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FÜNFZEHN
Hi.« Ich bin wahnsinnig verlegen, als ich die Tür öffne. Christian steht in Jeans und Lederjacke auf der Veranda.
»Hi«, sagt er, während sich das typische Lächeln auf seinem Gesicht ausbreitet. Bewundernd sehe ich ihn an. O Mann, er sieht in Leder unglaublich heiß aus.
»Komm rein.«
»Gern.« Leicht amüsiert schwenkt er eine Flasche Champagner. »Ich dachte, wir feiern deinen Abschluss. Und ein Bollinger ist einfach nicht zu schlagen.«
»Schlagen? Interessante Wortwahl«, bemerke ich trocken.
Er grinst. »Deine Schlagfertigkeit beeindruckt mich immer wieder, Anastasia.«
»Es gibt allerdings nur noch Teetassen. Die Gläser sind alle schon verpackt.«
»Teetassen? Klingt doch gut.«
Ich gehe in die Küche. Ich bin nervös, spüre die Schmetterlinge in meinem Bauch flattern. Es ist, als hätte ich einen Panther oder einen Berglöwen im Wohnzimmer, ein Raubtier, von dem ich nicht sagen kann, wie es sich als Nächstes verhalten wird.
»Willst du auch eine Untertasse dazu?«
»Nein, die Tasse genügt völlig«, ruft Christian abwesend.
Als ich ins Wohnzimmer zurückkehre, steht er vor den eingewickelten Büchern. Ich stelle die Tassen auf den Tisch.
»Die sind für dich«, sage ich beklommen.
Verdammt … das gibt bestimmt Streit.
»Hm, das dachte ich mir schon. Ein überaus treffendes Zitat.« Geistesabwesend streicht er mit seinem langen Zeigefinger über die Buchstaben. »Ich dachte, ich sei d’Urberville, nicht Angel. Du hast dich also für die Erniedrigung entschieden.« Flüchtig verzieht er die Lippen zu einem wölfischen Lächeln. »Ich wusste, dass du einen Satz finden würdest, der perfekt passt.«
»Es ist gleichzeitig auch eine Bitte«, flüstere ich. Wieso bin ich nur so nervös? Mein Mund ist staubtrocken.
»Eine Bitte? Dich nicht allzu hart ranzunehmen?«
Ich nicke.
»Ich habe dir diese Bücher geschenkt«, sagt er mit ausdrucksloser Miene. »Wenn du sie annimmst, werde ich ein bisschen nachsichtiger mit dir sein.«
Ich schlucke.
»Ich kann die Bücher nicht behalten, Christian. Sie sind viel zu kostbar.«
»Siehst du, genau das meine ich. Du widersprichst mir. Ich will, dass du sie behältst, und damit ist das Thema erledigt. Ganz einfach. Darüber gibt es nichts nachzudenken. Als meine Sub ist es deine Aufgabe, dankbar zu sein. Du nimmst meine Geschenke an, weil du gern gehorchst und mir damit eine Freude machst.«
»Als du sie mir geschenkt hast, war ich aber noch nicht deine Sub«, flüstere ich.
»Nein … aber jetzt hast du Ja gesagt, Anastasia.« Er sieht mich wachsam an.
Ich seufze. Diese Schlacht kann ich nicht gewinnen, also gehe ich zu Plan B über.
»Das heißt, sie gehören mir und ich kann damit machen, was ich will?«
Er mustert mich argwöhnisch, bejaht aber trotzdem.
»In diesem Fall würde ich sie gern einer gemeinnützigen Organisation zur Verfügung stellen. Einer, die auch in Darfur tätig ist, weil das einen gewissen Bezug zu dir hat. Die können sie ja versteigern.«
»Wenn du das willst.« Er presst die Lippen zusammen.
Ich sehe ihm die Enttäuschung an. »Ich werde noch einmal darüber nachdenken«, murmle ich. Ich will ihn nicht enttäuschen. Seine Worte kommen mir wieder in den Sinn. Ich will, dass du mir gern Vergnügen bereitest.
»Nicht nachdenken, Anastasia. Nicht darüber.« Seine Stimme ist leise und ernst.
Aber wie soll ich das anstellen? Soll ich mein Gehirn ausschalten? Du kannst ja so tun, als wärst du ein Auto oder eines seiner zahllosen anderen Besitztümer, ätzt mein Unterbewusstsein. Ich schenke ihm keine Beachtung. Können wir nicht einfach ein paar Minuten zurückspulen? Inzwischen ist die Spannung zwischen uns förmlich mit Händen greifbar. Ich habe keine Ahnung, wie ich mich verhalten soll. Wie um alles in der Welt soll ich das Ruder herumreißen?
Er stellt die Champagnerflasche auf den Tisch, hebt mein Kinn an und sieht mich mit ernster Miene an.
»Ich werde dir noch sehr viele Geschenke machen, Anastasia. Gewöhn dich lieber gleich daran. Ich kann es mir leisten. Ich bin ein sehr wohlhabender Mann.« Er beugt sich vor und küsst mich rasch auf den Mund. »Bitte.« Er lässt mich los.
Holla, sagt mein Unterbewusstsein.
»Ich komme mir dabei nur so billig vor«, erwidere ich.
Genervt fährt Christian sich mit den Fingern durchs Haar. »Das ist völlig unnötig. Du solltest das Ganze nicht überbewerten, Anastasia. Setz dich nicht wegen irgendwelcher vager Moralvorstellungen unter Druck, nur weil du Angst davor hast, was andere Leute von dir denken könnten. Das ist reine Energieverschwendung. Es liegt nur daran, dass du Vorbehalte gegenüber unserem Arrangement hast, was völlig normal ist. Du weißt schließlich nicht, worauf du dich da einlässt.«
Ich kaue auf meiner Unterlippe herum.
»Hey, lass das«, befiehlt er sanft, legt die Finger um mein Kinn und zieht leicht daran, bis ich loslasse. »Nichts an dir ist billig, Anastasia. Ich will nicht, dass du so von dir selbst denkst. Ich habe dir nur ein paar alte Bücher gekauft, von denen ich dachte, sie könnten dir Freude bereiten, mehr nicht. Und jetzt trink einen Schluck Champagner.« Sein Blick wird weich und warm. Zögernd lächle ich ihn an. »Schon besser.« Er greift nach der Flasche und reißt die Folie und das Drahtgestell ab. Dann dreht er die Flasche hin und her, bis der Korken mit einem leisen Plopp herausspringt, schwenkt sie mit einer routinierten Handbewegung, um keinen Tropfen zu verschütten, und gießt seine Tasse zur Hälfte voll.
»Der ist ja rosa«, bemerke ich überrascht.
»Das ist ein Bollinger Grande Année Rosé, Jahrgang 1999. Ein erstklassiger Tropfen«, erklärt er genüsslich.
»Aus Teetassen.«
Er grinst. »Aus Teetassen. Herzlichen Glückwunsch zum Abschluss, Anastasia.«
Wir stoßen an, und er nimmt einen Schluck aus seiner Tasse. Trotzdem werde ich den Gedanken nicht los, dass wir in Wahrheit auf meine Kapitulation trinken.
»Danke«, murmle ich und nippe an meinem Champagner. Wie erwartet, schmeckt er absolut köstlich. »Sollen wir die Soft Limits besprechen?«
Er lächelt, während ich erröte.
»Wie immer mit Feuereifer bei der Sache.« Christian nimmt mich an der Hand und führt mich zur Couch, wo er sich hinsetzt und mich neben sich zieht. »Dein Stiefvater ist ein sehr einsilbiger Mann.«
Aha … also keine Soft Limits. Aber ich will es endlich hinter mir haben. Die Anspannung macht mich ganz nervös.
»Aber du hast es geschafft, dass er dir aus der Hand frisst.«
Christian lacht leise. »Nur weil ich etwas vom Angeln verstehe.«
»Woher wusstest du, dass er gern Fliegenfischen geht?«
»Das hast du mir selbst erzählt. Beim Kaffeetrinken.«
»Oh, tatsächlich?« Ich nippe wieder an meiner Tasse. Wahnsinn, dieser Mann hat ein ausgezeichnetes Gedächtnis. Hm … der Champagner schmeckt wirklich lecker. »Hast du den Sekt auf dem Empfang probiert?«
Christian verzieht das Gesicht. »Ja. Die reinste Katastrophe.«
»Ich habe sofort an dich gedacht, als ich ihn probiert habe. Wie kommt es, dass du so ein Weinkenner bist?«
»Ich bin kein Weinkenner, Anastasia. Ich weiß nur, was ich mag.« In seinen Augen liegt ein silbriger Glanz, bei dessen Anblick ich rot werde. »Mehr?«, fragt er.
»Bitte.«
Anmutig erhebt er sich, um mir nachzuschenken. Will er mich betrunken machen? Ich beobachte ihn argwöhnisch.
»Hier ist es ja schon ziemlich kahl. Bist du bereit für den Umzug?«
»Mehr oder weniger.«
»Musst du morgen arbeiten?«
»Ja, es ist mein letzter Tag bei Clayton’s.«
»Ich würde dir ja gern beim Umzug helfen, aber ich habe versprochen, meine Schwester vom Flughafen abzuholen.«
Oh, davon wusste ich ja gar nichts.
»Mia kommt am frühen Samstagmorgen aus Paris an. Ich fahre morgen nach Seattle zurück, aber wie ich höre, hilft Elliot euch ja.«
»Ja, Kate ist schon ganz aus dem Häuschen.«
Christian runzelt die Stirn. »Tja, Kate und Elliot. Wer hätte das gedacht?«, murmelt er. Aus irgendeinem Grund scheint er nicht besonders begeistert darüber zu sein. »Und wie sieht es mit deiner Jobsuche in Seattle aus?«
Wann reden wir endlich über die Soft Limits? Was bezweckt er mit diesem Spielchen?
»Ich habe ein paar Vorstellungsgespräche für ein Praktikum.«
»Und wann wolltest du mir davon erzählen?« Er hebt eine Braue.
»Äh … das tue ich doch gerade.«
Seine Augen verengen sich zu Schlitzen. »Und wo?«
Aus irgendeinem Grund will ich es ihm nicht verraten. Vielleicht, weil ich nicht möchte, dass er seine Beziehungen spielen lässt.
»Bei einigen Verlagen.«
»Du willst also in die Verlagsbranche?«
Ich nicke flüchtig.
»Und?« Er sieht mich an und wartet geduldig.
»Und was?«
»Hör auf, dich dumm zu stellen, Anastasia. Bei welchen Verlagen wirst du dich vorstellen?«
»Bei ein paar kleinen«, antworte ich leise.
»Und wieso soll ich nicht erfahren, bei welchen?«
»Unzulässige Einflussnahme.«
Er runzelt die Stirn.
»Jetzt bist du derjenige, der sich dumm stellt.«
Er lacht. »Ich? Meine Güte, du machst es einem wirklich nicht leicht. Trink aus, damit wir uns endlich über diese Soft Limits unterhalten können.« Er zieht eine weitere Kopie meiner Mail und der Liste aus der Tasche. Läuft er etwa die ganze Zeit mit diesen Listen durch die Gegend? Ich glaube, in seiner Jacke, die bei mir hängt, steckt auch noch eine. Verdammt, ich darf nicht vergessen, sie herauszunehmen. Ich trinke aus.
Er sieht mich flüchtig an. »Noch mehr?«
»Bitte.«
Mit diesem typisch selbstgefälligen Grinsen greift er nach der Flasche, doch dann hält er inne.
»Hast du überhaupt etwas gegessen?«
O nein … nicht diese Leier.
»Ja, ein dreigängiges Menü mit Ray.« Ich verdrehe die Augen. Der Champagner verleiht mir offenbar Mut.
Er beugt sich vor, packt mein Kinn und sieht mich eindringlich an. »Wenn du das nächste Mal die Augen verdrehst, werde ich dich übers Knie legen.«
Wie bitte?
»Oh«, stoße ich atemlos hervor und sehe die Erregung in seinen Augen aufblitzen.
»Oh«, ahmt er im selben Tonfall nach. »Ganz genau. Das ist der Anfang, Anastasia.«
Mein Herz hämmert, und die Schmetterlinge flüchten flatternd aus meinem Magen meine Kehle hinauf, die plötzlich wie zugeschnürt ist. Wieso ist diese Vorstellung bloß so aufregend?
Er schenkt mir nach. Ich trinke fast alles in einem Zug aus und sehe ihn schüchtern an.
»Jetzt hörst du mir also zu, ja?«
Ich nicke.
»Antworte mir.«
»Ja … ich höre dir zu.«
»Gut.« Er lächelt wissend. »Okay, zum Thema Sex. Den Großteil haben wir ja bereits durch.«
Ich rücke näher und sehe auf die Liste.
ANHANG 3SOFT LIMITS
Folgende Soft Limits sind von den Parteien zu besprechen:
Erklärt sich die Sub einverstanden mit:
– Masturbation
– Vaginalverkehr
– Cunnilingus
– Vaginalfisting
– Fellatio
– Analverkehr
– Spermaschlucken
– Analfisting?
»Kein Fisting also, sagst du. Sonst noch etwas, was du nicht willst?«, fragt er sanft.
Ich schlucke. »Auf Analverkehr kann ich auch ziemlich gut verzichten.«
»Was das Fisting angeht, stimme ich dir voll und ganz zu, aber deinen Arsch hätte ich schon ganz gern, Anastasia. Aber das hat noch Zeit. Außerdem können wir diesen Punkt im Moment ohnehin noch nicht vertiefen.« Er feixt. »Dein Arsch braucht erst noch ein bisschen Training.«
»Training?«, flüstere ich.
»O ja. So was erfordert eine sorgfältige Vorbereitung. Analverkehr kann etwas sehr Angenehmes sein, glaub mir. Aber wenn wir es versuchen und es dir nicht gefällt, brauchen wir es nicht zu wiederholen.« Er grinst.
Ich sehe ihn verblüfft an. Er glaubt also, dass es mir Spaß machen wird? Und woher weiß er das?
»Hast du das schon mal gemacht?«, frage ich verlegen.
»Ja.«
Verdammt. Ich schnappe nach Luft.
»Mit einem Mann?«
»Nein. Ich hatte noch nie Sex mit einem Mann. Das ist nicht mein Ding.«
»Mrs. Robinson?«
»Genau.«
Scheiße … aber wie? Ich runzle die Stirn, während er sich den nächsten Punkten auf der Liste zuwendet.
»Okay … Sperma schlucken. Darin kriegst du eine glatte Eins.«
Ich werde rot, während meine innere Göttin vor Stolz strahlt und ein genüssliches Schmatzen von sich gibt.
»Also.« Er lächelt mich an. »Sperma schlucken ist also okay für dich?«
Ich kann mich nicht überwinden, ihn anzusehen, deshalb nicke ich nur und trinke meinen Champagner aus.
»Mehr?«, fragt er.
»Mehr.« Plötzlich muss ich an unser Gespräch von heute Nachmittag denken. Redet er davon oder nur vom Champagner? Geht es hier in Wahrheit um etwas ganz anderes?
»Sexspielzeug?«, fragt er.
Ich zucke mit den Schultern und sehe auf die Liste.
Stimmt die Sub der Verwendung zu von:
– Vibratoren
– Dildos
– Analstöpseln
– anderen vaginalen/analen Toys?
»Analstöpsel? Bewirkt es das, was auf der Verpackung steht?« Angewidert rümpfe ich die Nase.
»Ja.« Er lächelt. »Aber wie gesagt, alles eine Frage des Trainings.«
»Oh, und was haben wir sonst noch?«
»Ketten, Eier und so weiter.«
»Eier?«, wiederhole ich erschrocken.
»Keine richtigen Eier.« Er lacht und schüttelt den Kopf.
Ich schürze die Lippen. »Wie schön, dass du mich so witzig findest.« Ich versuche, nicht gekränkt zu klingen, doch es gelingt mir nicht.
Er wird wieder ernst. »Bitte entschuldigen Sie, Miss Steele. Es tut mir leid«, sagt er und bemüht sich um eine zerknirschte Miene, doch seine Augen funkeln immer noch verschmitzt. »Irgendein Problem mit den Spielzeugen?«
»Nein«, fahre ich ihn an.
»Anastasia, es tut mir wirklich leid. Das musst du mir glauben. Ich wollte dich nicht auslachen. Ich habe nur diese Unterhaltung noch nie so im Detail geführt. Du bist eben noch unerfahren. Es tut mir leid.« Seine Augen sind groß und grau und aufrichtig.
Halbwegs versöhnt nippe ich an meinem Champagner.
»Also gut, kommen wir zum Punkt Bondage.« Er wendet sich wieder der Liste zu. Ich lese die Punkte durch, während meine innere Göttin aufgeregt auf und ab springt wie ein kleines Kind in der Eisdiele.
Erklärt sich die Sub bereit zu:
– Bondage mit Seil
– Bondage mit Klebeband
– Bondage mit Ledermanschetten
– Bondage mit anderem
– Bondage mit Handschellen/Hand- und Fußfesseln?
Christian hebt die Brauen. »Und?«
»In Ordnung«, flüstere ich und beuge mich eilig wieder über die Liste.
Stimmt die Sub folgenden Fesselungsarten zu:
– Hände vor dem Körper gefesselt
– Handgelenke am Knöchel gefesselt
– Knöchel gefesselt -
– Fesselung an feste Gegenstände, zum Beispiel Möbel
– Ellbogen gefesselt
– Hände hinter dem Rücken gefesselt
– Fesselung an Spreizstange
– Knie gefesselt
– Suspension?
Lässt die Sub sich die Augen verbinden?
Lässt die Sub sich knebeln?
»Über Suspension haben wir uns ja bereits unterhalten. Ich habe nichts dagegen, falls du das als Hard Limit haben willst. Es nimmt sehr viel Zeit in Anspruch, und ich kann ja sowieso nur über eine jeweils relativ kurze Zeitspanne über dich verfügen. Sonst noch etwas?«
»Lach mich bitte nicht schon wieder aus, aber was ist eine Spreizstange?«
»Ich werde dich nicht auslachen. Außerdem habe ich mich zweimal bei dir entschuldigt.« Er sieht mich finster an. »Zwing mich nicht, es noch einmal zu tun«, warnt er. Ich spüre förmlich, wie ich neben ihm schrumpfe. Dieser ständige Befehlston …
»Eine Spreizstange ist ein Instrument mit Manschetten für die Fuß- und beziehungsweise oder Handgelenke. Ein sehr schönes Hilfsmittel.«
»Okay … der Punkt Knebeln. Ich glaube, ich hätte Angst, dass ich keine Luft mehr bekomme.«
»Ich wäre derjenige, der Angst hätte, wenn du keine Luft mehr bekämst. Ich will dich schließlich nicht ersticken.«
»Und wie soll ich in diesem Fall das Safeword sagen?«
»Erstens hoffe ich, dass du es niemals zu sagen brauchst. Aber wenn du geknebelt sein solltest, werden wir mit Handzeichen arbeiten«, sagt er schlicht.
Ich sehe ihn ungläubig an. Aber wie soll das funktionieren, wenn ich gleichzeitig auch noch gefesselt bin? Mein Verstand ist bereits leicht benebelt … Das muss am Alkohol liegen.
»Diese Sache mit dem Knebeln ist mir nicht ganz geheuer.«
»Okay. Ich schreibe es auf.«
Ich starre ihn an. Allmählich dämmert es mir.
»Fesselst du deine Sklavinnen deshalb so gern, weil sie dich dann nicht anfassen können?«
Er sieht mich an. Seine Augen weiten sich. »Das ist einer der Gründe«, antwortet er leise.
»Und ist das auch der Grund, weshalb du meine Hände zusammengebunden hast?«
»Ja.«
»Du willst nicht darüber reden.«
»Nein, will ich nicht. Möchtest du noch etwas trinken? Der Alkohol verleiht dir Mut, und ich muss wissen, wie du zum Thema Schmerzen stehst.«
Verdammt, jetzt kommt der knifflige Teil. Er schenkt mir nach. Ich nippe an meiner Tasse.
»Also, wie stehst du ganz allgemein zum Thema Schmerzen?« Christian sieht mich erwartungsvoll an. »Du kaust schon wieder auf deiner Lippe herum«, sagt er finster.
Ich höre sofort auf. Trotzdem habe ich keine Ahnung, was ich darauf antworten soll. Ich werde rot und starre auf meine Hände.
»Hast du als Kind Prügel bezogen?«
»Nein.«
»Also hast du keinerlei Erfahrungen damit?«
»Nein.«
»Es ist nicht so schlimm, wie du denkst. Die Phantasie ist dein ärgster Feind«, flüstert er.
»Musst du das unbedingt tun?«
»Ja.«
»Aber warum?«
»Das gehört nun mal dazu, Anastasia. Das ist mein Part an dem Ganzen. Aber ich merke, dass es dich nervös macht. Lass uns die einzelnen Methoden durchgehen.«
Er zeigt mir die Liste. Mein Unterbewusstsein springt auf und flüchtet schreiend hinters Sofa.
– Versohlen
– Schläge mit dem Holzpaddle
– Auspeitschen
– Schläge mit dem Rohrstock
– Beißen
– Brustwarzenklemmen
– Genitalklemmen
– Eis
– Heißes Wachs
– Andere Methoden, Schmerz zuzufügen »Die Genitalklemmen lehnst du also ab. Das ist in Ordnung. Schläge mit dem Rohrstock sind am schmerzhaftesten.«
Ich werde blass.
»Aber wir können es langsam angehen.«
»Oder ganz darauf verzichten«, flüstere ich.
»Es ist nun mal Teil der Vereinbarung, Süße, aber wir werden den Bogen nicht überspannen, Anastasia. Ich werde nichts tun, dem du nicht gewachsen bist.«
»Die Sache mit der Bestrafung macht mir am meisten Sorgen«, gestehe ich kleinlaut.
»Ich bin froh, dass du es mir gesagt hast. Wir können die Züchtigung mit dem Rohrstock ja vorläufig weglassen. Und wenn du dich erst an die anderen Methoden gewöhnt hast, steigern wir die Intensität. Wie gesagt, alles zu seiner Zeit.«
Ich schlucke.
Er beugt sich vor und küsst mich auf den Mund. »Na, so schlimm war es doch gar nicht, oder?«
Wieder schlägt mir das Herz bis zum Hals, deshalb zucke ich nur wortlos mit den Schultern.
»Einen Punkt möchte ich noch besprechen, bevor ich mit dir ins Bett gehe.«
»Ins Bett?« Ich spüre das Blut in meinen Adern pulsieren und Teile meines Körpers durchströmen, von deren Existenz ich bis vor Kurzem noch nicht einmal etwas geahnt habe.
»Ich bitte dich, Anastasia. Nach all dem Gerede über Sex würde ich dich am liebsten bis nächste Woche durchvögeln. Und dich kann es doch auch nicht kalt lassen, oder?«
Ich ziere mich. Meine innere Göttin hechelt gierig.
»Siehst du? Außerdem würde ich gern etwas ausprobieren.«
»Tut es weh?«
»Nein. Und hör auf, die ganze Zeit an Schmerzen zu denken. Es wird sehr schön. Habe ich dir schon einmal wehgetan?«
Ich werde rot. »Nein.«
»Siehst du. Du hast doch selbst gesagt, dass du mehr willst.« Er unterbricht sich. Plötzlich scheint er unsicher zu sein.
Oje … was kommt als Nächstes?
Er hält meine Hand fest. »Außerhalb der Phasen, in denen du meine Sklavin bist, könnten wir es vielleicht einfach probieren. Ich weiß nicht, ob es funktioniert und ob es sich so einfach voneinander trennen lässt. Vielleicht klappt es ja auch gar nicht. Aber ich bin bereit, es zu versuchen. Vielleicht an einem Abend pro Woche. Keine Ahnung.«
Mir fällt die Kinnlade herunter, und mein Unterbewusstsein ist wie gelähmt vor Schock. Christian Grey will mehr! Er ist bereit, es zu versuchen! Mein Unterbewusstsein linst vorsichtig hinter dem Sofa hervor.
»Allerdings unter einer Bedingung.« Er mustert mich wachsam.
»Welche?« Ich atme tief durch. Alles, was du willst, egal was. Absolut alles.
»Du nimmst mein Geschenk zu deinem erfolgreichen Abschluss an und bist mir dankbar dafür.«
»Oh.« Tief im Innern weiß ich schon jetzt, was für ein Geschenk es ist. Angst legt sich wie eine eisige Faust um meinen Magen.
Sein aufmerksamer Blick ruht nach wie vor auf mir.
»Komm mit«, sagt er und zieht mich vom Sofa hoch. Er zieht seine Jacke aus, hängt sie mir um die Schultern und geht zur Tür.
Vor dem Haus steht ein roter, zweitüriger Audi mit Fließheck.
»Der ist für dich. Herzlichen Glückwunsch.« Er zieht mich an sich und drückt mir einen Kuss aufs Haar.
Er hat mir einen Wagen geschenkt, verdammt, und zwar einen nagelneuen, wie es aussieht. O Mann, dabei haben mir die Bücher schon mehr als genug Kopfzerbrechen bereitet. Mit ausdrucksloser Miene starre ich das Auto an und versuche zu einem Schluss zu gelangen, was ich von all dem halten soll. Auf der einen Seite bin ich entsetzt, auf der anderen dankbar, aber auch entsetzt, dass er seine Drohung wahrgemacht hat. Doch in allererster Linie empfinde ich Wut. Ja, ich bin wütend. Vor allem nach dem, was ich über die Bücher gesagt habe. Anderseits hatte er den Wagen ja längst gekauft und konnte nicht wissen, dass ich sie ihm zurückgeben wollte. Er nimmt meine Hand und führt mich zu seiner jüngsten Errungenschaft.
»Anastasia, dein Käfer ist uralt und, ehrlich gesagt, ziemlich gefährlich. Ich würde mir nie verzeihen, wenn dir etwas zustieße, noch dazu, da ich es mit so geringem Aufwand verhindern kann …«
Ich spüre seinen Blick auf mir ruhen, trotzdem kann ich mich nicht überwinden, ihn anzusehen. Wortlos stehe ich vor dem eindrucksvollen Wagen.
»Ich habe mit deinem Stiefvater darüber geredet. Er fand die Idee gut«, gesteht er.
Mir bleibt der Mund offen stehen. Ich drehe mich um und starre ihn wütend an.
»Du hast Ray davon erzählt? Wie konntest du das tun?« Ich kann vor Wut kaum sprechen. Wie kann er es wagen! Der arme Ray. Mir ist regelrecht schlecht vor Scham.
»Der Wagen ist ein Geschenk. Kannst du nicht einfach Danke sagen?«
»Aber dir ist doch klar, dass es viel zu teuer ist.«
»Nein. Nicht, wenn ich dadurch nachts ruhig schlafen kann.«
Ich habe keine Ahnung, was ich darauf erwidern soll, also sehe ich ihn nur stirnrunzelnd an. Er kapiert es einfach nicht. Er hatte immer genug Geld, sein ganzes Leben lang. Okay, vielleicht nicht sein ganzes Leben lang – als kleiner Junge definitiv nicht. Der Gedanke daran ernüchtert mich. Ich spüre, wie meine Vorbehalte schwinden und sich Gewissensbisse wegen meines Wutanfalls regen. Er meint es nur gut mit mir, auch wenn er es auf eine reichlich unangebrachte Art zeigt.
»Wenn du ihn mir leihen willst, nehme ich ihn. Genauso wie den Laptop.«
Er stößt einen tiefen Seufzer aus. »Okay, dann nimm ihn eben als Leihgabe. Aber auf unbestimmte Zeit.«
»Nicht auf unbestimmte Zeit, aber zumindest für den Augenblick. Danke.«
Ich stelle mich auf die Zehenspitzen und küsse ihn auf die Wange. »Danke für den Wagen, Sir«, sage ich zuckersüß.
Ohne jede Vorwarnung zieht er mich an sich. Eine Hand liegt auf meinem Rücken, die andere vergräbt sich in meinem Haar.
»Du machst es einem nicht leicht, Ana Steele.« Er küsst mich ungestüm. Brutal drängt sich seine Zunge zwischen meine Lippen.
Augenblicklich gerät mein Blut in Wallung, und ich erwidere seinen Kuss mit derselben Leidenschaft. Ich will ihn, unbedingt, trotz des Wagens, der Bücher, der Soft Limits … der Züchtigung durch den Stock … ich will ihn.
»Ich muss mich beherrschen, dich nicht sofort auf der Haube dieses Wagens zu ficken, nur damit du kapierst, dass du mir gehörst, und wenn ich dir einen verdammten Wagen kaufen will, dann kaufe ich dir einen verdammten Wagen, ob es dir passt oder nicht«, knurrt er. »Und jetzt geh rein und zieh dich aus.« Er küsst mich ein weiteres Mal, flüchtig und grob.
Junge, Junge, er ist stocksauer. Er packt meine Hand, zerrt mich ins Apartment zurück und ohne Umweg in mein Zimmer. Mein Unterbewusstsein hat sich indessen wieder hinter dem Sofa verkrochen und schützend die Hände über den Kopf gelegt. Er knipst die Nachttischlampe an und sieht mich an.
»Bitte sei nicht wütend auf mich«, flüstere ich.
Sein Blick ist ausdruckslos. Seine Augen schimmern wie kaltes, rauchiges Glas.
»Es tut mir leid. Der Wagen und die Bücher …« Ich halte inne. Er schweigt beharrlich. »Du machst mir Angst, wenn du so wütend bist«, sage ich und sehe ihn an.
Er schließt die Augen und schüttelt den Kopf. Als er sie wieder öffnet, ist der Ausdruck nicht mehr ganz so eisig. Er holt tief Luft und schluckt.
»Dreh dich um«, flüstert er. »Ich will, dass du dein Kleid ausziehst.«
Der nächste sprunghafte Stimmungsumschwung. Ich weiß nie, woran ich bei ihm bin, was den Umgang mit ihm ziemlich schwierig macht. Mit hämmerndem Herzen drehe ich ihm den Rücken zu. Meine Beklommenheit weicht einer jähen Lust, die pochend durch meinen Körper jagt und sich tief und gierig in meinen Unterleib brennt. Er schiebt mein Haar zur Seite, so dass die Locken über meiner rechten Brust liegen. Behutsam legt er seinen Zeigefinger auf meinen Nacken und lässt ihn mit qualvoller Langsamkeit über mein Rückgrat wandern. Ich spüre seinen Fingernagel auf meiner Haut.
»Ich mag dieses Kleid«, murmelt er. »Weil darin deine makellose Haut so schön zur Geltung kommt.«
Sein Finger berührt den Rückenausschnitt meines Neckholder-Kleids. Er schiebt ihn unter den Saum und zieht mich an sich, so dass ich seinen Körper an meinem Rücken spüre. Er beugt sich herunter und atmet tief den Geruch meines Haars ein.
»Du riechst so gut, Anastasia. So süß.« Seine Nase streicht über mein Ohr und an meinem Hals entlang, ehe sein Mund meine Schulter mit federleichten Küssen bedeckt.
Meine Atemzüge beschleunigen sich, werden flacher, voller Erwartung. Seine Finger liegen auf dem Reißverschluss meines Kleides. Unerträglich langsam zieht er ihn nach unten, während sich seine Lippen leckend, küssend und saugend einen Weg zu meiner anderen Schulter bahnen. Es ist unglaublich, wie geschickt er ist. Augenblicklich reagiert mein Körper auf seine Berührungen, und ich winde mich wohlig in seinen Armen.
»Du. Wirst. Lernen. Müssen. Still. Zu. Halten«, flüstert er und küsst zwischen jedem Wort meinen Nacken.
Er öffnet den Verschluss meines Kleids, woraufhin es herabfällt und sich um meine Füße ergießt.
»Kein BH, Miss Steele. Sehr schön.«
Seine Hände legen sich von hinten auf meine Brüste. Meine Brustwarzen pulsieren unter seiner Berührung.
»Heb die Arme hoch und leg sie um meinen Kopf«, murmelt er dicht an meinem Hals.
Ich gehorche, ohne zu zögern. Meine Brüste pressen sich gegen seine Handflächen, während sich meine Brustwarzen noch ein wenig mehr aufrichten. Mit den Fingern fahre ich durch sein dichtes Haar und ziehe ganz vorsichtig daran, während ich den Kopf zur Seite neige, um ihm ungehinderten Zugang zu meinem Hals zu gewähren.
»Hm …«, murmelt er in die Kuhle hinter meinem Ohr, nimmt meine Brustwarzen zwischen seine langen Finger und beginnt daran zu ziehen.
Ich stöhne, als sich die Lust mit einem scharfen Ziehen in meinem Unterleib bemerkbar macht.
»Willst du so kommen, Miss Steele?«, flüstert er. »Das gefällt dir, stimmt’s?«
»Hm …«
»Sag es.« Er setzt seine langsame sinnliche Folter fort.
»Ja.«
»Ja, was?«
»Ja … Sir.«
»Braves Mädchen.« Er kneift fest zu, während sich sein Körper noch immer von hinten gegen mich presst.
Ich schnappe nach Luft, als mich der köstliche, lustvolle Schmerz durchzuckt. Ich spüre ihn. Stöhnend ziehen meine Hände noch ein wenig fester an seinem Haar.
»Ich glaube allerdings nicht, dass du schon so weit bist«, flüstert er und hält inne, ehe er zärtlich mein Ohrläppchen mit den Zähnen umfasst und daran zieht. »Außerdem hast du mein Missfallen erregt.«
O nein, wieso das? Für einen kurzen Moment formt sich der Gedanke in meinem lustvoll vernebelten Gehirn, während mir ein Stöhnen entfährt.
»Vielleicht werde ich dir deshalb nicht erlauben zu kommen.« Seine Finger finden meine Brustwarzen, ziehen, kneten, massieren sie.
Ich reibe mein Gesäß an ihm. Hin und her. Ich spüre sein Grinsen an meinem Hals, als seine Hände zu meinen Hüften gelangen. Er schiebt die Finger in den Bund meines Höschens. Mit beiden Daumen zerreißt er den Stoff und lässt die Überreste zu meinen Füßen auf den Boden fallen, so dass ich sehen kann, wie … Oh. Seine Hände liebkosen meinen Schoß, dann schiebt er ganz langsam einen Finger in mich hinein.
»O ja. Meine Süße ist bereit«, stöhnt er und reißt mich herum, so dass ich ihm ins Gesicht sehen kann. Seine Atemzüge haben sich beschleunigt. Er schiebt mir seinen Finger in den Mund. »Du schmeckst herrlich.« Er seufzt.
O Gott. Sein Finger schmeckt salzig … von mir.
»Zieh mich aus«, befiehlt er leise und starrt mich mit verschleiertem Blick an.
Bis auf meine Schuhe, besser gesagt, Kates hochhackige Pumps, bin ich nackt. Erschrocken halte ich inne. Ich habe noch nie einen Mann ausgezogen.
»Das schaffst du schon«, sagt er leise.
Ich blinzele. Wo soll ich anfangen? Ich strecke die Hände nach seinem T-Shirt aus, woraufhin er sie mit einem hinterhältigen Grinsen ergreift.
»Nein«, sagt er und schüttelt den Kopf. »Das T-Shirt nicht. Könnte sein, dass du mich bei dem, was ich mit dir vorhabe, anfassen musst.« Seine Augen leuchten vor Erregung.
Das sind ja ganz neue Töne … Ich darf ihn also anfassen, solange er angezogen ist.
Er nimmt meine Hand und legt sie auf seine Erektion. »Das ist die Wirkung, die Sie auf mich haben, Miss Steele.«
Ich schnappe nach Luft und schließe meine Finger um das gewölbte Stück Jeansstoff.
»Ich will in dir sein. Zieh mir die Jeans aus. Ab jetzt hast du das Kommando.«
Was? Ich habe das Kommando? Mir fällt die Kinnlade herunter.
»Was willst du mit mir anstellen?«, fragt er neckend.
Oh, all die Möglichkeiten … meine innere Göttin tobt vor Freude. In einem Anfall von Frust, Begierde und neu gewonnenem Wagemut stoße ich ihn aufs Bett. Lachend lässt er sich fallen, während ich mit einem Anflug von Triumph auf ihn hinunterblicke. Meine innere Göttin platzt schier vor Begeisterung. Ich ziehe ihm die Schuhe aus und zerre ihm umständlich die Socken von den Füßen. Er lässt mich keine Sekunde aus den Augen. Seine Augen leuchten vor Belustigung und Verlangen. Er sieht … absolut unfassbar aus, und er gehört mir. Ich klettere aufs Bett, setze mich rittlings auf ihn und mache mich am Reißverschluss seiner Jeans zu schaffen. Ich schiebe meine Finger in den Hosenbund und spüre die Spur herrlich weicher Haare, die von seinem Nabel abwärts verläuft. Er schließt die Augen und hebt die Hüften an.
»Sie müssen lernen stillzuhalten, Sir«, tadle ich und ziehe an den Haaren.
Sein Atem stockt. »Ja, Miss Steele«, murmelt er, während er mich mit Blicken durchbohrt. »Ich meiner Tasche … das Kondom«, stößt er atemlos hervor.
Langsam lasse ich meine Hand in seine Tasche gleiten und taste umher, ohne den Blick von seinem Gesicht zu wenden. Sein Mund steht offen. Ich ziehe beide Kondompäckchen heraus und lege sie neben ihm aufs Bett. Zwei! Mit zitternden Fingern nestle ich an dem Knopf seiner Jeans herum.
»So ungeduldig, Miss Steele«, murmelt er belustigt. Ich ziehe den Reißverschluss herunter und stehe vor dem nächsten Problem … wie soll ich ihm die Hose herunterziehen? Hm. Ich rutsche ein Stück nach unten und ziehe. Sie bewegt sich kaum einen Millimeter. Ich runzle die Stirn. Das kann doch nicht so schwer sein, oder?
»Wenn du dir weiter auf die Lippe beißt, drehe ich noch durch«, sagt er warnend und hebt die Hüften an, so dass ich ihn von seiner Jeans gemeinsam mit den Boxershorts befreien kann. Er tritt seine Hose auf den Boden.
Mein Gott, das ist ja wie Weihnachten! Und er gehört mir ganz allein!
»Und was jetzt?«, fragt er. Inzwischen ist jeder Anflug von Belustigung aus seinem Tonfall verschwunden.
Ich strecke die Hand aus und berühre ihn, ohne ihn aus den Augen zu lassen. Er holt scharf Luft; seine Lippen formen sich zu einem O. Seine Haut fühlt sich glatt und seidig an … und gleichzeitig fest … was für eine unglaublich erotische Kombination. Ich beuge mich vor, so dass sich mein Haar um meine Schultern ergießt. Ich nehme seinen Penis in den Mund, schließe die Lippen um ihn und beginne fest zu saugen. Seine Hüften zucken.
»Großer Gott, Ana, nicht so schnell«, stöhnt er.
Ich fühle mich übermächtig. Es ist ein Wahnsinnsgefühl, ihn zu schmecken, ihn mit meinen Lippen und meiner Zunge zu necken. Sein Körper wird stocksteif, als ich meinen Mund auf und ab gleiten lasse, ihn ganz tief in mir aufnehme, die Lippen fest aufeinandergepresst … wieder und wieder.
»Aufhören, Ana, aufhören, ich will nicht kommen.«
Genauso atemlos wie er, setze ich mich auf und sehe ihn verwirrt an. Ich dachte, ich hätte hier das Kommando? Meine innere Göttin blickt drein, als hätte ihr jemand die Eistüte aus der Hand gerissen.
»Deine Unschuld und dein Enthusiasmus entwaffnen mich komplett«, stößt er keuchend hervor. »Du, oben … genau das ist es.«
Oh.
»Hier, zieh es drüber.« Er reicht mir das Kondom.
Verdammt. Wie denn? Ich reiße das verschweißte Päckchen auf und ziehe das klebrige Kondom heraus.
»Die Spitze festhalten und dann nach unten rollen. Am Ende von diesem Ding darf kein Millimeter Luft mehr sein.«
Ganz langsam und mit voller Konzentration mache ich mich an die Arbeit.
»Herrgott, du bringst mich noch um, Ana«, seufzt er.
Bewundernd blicke ich auf ihn und mein Werk hinab. Der Mann ist der reinste Wahnsinn! Allein sein Anblick bringt mich vor Erregung schier um den Verstand.
»Jetzt. Ich will in dir drin sein«, murmelt er.
Völlig verschüchtert sehe ich ihn an. Mit einem Ruck setzt er sich auf, so dass sich unsere Nasen beinahe berühren.
»So«, stößt er hervor, schlingt einen Arm um meine Hüften, hebt mich hoch und schiebt sich unter mich. Ganz langsam dringt er in mich ein.
Ich stöhne, als er mich auszufüllen beginnt, immer tiefer in mich hineingleitet. Mein Mund erschlafft, als mich das köstliche, qualvolle, unglaubliche Gefühl durchströmt. O ja.
»Ja, genau so ist es richtig. Ich will, dass du mich spürst, jeden Zentimeter von mir«, knurrt er und schließt für einen kurzen Moment die Augen.
Und dann ist er in mir, bis zum Schaft, und hält mich ganz fest – Sekunden, vielleicht auch Minuten, ich habe keine Ahnung –, während er mir tief in die Augen sieht.
»Nochmal«, flüstere ich.
Mit einem müßigen Grinsen gehorcht er.
Stöhnend werfe ich den Kopf in den Nacken. Mein Haar ergießt sich über meinen Rücken. Ganz langsam lässt er sich aufs Bett zurücksinken.
»Beweg dich, Anastasia, auf und ab. So wie du willst. Nimm meine Hände.« Seine Stimme ist heiser und so unglaublich sexy.
Ich packe seine Hände, halte sie ganz fest und fange vorsichtig an, mich zu bewegen. Ungezügelte Lust flackert in seinen Augen auf. Sein Atem kommt stoßweise, genauso wie meiner. Er hebt das Becken an und lässt es wieder sinken. Wir verfallen in einen steten Rhythmus … auf und ab, auf und ab … und es fühlt sich so … unglaublich gut an. Zwischen meinen abgehackten Atemzügen, dem Gefühl, ihn voll und ganz in mir zu spüren, der Lust, die in mir aufsteigt und mich zu verschlingen droht, begegnen sich unsere Blicke. Ich sehe so etwas wie Staunen in seinen Augen. Staunen über mich.
Ich bin diejenige, die ihn vögelt. Ich habe das Ruder in der Hand. Er gehört mir, und ich gehöre ihm. Dieser Gedanke treibt meine Lust in neue Höhen, bringt mich vollends um den Verstand. Ich komme, schreie Worte ohne Sinn. Er umfasst meine Hüften, schließt die Augen. Sein Kopf fällt in den Nacken, seine Kiefermuskeln sind zum Zerreißen gespannt, als er lautlos zum Höhepunkt kommt. Ich lasse mich nach vorn fallen, sacke auf seiner Brust zusammen, völlig überwältigt, irgendwo zwischen Phantasie und Wirklichkeit, an einem Ort, wo weder Hard noch Soft Limits existieren.