sprach dieser zu ihm: Er möge ihn aus dem Sand befreien, und er würde König werden. Das Versprechen wurde von beiden Seiten gehalten. Die Traumstele, die von diesem Vorkommnis berichtet, befindet sich noch immer an Ort und Stelle.
Einer der härtesten Steine, den die Ägypter zu bearbeiten verstanden, ohne ihn zu zerbrechen.
Wenngleich sie das Petroleum kannten, förderten die Ägypter dessen Verwendung nicht.
Die von alten Quellen behauptete Existenz dieses Gangs bleibt hypothetisch; bis heute ist keine diesbezügliche Grabungskampagne organisiert worden.
Größte Verwaltungseinheiten des Landes; der geneigte Leser möge bedenken, daß der Begriff auch im deutschen Mittelalter, also vor der semantischen Belastung durch die Nationalsozialisten, bereits verwendet wurde (s. Breisgau, Rheingau … ). (Anm. d. Ü.)
Dieser Gesang und die Kuhnamen sind auf den Basreliefs der Gräber des Alten Reichs eingeschrieben.
Ägypt. Ausdruck: »Vorsteher der Streitangelegenheiten«. (Anm. d. Ü.)
Das heißt: Wahrheit, Gerechtigkeit, Recht und Ordnung. Maat wird als sitzende Frau mit einer Straußenfeder auf dem Haupt versinnbildlicht; sie verkörpert die himmlische Harmonie.
Die Szene ist einem Basrelief nachempfunden. Als Tier des Gottes Seth, des Herrn über Sturmgewitter und die kosmische Kraft, war der Esel der bevorzugte Helfer des Menschen im Alten Ägypten.
Man reiste viel im Alten Ägypten und benutzte dabei vor allem die natürliche »Schnellstraße«, den Nil, aber auch die Feldwege und Wüstenpisten. PHARAO mußte die Sicherheit der Reisenden gewährleisten.
Menes war der erste Pharao, der die Beiden Länder, Ober- und Unterägypten, einte. Sein Name bedeutet entweder soviel wie unser »N. N.« ( »der zu nennende Name« ) oder »der Stete«.
Großer Baum, dessen Frucht wegen ihrer Süße geschätzt wird und einem Herzen gleicht und dessen Blatt die Form einer Zunge hat.
Natron ist ein natürliches Gemisch aus Natriumkarbonat und -hydrogenkarbonat.
Der ›Ort der beiden Wahrheiten‹ im Totenbuch, an dem der Gerechte vom Ungerechten geschieden wird.
Die Aufnahme der Maat in den Körper und das Herz wird durch An-die-Nase-Halten erzielt. (Anm. d. Ü.)
Die dem Menschen innewohnende Lebenskraft. (Anm. d. Ü.)
Inula graveolens, eine Unterart des Alant.
Strauchartige Gewürzpflanzen, Lorbeergewächse; aus manchen Arten wird Zimt gewonnen (Zimtbaum); hier ein Gewürz.
Altägyptische Rassel. (Anm. d.Ü.)
Calamus. Zugespitztes Schilfrohr, das als Schreibgerät diente.
Der gewöhnliche Arbeitsrhythmus des ägyptischen Arbeiters.
Auf einem im Kairoer Museum aufbewahrten Basrelief aus dem Grab des Tep-em-anch kann man einen beeindruckenden Pavian bei der Verhaftung eines Diebes sehen.
Ägypten hatte die erste Form der ›Armbanduhr‹ erfunden, eine tragbare Wasseruhr, die den Fachleuten (Astronomen, Medizinern) vorbehalten war, welche genaue Zeitbestimmung benötigten.
Ein Pendel. Ebenso weiß man von Wünschelruten und daß gewisse Pharaonen, wie Sethos I., wahrscheinlich große Radiästhesisten waren und die Fähigkeit besaßen, in der Wüste Wasser zu finden.
Der Johannisbrotbaum trägt eine Frucht – Karobe oder Johannisbrot –, eine Hülse, deren süßliches Mark in den Augen der Ägypter die Süße schlechthin verkörperte.
Der Text ›Geheimnis des Heilkundigen‹ war allen Praktikern bekannt und bildete die Grundlage ihrer Wissenschaft.
Die Araber ließen diese Statue unversehrt, da sie sie mit Schrecken erfüllte; sie nannten sie ›die Menschenfresserin von Karnak‹. Man kann sie noch heute in einer der Gebetsnischen des Ptah-Tempels bewundern.
Sethi zitiert den Anfang eines der Weisheitsbücher, die der Schreiberlehrling lesen und abschreiben mußte.
Wegen seiner fortwährenden Unruhe und seiner scharenweisen Vermehrung wurde der Spatz als eines der Sinnbilder des Schlechten betrachtet.
Diese Fabel ist ein Klassiker. Äsop schöpfte seine Inspiration aus den ägyptischen Fabeln, an deren Überlieferung auch La Fontaines Meisterwerke anknüpfen.
Großer Speisefisch; liefert den »ägyptischen Kaviar«.
Wörtliche Übersetzung des ägyptischen Ausdrucks für »Mörder«.
Typus der von den Priestern getragenen Masken, die bei den Ritualen die Götterrollen verkörperten.
Ägyptischer Ausdruck, der unserem »Werwolf« gleichkommt.