38237.fb2 Gestatten, Bestatter! - Bei Uns Liegen Sie Richtig - читать онлайн бесплатно полную версию книги . Страница 27

Gestatten, Bestatter! - Bei Uns Liegen Sie Richtig - читать онлайн бесплатно полную версию книги . Страница 27

Schwanenhals

Wenn ich etwas nicht ausstehen kann, dann ist das, wenn jemand über einen Toten despektierlich spricht. Das gilt umso mehr, wenn dieser Jemand in einem Bestattungshaus beschäftigt ist. Würde da einer meiner Angestellten über einen Verstorbenen scherzen, bekäme er es mit mir zu tun. Jeder hat es verdient, dass wir uns seiner mit Würde und Achtung annehmen. Deshalb erntete Fahrer Manni auch ein Stirnrunzeln von mir, als er eine Verstorbene als Giraffe bezeichnete. Aber er hatte recht.

Chef, das ist ’ne Giraffe.«

Das sagt Manni und meint es wirklich nicht despektierlich. Die Verstorbene hat wirklich einen ausgesprochen langen Hals, der darüber hinaus auch noch recht dünn ist. Ich glaube, man nennt das auch Schwanenhals. Ich weiß nicht, was sie zu Lebzeiten getragen hat, um das möglicherweise zu kaschieren, aber die Angehörigen haben uns ein etwas weiter ausgeschnittenes Nachthemd mitgebracht, und ich muss Manni zustimmen, das sieht unmöglich aus.

Also ruft Sandy bei den Angehörigen an und erklärt vorsichtig die Situation, da muss man feinfühlig sein, schnell wird da auch was falsch verstanden.

Ja, die habe immer Rollkragenpulis und Schals oder Tücher getragen, sagt der Witwer.

Wir sollen halt irgendwas nehmen, Hauptsache sie sieht gut aus.

»Ich habe bestimmt zehn Jahre nicht an der Nähmaschine gesessen«, brubbelt Frau Büser vor sich hin, Sandy ist sofort stiften gegangen, Nadel und Faden sind Fremdwörter für sie, und Antonia winkt nur ab, sie hasst Nähen. Dabei kam die Idee von unserem Dickerchen, Antonia hatte nämlich vorgeschlagen, einfach von einem preiswerten Totenhemd den Spitzenkragen mit den Rüschen abzutrennen und noch oben an den Rüschenkragen eines anderen Talars sozusagen als Verlängerung anzunähen.

Bis Frau Büser den Faden in die Nähmaschine eingespannt hat, vergeht fast eine Viertelstunde, und dann sitzt sie verwirrt vor den vielen Schaltern und fragt nach der Bedienungsanleitung.

Antonia legt ihr Schinken-Käse-Croissant aus der Hand, leckt sich die Finger ab, wischt sie an der Jeans trocken und übernimmt kurzerhand das Kommando:

»Das kann man ja nicht mit ansehen!«

Und dann geschieht etwas, was uns andere mit offenem Mund dastehen lässt, ruckzuck hat Antonia die Stoffstücke in die Maschine gespannt, drückt hier, klemmt da, tritt auf das Pedal und das Maschinchen rattert, und nur wenige Sekunden später zückt Antonia die Schere, schneidet den Faden ab und sagt: »Bitte schön! Ich hasse zwar Nähen, aber das heißt ja nicht, dass ich das nicht kann.«

Tatsächlich, mit den zusätzlichen Rüschen und dem neuen Totenhemd sieht die Frau mit dem langen Hals eigentlich ganz normal aus.

Und endlich weiß ich auch, wofür ich vor Jahren mal diese Nähmaschine gekauft habe, als sie beim Discounter im Angebot war.