77756.fb2 Ganz Deutschland lacht!. 50 deutsche Jahre im Spiegel ihrer Witze - читать онлайн бесплатно полную версию книги . Страница 7

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Lentz/Thoma1960-1969

Das einzige Kleidungsstück, über das man sich in Deutschland im Lauf der Zeit beständig lustig machte, war der »Pariser«. Im Lexikon werden die sachlichen Fremdwörter Präservativ oder Kondom umständlich mit Empfängnisverhütungsmittel übersetzt; die Schweizer gaben dem Artikel mit ihrer Neigung zu putzigen Wortschöpfungen den Namen »Verhüterli«.

Das »Verhüterli« oder der »Überzieher« konnten nicht verhindern, dass die Zahl der Abtreibungen auf dieser Erde 1965 von der Weltgesundheits-Organisation mit rund 25 Millionen pro Jahr eingeschätzt wurde. Im selben Jahr starben in der Bundesrepublik 250 Frauen an illegalen Eingriffen.

Damals warteten die Gummikringel in vierschrötigen Eisenkästen auf Kundschaft. Die Automatenaufsteller hatten sie im Untergrund der Kneipen oft sinnigerweise zwischen Damen- und Herren-Toilette aufgehängt, und auf den Werbebildchen der Packungen lächelten blonde oder dunkle Sirenen dem umworbenen Verbraucher augenzwinkernd zu. Es kam vor, dass Frauen wie Männer nachdenklich vor den Kästen standen und überlegten, ob ihnen der unscheinbare Gummi nicht einmal von Nutzen sein könnte. Nicht alle waren bereit, sich für ein paar Groschen rechtzeitig Sicherheit einzukaufen.

Anfang der sechziger Jahre kursierte ein Witz in den Wirtshäusern und anderswo, der auch heute wieder erzählt wird. Mit dem einzigen Unterschied, dass aus der Bezeichnung »Gesundheitsläufer« der »Jogger« geworden ist.

Ein junger Mann hat sich am hellen Nachmittag bei einer verheirateten Frau eingefunden. Sie kommen schnell zur Sache. Als sich das Liebesspiel der beiden dem Höhepunkt nähert, fährt draußen ein Auto vor. »Das ist mein Mann«, ruft die Frau in Panik, »schnell, hau ab, spring aus dem Küchenfenster!« Während die Ehebrecherin die Siebensachen ihres Geliebten in Windeseile unter ihrem Bett versteckt, flieht der nackt durchs Küchenfenster in den Garten. Bei strömendem Regen hastet er in ein nahe gelegenes Waldstück.

Dort begegnet ihm ein Gesundheitsläufer, dessen Tempo sich der nackte Mann mühelos anpasst. Der Läufer betrachtet ihn von oben bis unten und fragt vorsichtig:

»Sind Sie auch Gesundheitsläufer?«

»Aber ja«, antwortet der Mann, »schon lange.«

»Und laufen Sie jeden Tag?«

»Ja, jeden Tag.«

»Und wenn's regnet, grundsätzlich nackt?« »Wie Sie sehen.«

»Hm«, sagt der Gesundheitsläufer, »und immer mit 'nem Pariser an?«

»Nein, nur wenn's regnet.«

Die Kneipen, Stampen, Wirtshäuser, Pinten gehörten zu den Brutstätten und Tauschzentralen des Witzes. Dort saßen die gestandenen Männer bis tief in die Nacht, soffen, knobelten, spielten Karten, und manchmal luden sie ihre pubertierenden Söhne ein, die mit den Pilzköpfen der Beatles oder der Haartracht Elvis Presleys nachempfundenen Frisuren den sanften Aufstand gegen die Väter probten. Die bleichen Jünglinge durften Sülzkoteletts und Soleier futtern; alle Getränke, die ihnen der »Herr Ober« brachte, wurden auch von den »Alten Herren« konsumiert: Cola mit Rum, Pils, Bier und dazu »Wodka mit Pflaume«, »Wodka mit Kirsche«, »Wodka mit Feige«. Der Fotograf Charles Wilp machte damals eine Werbung populär, auf der sich ein kraftvolles Mannsbild und ein Bär mit Wodka zuprosten. »Ist für harte Männer ...«, stand unter den Werbefotos. Es wurde Zeit, dass auch aus den »Twens« harte Männer wurden.

>Twen< nannte sich eine Zeitschrift, die seit 1959 in der Bundes-republik Deutschland das neue Lebensgefühl der Jugend postulierte. Nach eigener Aussage lautete ihre Botschaft: »Zeitschrift für die Neugierigen. Wir zeigen, was morgen wichtig ist - zum Anziehen, zum Ausziehen, zum Essen, zum Fahren, zum Lieben, zum Miteinan-derauskommen auf dieser herrlichen, schönen, aufregenden Welt.«

Doch zurück zu den Vätern: Sie verdonnerten ihre Söhne zu einem Männlichkeitsritual, welches das Empfängnisverhütungsmittel zweckentfremdete. Die Alten zupften »Präser« aus ihren Hüllen und legten sie den Söhnen mit der Aufforderung in die Hände, die Teile aufzublasen und zu verknoten. Jubel brach aus, die Stammtischbrüder lachten sich scheckig, wenn die kleinen Ballons unter die Decke gestoßen wurden und nach kurzem Flug im Dunstkreis der Theke landeten. So schlug man den Nachwuchs zum Ritter der Tafelrunde.

Was sagten die Frauen und Mütter zu solchen Scherzeinlagen? Sie erfuhren nichts davon, außerdem hatten sie in bestimmten sozialen Etagen der sechziger Jahre wenig zu sagen. In den Stammkneipen waren die Damen nur zu Gast, wenn die Ehemänner ihnen am Sonntagabend gönnerhaft einen »Hering Hausfrauenart« und ein Gläschen Mosel spendierten. Dann durften sie mit dem Herrn Gemahl auch schon mal eine Partie »Flipper« spielen oder für ein paar Groschen am Spielautomaten ihr Glück versuchen. Spuckte der »Rota-mint« einen Gewinn aus, freute sich die Musikbox. Die Frauen drückten die Schlager der Saison: Lolitas >Seemann, deine Heimat ist das Meer<, Gittes >Ich will'n Cowboy als Mann<. Heintje sang glockenrein seinen Hit >Mama< und Freddy Quinn verkündete den mit einer »Goldenen Schallplatte« gekrönten Mutterwunsch Junge, komm bald wieder<.

Anfang 1960 lachten die Männer über Witze, deren Anti-FrauenHaltung eindeutig war.

Kommt eine ältere Frau in die Kneipe: Buckel, Triefaugen, Halbglatze, schlampig angezogen. Auf ihrer rechten Schulter sitzt ein Papagei. Die Frau wendet sich an die versammelten Trunkenbolde: »Wenn mir jemand von euch sagen kann, was das für ein Vogel ist, kann er umsonst mit mir ins Bett gehen.« Die Männer schütteln sich beim Anblick der Frau. Einer sagt: »Das ist ein Adler.« Ein zweiter: »Das ist 'n Rotkehlchen.« Ein dritter: »Ich glaube, es handelt sich um eine Schleiereule.« Da hebt der Papagei den Kopf und sagt: »Ich denke, das können wir durchgehen lassen ...«

Ein Autofahrer sieht abends auf einer dunklen Landstraße einen Schatten vor seinem Wagen. Er bremst wild, steigt aus und steht einem Männlein gegenüber, das ihn erschrocken ansieht. »Sie haben mein Leben gerettet«, sagt der Kleine, »jetzt haben Sie einen Wunsch frei.« Der Autofahrer überlegt.

»Ich wünsche mir«, sagt er schließlich, »dass in Burundi der Bürgerkrieg aufhört.« »Burundi? Wo liegt denn das?«

»Irgendwo in Afrika. So genau weiß ich das auch nicht.« Der kleine Mann wiegt den Kopf.

»Das ist natürlich schwierig für mich. Haben Sie nicht noch einen anderen Wunsch?«

»Dann möchte ich, dass meine Frau schön und knackig aussieht wie vor zwanzig Jahren.«

»Wo ist denn Ihre Frau?«

»Die ist zu Hause.«

»Ist das weit?«

»Nein, nur 4 km.«

Der kleine Mann steigt ins Auto und fährt mit. Die Frau des Fahrers steht schon in der erleuchteten Haustür und wartet. Das Männlein betrachtet sie lange. Dann tippt es dem Fahrer auf die Schulter und fragt:

»Sagen Sie, haben Sie nicht doch irgendwo einen Atlas, in dem wir nachschauen können, wo Burundi liegt?«

Als Witze von solcher Niedertracht durch die Lande wanderten, plädierte ein Gottesmann im Fernsehen für die Liebe. Pfarrer Theodor Schulz aus Kirchweiler sprach am Karnevalssamstag 1960 in der Sendung >Wort zum Sonntag< von der Heiligkeit der Ehe und der Sünde des Seitensprungs. Er forderte die Ehepaare zur Bewahrung der Zärtlichkeit und zu gegenseitigem Respekt auf und ließ vom

Tonband ein taufrisches Lied abspielen, dessen Text ein einziger Appell an die Treue war. Schon am Rosenmontag verkaufte sich der Schlager, der später zum »Evergreen« und »Ohrwurm« der Hitparaden wurde, 40 000 mal. Der von Heidi Brühl gesungene Treueschwur hieß: »Wir wollen niemals auseinandergehn«, und der böse Volksmund nannte ihn schonungslos »Das Nonnenbeinlied«.

Andere Einkaufsschlager, welche die Phantasie der Witzemacher damals beflügelten, waren die Pille (»Was ist der sicherste Weg, mit der Pille Erfolg zu haben? Einfach zwischen die Knie klemmen und fest zusammendrücken«), der Minirock und - als revolutionäre Neuerung in der Sperrzone weiblicher Leibwäsche - die Strumpfhose.

Aber auch über die konventionellen Kleidungsstücke des Alltags machte sich der Scherzbold Gedanken: über Anzug, Mantel, Schuhe und die dazu gehörenden Leute. Ein Witz mit politischem Touch kam von weit her; möglicherweise machte er den langen Weg von der Sowjetunion über die DDR nach Westdeutschland.

Nach der Erschießung von Regimefeinden ordnen russische Machthaber an, dass der männliche Nachwuchs seiner Gegner — egal wie alt - nach Sibirien verbannt wird. Es kommt der Tag, an dem ein russisches Mütterchen ihren fünf Jahre alten Sohn Pjotr zum Moskauer Bahnhof bringt. Sie hat ihm dicke Wollstrümpfe und ein wärmendes Mäntelchen angezogen, denn die Mutter weiß: In Sibirien ist es kalt.

Tränenreicher Abschied. Dann verfrachten Soldaten den Jungen zusammen mit anderen Kindern in Güterwagen. Der Zug fährt ab. 60 Jahre später wird der Sohn zusammen mit 1 000 anderen Häftlingen begnadigt. Das Mütterchen, nun über 90 Jahre alt, schlurft zum Bahnhof. Als der Transport eintrifft und die Entlassenen aussteigen, sucht sie in der Menschenmenge ihren Jungen. Plötzlich stutzt die Alte, kneift die Augen zusammen und geht dann zielstrebig auf einen hochgewachsenen Mann mit grauem Haarkranz zu. Sie umarmt und küsst ihn und flüstert: »Pjotr, mein Sohn, nun bist du wieder bei mir. Wie schön, dass ich das noch erleben kann.«

Unter Tränen blickt der Heimkehrer seine Mutter liebevoll an.

»Nun erklär mir mal eins, Mama«, sagt er nach einer Weile, »woran hast du mich eigentlich erkannt?« »An deinem Mäntelchen, mein Junge .«

Der Gastwirt Hein aus Bremerhaven hat sich beim Schneider einen neuen Anzug machen lassen. Als er nach Hause kommt, überprüft seine Frau Antje den Sitz des teuren Prachtstücks und sagt: »Du, Hein, das ist ja nun wirklich ein ganz besonders schönes Teil. Aber hinten am Rücken wirft er 'ne kleine Falte. Lauf mal schnell zum Schneider, er soll dir das ausbessern.« Der Schneider nickt gelassen, als Hein ihm den Einwand seiner Frau mitteilt. »Ich wusste, dass Sie kommen würden«, sagt er, »aber der Fehler liegt nicht bei uns, sondern an Ihrer Figur. Ihre rechte Schulter ist ein bisschen schief, wenn wir das unterfüttern, würden wir den ganzen Anzug versauen. Aber es gibt eine Lösung. Sie müssen nur die linke Schulter etwas anheben, dann ist die Falte weg.«

Hein kommt mit angehobener Schulter nach Hause und lässt den Maßanzug von Antje begutachten. »Tadellos«, sagt sie, »du siehst wirklich schick aus. Aber warte mal: Jetzt wirft das Teil in der rechten Hüfte eine ziemlich große Quetschfalte. Nun geh mal schnell zum Schneider, der soll dir das reparieren.« »Ich wusste, dass Sie kommen würden«, sagt der Schneider, als Hein zum zweiten Mal vor ihm steht. »Ihre Frau hat ein gutes Auge, aber der Fehler liegt nicht bei uns, sondern an Ihrer Figur. Ihre rechte Hüfte hat eine leichte Krümmung, das lässt sich nur ausgleichen, wenn Sie die linke Hüfte etwas anwinkeln und nach vorne schieben.« Hein befolgt den Ratschlag des Schneiders und kommt mit angehobener Schulter, die linke Hüfte angewinkelt und verschoben, nach Haus. Antjes kritische Augen entdecken an der Rückenpartie des Anzugs keinen Fehler mehr, aber als sie den Sitz der Vorderseite überprüft, schüttelt Antje unwillig den Kopf. »Das ist ja kaum zu glauben«, meint sie, »aber jetzt wellt sich hier an der rechten Brust der ganze Stoff. Nun lauf mal schnell zum Schneider und lass dir das in Ordnung bringen ...« Der Schneider hört sich auch die dritte Beschwerde seines Kunden in aller Gemütsruhe an. »Wir können da nichts ma-chen«, sagt er, »Ihre rechte Brust ist flacher als die linke, wenn wir das wattieren, ist der ganze Anzug im Eimer. Aber sobald Sie den Oberkörper zurücklehnen und den Kopf ein wenig schief halten, ist der Schaden behoben.« Wieder lässt sich der Gastwirt auf die Empfehlung seines Schneiders ein. Als Hein den Heimweg antritt und — die vorgeschriebenen Haltungen streng befolgend — über die Hauptstraße geht, kommen ihm zwei elegant gekleidete Herren entgegen. Der eine wirft einen mitleidigen Blick auf Hein und flüstert dem anderen zu: »Dieser arme Krüppel kann einem wirklich leidtun.«

»Da hast du recht«, sagt der zweite Herr, »aber 'n guten Schneider hat er...«

Das Mäntelchen, der Maßanzug, die Strumpfhose, der Minirock. 1964 schrieb Rudolf Augstein, der Chef des >Spiegel<, den gedankenvollen Satz: »Der Minirock der Mary Quant und die Beatles haben die politisch relevante Gesellschaft mehr verändert als Sartre, Camus, Heidegger und Teilhard de Chardin...«

Ein kurzer Witz brachte das so geadelte Kleidungsstück mit einem anderen Sachverhalt in Verbindung: 1964 stieg die Zahl der Gastarbeiter in Deutschland auf 1 Million.

Frage: »Warum tragen die deutschen Mädchen so gern Miniröcke?«

Antwort: »Weil die Gastarbeiter so kurze Arme haben.«

Wie reagierten die deutschen Frauen auf die Häme der Männer? Zunächst noch zurückhaltend. Vielleicht hatten die Mütter, Töchter, Singles aus den »gutbürgerlichen Kreisen«, in denen sich - vom Wirtschaftswunder hochgetragen - auch Arbeiterfamilien etablierten, keine Lust zur Gegenwehr. Vielleicht waren die Hausfrauen beim Kochen, Putzen, Waschen, Bügeln auch gar nicht in der Stimmung, über Antimännerwitze nachzudenken. Es reichte ihnen, wenn die angeheiterten Herren der Schöpfung sonntags zu spät zum Mittagessen kamen und auf jeden Vorwurf, jede Zurechtweisung mit Floskeln reagierten, die sie im Wirtshaus aufgefangen hatten: »Ich glaub, ich bin im Wald«, »ich glaub, mein Schwein pfeift«, »ich glaub, ich hab 'n doofen Opa im Sauerland«, »ich glaub, meine Oma hängt in der Eigernordwand« usw.

Die Hausfrauen kegelten, die Männer kegelten - meist getrennt voneinander. Was sie einte, war die Neigung zu lauthals geschmetterten Liedern, die der Verbund der »Kegelschwestern« dem Bund der »Kegelbrüder« abgelauscht hatte. Gesungene Scherzartikel.

Kegler (Keglerin), gut Holz Kegler, gut Holz Kegeln, das ist unser Stolz, eine Kugel, die nicht läuft, ein Kegler, der nicht säuft, ein Mädel, das nicht stille hält gehören nicht auf diese Welt.

Oder:

Wir haben es im Steh'n getan im Sitzen und im Liegen und wenn wir einmal Englein sind dann tun wir's auch im Fliegen.

Mitte der sechziger Jahre probte ein Damenkegelclub aus Essen den Aufstand. Wieder einmal hatten die Männer sich in ihrer Stammkneipe verschanzt und den wartenden Sonntagsbraten bei Bier und Schnaps vergessen. Da nahmen die Betroffenen reihum Kontakt zueinander auf und spazierten in aller Gelassenheit zum Aufenthaltsort ihrer unpünktlichen Zecher. Sie hatten Töpfe, Pfannen und Kasserollen mitgebracht, stellten die Gemüse in den Rinnstein und dekorierten den Eingang des Lokals mit Schweinebraten, Schnitzeln, Roastbeef und Kartoffeln. Dann suchten sie singend das Weite, um auf ihrer Kegelbahn eine ruhige Kugel zu schieben.

Trauriger Sonntag. Rache. Erster Widerstand gegen die maskuline Selbstherrlichkeit, dem wenig später auch die ersten, wohlüberlegten Antimännerwitze folgten: Antworten auf die scherzhaft drapierte Erniedrigung der Frau. Vielleicht hat zu einer ersten Gegenwehr aber auch jene Expertise der deutschen Bundesregierung über die Situation der Frau in Beruf, Familie und Gesellschaft beigetragen (1966). Sie kam zu dem Schluss, dass der Einfluss der Frau in einer von Männern dominierten Öffentlichkeit relativ schwach sei.

Die Strumpfhose, dieses sperrige Gewebe, das den unsicheren Jünglingen bei ihren Fingerübungen im Autokino oder auf der Parkbank so sehr im Wege stand, hat es verdient, dass sie bei unserer Auswahl den Anfang macht.

Nach kurzem Liebesspiel schlüpft der Mann in seine Unterwäsche und sagt zu seiner Freundin: »Wenn ich gewusst hätte, dass du noch unschuldig bist, hätte ich mir mehr Zeit genommen.« »Tja«, antwortet sie, »wenn ich gewusst hätte, dass du mehr Zeit hast, hätte ich mir auch die Strumpfhose ausgezogen ...«

Kurz vor dem Einschlafen fragt ein Mann seine Frau, die wartend im Bett liegt: »Sag mal, Lisa, würdest du eigentlich gerne ein Mann sein?«

»Nein, ich glaube nicht«, sagt die Frau. »Und du?«

Ein Mann hat sich ein Paar sehr auffällige italienische Schuhe gekauft: weißes Leder mit schwarzen Lackkappen. Um seine Frau zu überraschen, hat er sie nach der Anprobe im Geschäft sofort anbehalten.

Als der Mann nach Hause kommt, sitzt die Ehefrau vorm Fernseher, isst Kartoffelchips, trinkt eine Flasche Bier. »n' Abend, Schnullermaus«, sagt der Mann. »n' Abend, Alter«, antwortet die Frau, ohne ihn anzusehen.

Er zögert einen Moment, dann fährt er fort: »Kannst du mich vielleicht mal 'n Augenblick angucken?« Sie dreht ihm den Kopf zu, betrachtet den Mann von oben bis unten und wendet sich wieder ab. »Fällt dir an mir nichts auf?«, fragt er irritiert.

Sie hebt die Schultern, konzentriert sich auf den Bildschirm und meint: »Du siehst müde aus, wie immer. Wirst dir wohl gleich den Bohneneintopf aufwärmen, 'ne Pulle Bier trinken und ins Bett gehen. Wie immer.«

»Oh, warte«, denkt der Mann, »das kriegst du wieder.« Er geht ins Schlafzimmer, zieht sich bis auf die neuen Schuhe aus und kehrt splitternackt ins Wohnzimmer zurück. Wieder baut er sich vor ihr auf, wieder beachtet sie ihn nicht, und wieder sagt er: »Kannst du mich vielleicht mal 'n Augenblick angucken, Schnullermaus?«

Die Frau knuspert an einem Kartoffelchip, trinkt Bier und mustert ihren Mann von oben bis unten.

»Na?«, fragt er, »fällt dir an mir immer noch nichts auf?«

»Was soll mir an dir schon auffallen?«, sagt die Frau gelangweilt.

»Er hängt. Wie immer!«

»Ja, ja«, reagiert der Mann aufgebracht, »er schaut sich nämlich meine neuen italienischen Schuhe an.«

»Na, da hättste dir aber besser 'n neuen Hut gekauft«, sagt die Frau.

Die Doppelpointe! Die Frau, nicht mehr der Mann, hat das letzte Wort. Sie reagiert auf seine Schlagfertigkeit mit einer Antwort, die nicht mehr zu überbieten ist. Auch der Leiterin eines MädchenInternats fehlen die Worte:

Die betagte Chefin eines Internats geht mit vier Schülerinnen im Wald spazieren. Plötzlich bleibt sie stehen und stellt den Mädchen die Frage: »Was würdet ihr tun, wenn ich nicht bei euch wäre und ein Mann käme, um eine von euch zu vergewaltigen?« »Schnell weglaufen«, rufen drei Mädchen wie aus einem Munde.

»Und du?«, fragt die Direktorin die kleine Maria.

»Ich würde erst mal stehenbleiben«, sagt sie.

»Und dann?«

»Den Rock hochheben.«

»So, so ... und dann?«

»Dem Mann die Hose herunterziehen.«

»Ja, und dann?«

»Dann würde ich ausprobieren, wer von uns beiden schneller laufen kann .«

In dem Jahrzehnt zwischen 1959 und 1969 überstürzten sich die gesellschaftspolitischen Ereignisse. In Berlin wurde 1961 die Mauer, die »Schandmauer«, gebaut. Zwölf Monate danach waren 12 316 Menschen unter Lebensgefahr aus der DDR in die Bundesrepublik geflohen. Auf solche Tatbestände, auf alles, was den Frieden störte, reagierte der westdeutsche Witzbold nicht. Nur die Reibungsflächen im privaten Umkreis regten ihn an, und wenn ihn schon einmal ein politisches Ereignis inspirierte, musste es mit dem Angenehmen und Nützlichen verbunden sein.

Etwa mit der Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich, die Adenauer 1963 im Jahr seines Rücktritts als Bundeskanzler zusammen mit de Gaulle gelang. Der französische Staatspräsident war damals eine weltweit bekannte Persönlichkeit der politischen Bühne, und als er 1963 die Bundesrepublik besuchte und die Deutschen ein »großes Volk« nannte, jubelte das ganze Land. Irgendeine pfiffige Spottdrossel widmete dem hochgewachsenen General, den in Frankreich jedes Kind kannte, folgenden Witz:

General de Gaulle, 72 Jahre alt, schreitet am Pariser Triumphbogen die Front alter französischer Kriegshelden ab. Plötzlich stutzt er, bleibt vor einem Veteranen mit hochgezwirbeltem Schnurrbart stehen und betrachtet ihn lange. Dann tippt er dem hochdekorierten Greis mit dem Zeigefinger auf die Brust und sagt: »Verdun 1916.« »Oui«, antwortet der Veteran. »Erste Division, drittes Regiment.« »Oui.«

»Viertes Bataillon, zweite Kompanie.« »Oui.«

»Erster Zug, rechter Flügelmann. Korporal Mombour.« »Mensch, de Gaulle!«, ruft da der alte Soldat begeistert.

Vielleicht brachte diesen Witz ein deutscher Tourist mit nach Hause. Denn in den sechziger Jahren wurden auch Paris, die Cote d'Azur, die Bretagne zu beliebten Urlaubszielen der westdeutschen Wirtschafts-Wunderkinder. Galante Französinnen und Franzosen tauchten als Spielfiguren in Witzen auf, die für den Deutschen oft wenig schmeichelhaft waren. Der teutonische Biedersinn holte sich darin eine Abfuhr.

Ein deutscher Tourist kommt in einem Pariser Bistro mit einem gutaussehenden Franzosen ins Gespräch. Nach dem vierten Kognak stellt er die Fragen aller Fragen: »Ihr Franzosen habt ja so einen unwahrscheinlichen Erfolg bei den Weibern. Wie macht ihr das eigentlich, wenn ihr eine Frau verführen wollt?« »Das Vorspiel ist wichtig«, sagt der Franzose. »Bevor ich mit einer Frau ins Bett gehe, öffne ich ihr Kleid, schütte Champagner in die Mulden ihrer Schlüsselbeine und trinke ihn daraus. Danach knöpfe ich das Kleid etwas weiter auf, gieße Champagner über ihre Brüste und schlürfe ihn. Und dann lege ich ihren Bauchnabel frei, gieße Champagner nach und .«

»Moment!«, unterbricht der Deutsche da, »geht das auch mit Bier?«

In einem Restaurant in Nizza sitzt ein Deutscher beim Mittagessen, der die Landessprache nicht versteht. Ein Franzose nimmt an seinem Tisch Platz, verbeugt sich leicht und wünscht: »Bon appetit.« Der Deutsche glaubt, sein Tischnachbar wolle sich vorstellen. Er springt auf, deutet eine Verbeugung an und sagt: »Obermeier.«

Am nächsten Mittag wiederholt sich die Szene. Der Deutsche isst seine Muscheln, derselbe Franzose kommt herein, setzt sich und sagt: »Bon appetit.« Wieder springt der Deutsche auf und stellt sich mit »Obermeier« vor.

Am Abend trifft Obermeier einen Freund, der die französische Sprache beherrscht. Er erzählt ihm, dass er beim Mittagessen einem Franzosen begegnet sei, der sich ihm zweimal als »Bon appetit« vorgestellt habe.

»Der hat sich nicht vorgestellt«, sagt der Freund, »er hat dir >guten Appetit< gewünscht.«

Tags darauf — zur selben Zeit, im selben Restaurant — sitzt der Franzose am Tisch und verspeist einen Lammrücken. Der

Deutsche kommt hinzu, setzt sich und wünscht lächelnd: »Bon appetit.«

Da springt der Franzose auf, verbeugt sich und sagt: »Obermeier.«

Ein Facharbeiter aus Bielefeld macht Urlaub in Paris. Als er 14 Tage später in seine Kneipe kommt, warten seine Zechkumpane bereits ungeduldig am Stammtisch.

»Nun erzähl mal«, sagen sie wissbegierig, »wie war's in Paris?

Jede Menge nackte Weiber gestemmt, was?«

Der Urlauber nickt. »Eine hatte ich«, berichtet er, »der hab ich im Cafe nur tief in die Augen geschaut, da saß sie auch schon an meinem Tisch und machte mich an.«

»Ja und?«

»Dann haben wir was gegessen.« »Ja und weiter?«

»Dann sind wir zu ihr nach Hause gegangen.« »Und dann?«

»Dann kam sie in einem Neglige ins Zimmer. So was Dünnes, Durchsichtiges — toll sage ich euch.« »Ja und?«

»Dann haben wir zusammen eine Flasche Champagner getrunken.« »Und?«

»Danach habe ich ihr das Neglige ausgezogen.« »Ja und dann?«

»Dann war alles so wie in Bielefeld .«

3,7 Millionen Deutsche reisten 1960 über die Grenzen ins Ausland; nach wie vor folgten die »Reiseweltmeister« mit Vorliebe dem gesungenen Lockruf: »Komm ein bisschen mit nach Italien.« Am blauen Mittelmeer, am »Teutonen-Grill«, wo gut geschulte Papagalli ihre Netze auswarfen und deutsche Blondinen an Land zogen, sammelten sie wundersame Erinnerungsstücke ein. Die bauchigen Korbflaschen zum Beispiel, aus denen sich die Urlauber den damals noch billigen Chiantiwein einschenkten.

Wieder daheim ließen sie blaues, gelbes und rotes Kerzenwachs auf die Bastschürzen der Flaschen tropfen. Die wächsernen Gebilde, die wie die Zapfen in einer Tropfsteinhöhle aussahen, fanden ihren Platz im dekorativen Zierat der Partykeller, wo sie nicht ohne Stolz dem Besuch vorgezeigt wurden. Dort saßen die braungebrannten Urlauber am selbstgebauten Mini-Tresen und erzählten ihren Gästen Witze, die sich über deutsche Urlauber lustig machten.

Ein kunstsinniger Urlauber geht durch die Straßen Roms und begegnet einer Gruppe deutscher Touristen. Er hält an und fragt einen Landsmann: »Können Sie mir sagen, wie ich von hier aus zur Laokoon-Gruppe komme?«

»Leider nein«, antwortet der Befragte, »wir sind mit Neckermann hier.«

Ein Deutscher, der in der Toskana Urlaub gemacht hat, trifft nach seiner Rückkehr einen Freund.

»Na, wie war's denn so?«, fragt er.

»Ziemlich unruhig.«

»Wieso denn unruhig?«

»Du, wir hatten die Zimmernummer 100, und die 1 war von der Tür gefallen.«

Herr Küpper lässt sich die Haare schneiden und wird von seinem Modefriseur gefragt: »Wie geht es Ihnen, gibt's was Neues?« »Mir geht's glänzend«, sagt Küpper, »ich fahre Anfang der Woche für zwei Wochen auf Urlaub nach Rom. Zu den Sehenswürdigkeiten, die mich dort erwarten, gehört auch der Papst — ich habe sogar eine Audienz bei ihm.« »Beim Papst? Im Ernst?« »Ganz im Ernst. Mit Einladung.« »Wann fahren Sie denn los, Herr Küpper?« »In vier Tagen.«

Der Friseur schüttelt bekümmert den Kopf: »Wenn Sie Termine in Rom haben, fahren Sie lieber zwei Tage früher«, sagt er dann. »Die italienische Eisenbahn ist unglaublich unzuverlässig. Und nehmen Sie sich was zu essen mit, der Speisewagen ist sündhaft teuer. Ach, und noch eins: In Rom heißt es aufgepasst! Sonst klaut man Ihnen im Handumdrehen Ihr ganzes Gepäck. Sind Sie denn gut untergebracht?«

»Ich wohne in einem Viersternehotel«, sagt Küpper. »Das hat nichts zu bedeuten«, meint der Friseur, »die meisten Hotels in Rom sind laut, ungepflegt und viel zu teuer. Und was die Papst-Audienz angeht, Herr Küpper, da machen Sie sich mal auf was gefasst. Da stehen mindestens 2 000 Leute Schlange, vermutlich kommen Sie gar nicht mehr dran.« Vier Wochen später sitzt Herr Küpper wieder bei seinem Friseur, und der will natürlich genau wissen, wie es ihm im Urlaub gefallen hat.

»Toll!«, sagt Küpper. »Ich hatte nichts auszusetzen. Die Eisenbahn war pünktlich auf die Minute. Im Speisewagen habe ich gut und preiswert gegessen, und mein Hotel war ruhig, sauber und billig. Geklaut wurde mir auch nichts.« »Hm. Und wie war die Audienz beim Papst?« »Ergreifend«, sagt Küpper, »ich war ganz allein mit ihm, und zur Begrüßung habe ich mich hingekniet und dem Papst den Ring geküsst.«

»Das ist ja erstaunlich. Und hat er mit Ihnen geredet?« »O ja«, antwortet Küpper, »er hat mir die Hand auf den Kopf gelegt und gesagt: Wer hat Ihnen denn bloß so miserabel die Haare geschnitten, Herr Küpper?«

Die folgende Papst-Anekdote wird Adenauer zugeschrieben. Als man im Bundeskanzleramt überlegt, mit wem man den Posten des deutschen Botschafters im Vatikan besetzen soll, wird auch der SPDAbgeordnete Heiland vorgeschlagen. Adenauers Kommentar: »Mehr kann der Papst ja wirklich nicht verlangen ...«

Gegen Ende des Jahrzehnts nahmen die Kirchenaustritte rapide zu. Gleichzeitig wurden die Gesetze liberaler. Eine Strafrechtsreform bestimmte: Homosexualität und Ehebruch sind nicht mehr strafbar, auch die Gotteslästerung ist in der Bundesrepublik kein strafbarer Tatbestand mehr.

Die Witzemacher nahmen sich den Katholizismus und kirchliche Würdenträger vor, von denen einige noch zu einem Zeitpunkt gegen eine zweigeteilte Kleinigkeit wie den »Bikini« wetterten, da Rudi Gernreichs Mannequins ihre besseren Hälften an den Stränden längst »oben ohne« vorgeführt hatten. Noch 1967 verfluchte der Bischof von Valparaiso den »Bikini« mit den Worten: »Wer das Teufelsding trägt, wird vom Empfang der heiligen Sakramente ausgeschlossen.«

Frage: »Was ist ein katholischer Priester?«

Antwort: »Ein Mann, zu dem alle Vater sagen dürfen, nur nicht seine Kinder.«

Zwei ehemalige Klassenkameraden, die sich nicht riechen können, aber beide Karriere gemacht haben, treffen sich zufällig auf dem Bahnsteig. Der eine ist Admiral geworden und trägt eine mit Orden geschmückte Uniform. Der andere hat es zum Kardinal gebracht, sein Bauch ist umfangreicher als der einer Schwangeren im neunten Monat. Sagt der Kardinal zum Admiral: »Entschuldigung, Herr Bahnhofsvorsteher, können Sie mir sagen, wann der nächste Zug nach Heidelberg kommt?«

»Das kann ich Ihnen genau sagen, gnädige Frau«, antwortet der Admiral, »aber in Ihrem Zustand würde ich besser zu Hause bleiben.«

Im Zoo braucht ein riesiges Orang-Utan-Weibchen dringend einen Liebhaber, aber es gibt weit und breit keinen männlichen Orang-Utan. Da geht der Zoo-Direktor zu seinem stabilsten Wärter und bittet ihn, dem Orang-Utan-Weibchen den Gefallen zu tun. Nach reiflichem Uberlegen sagt der Mann: »Also gut, Herr Direktor, ich mache das. Aber ich stelle drei Bedingungen. Erstens: zweitausend Mark Honorar. Zweitens: vier Wärter müssen das Orang-Utan-Weibchen festhalten. Und die dritte und wichtigste Bedingung: Die Kinder müssen katholisch getauft werden.«

Und noch ein Papstwitz:

Der berühmte Tanzorchester-Dirigent Perez Prado kommt in den Vatikan und bittet um eine Audienz beim Papst. Er wird von einem Büro zum anderen geschickt, aber überall wird ihm sein Wunsch abgeschlagen. Trotzdem kann Prado bis zum Vorzimmer des Papstes vordringen, wo ihm ein hoher Beamter erklärt, auch er könne seine Bitte um eine Audienz nicht erfüllen. »Schade«, sagt der Bandleader, »ich wollte Ihrem Chef eigentlich nur eine persönliche Spende von einer Million Dollar überreichen.«

In diesem Moment geht die Tür auf, der Papst kommt im Tanzschritt herein, wiegt sich in den Hüften und singt: »Papa tanzt Mambo ...«

Der Papst ist eine Institution, die Witzemacher geradezu provoziert. Wir haben noch zwei Papstwitze ausgewählt. Aber das sollen nun die letzten sein:

Der Papst möchte auf seinen zahlreichen Reisen auch zum ersten Mal Israel und damit das »Heilige Land« besuchen. Er schickt auf diplomatischem Wege eine entsprechende Anfrage nach Tel Aviv. Die Israelis stimmen nach einigem Zögern zu. Schwierigkeiten bereitet ihnen allerdings der Wunsch des heiligen Vaters, einen Kranz am »Grabmal des unbekannten Soldaten« niederzulegen. »Wir sollten ihm sagen, dass wir so etwas gar nicht haben«, wird im Kabinett gefordert. Andere Minister wenden ein, man solle doch einen Besuch, der ohnehin so delikat und belastet sei, nicht mit solchen Details beschweren.

»Erklären wir doch einfach ein repräsentatives Grab dazu«, schlagen sie vor.

Nach langer Debatte wird es so beschlossen. Eine besonders prächtige Grabanlage wird ausgewählt. Der Papst reist an, im Programm ist auch die gewünschte Kranzniederlegung eingeplant. Die Gastgeber haben nur nicht daran gedacht, dass der heilige Vater auch Hebräisch versteht und lesen kann.

»Das war doch gar nicht das Grabmal des unbekannten Soldaten«, beschwert er sich nach der Aktion beim Protokollchef der

Gastgeber. »Auf dem Grabstein stand doch, dass dort ein Kaufmann mit Namen Aaron Goldmann begraben liegt...« »Das stimmt, heiliger Vater«, erklärt der Protokollchef, »aber ich kann Ihnen versichern: Als Soldat war der völlig unbekannt.«

Der heilige Vater besucht auf seinen vielen Reisen auch Kanada und macht einen Ausflug ins Land, nur von einem Chauffeur begleitet. Sie fahren über endlose Autostraßen und durch öde Landschaften.

Plötzlich sagt der Papst zu seinem Fahrer: »Lassen Sie mich doch mal ein Stück fahren, dazu habe ich ja sonst nie Gelegenheit. Sie können sich ja eine Weile nach hinten setzen.« Die beiden wechseln die Plätze, und der Chauffeur zieht auf dem Rücksitz seine Mütze über die Augen und schläft sofort ein. Der Papst beschleunigt das Tempo und ist bald schneller, als die Polizei erlaubt. Eine Streife mit Blaulicht überholt die Limousine und hält sie an.

Ein Polizist blickt ins Auto, stutzt, fixiert den Papst am Steuer und eilt zu seinem Dienstwagen, um seinen Vorgesetzten anzurufen.

»Ich brauche Rat«, sagt er, »ich habe gerade einen Prominenten beim zu schnellen Fahren erwischt.« »Egal, er muss zahlen!«

»Dieses ist aber ein besonders heikler Fall...«

»Und wenn es der Verkehrsminister wäre, er zahlt Strafe. Wer ist es denn?«

»Das weiß ich nicht«, antwortet der Polizist, »aber er hat den Papst als Fahrer.«

Es gab religiöse Witze in den sechziger Jahren, die über die Stellvertreter Gottes auf Erden hinausgingen, ein paar Etagen höher stiegen und sich mit ihren Pointen vor den Pforten des Himmels niederließen. Hier wachte der heilige Petrus.

Fritz Kneifel klopft an der Himmelstür an und bittet Petrus um Einlass. Der schaut in seinen Unterlagen nach und winkt ab. »Ich kann Sie hier nicht reinlassen, Herr Kneifel«, sagt Petrus, »Sie haben jemanden umgebracht.« »Umgebracht nennen Sie das? Also das wüsste ich aber. Soll ich Ihnen mal erzählen, wie das in Wirklichkeit war? Also das war so: Heute Mittag ruft mich jemand im Büro an und sagt: >Ihre Frau betrügt Sie gerade. Und zwar in Ihrem eigenen Schlafzim-mer.< Ich rase nach Hause, und was sehe ich? Meine Frau liegt nackt im Ehebett, was ungewöhnlich ist für die Mittagszeit. Aber niemand ist bei ihr. Zufällig werfe ich einen Blick durchs Fenster, und was sehe ich? Ein junger Mann kommt halbnackt aus dem Haus und zieht sich im Vorgarten seine Klamotten an. Da bin ich durchgedreht, in die Küche gerannt, hab mir den Kühlschrank gepackt und ihn von oben auf den Mann geworfen. Ich sah noch, dass ich ihn getroffen hatte, dann ereilte mich der Herzinfarkt. Also wenn Sie das umbringen nennen ...«

In diesem Moment klopft jemand erneut an die Himmelspforte. Ein junger Mann steht draußen und bittet um Einlass. »Nanu«, sagt Petrus, »Sie sind ja noch sehr jung. Was ist denn mit Ihnen passiert?«

»Das frag ich mich auch«, sagt der Mann. »Ich hab mich heute in der Mittagspause etwas hingelegt und verschlafen. Da bin ich in Windeseile aus dem Haus gelaufen, hab mir im Vorgarten meine Sachen angezogen, und wie ich da so stehe, wirft mir von oben jemand doch wahrhaftig 'n Kühlschrank auf den Kopf...« Wieder klopft es, wieder steht ein Mann vor der Tür und möchte in den Himmel.

»Was ist los?«, fragt Petrus. »Wie kommen Sie denn hierher?« »Das weiß ich auch nicht«, sagt der Mann, »ich sitze da heute mittag ganz ruhig in meinem Kühlschrank ...«

Dem Zoowärter und seiner Partnerin wäre die erwünschte Paarung vermutlich leichtergefallen, wenn ihm der Direktor an Stelle des liebeshungrigen Orang-Utan-Weibchens die Schimpansin Washoe angeboten hätte. Zwei amerikanische Wissenschaftler hatten dem klugen Tier 1967 die Zeichensprache mit mehreren Dutzend Zeichen und satzartigen Kombinationen beigebracht. Mit Washoe hätte sich der Wärter nach dem Erlernen der Zeichensprache also verständigen können. Seltsamerweise fiel den Witzbolden zu solchen Ereignissen nichts ein. Auch zwei weitere sonderbare Nachrichten aus den USA inspirierten sie nicht. Statistiker hatten Ende der sechziger Jahre ermittelt, dass rund 20 Millionen Einwohner in Amerika ohne Zähne durchs Leben gingen. Außerdem fanden sie heraus: In gestörten Ehen haben Frauen mit Rheumatismus mit hoher Wahrscheinlichkeit magenkranke Männer.

Christian N. Barnaard gelang 1967 in Kapstadt die erste Herzverpflanzung. Darüber wurden keine Witze gemacht - es sei denn, sie sind verschollen. Und als der Astronaut Neil Armstrong mit den Worten: »Das ist ein kleiner Schritt für den Menschen, aber ein großer für die Menschheit« als Erster den Mond betrat, fiel nur einem westdeutschen Schlagertexter etwas Komisches ein.

Die Fahrt zum Mond hat sich gelohnt drum weiß die Wissenschaft im Grunde ganz gewissenhaft dass sich die Fahrt zum Mond nicht lohnt drum hat die Fahrt zum Mond sich schließlich doch gelohnt.

In Bonn kam die große Koalition mit Kiesinger als Bundeskanzler zustande - Beate Klarsfeld verpasste ihm eine Ohrfeige, weil sie ihn für einen »alten Nazi« hielt. Kein Witz! Aber als in der Bundesrepublik eine unerwartete wirtschaftliche Rezession mit Arbeitslosigkeit und Haushaltskrise einsetzte, durfte aus gegebenem Anlass noch einmal »Frau Wirtin« ihre Meinung sagen:

Frau Wirtin war auch mal in Bonn doch hatte sie nicht viel davon denn in dem ganzen Bundestage stand niemandem der Sinn nach ihr so ernst war dort die Lage.

Den Ernst der innenpolitischen Lage wusste auch ein Stahlarbeiter des »Hoesch«-Konzerns richtig einzuschätzen, als er sich mit einem Franzosen und einem Amerikaner über gewisse Qualitäten ihrer Ehefrauen unterhielt:

Der Franzose gibt an: »Wenn ich meine Hände um die Taille meiner kleinen Yvonne lege, dann berühren sich die Fingerspitzen meiner rechten und linken Hand. Und das liegt nicht etwa daran, dass ich zu große Hände habe, sondern daran, dass meine Yvonne eine so entzückend schmale Taille hat.« Der Amerikaner erzählt: »Wenn meine Joan morgens auf dem Pony durch unsere Wiesen reitet, dann berühren ihre Fußspitzen das taufeuchte Büffelgras. Und das liegt nicht etwa daran, dass wir so kleine Ponys haben, sondern weil meine Joan so wunderbare lange Beine hat.«

Der Stahlarbeiter überlegt und sagt dann: »Wenn ich morgens zur Arbeit gehe und meiner Gertrud zum Abschied feste auf den Hintern schlage, dann wackelt der so lange, bis ich von der Arbeit zurück bin. Und das liegt nicht etwa daran, dass meine Frau einen besonders strammen Hintern hat, sondern weil wir bei >Hoesch< eine so kurze Arbeitszeit haben ...«

Es war die Zeit, da sich an den westdeutschen Universitäten die Außerparlamentarische Opposition (APO) formierte. Die dort versammelten Studenten stellten die Errungenschaften des Wirtschaftswunders in Frage und forderten radikal politische Reformen. Die von Rudi Dutschke angeführten APO-Genossen machten sich auf die von ihnen nicht mehr anerkannten Führungskräfte und Autoritäten ihre eigenen witzigen Reime:

»Unter den Talaren der Muff von 1000 Jahren.«

Der Titel des erfolgreichen Films >Zur Sache, Schätzchen< wurde zu einem gegen Klaus Schütz, den Regierenden Bürgermeister von Berlin, gerichteten Slogan umgedichtet:

»Zur Sache, Schützchen, nimm Dein Mützchen.«

Und die in Wohngemeinschaften wie der Kommune 1 zusammengerückten Kommunarden gaben die Parole aus:

»Wer zweimal mit derselben pennt gehört schon zum Establishment.«

Vielleicht war dieser spöttische Zweizeiler aber auch eine Erfindung der Gegner.

Als sich die APO zurückzog und ihre Anhänger zu jenem »langen Marsch durch die Institutionen« aufforderte, mit dem sie die Bastionen der Mächtigen unterminieren wollten, wurden ihnen Witze nachgereicht. Sie machten sich vor allem über den schwer verständlichen Soziologenjargon der Revolutionäre lustig. Der Jargon hörte sich so an:

Ein Soziologenteam befragte 600 Arbeiter eines Hüttenwerks und kam zu folgendem Ergebnis: »Alle Arbeiter, mit denen wir gesprochen haben und die überhaupt ein Gesellschaftsbild entwickeln, sehen die Gesellschaft als unabwendbare oder abwendbare, unüberbrückbare oder >partnerschaftlich< zu vermittelnde Dichotomie . Arbeiterbewusstsein und Dichoto-mie-Vorstellung sind aneinander gebunden.« (Dichotomie = Verzweigung, Zweiteilung.)

Andere Angriffsziele waren die antiautoritäre Kindererziehung und die Diskussionssucht der Alternativen.

Die Kindergärtnerin macht eine Eignungsprüfung mit der vier Jahre alten Tochter eines Politologen und sagt: »Nenn mir doch bitte einige Wörter, die dir gerade einfallen.«

Da wendet sich das Kind an seine Mutter: »Was meinst du, Mama, möchte die Tante einige konsequent logisch konstruierte Sätze hören oder nur ein paar ganz schlichte, irrelevante Bemerkungen?«

Ein antiautoritäres Ehepaar will beim Standesamt das neugeborene Kind anmelden.

»Junge oder Mädchen?«, fragt der Standesbeamte.

Antwort des Vaters: »Das soll doch das Kind, bitte schön, später selber entscheiden.«

Zwei Alternative treffen sich auf der Straße. »Kannst du mir sagen, wie ich zum Bahnhof komme?« »Nein, das weiß ich leider auch nicht. Aber es ist ganz wichtig, dass wir darüber geredet haben!«

Für eine bezeichnende Bemerkung im antiautoritären Kindergarten war auch der Kindermund zuständig:

»Mutti?« »Was ist?«

»Müssen wir heute wieder tun, was wir wollen?«

Eine eigentümliche Spezies von Witzen hatte damals mit Leuten zu tun, die sich bei Konzernherren oder Mafiabossen um einen hochdotierten Job bewerben. Gemeinsam war ihnen die ausgefallene Struktur und ein Angebot an Pointen, die eher mit dem bizarren angelsächsischen als mit dem deutschen Humor zu tun hatten.

Ein Mann mit glänzenden Zeugnissen und imponierendem Auftreten hat sich bei Neckermann um den Posten eines Abteilungsleiters beworben. Der Konzernchef empfängt ihn in seinem Büro persönlich und meint entgegenkommend: »Von allen Bewerbungen war Ihre die beste, Herr Lankhaus.« »Danke, Herr Nackermann«, sagt der Bewerber. Der Chef runzelt die Stirn. »Verzeihung«, reagiert er, »ich heiße Neckermann, nicht Nackermann.«

Herr Lankhaus entschuldigt sich wortreich und folgt dem Konzernherrn in einen Saal, wo sich die Führungskräfte der Firma versammelt haben. Neckermann stellt den Bewerber vor und teilt seinen Abteilungsleitern mit, dass er Herrn Lankhaus für geeignet halte, die ausgeschriebene Stelle zu besetzen. »Schönen Dank für Ihr Vertrauen, Herr Nackermann«, sagt der Bewerber, »ich werde Sie nicht enttäuschen.« Die Führungsriege erstarrt. Sichtlich verärgert bittet der Chef Herrn Lankhaus vor die Tür. »Hören Sie«, sagt er dort, »ich heiße Neckermann und nicht Nackermann. Das sage ich Ihnen jetzt zum letzten Mal.«

Wieder entschuldigt sich der Bewerber; nach einem Rundgang durch die Firma geht Neckermann mit ihm in die Kantine. Dort lässt er Mokka mit Kognak servieren, die beiden prosten sich zu, und als Lankhaus seinen Schwenker abstellt, sagt er begeistert: »Der Kognak ist ganz vorzüglich, Herr Nackermann.« Der Firmenchef erbleicht. »Lassen Sie sich Ihre Unterlagen geben und verschwinden Sie«, knurrt er, »aber ein bisschen plötzlich, wenn ich bitten darf.«

Herr Lankhaus sucht das Weite. Als er zu Hause ankommt, steht seine Frau vor der Tür und fragt: »Na, wie war's, Schatz?« »Wie soll's gewesen sein?«, antwortet Lankhaus mürrisch. »Derselbe Scheiß wie bei Qualle ...«

Ein Industriekonzern will den Posten des Personalchefs neu besetzen. Aus der Fülle der Angebote hat der Firmenchef drei Bewerber ausgesucht, die er persönlich begutachten will. Der erste kommt, die Sekretärin dirigiert ihn ins Büro des Chefs. Nach kurzem Wortgeplänkel fragt der Konzernherr unvermittelt: »Wenn Sie mich einmal genauer ansehen, fällt Ihnen da etwas auf?«

Der Bewerber fixiert sein Gegenüber aufmerksam und sagt nach einer Weile: »Sie tragen einen Kaschmir-Anzug und eine teure Uhr von Cartier. Ihr linkes Auge ist von einem etwas helleren Blau als das rechte. Und Sie haben keine Ohren.« »Schönen Dank«, sagt der Chef, er entlässt den Bewerber mit den Worten: »Sie werden bald von uns hören.«

Der zweite kommt ins Büro und wieder stellt der Konzernherr die Frage: »Wenn Sie mich einmal genauer ansehen, fällt Ihnen da etwas auf?«

Der Bewerber blickt sein Gegenüber lange an und sagt schließlich: »Sie tragen ein Toupet, maßgeschneiderte Hemden, und Sie haben keine Ohren.«

»Sehr gut beobachtet«, sagt der Chef, »Sie werden bald von uns hören.«

Der dritte Bewerber ist ein gutaussehender Mann, den die Sekretärin gern in ihrer Nähe haben würde. Also gibt sie ihm den Rat: »Wenn der Chef Sie nach seinen besonderen Merkmalen fragt, sagen Sie ihm bloß nicht, dass er keine Ohren hat. Das kann er nämlich nicht leiden. Und noch ein Tip: Er trägt Haftschalen.« Dermaßen gewarnt, betritt der Mann die Höhle des Löwen. Und als der Chef seine stereotype Frage stellt, antwortet der Mann, ohne zu zögern: »Sie tragen einen Platinring mit sechs Brillanten, eine Krawatte von Armani und sehr gut geschliffene Haftschalen.« »Donnerwetter«, sagt der Konzernherr, »Sie können bei uns anfangen, ich gratuliere. Aber eine Frage habe ich noch: Wie sind Sie darauf gekommen, dass ich Haftschalen trage?« »Ganz einfach«, sagt der dritte Bewerber. »Wenn Sie Ohren hätten, würden Sie vermutlich 'ne Brille tragen.«

Der Boß einer Rauschgift-Mafia sucht einen neuen Leibwächter, der es nicht nur in den Fäusten, sondern auch im Kopf hat. Drei Bewerber stellen sich nacheinander vor.

Der erste wird vom Boß ohne Umschweife gefragt: »Was war bis jetzt Ihre größte berufliche Leistung?«

»Ich habe in einer Nacht in Süditalien 14 Mitglieder der >Cosa Nostra< umgenietet.«

»Sehr schön«, sagt der Mafia-Chef, »und wie viel Buchstaben hat das Alphabet?«

»Sechsundzwanzig.«

»Hervorragend!«, sagt der Boss und verabschiedet den Bewerber. »Sie werden in den nächsten Tagen von uns hören.« Der zweite stellt sich vor und wird gefragt: »Was war bisher Ihre größte berufliche Leistung?«

»Ich habe in der vergangenen Woche 20 Mitglieder einer Konkurrenz-Gang mit einem Flammenwerfer plattgemacht.« »Gute Arbeit«, sagt der Boss, »und wie viel Buchstaben hat das Alphabet?« »Sechsundzwanzig.«

»Bravo, Mann! Sie werden von uns hören.«

Der dritte Bewerber ist ein unauffälliger Mann mit klugen

Augen. Auf die Frage nach seiner größten Leistung antwortet er:

»Ich habe in einer Nacht ohne fremde Hilfe 26 Kaufhäuser niedergebrannt.«

»Toll«, sagt der Boss, »und wie viel Buchstaben hat das Alphabet?«

»Vierundzwanzig.«

»Leider falsch. Wie kommen Sie auf vierundzwanzig?« »C&A gibt es nicht mehr...«

Solche skurrilen Fundsachen wurden im anderen Teil Deutschlands nur selten angeboten. In der DDR dominierten nach wie vor die ausgekochten, zielsicheren Witze über die politische Führung, den Staatssicherheitsdienst oder die wirtschaftliche Notlage.

Honecker liegt am Ostseestrand, und mit der Morgenröte steigt die Sonne auf.

»Guten Tag, liebe Sonne«, sagt Erich.

»Guten Tag, Herr Staatsratsvorsitzender«, sagt die Sonne, »ich wünsche Ihnen einen erholsamen Tag, Herr Staatsratsvorsitzender!«

»Das ist aber freundlich von dir, liebe Sonne«, sagt Erich, »das ist sehr freundlich, dass du mir einen erholsamen Tag wünschst.« »Ich danke Ihnen, sehr geehrter Herr Staatsratsvorsitzender«, sagt die Sonne.

Am Abend, als die Sonne untergeht, schaut Erich ihr nach und sagt: »Vielen Dank, liebe Sonne, ich hatte einen angenehmen Tag!«

»Ach, Mann!«, sagt die Sonne. »Leck mich am Arsch, jetzt bin ich im Westen!«

Else Möller schreibt aus Ostberlin einen Brief an ihre in Köln lebende Tante Hanni.

»Liebe Hanni, die Vorbereitungsphase läuft. Bitte, schick uns doch wie im letzten Jahr drei Handgranaten und ein Kilogramm Sprengstoff mit Zündschnüren. Wir bereiten alles vor. Schöne Grüße. Deine Else.«

Im Frühjahr kommt wieder ein Brief an Tante Hanni. »Meine Liebe, die Vorbereitungsphase 1 ist abgeschlossen. Der Staatssicherheitsdienst hat den ganzen Garten umgegraben. Jetzt kannst Du uns die Tulpenzwiebeln schicken .«

Zwei Vettern, der eine aus Ost-, der andere aus Westdeutschland, haben sich in Berlin getroffen. Zum Abschied sagt der »Wessi«: »Du könntest mir eigentlich mal schreiben, wie es dir geht und wie bei euch so die Lage ist.«

»Das wird schwer sein«, meint der »Ossi«, »bei uns geht alle Post durch die Zensur.«

»Das macht nichts«, sagt der Vetter aus dem Westen, »wenn alles o.k. ist, schreibst Du mit schwarzer Tinte, wenn es Probleme gibt, schreibst Du dasselbe in Grün.«

Wochen später erhält der »Wessi« einen Brief in schwarzer Tinte: »Hier ist alles wunderbar. Unserem Land geht es immer besser. Die Menschen sind glücklich und man kann kaufen, was man will. Butter, Eier, Apfelsinen, frischen Fisch — nur leider keine grüne Tinte.«

Auch Radio Eriwan diente den Spöttern aus der DDR weiterhin als Quelle für pfiffige Gebrauchsanweisungen.

Anfrage an Radio Eriwan:

»Stimmt es, dass dem Kosmonauten Gagarin auf dem Roten Platz ein rotes Auto überreicht worden ist?«

Antwort:

»Im Prinzip ja. Nur handelte es sich nicht um den Kosmonauten Gagarin, sondern um einen Arbeiter gleichen Namens. Und es geschah nicht in Moskau, sondern in Kiew. Es war auch nicht ein Auto, sondern ein Fahrrad, das ihm gestohlen wurde.«

Anfrage an Radio Eriwan:

»Was wäre eigentlich passiert, wenn statt Kennedy Ulbricht erschossen worden wäre?«

Antwort:

»Eine etwas abwegige Frage. Aber eines ist gewiss: Onassis hätte die Witwe nicht geheiratet.« Anfrage an den Sender Jerewan:

»Was passiert, wenn der Sozialismus in der Sahara eingeführt wird?«

Antwort:

»Die ersten zehn Jahre passiert gar nichts. Und dann wird allmählich der Sand knapp.«

Von 1959 bis 1969 war Heinrich Lübke Bundespräsident der Republik. Viele faule Witze wurden über ihn gemacht, aber komischer war noch, was der prominente Sauerländer - speziell in seiner zweiten Amtsperiode - selber von sich gab.

1966 zum Auftakt seines Besuches in Madagaskars Hauptstadt Tananarive begann der deutsche Gast:

»Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Frau Tananarive ...«

Im Ostasiatischen Verein in Hamburg erläuterte er 1964, was man zu Indonesien wissen muss:

»Indonesien besteht aus Inseln, die liegen teils nördlich, teils südlich vom Äquator, und dazwischen ist eine Menge Wasser.«

Zur Eröffnung der Bundesgartenschau in Essen 1965 versicherte er:

»Wir wollen uns freuen, an diesem Tag hier gewesen zu sein, wo wir, wenn das Wetter nicht ganz ausreicht, die Gartenschau im Saale miterleben.«

Ebenfalls 1965 redete er in Kassel vor der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Chorverbände:

»Die Nachwuchskrise, unter der viele Gesangvereine leiden, muss daher als ein Symptom verstanden werden, das erst mit anderen Zeiterscheinungen zusammengenommen ein Bild von der inneren Situation unseres Volkes ergibt.«

Und bei der Eröffnung des Hauses der Ruhrfestspiele in Recklinghausen 1965 fragte er:

»Könnte nicht in unseren Familien der gemeinsamen Dichterlesung wieder mehr Raum gegeben werden?«

Über Günter Grass urteilte er 1964:

»Der schreibt so unanständige Dinge, über die nicht einmal Eheleute miteinander sprechen.«

Als das Jahrzehnt zu Ende ging, war in Westdeutschland ein Mann populär, der die sexuellen Tabus zügig aus dem Wege räumte und die Liebespaare in Wort und Bild darüber aufklärte, dass ihre Praktiken nicht der Weisheit letzter Schluss seien: Oswald Kolle, der Trainer für Leibesübungen aller Art.

1969 stellte er der Freiwilligen Selbstkontrolle in Wiesbaden seinen Film >Dein Mann, das unbekannte Wesen< mit der Bitte um Freigabe vor. Die verantwortliche Kommission glaubte ihren Augen nicht zu trauen, als sich auf der Leinwand ein Penis blicken ließ, der sich standhaft dem Ziel seiner Wünsche näherte.

»Das kommt ohne Schnitte nicht ins Kino«, entrüsteten sich die männlichen Prüfer. Nur die einzige Frau des Gremiums bestand darauf: »Der Schwanz bleibt drin!« Sie konnte sich durchsetzen.

Nach der Sitzung wurde Volksaufklärer Kolle von einem Mitglied der Kommission folgendermaßen getadelt: »Sie wollen wohl die ganze Welt auf den Kopf stellen. Jetzt soll die Frau schon oben liegen ...« Auch so entstehen Witze.

Das Letzte

Lieber locker vom Hocker als hektisch am Ecktisch.

Frage an Radio Eriwan:

»Was ist das Beste an der Muttermilch?«

Antwort: »Die Verpackung!«

»Wollen wir nicht mal eine Orgie feiern?«

»Wie viele Teilnehmer haben Sie denn zusammen?«

»Wenn Ihre Frau mitmacht, sind wir drei.«

»WarIhr Sohn mal Schlosser?« »Nein, warum?«

»Er guckt nach jeder losen Mutter.« Lieber arm dran als Bein ab.