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ZWÖLF
Zum ersten Mal im Leben gehe ich freiwillig Joggen. Ich krame meine alten, nie benutzten Laufschuhe, eine Jogginghose und ein T-Shirt hervor, flechte meine Haare zu Zöpfen, erröte bei den Erinnerungen, die sie wecken, und stöpsle meinen iPod ein. Ich kann einfach nicht länger vor dem Laptop sitzen und weiter verstörende Dinge recherchieren. Am liebsten würde ich zum Heathman Hotel rennen und von dem Kontrollfreak Sex fordern. Aber das sind fast acht Kilometer, und ich glaube nicht, dass ich in der Lage bin, auch nur einen zu laufen. Außerdem könnte er mich zurückweisen, was eine schreckliche Demütigung wäre.
Kate kommt gerade vom Wagen, als ich aus der Tür gehe. Sie lässt fast die Einkaufstüten fallen, als sie mich sieht. Ana Steele in Laufschuhen! Ich winke ihr zu, ohne stehen zu bleiben, weil ich keine Lust auf die Großinquisition habe. Ich brauche Zeit für mich allein. Mit Snow Patrol in den Ohren laufe ich in der aquamarinfarbenen Dämmerung durch den Park.
Was soll ich machen? Ich will ihn, aber zu seinen Bedingungen? Ich weiß es einfach nicht. Vielleicht sollte ich über das verhandeln, was ich möchte. Diesen albernen Vertrag Zeile für Zeile durchgehen und klipp und klar sagen, was akzeptabel ist und was nicht. Durch meine Recherchen weiß ich, dass er sich juristisch nicht durchsetzen lässt. Das weiß Christian bestimmt. Wahrscheinlich legt er lediglich die Parameter der Beziehung fest. Er hält fest, was ich von ihm erwarten kann und was er von mir erwartet – meine totale Unterwerfung. Bin ich bereit, mich darauf einzulassen? Bin ich dazu überhaupt in der Lage?
Warum ist er so? Weil er in jungen Jahren verführt wurde? Keine Ahnung. Er ist mir nach wie vor ein Rätsel.
Ich bleibe neben einer hohen Fichte stehen, stütze mich mit den Händen auf den Knien ab und sauge gierig die Luft in meine Lungen. Das fühlt sich gut an, geradezu befreiend. Ja. Ich muss ihm sagen, was in Ordnung ist und was nicht, ihm meine Gedanken per E-Mail mitteilen, damit wir uns am Mittwoch darüber unterhalten können. Ich atme tief durch, bevor ich zum Apartment zurückjogge.
Kate war für den Urlaub auf Barbados shoppen, wie nur sie es kann. Hauptsächlich Bikinis und dazu passende Sarongs. Sie wird in den neuen Sachen phantastisch aussehen, die sie mir einzeln vorführt, aber es gibt nur eine begrenzte Anzahl von Formulierungen für »Du siehst toll aus, Kate«. Sie ist schlank, mit den Kurven an den richtigen Stellen, ein Körper, für den ich einen Mord begehen würde. Frustriert bewege ich meinen kläglichen, verschwitzten Leib in mein Zimmer, vorgeblich, um Kisten zu packen. Könnte ich mich noch unzulänglicher fühlen? Ich stelle den Laptop auf meinen Schreibtisch und schicke Christian eine Mail.
Von: Anastasia Steele
Betreff: Schockiert
Datum: 23. Mai 2011, 20:33 Uhr
An: Christian Grey
Okay, jetzt weiß ich Bescheid.
Schön, dich kennen gelernt zu haben.
Ana
Ich drücke auf »Senden«, schlinge die Arme um den Körper, amüsiere mich über meinen Scherz. Wird er auch darüber lachen können? Scheiße – wahrscheinlich nicht. Christian Grey ist nicht gerade für seinen Humor bekannt. Obwohl ich ihn schon hin und wieder habe aufblitzen sehen. Möglicherweise bin ich zu weit gegangen. Ich warte auf seine Antwort.
Ich warte … und warte. Und schaue auf meinen Wecker. Zehn Minuten sind vergangen.
Zur Ablenkung beginne ich, tatsächlich die Sachen in meinem Zimmer zu packen. Ich schichte Bücher in eine Kiste. Neun Uhr, keine Nachricht. Vielleicht ist er unterwegs. Ich stöpsle schmollend meinen iPod ein, lausche Snow Patrol und setze mich an meinen kleinen Schreibtisch, um den Vertrag noch einmal zu lesen und mir Notizen dazu zu machen.
Keine Ahnung, warum ich den Blick hebe. Wahrscheinlich nehme ich aus den Augenwinkeln eine Bewegung wahr. Jedenfalls steht Christian in der Tür zu meinem Zimmer und mustert mich mit intensivem Blick. Er trägt seine graue Flanellhose und ein weißes Leinenhemd und lässt sanft seine Autoschlüssel kreisen. Ich ziehe die Stöpsel aus den Ohren und erstarre. Scheiße!
»Guten Abend, Anastasia.« Seine Stimme ist kühl, seine Miene unergründlich.
Mir verschlägt es die Sprache. Verdammt, Kate hat ihn reingelassen, ohne mich zu warnen. Mir wird bewusst, dass ich noch die Jogginghose trage und verschwitzt bin, während er wie immer atemberaubend aussieht.
»Ich hatte das Gefühl, dass deine Mail eine persönliche Antwort erfordert«, teilt er mir mit.
Ich mache zweimal den Mund auf. Ha, der Scherz ist nach hinten losgegangen. Damit, dass er alles stehen und liegen lassen würde, hatte ich nicht gerechnet.
»Darf ich mich setzen?«, fragt er mit belustigtem Blick. Gott sei Dank – vielleicht sieht er doch die komische Seite.
Ich nicke stumm. Christian Grey sitzt auf meinem Bett.
»Ich hatte versucht, mir dein Schlafzimmer vorzustellen«, stellt er fest.
Ich sehe mich nach einem Fluchtweg um – es gibt nur die Tür oder das Fenster. Mein Zimmer ist praktisch, aber auch gemütlich eingerichtet – weiße Korbmöbel und ein weißes Doppelbett aus Metall mit einem hellblau-cremefarbenen Quilt, den meine Mutter in ihrer amerikanischen Folkphase gefertigt hat.
»Hier drinnen ist es sehr ruhig und friedlich«, murmelt er.
Nicht, wenn du da bist.
Endlich entsinnt sich meine Medulla oblongata wieder ihrer Funktion. Ich hole Luft. »Wie …?«
Er lächelt. »Ich bin noch im Heathman.«
Das weiß ich.
»Möchtest du was trinken?«
»Nein, danke, Anastasia.« Er legt den Kopf ein wenig schief.
Ich aber.
»Dann war es also schön, mich kennen gelernt zu haben?«
Himmel, ist er beleidigt? Ich starre auf meine Hände. Wie komme ich aus dieser Situation wieder raus? Wenn ich ihm erkläre, dass das ein Scherz war, gefällt ihm das sicher nicht.
»Ich dachte, du antwortest per Mail«, sage ich kleinlaut.
»Kaust du absichtlich auf deiner Unterlippe herum?«
Ich lasse meine Lippe los. »Das habe ich gar nicht gemerkt.«
Mein Herz schlägt wie wild, und wieder spüre ich dieses Knistern zwischen uns. Er sitzt so nahe bei mir, mit seinen grauen Augen, die Ellbogen auf den Knien, die Beine gespreizt. Er löst bedächtig einen meiner Zöpfe. Mein Atem geht flach. Ich beobachte fasziniert, wie seine Hand zu meinem zweiten Zopf wandert und diesen ebenfalls löst.
»Du hast also Sport gemacht«, bemerkt er mit weicher Stimme und streicht mir sanft eine Strähne aus dem Gesicht. »Warum, Anastasia?« Sein Finger umkreist mein Ohr und zupft zärtlich an meinem Läppchen. Meine Güte, ist das erotisch.
»Ich habe Zeit zum Nachdenken gebraucht«, erkläre ich. Ich komme mir vor wie das Reh im Scheinwerferkegel, die Motte an der Flamme, das Kaninchen vor der Schlange … und er weiß genau, was er mit mir anstellt.
»Worüber, Anastasia?«
»Über dich.«
»Und du bist zu dem Schluss gekommen, dass es schön war, mich kennen gelernt zu haben? Meinst du das im biblischen Sinn?«
Scheiße. Ich werde rot.
»Ich hätte nicht gedacht, dass du dich mit der Bibel auskennst.«
»Ich war in der Sonntagsschule, Anastasia. Da lernt man eine Menge.«
»Meines Wissens ist in der Bibel nicht die Rede von Brustwarzenklemmen. Vielleicht hat man dich mit einer modernen Übersetzung unterrichtet.«
Seine Lippen verziehen sich zu einem Lächeln. »Ich hab mir gedacht, ich sollte herkommen und dich daran erinnern, wie schön es ist, mich zu kennen.«
Heilige Scheiße. Ich starre ihn mit offenem Mund an, und seine Finger wandern von meinem Ohr zu meinem Kinn.
»Was sagen Sie dazu, Miss Steele?«
Seine Lippen sind leicht geöffnet; er wartet, bereit zum Angriff. Dieses Ziehen tief in meinem Unterleib. Er bewegt sich, und plötzlich liege ich auf dem Bett, unter ihm, die Arme ausgestreckt und über dem Kopf. Seine freie Hand packt mein Gesicht, und seine Lippen pressen sich auf meine.
Seine Zunge drängt sich gewaltsam in meinen Mund. Ich spüre seinen Körper. Er begehrt mich, und das weckt merkwürdige, aber köstliche Dinge in mir. Nicht Kate in ihren winzigen Bikinis, nicht eine meiner fünfzehn Vorgängerinnen und auch nicht die Hexe Mrs. Robinson, sondern mich. Dieser attraktive Mann will mich. Meine innere Göttin strahlt so hell, dass sie ganz Portland mit Licht versorgen könnte. Er hört auf, mich zu küssen, und sieht mich an.
»Vertraust du mir?«, haucht er.
Ich nicke mit hämmerndem Herzen und pochendem Puls.
Er holt seine silbergraue Seidenkrawatte aus seiner Hosentasche … die silbergraue Krawatte, die die Abdrücke auf meiner Haut hinterlässt. Schon sitzt er rittlings auf mir und bindet mir die Handgelenke zusammen. Diesmal befestigt er das andere Ende der Krawatte an dem weißen Metallkopfteil. Er überprüft, ob der Knoten fest sitzt. Ich kann mich nicht rühren, bin im buchstäblichen Sinn ans Bett gefesselt und wahnsinnig erregt.
Er erhebt sich und betrachtet mich mit vor Lust dunklen Augen, mit einer Mischung aus Triumph und Erleichterung.
»So ist’s besser«, murmelt er mit einem wissenden Lächeln und löst den Schnürsenkel an einem meiner Laufschuhe. Nein … nicht meine Füße. Ich komme doch gerade vom Joggen.
»Nein.« Ich versuche, ihn wegzustoßen.
Er hält inne.
»Wenn du dich wehrst, binde ich dir die Füße fest. Und wenn du einen Laut von dir gibst, kneble ich dich, Anastasia. Still. Katherine steht wahrscheinlich draußen und lauscht.«
Knebeln! Kate! Ich verstumme.
Er zieht mir Schuhe und Socken aus und streift mir bedächtig die Jogginghose herunter. Oje – was für einen Slip habe ich an? Er hebt meinen Körper an, zieht den Quilt und die Bettdecke weg und legt mich zurück.
Er leckt sich über die Unterlippe. »Du kaust wieder auf deiner Lippe herum, Anastasia. Du weißt doch, welche Wirkung das auf mich hat.« Zur Warnung legt er mir seinen langen Zeigefinger auf den Mund.
Puh. Ich kann mich kaum noch beherrschen, muss hilflos zusehen, wie er mit eleganten Bewegungen durch mein Zimmer geht. Wie sehr er mich antörnt! Fast lässig zieht er Schuhe und Socken aus, öffnet seine Hose und schlüpft aus dem Hemd.
»Ich glaube, du hast schon zu viel gesehen.« Er setzt sich wieder auf mich und schiebt mein T-Shirt hoch. Ich erwarte, dass er es mir auszieht, doch er rollt es zum Hals hoch und schiebt es weiter über meinen Kopf, so dass er meinen Mund und meine Nase sehen kann, das Shirt jedoch meine Augen bedeckt. Durch den Stoff kann ich nichts erkennen.
»Hm. Es wird immer besser. Ich hole was zu trinken.«
Er küsst mich sanft und erhebt sich vom Bett. Die Zimmertür knarrt leise. Etwas zu trinken. Wo? Hier? In Portland? In Seattle? Ich spitze die Ohren. Höre leises Murmeln und weiß, dass er mit Kate spricht. Mein Gott … er ist praktisch nackt. Was wird sie sagen? In der Ferne erklingt ein Ploppen. Was ist das? Er kehrt zurück; wieder knarrt die Tür; seine Füße tappen über den Boden, und Eis klirrt in einem Glas. Er schließt die Tür, und ich höre, wie er die Hose auszieht. Sie gleitet zu Boden. Ich weiß, dass er jetzt ganz nackt ist. Wieder setzt er sich auf mich.
»Hast du Durst, Anastasia?«
»Ja.« Plötzlich klebt mir die Zunge am Gaumen. Ich höre das Eis gegen das Glas klimpern.
Er beugt sich herunter, um mich zu küssen. Dabei füllt er eine köstliche, spritzige Flüssigkeit in meinen Mund. Weißwein, kühler Weißwein von Christians kühlen Lippen.
»Mehr?«, fragt er.
Ich nicke. Es schmeckt umso köstlicher, weil der Wein in seinem Mund war. Wieder trinke ich von seinen Lippen.… Wow.
»Wir müssen bald aufhören. Wir wissen ja, wie wenig du verträgst, Anastasia.«
Ich kann mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Erneut lässt er mich von dem wunderbaren Wein kosten. Dann legt er sich neben mich, so dass ich seine Erektion an meiner Hüfte spüre. Himmel, wie sehr ich mir ihn in mir wünsche!
»Ist das schön?«, erkundigt er sich.
Meine Muskeln spannen sich an. Wieder küsst er mich und schiebt mit etwas Wein einen kleinen Eiswürfel in meinen Mund. Dann wandert er langsam mit kühlen Küssen vom unteren Ende meines Halses zwischen meinen Brüsten bis zu meinem Bauch hinunter. Er gibt ein Stückchen Eis mit einem Schluck kaltem Wein in meinen Nabel. Es brennt sich einen Weg in die Tiefen meines Bauchs. Wow.
»Jetzt musst du stillhalten«, flüstert er. »Wenn du dich bewegst, schwappt Wein aufs Bett, Anastasia.«
Unwillkürlich wölben sich meine Hüften. »Nein, nein. Wenn Sie den Wein verschütten, muss ich Sie bestrafen, Miss Steele.«
Stöhnend kämpfe ich gegen den Impuls an, die Hüften zu heben. Nein … bitte.
Mit einem Finger zieht er mir einzeln die Schalen meines BHs herunter, so dass meine Brüste hochgedrückt werden und frei daliegen. Dann küsst er meine Brustwarzen und knabbert nacheinander mit kühlen Lippen daran. Ich versuche, meinen Körper daran zu hindern, dass er sich aufbäumt.
»Na, wie schön ist das?«, fragt er mit leiser Stimme und bläst auf eine meiner Brustwarzen.
Wieder höre ich das Klirren von Eis und spüre es plötzlich an meiner linken Brustwarze. Ich stöhne auf, bemühe mich, mich nicht zu bewegen. Was für eine köstliche Folter!
»Wenn du den Wein verschüttest, lasse ich dich nicht kommen.«
»Bitte … Christian … Sir … Bitte.« Er treibt mich zum Wahnsinn. Ich höre förmlich sein Lächeln.
Das Eis in meinem Nabel schmilzt. Mir ist heißer als heiß – heiß und kalt zugleich. Ich will ihn in mir spüren. Jetzt, sofort.
Seine kühlen Finger wandern über meinen Bauch. Meine Haut ist überempfindlich, meine Hüften spannen sich unwillkürlich an, und die inzwischen etwas wärmere Flüssigkeit schwappt aus meinem Nabel über meinen Bauch. Christian leckt sie auf, küsst, beißt mich und saugt an mir.
»Meine liebe Anastasia, du hast dich bewegt. Was mache ich jetzt nur mit dir?«
Mein Atem geht schwer. Ich konzentriere mich voll und ganz auf seine Stimme und seine Berührung. Alles andere blende ich aus. Nichts sonst ist mehr wichtig. Seine Finger gleiten in meinen Slip, und ich höre, wie er tief Luft holt.
»O Baby«, murmelt er und schiebt zwei Finger in mich hinein.
Ich schnappe nach Luft.
»So bereit.« Er bewegt seine Finger quälend langsam, rein, raus, und ich wölbe ihm die Hüften entgegen.
»Nicht so gierig«, rügt er mich sanft, während sein Daumen meine Klitoris umspielt.
Mit lautem Stöhnen bäume ich mich auf. Er zieht das T-Shirt über meinen Kopf, so dass ich ihn sehen kann.
Ich blinzle, würde ihn so gern berühren. »Ich möchte dich anfassen«, hauche ich.
»Ich weiß«, murmelt er und küsst mich. Dabei bewegen sich seine Finger weiterhin rhythmisch in mir, und sein Daumen kreist und drückt. Mit der anderen Hand schiebt er die Haare aus meinem Gesicht und hält meinen Kopf fest. Seine Zunge spiegelt die Bewegungen seiner Finger wider. Meine Beine spannen sich an, als ich mich seiner Hand entgegenstrecke. Er verringert den Druck, so dass ich nicht kommen kann, dann verstärkt er ihn wieder, so dass ich mich dem Höhepunkt wieder nähere. Wieder und wieder. Es ist so frustrierend. … Bitte, Christian, flehe ich stumm.
»Das ist deine Strafe. So nah und doch so fern. Ist das schön?«, flüstert er mir ins Ohr.
Ich zerre wimmernd an meiner Fessel, bin hilflos und verloren in dieser erotischen Folter.
»Bitte«, bettle ich.
»Wie soll ich dich ficken, Anastasia?«
Mein Körper beginnt zu zittern.
Erneut hält er inne.
»Bitte.«
»Was möchtest du, Anastasia?«
»Dich … jetzt«, rufe ich aus.
»Soll ich dich so oder so oder so ficken? Es gibt endlos viele Möglichkeiten«, haucht er gegen meine Lippen, zieht seine Hand weg und greift nach dem Kondompäckchen auf dem Nachttisch. Dann kniet er sich zwischen meine Beine, zieht mir ganz langsam den Slip herunter, sieht mich mit glühendem Blick an und rollt das Kondom über sein Glied.
»Wie schön ist das?«, fragt er und streicht über seinen Penis.
»Das war ein Scherz«, wimmere ich. Bitte, Christian, fick mich.
Er hebt die Augenbrauen, während seine Hand an seiner beachtlichen Erektion entlanggleitet.
»Ein Scherz?« Seine Stimme klingt bedrohlich sanft.
»Ja. Bitte, Christian«, flehe ich.
»Lachst du jetzt?«
»Nein.«
Er mustert mich eine Weile, bevor er mich mit Schwung auf den Bauch wirft. Damit habe ich nicht gerechnet. Da meine Hände nach wie vor gefesselt sind, muss ich mich auf den Ellbogen aufstützen. Er schiebt meine Knie hoch, so dass mein Hinterteil in die Luft ragt, und schlägt hart zu. Bevor ich reagieren kann, stößt er zu. Ich schreie auf – wegen des Schlags und seines unvermittelten Angriffs, und komme sofort, wieder und wieder, löse mich unter ihm auf, während er unerbittlich in mich eindringt. Er hört nicht auf. Obwohl ich nicht mehr kann, macht er weiter und weiter und weiter … und erneut baut sich etwas in mir auf … Kann das sein? Nein …
»Komm, Anastasia, noch einmal«, knurrt er, und tatsächlich reagiert mein Körper. Als ich komme, rufe ich seinen Namen. Wieder zerberste ich in winzige Teile. Endlich gibt Christian Ruhe und ergießt sich in mir. Er sinkt schwer atmend auf mich.
»Wie schön war das?«, fragt er mit zusammengebissenen Zähnen.
Oje.
Ich liege völlig erschöpft auf dem Bett, die Augen geschlossen, als er sich aus mir zurückzieht. Er steht sofort auf und kleidet sich an. Dann löst er sanft die Krawatte und zieht mir das T-Shirt herunter. Ich reibe mir die Handgelenke, lächle beim Anblick des Krawattenabdrucks auf meiner Haut und ziehe den BH herunter, während er den Quilt über mich legt. Ich sehe ihm mit einem Ausdruck höchster Verwunderung in die Augen.
Er lächelt spöttisch.
»Das war ziemlich schön«, flüstere ich mit einem koketten Lächeln.
»Wieder dieses Wort.«
»Gefällt dir das Wort nicht?«
»Nein, überhaupt nicht.«
»Es scheint sich sehr vorteilhaft auf dich auszuwirken.«
»Vorteilhaft? Könnten Sie mein Ego noch ein wenig mehr verletzen, Miss Steele?«
»Ich glaube nicht, dass mit deinem Ego etwas nicht in Ordnung ist.« Als die Worte heraus sind, merke ich, dass ich nicht von ihnen überzeugt bin – ein Gedanke schießt mir durch den Kopf.
»Glaubst du?«, fragt er mit sanfter Stimme. Er liegt voll bekleidet neben mir, auf einen Ellbogen gestützt. Ich trage nur meinen BH.
»Wieso willst du nicht, dass man dich anfasst?«
»Ich will es eben nicht.« Er drückt mir einen Kuss auf die Stirn. »Diese Mail von dir vorhin … Das war also deine Vorstellung von einem Scherz?«
Ich lächle entschuldigend und zucke mit den Achseln.
»Verstehe. Also ist mein Angebot für dich noch nicht vom Tisch?«
»Dein unmoralisches Angebot. Nein, ist es nicht. Allerdings habe ich das eine oder andere Problem damit.«
Er scheint erleichtert zu sein. »Ich wäre enttäuscht, wenn es nicht so wäre.«
»Eigentlich wollte ich dir meine Einwände ja per Mail schicken, aber du hast mich dabei unterbrochen.«
»Also quasi ein Coitus interruptus.«
»Ich wusste, dass auch in dir irgendwo ein Fünkchen Humor schlummert.«
»Ich kann bloß nicht allem eine lustige Seite abgewinnen, Anastasia. Ich dachte, du lehnst ihn rundweg ab, ohne jede Diskussion.«
»Ich bin mir noch nicht sicher, sondern brauche noch etwas Zeit zum Überlegen. Wirst du mich zwingen, ein Halsband zu tragen?«
Er hebt die Brauen. »Offensichtlich hast du deine Hausaufgaben gemacht. Das weiß ich noch nicht, Anastasia. Ich habe es noch nie mit jemandem ausprobiert.«
Oh, sollte ich jetzt überrascht sein? Diese ganze … Szene ist mir so fremd … keine Ahnung.
»Hat dich schon mal jemand gezwungen, ein Halsband zu tragen?«, frage ich leise.
»Ja.«
»Mrs. Robinson?«
»Mrs. Robinson!« Er bricht in schallendes Gelächter aus. Einen Moment lang wirkt er so sorglos und unbeschwert, und sein Lachen ist ansteckend.
»Das muss ich ihr bei Gelegenheit erzählen. Sie wird begeistert sein.«
»Hast du immer noch regelmäßig Kontakt zu ihr?«, frage ich und bemühe mich vergeblich, nicht schockiert zu klingen.
»Ja.« Seine Miene wird ernst.
Plötzlich verspüre ich einen eifersüchtigen Stich – in einer Heftigkeit, die mich zutiefst erschreckt. »Aha.« Meine Stimme ist angespannt. »Also darfst du jemanden haben, mit dem du dich über deinen alternativen Lebensstil austauschen kannst, ich aber nicht.«
Er runzelt die Stirn. »So habe ich das bisher nie gesehen. Mrs. Robinson war früher ein Teil meines Lebensstils. Ich habe dir ja erzählt, dass sie eine gute Freundin von mir ist. Wenn du willst, kann ich dir gern eine meiner ehemaligen Subs vorstellen, dann kannst du dich mit ihr darüber unterhalten.«
Wie bitte? Versucht er, mich mit Absicht so zu verunsichern?
»Ist das deine Vorstellung von einem Scherz?«
»Nein, Anastasia.« Sichtlich verwirrt schüttelt er den Kopf.
»Nein, ich komme schon alleine klar, herzlichen Dank«, schnauze ich ihn an und ziehe mir die Decke bis zum Kinn.
Er mustert mich völlig perplex.
»Anastasia, ich …«, stammelt er. Offenbar weiß er nicht, was er sagen soll – eine echte Premiere. »Ich wollte dich nicht kränken.«
»Ich bin nicht gekränkt, sondern entsetzt.«
»Entsetzt?«
»Ich habe keine Lust, mich mit einer deiner Exfreundinnen, Sklavinnen, Subs oder wie auch immer du sie nennst, zu unterhalten.«
»Anastasia Steele … bist du etwa eifersüchtig?«
Ich laufe tiefrot an. »Bleibst du hier?«
»Ich habe morgen einen Frühstückstermin im Heathman. Außerdem habe ich dir ja schon erklärt, dass ich nie mit meinen Freundinnen, Sklavinnen, Subs oder sonst jemandem im selben Bett schlafe. Freitag und Samstag waren eine Ausnahme. Das wird sich nicht wiederholen.« Ich höre die Entschlossenheit in seiner Stimme und schürze die Lippen.
»Ich bin jedenfalls müde.«
»Du setzt mich vor die Tür?«, fragt er in einer Mischung aus Amüsiertheit und Bestürzung.
»Genau.«
»Tja, noch eine Premiere«, bemerkt er und sieht mich fragend an. »Also gibt es nichts, worüber du heute Abend noch reden willst? Im Hinblick auf den Vertrag, meine ich.«
»Nein«, antworte ich trotzig.
»O Gott, wie gern ich dir eine anständige Tracht Prügel verpassen würde. Danach würdest du dich gleich viel besser fühlen, und ich auch.« »Noch habe ich nichts unterschrieben, also steht es dir nicht zu, so etwas zu sagen.«
»Aber träumen darf man, Anastasia.« Er beugt sich vor und umfasst mein Kinn. »Also Mittwoch?«, sagt er leise und drückt mir einen flüchtigen Kuss auf die Lippen.
»Mittwoch«, bestätige ich. »Ich bringe dich noch zur Tür. Gib mir nur eine Minute.« Ich setze mich auf, schnappe mir mein T-Shirt und schiebe ihn zur Seite. Widerstrebend erhebt er sich.
»Gib mir bitte meine Jogginghose.«
Er hebt sie vom Boden auf und reicht sie mir.
»Bitte sehr, Ma’am«, sagt er mit einem mühsam verhohlenen Lächeln.
Ich starre ihn mit zusammengekniffenen Augen an und schlüpfe in meine Jogginghose. Mein Haar ist postkoital zerzaust, und mir ist klar, dass ich mich der Kavanagh-Inquisition werde stellen müssen, sobald Christian verschwunden ist. Ich binde mir das Haar zu einem Zopf zusammen und öffne die Tür, um nach Kate Ausschau zu halten. Im Wohnzimmer ist sie nicht, aber ich glaube, ich höre sie in ihrem Zimmer telefonieren. Hin- und hergerissen zwischen meinen widerstreitenden Gefühlen, gehe ich die wenigen Schritte von meinem Zimmer zur Haustür. Als ich sie öffne, wird mir bewusst, dass meine Wut auf ihn verraucht und einem Gefühl der Befangenheit gewichen ist. Zum ersten Mal, seit ich ihm begegnet bin, wünsche ich mir, er wäre ganz normal – so normal, dass ich eine ganz gewöhnliche Beziehung mit ihm führen kann, für die keine zehnseitigen Vereinbarungen, Flogger und Karabinerhaken an der Decke seines Spielzimmers notwendig sind.
Ich öffne die Haustür und starre auf meine Hände. Dies ist das erste Mal, dass ich in meinen eigenen vier Wänden Sex hatte, und zwar verdammt guten, wenn ich ehrlich sein soll. Doch nun fühle ich mich benutzt – ein Objekt, das ihm zur Verfügung steht, wann immer ihm gerade der Sinn danach steht. Mein Unterbewusstsein schüttelt den Kopf. Du warst doch diejenige, die ins Heathmann rennen wollte, weil sie unbedingt Sex haben musste, und jetzt hast du ihn per Expresslieferung direkt ins Haus bekommen, also beschwer dich gefälligst nicht. Es verschränkt die Arme vor der Brust und tippt genervt mit dem Fuß auf den Boden. Christian bleibt im Türrahmen stehen, umfasst mein Kinn und zwingt mich, ihn anzusehen.
»Alles in Ordnung?«, fragt er und streicht behutsam mit dem Daumen über meine Unterlippe.
»Ja«, antworte ich, obwohl ich mir keineswegs sicher bin. Ich spüre ganz deutlich den Stimmungswechsel, der sich zwischen uns vollzieht. Eines ist mir klar – wenn ich mich auf diese Sache mit ihm einlasse, wird er mir wehtun. Er ist weder bereit noch interessiert noch in der Lage, mir mehr zu geben – aber ich will mehr. Viel mehr. Die Eifersucht, die ich vor wenigen Augenblicken empfunden habe, verrät mir, dass meine Gefühle für ihn tiefer sind, als ich mir bisher eingestanden habe.
»Mittwoch«, sagt er noch einmal. Als er mich an sich zieht und küsst, spüre ich, dass eine Veränderung in ihm vorgeht – der Druck seiner Lippen verstärkt sich, seine Finger lösen sich von meinem Kinn, und er legt die Hände um mein Gesicht. Seine Atemzüge beschleunigen sich. Er zieht mich enger an sich, während seine Leidenschaft zu wachsen scheint. Ich verspüre den Drang, meine Hände in seinem Haar zu vergraben, widerstehe jedoch, weil ich weiß, wie sehr es ihm widerstrebt. Er schließt die Augen und lässt seine Stirn gegen meine sinken.
»Anastasia«, flüstert er mit angespannter Stimme. »Was machst du mit mir?«
»Dasselbe könnte ich dich fragen«, wispere ich.
Er holt tief Luft, drückt mir einen Kuss auf die Stirn, dann wendet er sich ab. Mit entschlossenen Schritten geht er die Einfahrt hinunter zu seinem Wagen und fährt sich mit den Händen durchs Haar. Als er die Tür öffnet, dreht er sich noch einmal zu mir um und schenkt mir sein gewohnt atemberaubendes Lächeln. Völlig hingerissen ringe ich mir ein schwaches Schmunzeln ab, während ich wieder einmal an Ikarus denken muss, dessen Flügel verbrannten, weil er der Sonne zu nahe gekommen war. Ich sehe zu, wie Christian in seinen Sportwagen steigt, und schließe die Haustür. Plötzlich überkommt mich das überwältigende Bedürfnis, in Tränen auszubrechen, während sich ein Gefühl unendlicher Traurigkeit in meinem Herzen ausbreitet. Ich laufe in mein Zimmer, schließe die Tür hinter mir, lehne mich dagegen und versuche, meine Fassung wiederzuerlangen. Doch es gelingt mir nicht. Ich lasse mich zu Boden sinken, und dann beginnen die Tränen zu fließen.
Kate klopft leise an die Tür. »Ana?«
Ich mache die Tür auf. Bei meinem Anblick nimmt sie mich in die Arme und drückt mich fest an sich.
»Was ist denn passiert? Was hat dieser unheimliche Dreckskerl mit dir gemacht?«
»Oh, Kate, nichts, was ich nicht gewollt hätte.«
Sie schiebt mich zum Bett und setzt sich neben mich.
»Deine Haare sehen katastrophal aus. Sex-Haare.«
Trotz meiner abgrundtiefen Traurigkeit muss ich lachen.
»Der Sex war definitiv nicht katastrophal.«
Kate grinst. »So gefällst du mir schon besser. Wieso weinst du? Das ist doch sonst nicht deine Art.« Sie nimmt meine Bürste vom Nachttisch, setzt sich hinter mich und fängt vorsichtig an, die widerspenstigen Knoten zu lösen.
»Ich fürchte nur, dass unsere Beziehung nirgendwo hinführen wird.«
»Hast du nicht gesagt, ihr trefft euch am Mittwoch?«
»Das stimmt. So war es vorgesehen.«
»Und wieso ist er dann vorhin hergekommen?«
»Ich habe ihm eine Mail geschickt.«
»In der du ihn gebeten hattest vorbeizukommen?«
»Nein, ich habe ihm geschrieben, dass ich ihn nicht wiedersehen will.«
»Und schon steht er auf der Matte? Das ist genial, Ana.«
»Na ja, eigentlich war es ja nur ein Scherz.«
»Jetzt kapiere ich überhaupt nichts mehr.«
Geduldig schildere ich ihr den Inhalt meiner Mail, ohne ins Detail zu gehen.
»Also dachtest du, dass er auch per Mail antwortet.«
»Genau.«
»Und stattdessen taucht er einfach hier auf.«
»So ist es.«
»Wenn du mich fragst, ist der Typ total verknallt in dich.«
Ich runzle die Stirn. Christian – verknallt in mich? Wohl kaum. Er braucht nur ein neues Spielzeug – ein praktisches Spielzeug, mit dem er regelmäßig unsägliche Schweinereien anstellen kann. Mein Herz zieht sich zusammen. Das ist sie, die knallharte Realität.
»Er ist hergekommen, um mit mir zu vögeln, das ist alles.«
»Wer hat nochmal behauptet, es gebe keine Romantik mehr auf der Welt?«, fragt sie sichtlich entsetzt. Es ist mir tatsächlich gelungen, Kate zu schockieren. Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Ich zucke entschuldigend mit den Achseln.
»Er setzt Sex als Waffe ein.«
»Und vögelt dich, um dich gefügig zu machen?« Sie schüttelt missbilligend den Kopf.
Ich starre sie entsetzt an und spüre, wie mir die Röte ins Gesicht schießt. O Gott … Katherine Kavanagh, Pulitzer-Preisträgerin in spe, hat wieder mal ins Schwarze getroffen.
»Ich verstehe beim besten Willen nicht, wieso du zulässt, dass er mit dir schläft, Ana.«
»Nein, Kate, wir schlafen nicht miteinander. Wir ficken – zumindest ist das Christians Bezeichnung dafür. Liebe und Romantik gibt es für ihn nicht.«
»Ich wusste doch gleich, dass mit dem Typ etwas nicht stimmt. Er hat Bindungsangst.«
Ich nicke, als würde ich ihr zustimmen, während ich mir in Wahrheit nichts sehnlicher wünsche, als ihr mein Herz auszuschütten, ihr alles von diesem seltsamen, traurigen, perversen Mann zu erzählen und mir von ihr sagen zu lassen, ich solle ihn am besten ganz schnell vergessen, nicht zulassen, dass ich mich zum Narren mache.
»Es ist wohl alles ein bisschen viel im Moment«, sage ich leise. Das ist die Untertreibung des Jahrhunderts.
Ich will nicht länger über Christian reden, also frage ich sie nach Elliot. Allein bei der Erwähnung seines Namens sitzt eine völlig andere Kate neben mir. Als sie mich anlächelt, ist es, als strahle sie förmlich von innen heraus.
»Er kommt am Samstagmorgen her und hilft uns beim Einladen.« Sie drückt die Haarbürste an ihre Brust – Junge, Junge, die hat es ja mächtig erwischt. Wieder spüre ich den vertrauten Anflug von Neid. Kate hat es geschafft, einen ganz normalen Mann kennen zu lernen, und sie scheint überglücklich mit ihm zu sein.
Ich drehe mich zu ihr um und umarme sie.
»Oh, beinahe hätte ich es vergessen. Dein Vater hat angerufen, während du … äh … beschäftigt warst. Offenbar hat sich Bob irgendeine Verletzung zugezogen, deshalb können er und deine Mutter nicht zur Abschlussfeier kommen. Aber dein Dad wird da sein. Du sollst ihn zurückrufen.«
»Oh, meine Mutter hat sich nicht gemeldet. Ist mit Bob alles in Ordnung?«
»Ja. Ruf sie am besten morgen früh an. Es ist schon ziemlich spät.«
»Danke, Kate. Es geht mir auch schon besser. Ich rufe auch Ray morgen nochmal an. Ich glaube, ich gehe jetzt ins Bett.«
Obwohl sie lächelt, entgeht mir der Anflug von Besorgnis in ihrer Miene nicht.
Nachdem sie gegangen ist, lese ich den Vertrag noch einmal durch und mache mir Notizen. Dann fahre ich den Laptop hoch, um eine Antwort zu schreiben.
Im Posteingang ist eine Mail von ihm.
Von: Christian Grey
Betreff: Heute Abend
Datum: 23. Mai 2011, 23:16 Uhr
An: Anastasia Steele
Miss Steele,
ich freue mich darauf, Ihre Anmerkungen zu unserer Vereinbarung zu erhalten.
Bis dahin – schlaf gut, Baby.
CHRISTIAN GREY
CEO, Grey Enterprises Holdings, Inc.
Von: Anastasia Steele
Betreff: Problematische Punkte
Datum: 24. Mai 2011, 00:02 Uhr
An: Christian Grey
Sehr geehrter Mr. Grey,
nachfolgend erhalten Sie eine Liste der Punkte, die mir Probleme bereiten. Ich freue mich darauf, sie am Mittwoch beim Abendessen mit Ihnen zu besprechen.
Die Zahlen beziehen sich auf die jeweiligen Klauselziffern.
2: Ich bin nicht so sicher, inwiefern der Vertrag ausschließlich meinem Wohlergehen, sprich der Auslotung meiner Sinnlichkeit und ihrer Grenze dient. Dafür würde ich wohl kaum ein zehnseitiges Vertragswerk brauchen! Ich gehe davon aus, dass er vielmehr IHREM Wohlergehen dient.
4: Wie Sie ja wissen, sind Sie mein einziger Sexualpartner. Ich konsumiere keine Drogen und habe noch nie eine Bluttransfusion bekommen. Damit dürfte gewährleistet sein, dass ich nicht unter einer ansteckenden Krankheit leide. Wie sieht es mit Ihnen aus?
8: Ich kann den Vertrag also auflösen, wenn ich den Eindruck habe, dass Sie sich nicht an die vereinbarten Bedingungen halten. Okay. Das gefällt mir.
9: Ihnen in allen Dingen zu Willen sein? Ihre Erziehung und Disziplinierung ohne Nachfrage oder Zögern akzeptieren? Darüber müssen wir dringend reden.
11: Vertragsdauer: ein Monat. Keine drei.
12: Ich kann mich nicht jedes Wochenende bereithalten. Ich habe auch noch ein Leben außerhalb deiner Wohnung. Wie wäre es mit drei von vier Wochenenden im Monat?
15.2: Meinen Körper so benutzen, wie es Ihnen angemessen erscheint, sexuell oder anderweitig? Bitte definieren Sie dieses »oder anderweitig« genauer.
15.5: Die ganze Klausel zum Thema Disziplinierung: Ich bin nicht sicher, ob ich wirklich mit einer Peitsche oder einem Flogger oder sonst einem Werkzeug gezüchtigt werden will. Stattdessen verstößt dies gegen die Klauseln 2–5. Dasselbe gilt für das »aus anderen Gründen«. Das ist für mein Empfinden schlicht und einfach grausam – und Sie haben selbst gesagt, dass Sie kein Sadist sind.
15.10: Als käme es auch nur ansatzweise infrage, dass Sie mich an jemand anderen ausleihen.
15.14: Die Regeln. Dazu später mehr. 15.19: Mich selbst ohne deine Erlaubnis berühren.
Inwiefern stört Sie das? Sie würden es doch sowieso nicht erfahren.
15.21: Disziplinierungsmaßnahmen. Vgl. Punkt 15.5.
15.22: Wieso darf ich Ihnen nicht in die Augen sehen?
15.24: Wieso darf ich Sie nicht berühren?
Regeln:
Schlaf – mit sechs Stunden bin ich einverstanden.
Essen – ich werde auf keinen Fall die Sachen essen, die auf der Liste stehen. Entweder die Liste wird gestrichen, oder ich steige aus – ein klarer Deal Breaker.
Kleidung – solange ich die Sachen nur in Ihrer Gegenwart tragen muss – okay.
Sport – wir hatten uns auf drei Stunden geeinigt, hier stehen immer noch vier.
Soft Limits:
Können wir die alle durchgehen? Kein Fisting jeglicher Art. Was ist Suspension? Genitalklemmen – das ist wohl ein Witz. Würden Sie mich bitte wissen lassen, wie Sie sich den Mittwoch vorstellen? Ich muss bis fünf Uhr arbeiten.
Gute Nacht
Ana
Von: Christian Grey
Betreff: Problematische Punkte
Datum: 24. Mai 2011, 00:07 Uhr
An: Anastasia Steele
Miss Steele,
das ist eine lange Liste. Wieso sind Sie noch wach?
CHRISTIAN GREY
CEO, Grey Enterprises Holdings, Inc.
Von: Anastasia Steele
Betreff: Spätschicht
Datum: 24. Mai 2011, 00:10 Uhr
An: Christian Grey
Sehr geehrter Mr. Grey,
vielleicht haben Sie es ja vergessen, aber ich war gerade mit der Liste beschäftigt, als mich ein Kontrollfreak, der gerade zufällig des Wegs kam, abgelenkt und flachgelegt hat.
Gute Nacht
Ana
Von: Christian Grey
Betreff: Ende der Spätschicht
Datum: 24. Mai 2011, 00:12 Uhr
An: Anastasia Steele
GEH INS BETT, ANASTASIA.
CHRISTIAN GREY
CEO & Kontrollfreak, Grey Enterprises Holdings, Inc.
Oh, Großbuchstaben! Ich fahre den Computer herunter und schüttle den Kopf. Wie schafft er es, mich selbst noch per Mail ins Bockshorn zu jagen? Noch immer schweren Herzens lege ich mich ins Bett und falle augenblicklich in einen tiefen, aber keineswegs friedlichen Schlaf.