52010.fb2 James und der Riesenpfirsich - читать онлайн бесплатно полную версию книги . Страница 37

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Kapitel 37

Das war wirklich ein verblüffender Anblick, und nach ein paar Minuten begriffen die Leute, daß der goldene Ball doch keine Bombe sein konnte. Sie strömten aus den U-BahnEingängen heraus und standen da und staunten mit offenem Mund zu dem Wunder hinauf.

Eine halbe Meile im Umkreis waren die Straßen mit Menschen verstopft. Alle schnappten schier über vor Aufregung, als sich die Nachricht verbreitete, oben auf dem großen goldenen Ball seien lebende Geschöpfe zu sehen.

«Es ist eine fliegende Untertasse!»

«Es sind Wesen aus dem Weltraum!»

«Es sind Marsbewohner!»

«Vielleicht kommen sie vom Mond!»

Und ein Mann, der zufällig ein Fernglas dabeihatte und damit bis auf die Spitze des Empire State Building schauen konnte, verkündete: «Sie sehen wirklich komisch aus, das kann ich euch sagen.»

Polizeiautos und Feuerwehrwagen brausten aus der ganzen Stadt herbei und hielten mit quietschenden Bremsen vor dem Empire State Building.

Zweihundert Feuerwehrmänner und sechshundert Polizisten stürzten in das Gebäude und fuhren mit den Aufzügen bis hinauf ins einhundertundzweite Stockwerk. Dann rannten sie auf den Dachgarten hinaus, der unter der spitzen Zinne liegt und von wo die Touristen sich New York von oben anschauen.

Alle Polizisten hielten die Pistole schußbereit in der Hand, den Finger am Abzug, und die Feuerwehrmänner umklammerten ihre Äxte. Aber hier auf dem Dachgarten standen sie alle direkt unter der Pfirsichwölbung und konnten die Reisenden auf Deck nicht sehen.

«Ahoi, dort oben!» schrie der Polizeichef. «Kommt heraus und zeigt euch!»

Sofort schob Tausendfüßler seinen dicken braunen Kopf über die Pfirsichrundung und schaute mit seinen schwarzen Augen... so groß und kugelrund wie Murmeln... neugierig auf die Polizisten und Feuerwehrmänner hinunter. Sein häßliches Gesicht verzog sich zu einem breiten Grinsen.

«Vorsicht! Es ist ein Drache!» schrien die Polizisten und Feuerwehrmänner gleichzeitig.

«Es ist kein Drache! Es ist ein Wampus!»

«Es ist eine Gorgo!»

«Eine Seeschlange!»

«Eine Boa constrictor!»

«Es ist ein Manticorus!»

Niemand wußte, was ein Manticorus ist, aber drei Feuerwehrmänner und fünf Polizisten wurden ohnmächtig und mußten weggetragen werden.

«Es ist ein Schnududel!» schrie der Polizeichef.

«Ein wilder Wumkrumper!» schrie der Feuerwehrhauptmann.

Tausendfüßler grinste immer mehr. Es machte ihm Riesenspaß, daß er so viel Aufregung verursachte.

«He, du! Hör mal zu!» schrie der Polizeichef und legte die Hände wie einen Trichter vor den Mund. «Ich will wissen, woher du kommst!»

«Wir kommen Tausende von Meilen weit her!» schrie Tausendfüßler zurück, grinste noch breiter und zeigte alle seine braunen Zähne.

«Ich hab's ja gleich gesagt, die kommen vom Mars!» sagte der Polizeichef.

«Wahrscheinlich haben Sie recht», sagte der Feuerwehrhauptmann.

In diesem Augenblick tauchte Grashüpfers großer grüner Kopf neben Tausendfüßler auf. Sechs weitere starke Männer fielen in Ohnmacht, als sie ihn sahen.

«Das ist ein Oger!» stieß der Feuerwehrhauptmann aus.

«Oder ein Basilisk!» brüllte der Polizeichef. «Zurück, Männer! Er kann sich jeden Augenblick auf uns stürzen!»

«Wovon reden die bloß?» fragte Grashüpfer.

«Keine Ahnung», meinte Tausendfüßler. «Jedenfalls scheinen sie sich über irgendwas schrecklich aufzuregen.»

Nun erschien auch noch Spinnes schwarzes, mordlustig aussehendes Gesicht, das auf jeden Fremden wahrscheinlich am furchterregendsten wirkte.

«Heiliges Kanonenrohr! Jetzt sind wir erledigt!» schrie der Feuerwehrhauptmann. «Das ist ein Riesenskorpion!»

«Viel schlimmer!» widersprach der Polizei chef. «Es ist ein giftiger kolossaler Kakerlak! Sehen Sie sich nur das grausliche giftige Gesicht an!»

«Ist das die Sorte, die ausgewachsene Männer zum Frühstück frißt?» fragte der Feuerwehrhauptmann und wurde leichenblaß um die Nase.

«Das ist sie», nickte der Polizeichef.

«Oh, helft uns doch bitte hier herunter! Mir ist schon ganz schwindelig!» rief Spinne.

«Das ist vielleicht eine Falle», meinte der Feuerwehrhauptmann. «Niemand rührt sich, bis ich es befehle!»

«Wahrscheinlich haben sie Weltraumgewehre», murmelte der Polizeichef.

«Aber wir müssen irgend etwas tun!» erklärte der Feuerwehrhauptmann grimmig. «Da unten in den Straßen stehen mindestens fünf Millionen Menschen und beobachten uns!»

«Nun, dann steigen Sie doch die Leiter hinauf», schlug der Polizeichef vor. «Ich bleibe unten und halte die Leiter fest, und Sie schauen mal oben nach.»

«Vielen Dank!» sagte der Feuerwehrhauptmann.

Wenige Sekunden später schauten sieben fantastische Gesichter über die Pfirsichrundung hinab: Tausendfüßler, Grashüpfer, Spinne, Regenwurm, Marienkäferchen, Seidenraupe und Glühwürmchen.

Eine Art Panik packte die Polizisten und Feuerwehrmänner auf dem Dachgarten.

Doch plötzlich verflog ihre Angst, und alle hielten vor Verblüffung den Atem an. Ein kleiner Junge tauchte zwischen all den Geschöpfen auf! Sein Haar flatterte im Wind, und er lachte und winkte und rief: «Hallo, da unten!»

Einen Augenblick standen die Männer sprachlos da und starrten. Sie trauten ihren eigenen Augen nicht.

«Lieber Himmel!» stieß der Feuerwehrhauptmann aus und wurde rot. «Das ist wirklich ein kleiner Junge!»

«Habt bitte keine Angst vor uns!» rief James. «Wir sind so froh, daß wir hier sind!»

«Was ist mit den seltsamen Gestalten neben dir? Sind die nicht gefährlich?» rief der Polizeichef.

«Natürlich sind sie nicht gefährlich!» antwortete James. «Es sind die nettesten Geschöpfe der Welt! Ich stelle sie euch jetzt der Reihe nach vor, dann werdet ihr mir das schon glauben.»

Tausendfüßler ist vielleicht etwas lang, wenn man vergleicht. Doch was lang ist, hat viel Platz, steckt voll Liebe, ist ein Schatz. Tapfer ist er wie ein Ritter,friedlich wie ein Babysitter. Tausendfüßler ist nicht ohne, arbeitet für Spaniens Krone.Hat das Kinderfräulein frei, ruft der König ihn herbei. Und Freund Tausendfüßler kommt, wiegt die Prinzen gern und prompt.

«Kein Wunder, daß sie nicht mehr auf dem Thron sind», bemerkte der Feuerwehrhauptmann.

Regenwurm ist ein prächtiger Mann, weil er für alle Bauern das Land umgraben kann. Und für euch Leute in der Stadt gräbt er den neuen U-Bahn-Schacht, was niemand besser und billiger macht.

Regenwurm wurde rot vor Stolz und Verlegenheit, und Spinne klatschte Beifall und rief: «Das stimmt genau!»

Grashüpfer ist als Musikant bestimmt nicht zu verachten,er spielt die schönsten Melodien,die uns viel Freude machten.Er nimmt sein linkes Hinterbein,sein Flügel ist die Geige,er fiedelt Moll, er fiedelt Baß,das macht auch euch bestimmt viel Spaß.

«Dann kann er nicht sehr wild sein», meinte der Polizeichef.

Glühwürmchen hier ist fabelhaft, es hat uns immer Licht verschafft im dunklen Pfirsich drinnen. Und wer es in der Stadt an seiner Decke hat,braucht keinen Strom und keinen Schalter, der spart viel Geld bis in sein Alter.

«Wenn das stimmt, wird Glühwürmchen hier berühmt!» riefen zweiundfünfzig Polizisten.

Wer auf dem Pfirsichstengel saßund stillvergnügt ihr Futter fraß, das war unsere Spinne;sie suchte sich im Kerne drinnen,ein Plätzchen still zum Spinnen, und spann den kräftigen Seidenfaden, an dem die Möwen uns über das Meer getragen.Spinnes Lob soll laut erschallen, ohne sie wären wir ins Meer gefallen.

Die Polizisten und die Feuerwehrmänner klatschten Beifall, und ein paar Leute riefen «Hurra!»

Marienkäferchen war mein Trost,seit unsere Reise hat begonnen, wenn das Meer gewaltig tost, blieb es furchtlos und besonnen. Vierhundert Kinder ließ es zurück, die kommen mit dem nächsten Pfirsich -welch ein Glück!

«Wir finden Marienkäferchen reizend!» riefen alle.

Von Rom bis Philadelphiavon Timbuktu bis Brasilia, gibt's keine schönere Seide, so fest und fein als die von unserer Raupe ganz allein.Die Königin von Engeland bestellte ihr Hochzeitskleid bei unserer Seidenraupe vor gar nicht langer Zeit! Demnächst trägt euer Präsident ein elegantes Seidenhemd, das unsere Raupe ihm gemacht und frisch gebügelt überbracht!

«Das ist aber nett von ihr!» riefen alle Feuerwehrmänner und Polizisten. «Und jetzt müssen wir sie alle miteinander von ihrem Riesenpfirsich herunterholen! Warum haben wir bloß so lange gewartet?»